19.10.2026 | 05:23
E.ON, Standard Uranium, Energy Fuels – Uran-Aktien zwischen Stromhunger und Brennstoffmangel
Der Langfristpreis für Uran lag Ende September bei 96,50 USD je Pfund. Das meldet der Förderer Cameco. Wer ein Kraftwerk betreibt, sichert sich Brennstoff Jahre im Voraus, und genau dort entsteht der Druck. Rechenzentren treiben den Strombedarf, die Verteilnetze müssen ihn zu den Kunden bringen, und der Brennstoff muss irgendwo herkommen. Neue Minen liefern nicht über Nacht. Wer heute Vorkommen findet oder Tonnen aus dem Boden holt, spielt den Energie-Versorgern in die Karten. Wir sehen uns daher E.ON mit seinen Verteilnetzen, Standard Uranium und Energy Fuels genauer an.
Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: Standard Uranium Ltd | CA85422Q8487 , E.ON SE NA | DE000ENAG999 , ENERGY FUELS INC. | CA2926717083
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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E.ON – Verteilnetze wachsen, Fernwärme bremst
Strom kommt über die Verteilnetze beim Kunden an, und die betreibt E.ON in Deutschland. Im ersten Halbjahr schlossen die Essener mehr als 130.000 neue Anschlüsse an und integrierten mehr als 5 GW zusätzliche Erneuerbare Energien. Zudem liegen Genehmigungen für mehr als 13 GW an Rechenzentrumsanschlüssen und mehr als 26 GW an Batteriespeichern vor. Das Netzgeschäft erreichte ein EBITDA von über 3,8 Mrd. EUR und blieb damit stabil im Vergleich zum Vorjahr. Konzernweit lagen die Investitionen bei rund 3 Mrd. EUR, nach 3,2 Mrd. EUR, weil das Wetter zu Jahresbeginn den Bauteams einen Strich durch die Rechnung machte. Die Nachfrage ist da.
Am 8. Oktober hat E.ON die Übernahme des britischen Versorgers OVO abgeschlossen, nachdem die Wettbewerbsbehörde CMA zugestimmt hatte. Angekündigt war der Deal im Mai. Großbritannien ist für die Essener der zweitgrößte Einzelhandelsmarkt, und OVO soll vollständig integriert werden. Laut E.ON soll die größere Basis helfen, Kundenlösungen schneller in Europa auszurollen. Kaufpreis und Kundenzahl hat der Konzern nicht genannt. Für das Gesamtjahr bestätigte er am 12. August ein bereinigtes EBITDA von 9,4 bis 9,6 Mrd. EUR und einen bereinigten Konzernüberschuss von 2,7 bis 2,9 Mrd. EUR. Mit OVO hat sich E.ON einen großen Brocken einverleibt. Jetzt muss die Integration gelingen.
Weniger erfreuliche Nachrichten kamen am 12. Oktober. An diesem Tag erklärte das Oberlandesgericht Hamm Preisanpassungsklauseln von E.ON Energy Solutions in drei Fernwärmegebieten in Hamburg-Lohbrügge-Nord, Erkrath-Hochdahl und Schwalbach-Limes für unwirksam. Die Klauseln verstießen laut Gericht gegen den Gleichlauf der Kostenkomponenten. Eine pauschale Feststellung für alle Klauseln mit hohem Gaspreisanteil lehnten die Richter ab, die Prüfung erfolgt gebietsbezogen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband will vor den Bundesgerichtshof ziehen. E.ON will zunächst die schriftliche Begründung prüfen und dann über Rechtsmittel entscheiden. Wie hoch mögliche Rückzahlungen ausfallen könnten, ist gegenwärtig offen. Der Fall ist noch nicht vom Tisch.
Standard Uranium – Bohrer fertig, Investor in Sicht
Standard Uranium hat am 1. Oktober die Bohrungen auf dem Flaggschiffprojekt Davidson River im Südwesten des Athabasca Basin abgeschlossen. Seit dem 1. Juni brachten die Kanadier in 12 Bohrlöchern insgesamt 6.734 m nieder. Das ist laut Unternehmensangaben die bisher größte Kampagne. In 3 Bohrlöchern stießen die Geologen mehrfach auf Radioaktivität von über 300 cps, zusammen auf 5,0 m. Die Korridore Thunderbird und Bronco sind nun mit über 300 m mehr als doppelt so breit wie bisher bekannt. Die Laborergebnisse lassen aktuell noch auf sich warten. Gelingt hier der große Wurf, hat das Projekt mit seinen 30.737 ha viel Platz für weitere Explorationen.
Parallel läuft das Projekt Corvo. Dort startete am 1. Oktober ein Herbstprogramm mit Kartierung und Probenahme, das Aventis Energy im Rahmen der Optionsvereinbarung finanziert. In der Winterkampagne zeigten alle 9 Bohrlöcher erhöhte Urangehalte, insgesamt auf 55 m schwach erhöht, darunter auf 23 m mäßig und auf 13 m stark erhöht. An der Oberfläche brachte das Vorkommen Manhattan bereits 1,19 bis 8,10 % Triuranoctoxid. Laut Unternehmen bleiben entlang von über 25 km struktureller Streichlänge mehrere vorrangige Ziele offen. Für 2027 ist eine zweite Bohrphase geplant. Corvo liefert dem Explorer also einen zweiten Ansatzpunkt neben Davidson River.
Am 15. Oktober bestätigte das Unternehmen die Zusammenarbeit mit einem strategischen Investor, einem großen Mischkonzern aus Südostasien. Er will 39.215.686 Units zu 0,0765 CAD erwerben, das sind 3 Mio. CAD brutto. Jede Unit besteht aus einer Aktie und einem halben Warrant, der 36 Monate lang zum Bezug einer weiteren Aktie zu 0,115 CAD berechtigt. Die TSX Venture Exchange hat den Abschluss bedingt genehmigt, der Investor holt noch Genehmigungen in seiner Heimat ein. Bis zum 16. November hat das Unternehmen Zeit, die Abschlussunterlagen einzureichen. Gelingt der Abschluss, soll das Geld in die Exploration auf Davidson River und ins Betriebskapital fließen. Das würde dem Explorer Rückenwind verschaffen.
Energy Fuels – vom Uran zum Magneten, mit hohem Kapitalbedarf
Energy Fuels ist nach Angaben des Unternehmens einer der größten Uranproduzenten der USA. Am 5. August legte der Konzern aus Colorado die Zahlen zum 2. Quartal vor. Der Gesamtumsatz stieg auf 25,1 Mio. USD, nach 4,2 Mio. USD im Vorjahr, verkauft wurden 310.000 Pfund zu durchschnittlich 80,48 USD je Pfund. Im ersten Halbjahr entstanden 1,7 Mio. Pfund fertiges Uran, die Prognose für das Jahr liegt bei 1,5 bis 2,5 Mio. Pfund. Die Mühle White Mesa in Utah steht wegen planmäßiger Wartung still, der nächste Lauf ist für das 4. Quartal 2026 oder Anfang 2027 vorgesehen. Das Uran bleibt das Zugpferd.
Daneben baut Energy Fuels eine Kette von der Mine bis zum Magneten. Am 28. August schloss der Konzern die Übernahme von Australian Strategic Materials ab, am 23. Juni hatte er sich mit Vacuumschmelze auf den Kauf des Magnetherstellers geeinigt. Die Gegenleistung beträgt rund 1,9 Mrd. USD in Bar und Aktien. Am 13. Oktober änderte Energy Fuels den Fusionsvertrag, weil ein Kunde bei der Tochtergesellschaft e-VAC Magnetics einen Liefervertrag gekündigt hat und ein Schiedsverfahren läuft. Geregelt sind nun mögliche Kaufpreisanpassungen. Gelingt der Abschluss, hätte der Konzern die Kette komplett. Bis dahin bleibt der Streit ein Stein auf dem Weg, den es zu eliminieren gilt.
Das Wachstum kostet Geld. Wie viel Geld braucht der Umbau? Auf einem Investorentag am 16. September rechnete CEO Ross Bhappu kurzfristig mit 400 bis 500 Mio. USD, davon rund 300 Mio. USD staatlich zugesagt, und mittelfristig mit 1,7 bis 1,8 Mrd. USD. Am 13. Oktober reichte der Konzern einen Prospektnachtrag ein, mit dem er nach eigenem Ermessen bis zu weitere 500 Mio. USD an Stammaktien verkaufen kann. Aus dem Vorgängerprogramm flossen rund 300 Mio. USD Bruttoerlös. Das Working Capital lag Ende Juni bei 996,0 Mio. USD, die Kasse ist gut gefüllt. Jede neue Aktie verwässert allerdings den Anteil der Altaktionäre.
Fazit
Der Hunger nach Strom trifft auf einen Brennstoff, der nicht über Nacht nachwächst. E.ON hat die Nachfrage nach Netzanschlüssen auf seiner Seite, muss aber OVO integrieren und im Fernwärmegeschäft einen Rückschlag verkraften. Standard Uranium hat die Bohrungen auf Davidson River abgeschlossen. Gelingt der Abschluss mit dem Investor aus Südostasien, steht frisches Kapital für die nächsten Programme bereit. Energy Fuels fördert Uran und baut die Kette bis zum Magneten, was viel Kapital kostet und neue Aktien bedeutet.
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