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05.02.2024 | 05:10

Nikola, First Hydrogen, Nel ASA – Umwälzungen schaffen enorme Potenziale

  • Wasserstoff
  • Brennstoffzellen
  • Rebound
Bildquelle: pixabay.com

Nach dem Hype im Wasserstoffsektor Anfang des Jahrzehnts, bei dem Unternehmen wie Plug Power, Nel ASA und Co. auf irrwitzige Bewertungsniveaus stiegen, folgte eine Phase der Beruhigung und Normalisierung. So überraschte es im Nachhinein nicht, dass gerade diese Werte um teilweise über 90 % an Wert verloren. Dennoch ist der Wasserstoff-Brennstoffzellensektor in Bewegung. Neue Player drängen an den Markt, die mit ihren Innovationen die Platzhirsche vom Thron stoßen könnten. Dass diese Branche aufgrund des Klimawandels eine rosige Zukunft besitzt, steht dagegen außer Frage.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: NIKOLA CORP. | US6541101050 , First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235

Inhaltsverzeichnis:


    Nikola mit nächstem Versuch

    Eines muss man dem Hersteller von hybriden Lastkraftwagen mit Sitz in Phoenix lassen. Trotz aller Nackenschläge gibt Nikola den Kampf um eine glorreiche Wasserstoffzukunft nicht auf. Nach dem Stühlerücken im Management, der ehemalige General Motors Vize Stephen Girsky übernahm erst im August des vergangenen Jahres den Posten des Vorstandsvorsitzenden, sehen nicht wenige Analysten ein gehöriges Aufwärtspotenzial.

    So nahm kürzlich Baird-Analyst Ben Kallo die Coverage mit einem „Outperform“-Rating und einem Kursziel von 2 USD auf. So ist dieser der Ansicht, dass die US-Amerikaner von einem wachsenden Markt für emissionsfreie LKW enorm profitieren würden. Zudem habe Nikola endlich das richtige Management gefunden, den Schritt zur Kommerzialisierung umsetzen zu können.

    Kallo gehe davon aus, dass das Design und die Software von Nikola dem Unternehmen in Zukunft einen Vorteil gegenüber klassischen Dieselfahrzeugen verschaffen würden. „Wir sehen potenzielle Katalysatoren sowohl für das LKW- als auch für das Energiegeschäft in Form von Produktionsverbesserungen, Kunden- und Partnerschaftsankündigungen und dem Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur,“ so der Finanzexperte in einem CNBC-Interview.

    Dennoch drohe aufgrund des aktuellen Aktienkurses von 0,73 USD die Gefahr eines Delistings, da der Kurs für mehr als 30 Tage unterhalb der 1 USD-Schwelle verweilt. So schickte die Nasdaq bereits die zweite Delisting-Warnung innerhalb der vergangenen 8 Monate.

    First Hydrogen – Weiterer Test mit Revolution

    Weder ist beim Wasserstoffspezialisten mit Sitz in Vancouver, London und Montréal eine Umstrukturierung nötig, noch braucht das mit Spezialisten aus der Branche bestückte Topmanagement um den CEO Balraj Mann eine Erneuerung. Zu klar verfolgt First Hydrogen das 2021 ausgerufene Ziel, der führende Konstrukteur und Hersteller von emissionsfreien, wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen mit großer Reichweite in Großbritannien, der EU und Nordamerika zu werden.

    Die ersten Testfahrten, die in Zusammenarbeit mit Branchengrößen wie AVL Powertrain sowie Ballard Power entwickelten leichten Nutzfahrzeugen, lagen über den gesteckten Erwartungen. So schaffte der Prototyp eine Rekordreichweite von 630 km mit einem einzigen Tankvorgang. Im Vergleich dazu erreichten vergleichbare leichte Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb gerade einmal 240 km. Weitere Topwerte wurden zudem im enorm geringen Durchschnittsverbrauch von 1,58 kg Wasserstoff pro 100 km, selbst bei durchgehend hohen Geschwindigkeiten, erzielt.

    Mit dem Gasnetzbetreiber Wales & West Utilities, der 1.300 Flottenfahrzeuge unterhält und mehr als 7,5 Mio. Kunden mit Gas versorgt, sollen nun die wasserstoffbetriebenen leichten Nutzfahrzeuge in Wales und im Südwesten Englands unter realen Straßenbedingungen getestet werden.

    Dabei findet beim erneuten Testlauf, der sich über mindestens vier Wochen erstreckt, ein Novum statt. Bislang erfolgten die Testläufe von First Hydrogen in der Nähe bestehender Wasserstofftankstellen. Beim nun folgenden Test werden Gebiete mit fehlender Tankinfrastruktur angefahren, wodurch das mobile Betankungssystem von Hyppo Hydrogen Solutions und des grünen H2-Kraftstoffs von Protium Green Solutions zum Einsatz kommen. Dadurch soll eine Betankung des Testfahrzeuges durch Wales & West Utilities in der Nähe des Depots in Swansea möglich sein, ohne eine öffentliche Tankstelle aufsuchen zu müssen.

    Die Aktie von First Hydrogen konnte sich in den vergangenen Monaten der negativen Börsenstimmung bei Wasserstoff- und Brennstoffzellenaktien entziehen und bildet im Bereich von 1,60 CAD einen tragfähigen Boden. Bei weiter positivem News Flow dürfte sich der Wert weiter von seinen Tiefstständen aus dem Jahr 2023 entfernen.

    Nel ASA – Neuausrichtung sorgt für Kurssprung

    Wie bereits oben beschrieben, laufen die neu gesetzten Ziele des Nikola-Managements in die richtigen Bahnen. Dazu gehört auch die Überarbeitung der Kundenbeziehung mit dem norwegischen Wasserstoffspezialisten Nel ASA. Auch diese sehen sich seit Monaten mit einem fallenden Börsenkurs konfrontiert.

    Beide Unternehmen haben kürzlich beschlossen, ihre bisherige Liefervereinbarung, die neben Elektrolyseur-Ausrüstung auch Komponenten für ein Brennstoffzellensystem und Wasserstofftankstellen umfasste, zu beenden und sich auf eine neue Abmachung zu konzentrieren. Diese fokussiert sich auf die Lieferung von 110 Alkali-Stacks und der entsprechenden Balance-of-Stack-Ausrüstung. Als Teil dieser Neuorientierung wird Nikola Nel ASA rund 9 Mio. USD als Kompensation zahlen, wie von Nel ASA mitgeteilt wurde.

    Im Rahmen dieser strategischen Neuausrichtung ist auch die Übernahme des Phoenix Hydrogen Hub durch Fortescue von Nikola beinhaltet, bei der es um die Installation von 80 MW an Elektrolyseurausrüstungen geht, die zuvor von Nel an Nikola geliefert wurden. Für die Aktualisierung von Garantien und Gewährleistungen sowie Anpassungen im Lieferumfang wird Nel ASA von Fortescue rund 11 Mio USD erhalten.

    Håkon Volldal, Präsident und CEO von Nel ASA, betonte seine Zufriedenheit mit der neuen Vereinbarung mit Nikola, die nun besser die strategische Ausrichtung widerspiegelt. Nel zeigt sich ebenfalls erfreut über die Kooperation mit Fortescue am Phoenix Hydrogen Hub-Projekt, da Fortescue als ein engagierter und zuverlässiger Partner gelte. Im Zuge der Bekanntgabe konnte sich die Aktie der Norweger von den Tiefstständen bei 0,46 EUR auf 0,58 EUR erholen. Im Anschluss erfolgte jedoch erneut ein Abverkauf in Richtung 0,50 USD. Von einer Aufhellung des Chartbildes ist die Aktie damit noch weit entfernt.


    Nikola richtet sich neu aus, wodurch Analysten ein erhebliches Kurspotenzial erkennen können. Dazu gehört auch die Umschreibung der Kooperation mit Nel ASA, die von der Börse positiv aufgenommen wurde. First Hydrogen testet mit einem weiteren großen Partner mit einem mobilen Betankungssystem.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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