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14.05.2026 | 05:30

Dieselpreise explodieren, CO2-Limits werden schärfer: Wie Daimler Truck, Pure One und Ballard Power die Logistik-Wende gewinnen

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Bildquelle: pixabay.com

Die Logistikbranche steht vor einer Zeitenwende. Strengere EU CO2-Limits, volatile Dieselpreise und der Ruf nach nachhaltigen Lieferketten zwingen Spediteure und Hersteller zum radikalen Umdenken. Zwei Technologien versprechen Abhilfe: batterieelektrische Antriebe für Kurzstrecken mit Effizienzen bis zu 90 % und Wasserstoff-Brennstoffzellen für Langstrecken über 800 km dank Betankungszeiten von unter 20 min. Bis Ende 2026 werden Pilotflotten mit Hunderten emissionsfreien Lkw rollen, gefördert durch Milliardeninvestitionen in Ladeinfrastruktur und Wasserstofftankstellen. Diese Förderungen werden langfristig Daimler Truck, Pure One und Ballard Power zu gute kommen.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: Daimler Truck Holding AG | DE000DTR0013 , PURE ONE CORPORATION LIMITED | AU0000442865 | ASX: P1E , BALLARD PWR SYS | CA0585861085

Inhaltsverzeichnis:


    Daimler Truck - Zoll-Schock im 1. Quartal

    Das 1. Quartal war für Daimler Truck eine harte Nummer. Der Absatz brach um 9 % ein, vor allem Nordamerika mit minus 25 % und das Busgeschäft mit minus 20 % drückten auf die Zahlen. Zusätzlich belasteten US-Importzölle im niedrigen dreistelligen Millionenbereich sowie eine Abschreibung bei der Batterietochter Amplify. Das bereinigte EBIT sank um mehr als die Hälfte auf 498 Mio. EUR. Doch es gibt auch Lichtblicke. Die Auftragseingänge explodierten um 50 % auf über 114.000 Einheiten. In den USA verdoppelten sie sich fast. Das schafft eine solide Basis für das 2. Halbjahr.

    Während Mercedes-Benz Trucks in Europa mit plus 13 % zulegte, brach das Nordamerika-Geschäft komplett ein. Die Marge dort lag nur bei mageren 5,4 %, weit entfernt von den üblichen Renditen. Dazu kam ein negativer Free Cashflow von minus 445 Mio. EUR wegen Lageraufbau und geringerem Gewinn. Finanzvorständin Scherer sprach vom schwächsten Quartalsvolumen seit 2010. Immerhin peilt das Management für das 2. Quartal wieder eine Nordamerika-Marge von 7-8 % an, gestützt auf die jüngste Auftragswelle und steigende Frachtpreise.

    Trotz des miesen Starts hält Vorstandschefin Rådström an der Jahresprognose fest. Die Marge soll bei 6-8 % im Industriegeschäft liegen und das bereinigte EBIT zwischen 3,2 und 3,7 Mrd. EUR. Die Übernahme von eStar Truck & Van in Großbritannien stärkt das Europageschäft, die Integration von Mitsubishi Fuso in das ARCHION-Joint-Venture ist zum 1. April durch. Das Sparprogramm "Cost Down Europe" mit 5.000 Stellen, die in Deutschland abgebaut werden, läuft planmäßig und entlastet bereits. Wer über die schwachen Zahlen hinwegschaut, sieht ein Unternehmen, das operativ die Kurve kriegen will. Derzeit ist die Aktie für 39,60 EUR zu haben.

    Pure One - ein Technologie-Mix mit Hand und Fuß

    Wer auf saubere Mobilität setzt, bekommt bei Pure One gleich mehrere Lösungen aus einer Hand. Das australische Unternehmen hat im April 2 Wasserstoff-Betonmischer für Heidelberg Materials fertiggestellt. Das sind 32 t Kolosse mit 200-kW-Brennstoffzelle und einer CATL-Batterie. Die Fahrzeuge stehen vor der Abnahme und sollen im Raum Rockingham laufen. Parallel lieferte Pure One einen vollelektrischen EV70-Minibus an South West Community Transport. Dazu gibt es eine Kombination aus Solaranlage und Batteriespeicher an der Ladestation, die die Betriebskosten deutlich senkt. Das ist kein gigantisches Umsatzvolumen, aber es zeigt, dass das Unternehmen liefert, wo andere noch Prototypen entwickeln.

    Clever ist auch der Ansatz beim Batterietausch. Statt stundenlangem laden der Akkus setzt Pure One auf Wechselakkus für schwere Nutzfahrzeuge. Dadurch ist der Lkw in wenigen Minuten wieder startklar. Die erste Demonstrationsflotte namens „Alpha Series“ kommt im September-Quartal nach Australien. Mit einem Nettopreis von rund 200.000 AUD will das Unternehmen in den Markt. Das ist ein pragmatischer Weg, denn die Infrastruktur für Wasserstoff ist noch im Aufbau, während Batterietausch mit bestehenden Logistikketten funktioniert. Für Flottenbetreiber ein echter Effizienzgewinn und für Pure One ein potenzieller Treiber für wiederkehrende Einnahmen.

    Und dann ist da noch der Gas-Deal. Pure One hat seine Mehrheitstochter Eastern Gas Corporation Ende Februar an die Börse gebracht. Der IPO war überzeichnet. Die Gas-Assets im Surat-Becken und im Cooper Basin sitzen auf einer geologischen Struktur, die an deutlich höher bewertete Wettbewerber erinnert. Der Abspaltungs-Mechanismus ist clever. Der Markt kann den Wert der Gasvorkommen separat erkennen, während Pure One sich auf sein Kerngeschäft fokussiert. Dazu kommt der geplante Verkauf der Turquoise-Beteiligung für 5 Mio. AUD. Das bedeutet frisches Kapital für die US-Expansion. Das Unternehmen ist finanziell solide aufgestellt und hat keinen akuten Kapitalbedarf. Aktuell notiert die Aktie bei 0,059 AUD.

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    Ballard Power - weniger Verbrennung, mehr Vernunft

    Wer nur auf Brennstoffzellen setzt, muss Geduld mitbringen. Das zeigt das 1. Quartal 2026 von Ballard Power. Der Umsatz stieg um 26 % auf 19,4 Mio. USD, verfehlte aber knapp die Analystenschätzungen. Das historische Rückgrat, das Busgeschäft, brach um 46 % ein. Grund sind Förderstaus in Europa und Lagerbestandsanpassungen. Die Bruttomarge verbesserte sich dank Kostendisziplin auf 14 %, der operative Cash-Abfluss sank um 68 %. Die Bahn- und stationäre Systeme explodieren regelrecht und deuten auf eine gesündere Diversifikation hin.

    Das Management treibt den Wandel weg vom reinen Modulverkäufer voran. Mit „Project Forge“ entsteht eine hochautomatisierte Fertigung für Bipolarplatten, die in der zweiten Jahreshälfte anlaufen soll. Das soll für niedrigere Stückkosten und weniger Ausschuss sorgen. Gleichzeitig verknüpft Ballard neue Verkäufe mit Serviceverträgen, gestützt auf Betriebsdaten von über 300 Mio. km. Partnerschaften mit New Flyer, Wrightbus und Solaris sichern langfristige Plattform-Deals. Ob das reicht, hängt aber davon ab, wie schnell die Wasserstoff-Infrastruktur nachzieht.

    Mit 516,8 Mio. USD Barmitteln und keiner Bankverschuldung hat Ballard Luft. Zumal das Management betont, keinen Finanzierungsbedarf zu sehen. Doch der Auftragsbestand sank leicht auf 112,9 Mio. USD, und die jährliche Schwankungsbreite von über 120 % zeigt die fragile Marktstimmung. Europa bleibt Hoffnungsträger. Bis zu 113 Mio. EUR an Fördermitteln wären möglich, eine finale Entscheidung für ein Werk dort fällt aber erst 2027. Für Anleger heißt das: Die Richtung stimmt, aber der Sprung in die Gewinnzone ist noch nicht terminiert. Momentan kostet eine Aktie 4,16 USD.


    Angesichts explodierender Dieselpreise und schärferer CO2-Limits muss die Logistik-Wende mit Technologieoffenheit und finanzieller Disziplin gewonnen werden. Daimler Truck ist schwach ins Jahr gestartet, kann aber positiv in die Zukunft schauen dank der Auftragsexplosion um 50 % und dem Sparprogramm 'Cost Down Europe', bleibt aber margentechnisch unter Druck. Pure One liefert bereits emissionsfreie Nutzfahrzeuge wie Wasserstoff-Betonmischer und setzt auf pragmatischen Batterietausch für schwere Flotten, während die profitable Gas-Tochter Eastern Gas zusätzliches Kapital bringt. Ballard Power verbessert dank Kostendisziplin die Marge auf 14 % und wächst im Bahn- und stationären Bereich, bleibt jedoch vom zögerlichen Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur und Förderstaus abhängig.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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