26.05.2026 | 05:20
Vergessen Sie alte Akkus – BYD, HPQ Silicon und BASF nutzen den kommenden Mega-Trend
Drei Akteure aus völlig unterschiedlichen Ligen eint ein Ziel: die übernächste Batteriegeneration. BYD dominiert die Elektromobilität, BASF die globale Chemie, HPQ Silicon jagt mit innovativen Silizium-Anoden dem nächsten Technologiesprung hinterher. Während der eine den Absatz sichert und der andere kritische Kathodenmaterialien liefert, verkörpert der Dritte die Wette auf eine Revolution der Energiedichte. Diese einzigartige Konstellation aus Größe, Industriekraft und Risiko bietet Anlegern eine seltene Chance für frühe Vögel. Genau auf BYD, HPQ Silicon und BASF kommt es jetzt wirklich an.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296 , HPQ SILICON INC | CA40444L1031 | TSXV: HPQ , OTCQB: HPQFF , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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BYD - zwischen Batterie-Power und Heimatmarkt-Flaute
BYD treibt die zweite Stufe seiner Blade-Zelle voran und das mit beachtlichem Tempo. Die neuen Energiespeicher sollen von 10 auf 70 % Kapazität in 5 min laden, bei minus 30 Grad dauert der Vorgang von 20 auf 97 % nur 12 min. Die Energiedichte legte um 5 % zu, gekoppelt mit einer Leichtbauweise ergibt das Reichweiten von jenseits der 1.000 km. Das "Flash Charging"-System leistet 1.500 kW. Bis Ende 2026 will der Konzern 20.000 dieser Stationen aufstellen, 2.000 davon an Autobahnen. Die Produktion läuft bereits auf Hochtouren, die Belegschaft arbeitete selbst über das Frühlingsfest. Die Halbfestkörperbatterie, die zu über 80 % auf bestehenden Linien gefertigt werden kann, soll 2027 in Kleinserie gehen.
Im Inland verzeichnete BYD im April den achten Absatzrückgang in Folge. Die Auslieferungen von Personenkraftwagen fielen um 15,7 % im Jahresvergleich. Der Preiskampf in Chinas Massenmarkt für Elektrofahrzeuge ist erbarmungslos, die Rabatte erreichten im März ein Zweijahreshoch. Die Bilanz des 1. Quartals fiel entsprechend düster aus. Der Nettogewinn brach um 55,4 % auf 4,09 Mrd. CNY ein, der Umsatz sank um 12 %, das dritte Minusquartal in Serie. Verschärft wird die Lage durch neue Subventionsregeln. Plug-in-Hybride brauchen nun eine elektrische Mindestreichweite von 100 km, und seit Jahresbeginn zahlen Käufer 5 % Erwerbssteuer. Die operative Cashflow-Marge gerät massiv unter Druck.
Während es daheim kriselt läuft das internationale Geschäft auf Rekordkurs. Im April verschiffte BYD 135.098 Fahrzeuge ins Ausland, ein Plus von über 70 %. Die Exporte machten zuletzt rund 45 % der gesamten Auslieferungen aus, doppelt so viel wie im Vorjahr. Das Management hob das Jahresziel auf 1,5 Millionen Einheiten an. Die Premiummarke Denza startet gerade in Europa durch. Das Z9GT-Modell mit 1.140 PS tritt gegen Audi, Porsche und Mercedes an, der D9-MPV richtet sich an das Luxusklientel. Preise beginnen bei rund 115.000 EUR in Deutschland. Um Zollhürden zu umgehen, baut BYD Werke in Ungarn, Brasilien, der Türkei, Thailand und Indonesien. Derzeit ist die Aktie für 10,11 EUR zu haben.
HPQ Silicon - Batterie, Silica, Wasserstoff – jetzt wird es konkret
Erst vor wenigen Tagen unterzeichnete HPQ Silicon-Partner Novacium eine Absichtserklärung mit GH Technologies aus Asien. Ziel ist die Lieferung von GEN4-Zellen in den Formaten 18650 und 21700 an den pazifischen Raum, der knapp 60 % der globalen Nachfrage ausmacht. Die Zellen knacken im Test 7.000 mAh und erreichen im Paket für Drohnen 395 Wh/kg. Das sind Spitzenwerte. Ein europäischer Drohnenbauer hat bereits bestellt. Der Zeitplan für die 50 t Jahresanlage steht. Aus einer Tonne Material lassen sich rund 750.000 Zellen fertigen. Die Regierung fördert die Pilotfertigung mit 3 Mio. CAD. Insgesamt kostet die Anlage 5 Mio. CAD. Wer im Drohnen- und Highend-Markt punkten will, kommt an diesen Werten kaum vorbei.
Anders als das Batteriesegment ist der Markt für Fumed Silica, sprich pyrogene Kieselsäure, hochkonzentriert. Vier Player dominieren, die Eintrittshürden sind enorm. HPQ umgeht das mit einem einstufigen Plasmareaktor aus Quarz. Das Verfahren ist sauberer, günstiger und modular. Ein erster 50 kg Auftrag für Testzwecke ist raus, eine unverbindliche Absichtserklärung mit Evonik liegt vor. Kanada importiert sein gesamtes Silica mit einem Marktwert von rund 200 Mio. CAD. Darauf zielt das Unternehmen ab. Eine 1.000 t Anlage soll mit einem strategischen Partner entstehen, ob es Evonik werden wird ist noch nicht bekannt. Wenn die Anlage kommt würde das den Wert der HPQ Silicon Aktie deutlich anheben.
Das dritte Standbein arbeitet unter dem Radar. Aus recycelter Aluminium-Haldenschlacke (Black Aluminum Dross) entsteht bei Bedarf Wasserstoff, ohne teure Speicherung oder Transportprobleme. Das System produziert neben Energie auch Wärme und kann Wasser reinigen. Ein cleverer Nebeneffekt ist, dass die giftige schwarze Schlacke zum Rohstoff wird, anstatt sie sonst teuer zu entsorgen. HPQ hält 36,8 % an Novacium und sicherte sich exklusive Nordamerika-Lizenzen. Dass alle drei Projekte nun reifen, war nicht geplant, aber es streut das Risiko, was gut ist für die Investoren. Aktuell notiert die Aktie bei 0,18 CAD.
BASF - mischt die Batteriechemie auf
Der Konzern aus Ludwigshafen arbeitet mit Hochdruck an der nächsten Generation von Lithium-Ionen-Zellen. Statt herkömmlicher Graphit-Anoden setzt BASF auf Silizium, das verspricht die vierfache Energiedichte. Das Problem ist, dass sich Silizium beim Laden stark ausdehnt und so schnell an Lebensdauer verliert. Die Lösung kommt aus dem eigenen Labor. Ein neu entwickelter Licity®-Binder auf Styrol-Butadien-Basis soll die mechanischen Spannungen abfedern. In Kooperation mit Group14 Technologies entsteht eine „Drop-in-Ready“-Lösung für bestehende Produktionslinien, die einen Siliziumanteil von bis zu 70 % in der Anode ermöglicht. Erste Tests zeigen über 1000 Zyklen mit 80 % Restkapazität.
Die Zahlen zum Jahresauftakt fielen besser aus als von vielen Marktteilnehmern erwartet. Mit 2,36 Mrd. EUR lag das bereinigte EBITDA nur knapp 6 % unter dem Vorjahreswert und das, obwohl die Sperrung der Straße von Hormus im März für massive Verwerfungen in der Rohstofflogistik sorgte. BASF profitierte von seiner dezentralen Aufstellung. Die lokale Produktion für die Kunden vor Ort macht den Konzern weniger anfällig für globale Transportstörungen. Allerdings belasteten starke Währungseffekte aus USD und CNY das Ergebnis. Ohne diese Gegenwinde hätte man das Vorjahresniveau erreicht.
Das „Winning Ways“-Programm kommt planmäßig voran. Mit dem „CoreShift“-Projekt sollen die Fixkosten der Kernbereiche bis 2029 um bis zu 20 % sinken. Das jährliche Sparprogramm hat bereits 1,9 Mrd. EUR von 2,3 Mrd. EUR gesamt erreicht. Parallel dazu hält BASF an seiner attraktiven Aktionärsrendite fest. Mindestens 2,25 EUR Dividende je Aktie jährlich bis 2028 sind zugesagt. Der Verkauf des Coatings-Geschäfts an Carlyle soll im 2. Quartal abgeschlossen werden. Das schafft finanziellen Spielraum für weitere Rückkäufe oder Schuldenabbau. Das ist eine solide Basis in einem unsicheren geopolitischen Umfeld. Momentan kostet eine Aktie 51,11 EUR.
BYD meistert die Heimatmarkt-Flaute mit Rekordexporten und einer überlegenen Blade-Zelle, die in fünf Minuten von 10 auf 70 % lädt. HPQ Silicon treibt mit Novacium hochkapazitive 7.000-mAh-Zellen für Drohnen voran, erschließt über einen Plasmareaktor den Silica-Markt und wandelt Abfall in Wasserstoff – ein breit gestreutes Technologieportfolio. BASF löst mit einem neuartigen Licity®-Binder das Silizium-Ausdehnungsproblem, hält an der hohen Dividende fest und senkt dank „Winning Ways“ massiv die Kosten.
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