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08.07.2026 | 05:20

Die unterschätzte Rendite-Säule: BYD, Rock Tech Lithium und Mercedes-Benz – warum der Lithium-Speicher-Boom jetzt Chancen bietet

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Bildquelle: pixabay.com

Die grüne Elektromobilität steht technisch in den Startlöchern, doch die wahre Achillesferse der Elektro-Revolution liegt nicht auf der Straße, sondern in der Rohstoffversorgung. Während die Politik von Souveränität spricht kämpft der Markt mit einer explodierenden Nachfrage nach Batterierohstoffen. Dieser Zustand wird von den Energiespeichern für Stromnetze verstärkt. Wer jetzt das große Ganze versteht, erkennt die entscheidende Machtverschiebung im globalen Wettrennen zwischen chinesischer Vorherrschaft und westlichem Unabhängigkeitswillen. Genau hier setzen der E-Auto-Riese BYD, der kommende Lithiumproduzent Rock Tech Lithium und der Traditionskonzern Mercedes-Benz mit gegensätzlichen, aber gleichermaßen richtungsweisenden Strategien an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296 , ROCK TECH LITHIUM | CA77273P2017 , MERCEDES-BENZ GROUP AG | DE0007100000

Inhaltsverzeichnis:


    BYD - zwischen Rekordexporten und Heimatmarkt-Delle

    Die vertikale Integration bleibt BYDs Trumpf. Der Konzern kontrolliert die Wertschöpfungskette vom Lithiumabbau über die Halbleiterproduktion bis hin zur fertigen Batteriezelle. Dieses Vorgehen zahlt sich in Zeiten geopolitischer Spannungen aus. Kapitalbeteiligungen an Rohstoffproduzenten wie Shenzhen Chengxin Lithium sichern den Zugang zu kritischen Materialien, während die firmeneigene Blade-Batterie technologisch den Takt vorgibt. Zwar zog sich BYD aus einem chilenischen Kathodenprojekt zurück, aber aus wirtschaftlichen, nicht strategischen Gründen. Die Abhängigkeit von externen Zulieferern bleibt gering, was BYD in einem volatilen Marktumfeld einen klaren Stabilitätsvorteil verschafft.

    Die Juni-Zahlen zeigen ein gespaltenes Bild. 403.472 verkaufte Fahrzeuge bedeuten den stärksten Monatsabsatz des Jahres, angetrieben von rekordverdächtigen 175.349 Exporteinheiten, ein Plus von 95 %. Doch der Heimatmarkt schwächelt. Die China-Verkäufe brachen um 22 % ein, das erste Halbjahr schloss mit einem Rückgang von 15,7 % ab. Der Exportanteil kletterte auf 44 %, verglichen mit 24 % im Vorjahr. BYD hat Tesla im BEV-Segment im 2. Quartal überholt mit 557.090 ausgelieferten Elektrofahrzeugen gegenüber geschätzten 396.500 bei Tesla. Das Jahresziel von 1,5 Mio. Exporteinheiten ist bereits zur Jahresmitte mit über der Hälfte erreicht.

    Strategisch richtet BYD den Blick nach Europa. Die EU-Sonderzölle von 27,4 % belasten das Geschäft, doch das ungarische Werk soll im 4. Quartal 2026 anlaufen. Ein zweiter Standort in Spanien oder Frankreich wird aktuell geprüft. Ein Fabrikkauf könnte schneller wirken als ein Neubau. Die Modelloffensive läuft parallel. Der vollelektrische Tang-SUV mit zweiter Blade-Batterie-Generation erreicht 950 km Reichweite, der Seal 08 verbuchte innerhalb von 30 Stunden 65.000 Bestellungen. Im Energiespeichergeschäft unterzeichnete BYD zudem einen Vertrag über Polens größtes Batterieprojekt mit 2,4 GWh. BYD transformiert sich vom chinesischen E-Auto-Hersteller zum globalen Anbieter. Derzeit ist die Aktie für 9,331 EUR zu haben.

    Rock Tech Lithium – mit starken Partnern in die nächste Phase

    Im April hat Rock Tech Lithium die nächste Stufe gezündet. Der kanadische Lithium-Entwickler sicherte sich mit der BMI Group einen Ankerinvestor, der den geplanten Konverter in Red Rock, Ontario, mit 200 Mio. CAD unterstützen will. Das Modell dahinter ist ein klassisches GP/LP-Konstrukt. Rock Tech führt als General Partner die operative Regie, BMI hält sich als Limited Partner im Hintergrund und steuert das Kapital bei. Das ist nur die eine Seite der Medaille. Parallel läuft die Zusammenarbeit mit Siemens auf Hochtouren, dort entwickelt man einen digitalen virtuellen Zwilling der Anlage. Der kann nicht nur den Betrieb der Anlage effizienter machen, sondern dient gleichzeitig als Blaupause, um den Bau künftiger Konverter ordentlich zu beschleunigen. Geldgeber im Rücken, moderne Technik an der Hand – mit dieser Kombination steht der bevorstehenden finalen Investitionsentscheidung nichts mehr im Wege. Die Machbarkeitsstudie (DFS) für den kanadischen Konverter hat Ende Juni begonnen.

    Interessant wird es beim Blick auf die kanadische Industriepolitik. Wer als ausländisches Unternehmen in Kanada Großaufträge an Land ziehen will, kommt um lokale Wertschöpfung nicht herum. Das gilt besonders für thyssenkrupp, das mit seinem U-Boot-Auftrag über 37 Mrd. EUR vor einer entscheidenden Hürde steht, verbindliche Partnerschaften mit kanadischen Firmen vorzulegen, sonst droht der Verlust des Status. Genau hier öffnet sich für Rock Tech ein strategisches Fenster. Bereits 2022 gab es Gespräche zwischen thyssenkrupp Materials Trading und Rock Tech über eine Rohstoffpartnerschaft. Diese alten Verbindungen könnten nun in Kanada neu belebt werden, als Teil der geforderten lokalen Wertschöpfungskette.

    Die Nachfrageperspektive für Lithium bleibt ungebrochen. Mercedes-Benz hat sich bereits früh positioniert und mit Rock Tech einen festen Liefervertrag über jährlich 10.000 Tonnen Lithiumhydroxid geschlossen – genug für etwa 150.000 vollelektrische Fahrzeuge. Für Rock Tech bedeutet der Mercedes-Deal Planungssicherheit und Glaubwürdigkeit. Der Konverter in Guben bleibt ein wertvolles Asset, doch der strategische Hebel liegt nun in Kanada, wo das Unternehmen mit eigener Mine und Konverter die gesamte Wertschöpfungskette kontrollieren kann. Das ist eine Position, die in der westlichen Lithium-Industrie ihresgleichen sucht. Aktuell notiert die Aktie bei 0,78 CAD.

    Mercedes-Benz - zwischen Technologieoffensive und scharfem Sparkurs

    Mercedes-Benz strukturiert sein Geschäft grundlegend um. Die neue Portfolio-Strategie unterscheidet klar zwischen Top-End-, Core- und Entry-Luxury, wobei über 75 % der Investitionen in die oberen Segmente fließen. Eine Produktoffensive mit 15 neuen Elektromodellen soll die Modellpalette zukunftssicher machen. Technologisch setzt der Konzern auf drei neue Elektro-Plattformen und die hauseigene Software MB.OS, die jedes Fahrzeug zum „Software-Defined Vehicle“ machen soll. Die Rohstoffversorgung wird über Partnerschaften wie mit Rock Tech Lithium abgesichert, was strategisch sinnvoll ist.

    Der Vorstand hat ein verschärftes Sparprogramm aufgelegt. Die Sonderzahlung für 90.000 Beschäftigte wurde verschoben, die 35-Stunden-Woche steht zur Disposition, und das Homeoffice könnte gestrichen werden. Die Begründung lautet: zu hohe Arbeitskosten im internationalen Vergleich. Die Belegschaft reagierte mit massiven Protesten. Allein in Sindelfingen versammelten sich Tausende. Die IG Metall kündigt weitere Aktionen an. Ein heikler Balanceakt zwischen notwendiger Kostendisziplin und sozialem Frieden.

    Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der Gewinn brach im 1. Quartal um fast 17 % ein, die Rendite im Pkw-Geschäft liegt am unteren Zielkorridor. Besonders der chinesische Markt bereitet Sorgen, denn die Verkäufe sanken um über ein Viertel. Die Börse hat darauf mit einem Kursverlust von rund 25 % seit Jahresbeginn reagiert. Die entscheidende Frage ist, ob die Sparmaßnahmen rechtzeitig greifen. Die Halbjahreszahlen am 28. Juli werden zeigen, ob das Unternehmen die Wende schafft, oder ob die Transformation weiter an den harten ökonomischen Realitäten scheitert. Momentan kostet die Aktie 46,28 EUR.


    Der Lithium-Speicher-Boom eröffnet eine unterschätzte Rendite-Säule, doch die Strategien unterscheiden sich fundamental. BYD nutzt seine vertikale Integration und Rekordexporte, um sich vom chinesischen Hersteller zum globalen Produzenten zu wandeln. Rock Tech Lithium positioniert sich mit starken Partnern wie Siemens und einem klaren Kanada-Fokus als westlicher Wertschöpfungs-Hoffnungsträger. Mercedes-Benz hingegen kämpft mit Gewinneinbrüchen und Sparkurs, seine Technologieoffensive droht an den harten Kostenrealitäten zu scheitern.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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