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07.02.2023 | 12:16

BP, Shell, Exxon Mobil - Sprudelnde Gewinne

  • Öl
  • Gas
  • Energie
Bildquelle: Apaton Finance GmbH

Von den Verwerfungen am Energiemarkt durch die Sanktionen gegen Russland profitieren Öl- und Gasproduzenten aus der westlichen Welt und weisen Rekordergebnisse aus. Die Nachfrage nach dem schwarzen Gold dürfte trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien noch Jahrzehnte hoch bleiben. Dagegen wird das Angebot immer knapper. So bietet die aktuelle Korrektur am Ölmarkt langfristig attraktive Einstiegschancen.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: Shell PLC | GB00BP6MXD84 , EXXON MOBIL CORP. | US30231G1022 , BP PLC DZ/1 DL-_25 | DE0008618737

Inhaltsverzeichnis:


    BP – Operativ bestes Jahr seit 2008

    Das britische Energieunternehmen meldete für das Jahr 2022 einen Rekordgewinn von 28 Mrd. USD und erhöhte die Dividende. Eine Rolle rückwärts vermeldete BP bei der Unternehmensstrategie. So übernahm CEO Bernard Looney vor drei Jahren die Kommandobrücke, mit dem Ziel, BP weg von Öl und Gas, hin zu erneuerbaren Energien und kohlenstoffarmen Energien zu lenken. In einem Strategie-Update gab das Unternehmen jedoch bekannt, dass es seine jährlichen Ausgaben für erneuerbare Energien sowie Öl und Gas um 1 Mrd. USD erhöhen wird. „Wir müssen weiterhin kurzfristig in das heutige Energiesystem investieren, das von Öl und Gas abhängt, um den heutigen Bedarf zu decken und einen geordneten Übergang zu gewährleisten", sagte der Vorstandsvorsitzende.

    Die ursprünglich geplanten 40 % Reduktion der Ölförderung bis 2030 wurden auf 25 % reduziert, mit 2 Mio. Barrel Öläquivalent pro Tag im Jahr 2030. BPs bereinigter Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten betrug 4,8 Mrd. USD im vierten Quartal 2022 und verfehlte knapp die Prognose von 5 Mrd. USD in einer Umfrage unter Analysten. Im dritten Quartal betrug dieser noch 8,2 Mrd. USD. Der Rückgang wurde hauptsächlich durch schwächere Gashandelsaktivitäten nach dem außergewöhnlichen dritten Quartal, höhere Wartungskosten für Raffinerien und niedrigere Öl- und Gaspreise beeinträchtigt.

    Im Anschluß an die Zahlen hat die kanadische Bank RBC ihr „outperform“-Urteil wiederholt. Das Kursziel liegt weiterhin bei 550 GBP.

    Exxon Mobil – Mehr als je zuvor in der Firmengeschichte

    Einen neuen Firmenrekord stellte auch der US-Gigant bei den Zahlen zum Gesamtjahr 2022 auf. Exxon Mobil veröffentlichte einen Gewinn von 55,7 Mrd. USD für 2022. Damit erhöhte sich das Nettoergebnis gegenüber dem Vorjahr um 140%, der Umsatz stieg um 45% auf 413,7 Mrd. USD. Im Schlussquartal stiegen die Erlöse um 12% auf 95,4 Mrd. USD, was vor allem auf den starken Öl- und Gaspreisen und dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zurückzuführen ist.

    US-Präsident Joe Biden kritisierte Exxon daraufhin öffentlich wegen der milliardenschweren Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen in Zeiten hoher Sprit- und Heizkosten. Trotz des Rekordgewinns reagierten Anleger zunächst verhalten, da der Branchenkollege Chevron ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 75 Mrd. USD und höhere Dividende angekündigt hatte, Exxon jedoch keine neuen Pläne zur Ausschüttung von Gewinnen an Aktionäre vorstellte.

    Die Charts der Ölriesen im Jahresvergleich. Quelle: Refinitiv Eikon, Stand: 07.02.2023

    Shell – Welt braucht fossile Brennstoffe

    Auch beim Energiekonzern Shell sprudelten aufgrund der gestiegenen Öl- und Gaspreise neuen Rekorde. Shell hat einen Gewinn von 36,22 Mrd. USD ausgewiesen und damit den Gewinn innerhalb eines Jahres um mehr als 50% gesteigert. Das letzte Quartal des Jahres war besser als von Analysten erwartet und führte zu einer höheren Dividende als vorhergesagt. Anleger werden mit 28,75 Cent pro Aktie belohnt, 15% mehr als im Vorjahresquartal. Darüber hinaus kündigte der Ölmulti ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 4 Mrd. USD an. Im Schlussquartal 2022 war die Steigerung des bereinigten Gewinns trotz sinkender Öl- und Gaspreise überraschend positiv. Der Nettogewinn für die Aktionäre lag jedoch niedriger als im Vorjahr mit 10,5 Mrd. USD.

    Shells Erdgasgeschäft konnte im letzten Jahr aufgrund des Rückgangs von Gaslieferungen aus Russland einen Rekordgewinn erzielen und dürfte auch im laufenden Jahr weiterwachsen, da die weltweite Nachfrage eher zunimmt. Der neue Shell-CEO Wael Sawan gab bei einem Interview mit Bloomberg TV Einblicke in die Art und Weise, wie sich der Einmarsch Russlands in der Ukraine auf die Märkte und das Unternehmen auswirkt.

    Er betonte, dass Gas eine entscheidende Rolle beim Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Energieversorgung spiele. Da China seine Covid-Null-Politik beendet hat, erwartet Sawan für 2023 eine Rückkehr des Appetits nach Gas. Er warnte jedoch vor der Annahme, dass die schlimmsten Zeiten überstanden seien und stellte klar, dass es noch lange dauern wird, bis die Energieströme neu organisiert sind.


    Der Bedarf an Öl und Gas ist aufgrund der Sanktionen gegen Russland enorm. Wie zu lesen ist, ändern die Ölmultis ihre Strategie und halten länger als erwartet an der Öl- und Gasproduktion fest. Nach der Korrektur am Ölmarkt dürften alle drei Unternehmen von der hohen Nachfrage in den nächsten Jahren profitieren.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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