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17.11.2022 | 04:44

Die große Aufholjagd – China Big Tech: Alibaba, Deutsche Bank, TUI und Desert Gold drehen auf!

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Bildquelle: pixabay.com

In stark abverkauften Märkten blicken Anleger vermehrt auf die großen Verlierer, denn in der Höhe der Abschläge werden zurecht Potenziale für die Zukunft ausgemacht. Oft fallen Aktien wegen der allgemeinen Marktschwäche, manchmal drückt aber auch das operative Geschäft. Zum Jahresende gibt es vor allem in Nordamerika auch noch das „Tax Loss Selling“. Wir blicken auf einige Titel, die große Verluste einstecken mussten, aber nun wieder durchstarten könnten.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: DEUTSCHE BANK AG NA O.N. | DE0005140008 , ALIBABA GR.HLDG SP.ADR 8 | US01609W1027 , TUI AG NA O.N. | DE000TUAG000 , DESERT GOLD VENTURES | CA25039N4084

Inhaltsverzeichnis:


    China Big Tech – Nach dem Sellout, jetzt die Rallye

    Die chinesischen Internet-Riesen haben das schlechteste Börsenjahr seit ihrer Auslandsnotiz an der NASDAQ hinter sich. Ex-Präsident Donald Trump hatte die West-Ost-Fehde mit Handelseinschränkungen und Strafzöllen ins Rollen gebracht, später setzten die Regularien der SEC die intransparenten Technologieunternehmen unter Druck. Große und erfolgreiche Fonds wie die z.B. der ARK Innovation ETF von Cathie Woods musste in der Spitze 70% abgeben und hat mittlerweile fast alle Aktien aus Fernost abgebaut. Das bedeutet für die Big Tech-Titel aus China aber auch, dass der andauernde Verkaufsdruck allmählich vorüber sein sollte. Die größte Position im besagten Fonds ist mittlerweile Tesla mit knapp 10%. Auch die Elon Musk-Aktie hatte aber in den letzten 12 Monaten über 40% verloren. Seit einigen Tagen scheint nun wieder Kaufinteresse für die Techtitel aufzukommen. Alibaba hat bei einem Tief von 59 EUR eindrucksvoll gedreht und in nur zwei Wochen ganze 30% auf 78 EUR zugelegt, Tencent schaffte sogar 40% Zugewinn von 25 auf 36 EUR. Beide Unternehmen liefern nun ihre Q3-Zahlen. Es lohnt sich wieder genauer hinzusehen und erste Allokationen vorzunehmen.

    Inflation auf 30-Jahreshoch – Mit Gold gegen die Kaufkraftverluste

    Die Inflationszahlen überschlagen sich diesseits und jenseits des Atlantiks. Getrieben von hohen Energie- und Nahrungsmittelpreisen gehen die Preisindizes für Konsumenten mit zweistelligen Raten in den Jahreswechsel. Schlagend wirken auch die signifikante Verteuerung der Vorprodukte und Rohstoffe für die industriellen Hersteller. Laut Destatis zeigte der Erzeuger-Preisindex im September ein Plus von 45,8% in Deutschland, die Energiekomponente explodierte förmlich um 132,2%.

    In einem solchen Umfeld kommen die Edelmetalle wieder ins Spiel. Denn sie konnten in den letzten 20 Jahren nicht nur ca. 500% zulegen, sondern haben auch sämtliche Währungsverluste aus der DM/EURO-Umstellung kompensiert. Wer in 2002 eine Unze Gold zu 270 USD erworben hat, besitzt heute den Gegenwert von 1.780 USD, macht eine durchschnittliche Rendite von 9,88% per annum. Noch stärker konnte man verdienen, wenn in Abwärtszyklen auf Gold im Boden gesetzt wurde, denn der Käufer von Explorationsunternehmen profitiert erst in der Zukunft von entsprechenden Anstiegen der zugrundeliegenden Metalle.

    Desert Gold – Die große Chance auf eine Trendwende

    Der kanadische Explorer Desert Gold Ventures (DAU) hatte auf seinem SMSZ-Gold-Projekt in Mali ausgezeichnete Erfolge in der Exploration und im Sommer eine Goldausbringungsrate von 88% ausweisen können. Die zuletzt veröffentlichte Ressourcenschätzung beziffert sich auf 1,1 Mio. Unzen Gold, die sich sicher noch deutlich ausbauen lässt. Das Unternehmen setzt deshalb sein angekündigtes Bohrprogramm über 35.000m fort und wird schon bald wieder Ergebnisse vorlegen können.

    Die Desert Gold-Aktie ist in den Abwärtsstrudel der Juniors geraten und zur Zeit bei 0,06 bis 0,08 CAD zu haben. Zum Jahresende laufen speziell in Kanada steuermotivierte Portfolioumschichtungen, sogenannte „Tax Loss Sellings“, welche zu wenig nachvollziehbaren Verkaufsaktionen führen und auf die dünnen Orderbücher drücken. Mit guten Bohrergebnissen dürfte bei Desert Gold wieder ein initialer Kurssprung anstehen. Den hatte es Anfang 2020 auch schon gegeben, damals waren es 400%.

    Deutsche Bank und TUI – Charttechnisch könnte es das gewesen sein

    Zwei interessante deutsche Titel sollte man noch in den Fokus nehmen. Die Deutsche Bank hat in den letzten zwei Quartalen Rekordergebnisse vorlegen können. Vor Steuern verdiente das Institut mit rund 1,6 Mrd. EUR fast dreimal so viel wie ein Jahr zuvor und so viel wie seit 2006 nicht mehr. Vor allem gestiegene Zinsen gaben dem Institut Auftrieb und die digitale Transformation trägt erste Früchte. "Die Deutsche Bank liegt voll auf Kurs, ihre Ziele für das Jahr 2022 zu erreichen", sagte CEO Christian Sewing zuletzt. Mit dem guten Zahlenwerk und dem freudigen Ausblick gelang auch der technische Ausbruch über den Widerstand von 10 EUR, der Kurs nimmt nun die nächste Hürde bei ca. 11,20 EUR ins Visier. Noch beträgt der 12-Monatsverlust knapp 9%, damit schlägt die Aktie bereits den DAX.

    Bei der TUI-Aktie brauchen die Investoren ein dickes Fell. Zuerst die Beinahe-Pleite zur Corona-Pandemie, die nur mit Staatshilfen abgewendet werden konnte. Nun wieder die Belastungen aus der Kriegssituation. Allmählich scheint es auch, dass die Reisebranche sich in Hinblick auf die Klimawende einer neuen Zeitrechnung unterlegen muss. Durch die Belastung der Haushaltsbudgets ist Reisen für viele Bürger zum Luxus geworden, letztlich wird sich das Reiseaufkommen an diese Situation schmerzlich anpassen. Durch das inflatorische Umfeld sind speziell Fernreisen und Hotelübernachtungen gegenüber 2019 gut 50% teurer. TUI hat in den vergangenen Jahren große Markanteile an Online-Buchungsplattformen wie Booking, Expedia und Co. verloren. Der neue Konzern-Boss Sebastian Ebel will diese Entwicklung nicht hinnehmen. In seiner neuen Strategie wird die Pauschalreise künftig nicht mehr das Steckenpferd des Reisekonzerns sein. Spezialreisen und konfigurierte Angebote werden nun handgemacht entwickelt – klingt spannend aus dem Mund des Königs der klassischen Zwei-Wochen-Flug-Hotel-Reise. Das Hamburger Analysehaus Berenberg sieht wenig Hoffnung und votiert mit „Sell“ und Kursziel 100 GBp. Charttechnisch bietet die TUI-Aktie eine Trading-Range von 1,35 bis 1,85 EUR, fundamental drückt die hohe Verschuldung dauerhaft auf den Gewinn.


    Das letzte Quartal im Jahr ist für viele Investoren die Zeit der steuerlichen Optimierung. Das heißt, dass besonders stark gefallene Titel tendenziell weiter verkauft werden, um eine Steuergutschrift oder Verlustvormerkung zu erhalten. Wenn die Börse dann irgendwann wieder dreht, lassen sich Gewinne ohne Abzug vereinnahmen. Das mittelfristige Szenario für Edelmetalle sollte sich im Inflationsumfeld langsam bessern, denn damit können Werte gesichert werden.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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