28.05.2026 | 03:30
Exasol, SGL Carbon und A.H.T. Syngas: Drei spannende Turnaround-Aktien mit Vervielfacherpotenzial
An der Börse wird das große Geld oft nicht mit den offensichtlichen Gewinnern verdient, sondern mit Unternehmen, die kaum jemand auf dem Zettel hat. Wenn Enttäuschung, Skepsis und tiefe Kurse dominieren, entstehen häufig die spannendsten Turnaround-Storys. Denn sollten operative Probleme gelöst werden, neue Wachstumstreiber entstehen oder plötzlich Übernahmefantasie aufkommen, können selbst abgestürzte Aktien überraschend schnell wieder zünden. Drei spannende Titel, bei denen vieles für eine Wende spricht: Exasol, SGL Carbon und A.H.T. Syngas.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Mario Hose
ISIN:
EXASOL AG NA O.N. | DE000A0LR9G9 , A.H.T. SYNGAS TECH. EO 1 | NL0010872388 , SGL CARBON SE O.N. | DE0007235301
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Mario Hose
In Hannover geboren und aufgewachsen, verfolgt der Niedersachse die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung rund um den Globus. Als leidenschaftlicher Unternehmer und Kolumnist erklärt und vergleicht er die verschiedensten Geschäftsmodelle sowie Märkte für interessierte Börsianer.
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Exasol: KI-Profiteur mit Übernahmefantasie
Künstliche Intelligenz frisst Strom, viel Strom. Die millionenfachen Anfragen bei ChatGPT, Claude oder anderen KI-Systemen verschlingen enorme Rechenleistung. Genau deshalb schauen Börsianer verstärkt nach Unternehmen, die es ermöglichen, Daten schneller, effizienter und günstiger zu verarbeiten. An dieser Stelle kommt Exasol ins Spiel. Die Nürnberger haben eine Hochleistungsdatenbank entwickelt, die große Datenmengen besonders schnell analysieren kann. Statt klassischer Speicherstrukturen setzt Exasol auf eine spaltenorientierte Technologie, die komplexe Abfragen massiv beschleunigt. Gerade in Zeiten explodierender Datenmengen und immer leistungsintensiverer KI-Anwendungen könnte das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil werden. Weniger Rechenzeit bedeutet schließlich auch weniger Hardwareeinsatz und geringere Energiekosten. An der Börse kommt diese Story bislang allerdings kaum an. Die Aktie wirkt wie ein klassischer Problemfall. Der Kurs notiert nahe den Tiefs, Investoren sind nach wie vor skeptisch. Der Grund dafür liegt vor allem in den rückläufigen Umsätzen der vergangenen Jahre.
Doch mittlerweile lohnt sich ein zweiter Blick. Denn Exasol steckt inmitten in einer strategischen Neuaufstellung. Nach dem Börsengang wurde unter dem früheren Management zu viel Geld verbrannt. Heute achtet die Gesellschaft deutlich stärker auf Profitabilität. Der Vorstand fokussiert attraktivere Zielmärkte und baut das Geschäft gezielt um. In den neuen Kernsegmenten wachsen Auftragseingang und Erlöse bereits wieder. Noch überlagern Altgeschäfte den Trend, doch spätestens 2027 könnte Exasol insgesamt wieder auf Wachstumskurs einschwenken. Die Firma ist übrigens keineswegs ein Sanierungsfall. Das Unternehmen arbeitet profitabel und erzielte zuletzt operative Margen von rund 10 %. Zusätzliche Fantasie bringt die Kooperation mit dem Open-Source-Datenbankspezialisten MariaDB, die insbesondere in den USA neue Türen öffnen könnte. Obendrein gibt es Übernahmefantasie. Die Bewertung ist inzwischen so günstig, dass ein größerer Softwarekonzern vergleichsweise leicht zuschlagen könnte. Für risikobereite Anleger könnte Exasol damit eine spannende Turnaround-Wette im deutschen Technologiesektor sein.
SGL Carbon: Werkstoffspezialist mit viel Fantasie
Auch die Aktie von SGL Carbon wurde an der Börse lange Zeit vernachlässigt. Nun scheint sich das Blatt zum Guten zu wenden. Der Spezialist für Graphit- und Carbonmaterialien hat schwierige Jahre hinter sich, arbeitet sich operativ aber zunehmend zurück in die Spur. Auch an der Börse nimmt die Fantasie gerade spürbar zu. Denn die Produkte von SGL stecken in zahlreichen Zukunftsmärkten. Das Unternehmen profitiert von mehreren Megatrends. Sowohl in der Halbleiterindustrie, in Stromnetzen und in der Batterietechnik als auch bei industriellen Hochleistungsanwendungen oder der Energieinfrastruktur werden Spezialmaterialien benötigt, die hohen Temperaturen, extremer Belastung oder aggressiven Produktionsprozessen standhalten. Auch der geopolitische Trend in Europa, unabhängiger zu werden bei kritischen Lieferketten, gibt SGL Carbon Rückenwind. Richtig spannend wird es rund um das Thema Rüstung und Verteidigung. Carbon- und Verbundwerkstoffe gewinnen im Militärbereich an Bedeutung, etwa im Drohnenbau oder bei leichteren und widerstandsfähigeren Fahrzeugkomponenten. Das sorgt bei SGL für zusätzliche Fantasie.
Operativ fiel das erste Quartal zwar noch eher verhalten aus. Nach der Schließung defizitärer Aktivitäten im vergangenen Jahr sowie höheren Lagerbeständen bei einigen Halbleiterkunden blieb das operative Momentum zunächst überschaubar. Auch die schwache Chemieindustrie bremste. Doch der Vorstand bestätigte die Jahresprognose. Sollte der Halbleiterzyklus im zweiten Halbjahr wieder anspringen, könnte SGL schneller zurückkommen, als viele Investoren derzeit erwarten. Denkbar wäre zudem eine Zusammenlegung des Carbon-Geschäfts mit der Prozesstechnik. Dann könnte eine neue Einheit mit mehr als 250 Millionen EUR Umsatz entstehen, die operativ wieder profitabel arbeitet. Auch bei SGL winkt als besonderer Kick noch die Chance auf eine Übernahme. Die Summe der einzelnen Geschäftsbereiche dürfte nämlich inzwischen deutlich mehr wert sein als die aktuelle Börsenbewertung. Mit Großaktionären wie Skion von BMW-Erbin Susanne Klatten sowie Beteiligungen aus dem BMW- und VW-Umfeld erscheint ein strategischer Deal keineswegs ausgeschlossen. Zumal die große Carbon-Euphorie der Autobranche bislang ausblieb und attraktive Kaufangebote heute bei den Großaktionären womöglich auf offenere Türen stoßen würden als noch vor einigen Jahren.
A.H.T. Syngas: Börsen-Phönix mit Tenbagger-Potenzial
Manchmal entstehen die spannendsten Börsenstories genau dort, wo kaum noch jemand hinschaut. Bei Unternehmen, die Anleger längst abgeschrieben haben. A.H.T. Syngas könnte ein solcher Fall sein. Der einst gefeierte Nebenwert hat einen wahren Kursabsturz hinter sich. Nachdem sich die Aktie zwischen 2020 und 2023 zeitweise auf über 30 EUR mehr als verzehnfacht hatte, folgte der tiefe Fall bis auf unter 3 EUR. Verschobene Projekte, schwächere Umsätze und enttäuschte Erwartungen ließen die Euphorie verpuffen. Heute liegt der Börsenwert nur noch bei rund 7 Millionen EUR – ein klassischer Micro Cap unterhalb des Radars institutioneller Investoren. Genau das könnte aber auch die Chance sein. Denn hinter den Kulissen arbeitet A.H.T. Syngas an einem Neustart. Das Unternehmen entwickelt Anlagen, mit denen aus Biomasse und Abfällen Synthesegas als Ersatz für Erdgas erzeugt werden kann, perspektivisch auch grüner Wasserstoff.
In Zeiten geopolitischer Unsicherheit, hoher Energiepreise und wachsender Forderungen nach Versorgungssicherheit gewinnt genau diese Technologie plötzlich an Relevanz. Viele Unternehmen und Kommunen suchen nach dezentralen Energielösungen, um unabhängiger von klassischen Energieträgern zu werden. A.H.T. Syngas könnte hier in eine Marktlücke stoßen. Besonders spannend ist dabei Polen. Dort arbeitet die Gesellschaft seit März mit dem Projektentwickler Innotec zusammen. Aktuell befinden sich bereits 17 Projekte in der Entwicklung. Sollte nur ein Teil davon realisiert werden, könnte sich die operative Dynamik deutlich beschleunigen. Unser Nachbarland gilt wegen hoher Biomasseverfügbarkeit und großer Abhängigkeit von fossilen Energieträgern als idealer Wachstumsmarkt. Gelingt A.H.T. Syngas dort der Durchbruch, wäre das womöglich der Türöffner für eine breitere internationale Skalierung.
Zusätzliche Fantasie liefert das Thema Wasserstoff. Mit dem geförderten BiDroGen-Projekt arbeitet A.H.T. bereits an Lösungen für die dezentrale Produktion von grünem Wasserstoff. Noch wichtiger erscheint jedoch die strategische Weiterentwicklung. Vorstandschef Gero Ferges will das Unternehmen langfristig vom klassischen Anlagenbauer hin zu einem Energieanbieter mit wiederkehrenden Einnahmen transformieren. Gelingt dieser Wandel, würde sich auch die Bewertungslogik der Aktie fundamental verändern. Als Investment ist A.H.T. Syngas aktuell zwar noch spekulativ, aber die Aktie eignet sich für Anleger, die den Reiz solcher Turnaround-Wetten zu schätzen wissen. Denn angesichts eines Börsenwertes im einstelligen Millionenbereich kann bereits ein einziger größerer Auftrag die Wahrnehmung der A.H.T.-Aktie am Kapitalmarkt komplett drehen. Sollte die operative Wende gelingen, wäre eine Rückkehr in deutlich höhere Kursregionen alles andere als ausgeschlossen.
Fazit
Bei den vorgestellten Kandidaten spricht derzeit vieles für eine Neubewertung, allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen. Bei Exasol könnte ausgerechnet die Kombination aus KI-Boom, Datenanalyse und möglicher Übernahmefantasie für neuen Schwung sorgen. SGL Carbon arbeitet sich nach schwierigen Jahren Schritt für Schritt aus der Krise und profitiert von Trends rund um Halbleiter, Energieinfrastruktur und Spezialmaterialien. Und bei A.H.T. Syngas geht es um eine potenziell explosive Wette auf die Zukunft klimaneutraler Energie und grünen Wasserstoffs. Alle drei Aktien besitzen das Potenzial für einen echten Phönix-Moment an der Börse, bei A.H.T Syngas ist das Kurspotenzial sicherlich am höchsten. Auch Analysten von GBC Research sehen dort noch viel Luft nach oben. Sie taxieren das Kursziel auf 8,50 EUR, was fast einer Verdreifachung zum jetzigen Kurs entspricht.
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