03.07.2026 | 05:45
Trendwende nach Jahren des Darbens: SoftBank, Strategic Resources und Aixtron im Check
SoftBank hat es geschafft: Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Schatten der eigenen Dotcom-Übertreibung ist der japanische Technologie-Investor wieder das wertvollste Unternehmen an Tokios Börse. Auch der deutsche Halbleiterausrüster Aixtron nähert sich dem Rekord aus dem Jahr 2000 wieder an. Beide Fälle zeigen: Selbst extrem überbewertete Aktien können nach jahrzehntelanger Durststrecke wieder für Furore sorgen – vorausgesetzt, ein echter struktureller Trend trägt sie. Ein Muster, das sich beim kanadischen Rohstoffwert Strategic Resources wiederholen könnte. Einziger Unterschied: Dessen Kurs ist abgestürzt, obwohl die Bewertung nie irrwitzige Höhen erreicht hatte.
Lesezeit: ca. 7 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
SOFTBANK GROUP CORP. | JP3436100006 , STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR , AIXTRON SE NA O.N. | DE000A0WMPJ6
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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SoftBank: Vom Symbol der Blase zum wertvollsten Unternehmen Japans
Kaum ein Unternehmen steht so sinnbildlich für die Übertreibungen der Jahrtausendwende wie SoftBank. Anfang der 2000er-Jahre trieb die Internet-Euphorie die Aktie auf schwindelerregende Bewertungen, bevor der Kurs nach dem Platzen der Dotcom-Blase über Jahre hinweg einbrach. Es folgte eine Durststrecke, die sich über zwei Jahrzehnte zog. Inzwischen ist die Technologie-Beteiligungsgesellschaft rehabilitiert. Der 3. Juni 2026 könnte als historisches Datum in Japans Börsengeschichte eingehen. An diesem Tag überholte SoftBank den Automobilkonzern Toyota und ist seither das wertvollste börsennotierte Unternehmen des Landes, nachdem die Aktie an einem einzigen Handelstag um mehr als 14 % auf ein neues Allzeithoch gesprungen war. Trotz einer anschließenden Korrektur liegt die Marktkapitalisierung aktuell mit 34,3 Bio. JPY (rund 184 Mrd. EUR) weiter über den 28,9 Bio. JPY, die der Autobauer auf die Börsenwaage stemmt, der seinerseits eine Schwächephase durchläuft. Der Auslöser des Kurssprungs war diesmal kein diffuses Internet-Versprechen, sondern ein konkretes Beteiligungsgeschäft: SoftBank hält 13 % am ChatGPT-Entwickler OpenAI, der in naher Zukunft an die Börse gebracht werden soll.
Nicht alles daran ist frei von Risiko: Zwar hat sich der Nettogewinn des Tokioter Konzerns im abgelaufenen Geschäftsjahr, das am 31. März endete, auf fast 5 Bio. JPY vervierfacht. Aber dieser monumentale Sprung war fast ausschließlich auf unrealisierte Bewertungsgewinne aus dieser einen KI-Investition zurückzuführen. Der innere Wert sämtlicher Beteiligungen kletterte deshalb auf ein Rekordniveau von rund 47,7 Bio. JPY. Ohne die Hochschreibungen hätte statt des Billionengewinns unterm Strich ein Minus in der Gewinn- und Verlustrechnung gestanden. Trotzdem sind Analysten und Investoren für die Beteiligungsfirma inzwischen wieder zuversichtlich. Der traditionelle Bewertungsabschlag gegenüber dem inneren Wert schrumpfte deshalb von zuvor rund 50 % auf aktuell unter 30 %. Ein Großteil der Kursfantasie hängt jetzt allerdings am geplanten Börsengang von OpenAI, der bereits von Ende 2026 auf Anfang 2027 verschoben wurde. Auch die milliardenschweren Investitionspläne in Infrastruktur für Rechenzentren – etwa ein neues Großprojekt in Frankreich – sind auf mehrere Jahre angelegt und nur bei anhaltendem KI-Boom wirtschaftlich tragfähig. Dennoch zeigt der Fall SoftBank exemplarisch, wie aus einem einstigen Symbol der Übertreibung wieder ein aussichtsreiches Investment werden kann – durch einen neuen, fundamental unterlegten Megatrend.
Strategic Resources: Das Ende einer langen Talsohle zeichnet sich ab
Kann SoftBank die Blaupause für andere Aktien sein, die nach langer Durststrecke wieder zum Höhenflug ansetzen? Ein möglicher Kandidat für ein ähnliches Comeback wäre Strategic Resources, ein kanadisches Rohstoffunternehmen, dessen Kurs von 4 CAD im Jahr 2019 auf aktuell nur noch 0,28 CAD gefallen ist – ein Minus von über 90 %. Es gibt sogar berechtigte Zweifel daran, ob das Kursniveau von 2019 eine Übertreibung war, aber die sieben Jahre lange Talfahrt ist Realität. Damals sicherte sich die Firma aus Montréal – mitten im kurzen Vanadium-Preisboom jenes Jahres – mehrere Projektoptionen in Finnland. Ab 2020 stieg der bekannte kanadische Rohstoffinvestor Ross Beaty über seine Lumina-Gruppe ein und plante, das Unternehmen zu einem Vehikel für den Aufbau einer westlichen Vanadium-Produktion zu formen. Kernstück sollte das Mustavaara-Projekt in Nordfinnland sein, eine zwischen 1976 und 1985 von Rautaruukki Oy betriebene Vanadium-Eisen-Titan-Lagerstätte, die seinerzeit rund 10 % der globalen Vanadiumproduktion stellte.
Die entscheidende strukturelle Weichenstellung folgte im Dezember 2022: Im Rahmen einer als Reverse Takeover genannten Transaktion – dabei übernimmt formal die kleinere, bereits börsennotierte Gesellschaft eine größere, um dieser Kapitalmarktzugang zu verschaffen – fusionierte Strategic Resources mit BlackRock Metals. Damit kam das kanadische BlackRock-Projekt in Québec ins Portfolio: ein abbaureifes Vanadium-Titan-Eisenerz-Vorkommen mit einem ermittelten Kapitalwert (NPV) von rund 1,9 Mrd. CAD nach Steuern und einer geplanten Minenlaufzeit von 39 Jahren. Phase 1 des Projekts sieht den Bau einer Pelletieranlage mit einer Jahreskapazität von 4 Mio. t am Tiefwasserhafen Port Saguenay vor, die feines Eisenerzkonzentrat zu transportfähigen Kügelchen verarbeitet – ein hochbegehrtes Produkt am Weltmarkt.
Prominente Fürsprecher und millionenschwere Fördermittel von der Politik
Nicht nur die Branchenikone Ross Beaty – Gründer von Pan American Silver und heute Chairman des ebenfalls milliardenschweren Konzerns Equinox Gold – ist deshalb überzeugt, dass Strategic Resources vor einer großen Zukunft steht. Auch der renommierte Rohstofffonds Orion Mine Finance und Investissement Québec, der staatliche Investitionsarm der kanadischen Provinz, sind maßgeblich investiert. Sie halten jeweils rund 41 % der Unternehmensanteile. Mehr noch: Québecs Provinzregierung ist aktiv in das BlackRock-Projekt involviert und finanziert eine 110 Mio. CAD teure Bandförderanlage im Hafen sowie weitere Versorgungsinfrastruktur im Wert von 170 Mio. CAD.
Der jüngste Beleg, dass auch die finnischen Projekte keine Fehlinvestitionen waren, liegt erst wenige Tage zurück: Am 29. Juni gab Strategic Resources bekannt, dass sein vanadiumreiches Magnetitkonzentrat aus Mustavaara für das FutSteel-Forschungsprojekt der Universität Oulu ausgewählt wurde. FutSteel ist ein mit 17 Mio. EUR dotiertes Forschungsvorhaben, das gemeinsam mit dem schwedisch-finnischen Stahlkonzern SSAB die Umstellung des Stahlwerks Raahe auf eine wasserstoffbasierte, CO₂-arme Produktionskette untersucht. CEO Sean Cleary wertete die Auswahl als Bestätigung, dass Mustavaara über ein hochwertiges Konzentrat verfüge, das für die globale Lieferkette einer grünen Stahlproduktion an Bedeutung gewinnen werde. Der Vorgang selbst hat den Kurs noch nicht bewegt, ist aber ein Signal: Kritische Rohstoffe wie Vanadium rücken – getrieben von Themen wie Versorgungssicherheit, Elektrifizierung und CO₂-armer Stahlproduktion – zunehmend in den Fokus industrieller Endabnehmer.
Ob daraus eine ähnliche Neubewertung wie bei SoftBank wird, ist naturgemäß offen, aber allein die Diskrepanz zwischen den 16 Mio. CAD Marktkapitalisierung von Strategic Resources und dem geschätzten Wert des BlackRock-Projekts von 1,9 Mrd. CAD lässt aufhorchen. Und die finnischen Aktivitäten – Mustavaara wurde einst auf einen Nachsteuer-Kapitalwert von 190 Mio. EUR geschätzt – sind in dieser Rechnung noch gar nicht berücksichtigt. Der zugrunde liegende Megatrend, der eine Neubewertung auslösen könnte, zeichnet sich immer klarer ab: Der Westen braucht sichere Lieferketten für kritische Rohstoffe, um die Versorgung der Industrie zu gewährleisten. Das für Verteidigung und Elektromobilität unverzichtbare Vanadium etwa stammt zu mindestens 70 % aus China, weitere 20 % aus Russland.
Aixtron: Der Veteran des neuen Markts auf dem Weg zurück zum alten Rekord
Ein Beispiel für ein fulminantes Comeback nach Jahren des Darbens findet sich in Deutschland. Aixtron, ein seit den Zeiten des Neuen Markts in Börsianerkreisen wohlbekannter Hightech-Maschinenbauer aus Herzogenrath bei Aachen, erreichte sein bisheriges Allzeithoch von rund 88 EUR im August 2000 – ebenfalls ein Kind der Dotcom-Euphorie, befeuert damals von der Fantasie rund um die Leuchtdioden-Technologie (LED). Nach dem Platzen der Blase fiel der Kurs über Jahre hinweg auf einen Bruchteil dieses Wertes. Heute notiert die Aktie bei rund 50 EUR und damit noch etwa 45 % unter dem fast 26 Jahre alten Rekord – nur noch, möchte man sagen, angesichts einer Zwölfmonatsperformance von 200 %. Treiber ist diesmal nicht LED-Beleuchtung, sondern die KI-getriebene Nachfrage nach Anlagen zur Herstellung von Verbindungshalbleitern (Substraten aus mehreren chemischen Elementen wie Galliumnitrid oder Siliziumkarbid), die für Rechenzentren, optische Datenübertragung und Laserdioden benötigt werden. Nach den Zahlen zum ersten Quartal hat Aixtron die Jahresprognose angehoben: Das Management rechnet nun mit einem Umsatz zwischen 530 Mio. EUR und 590 Mio. EUR sowie einer EBIT-Marge von 17 bis 20 %. Ob diese Ziele realistisch sind oder gar noch weiter nach oben gesetzt werden, könnte sich am 30. Juli entscheiden, wenn die Ergebnisse fürs zweite Jahresviertel veröffentlicht werden.
Ob und wann Aixtron den alten Rekord knacken wird, bleibt fraglich: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im hohen zweistelligen Bereich enthält einiges an Vorschusslorbeeren, und der für 2026 erwartete Umsatz liegt weiterhin unter dem Niveau der Boomjahre 2023/2024. Angesichts dessen ist auch der Börsenwert von rund 6,4 Mrd. EUR – mehr als das Zehnfache des Jahresumsatzes – kein Kind von Traurigkeit. Ein Teil der Analystengemeinde hält die Bewertung inzwischen für ambitioniert. Dennoch zeigt auch das in den deutschen Nebenwerteindizes MDAX und TecDAX notierte Unternehmen, dass ein neuer, breit getragener Trend (hier: KI-Infrastruktur statt LED-Beleuchtung) ausreichen kann, um eine zwei Jahrzehnte alte Bewertungsnarbe zu schließen – wenn auch in diesem Fall noch nicht vollständig. Aixtron markiert damit den Mittelweg zwischen Rekordjäger SoftBank und Ausbruchskandidat Strategic Resources.
Real existierende Megatrends, die nicht mehr zu stoppen sind
Drei Unternehmen, drei Sondersituationen – und ein gemeinsamer Mechanismus: SoftBank und Aixtron zeigen, dass selbst Aktien, die in einer früheren Spekulationsphase krass überbewertet waren, ihre alten Kurshochs zurückerobern oder ihnen zumindest wieder deutlich näherkommen können, sobald ein fundamental unterlegter Trend neue Fakten schafft. Die Parallele zu Strategic Resources ist dabei bewusst weit gefasst: Es geht nicht um eine exakte Wiederholung der Kursverläufe, sondern um das Schema „lange Durststrecke plus glaubwürdiger neuer Wachstumstreiber gleich Neubewertung“. Der kanadische Nebenwert befindet sich in einem deutlich früheren Stadium dieses möglichen Musters als die beiden KI-Profiteure. Noch laufen die behördlichen Genehmigungsverfahren und die Verhandlungen mit den Banken zur Finanzierung der Baukosten. Sobald hier Vollzug gemeldet wird, dürfte sich die Aktie jedoch in das Muster einreihen, das SoftBank und Aixtron vorgezeichnet haben. Die Megatrends Verteidigung, Elektrifizierung und Lieferkettensicherheit für kritische Rohstoffe im Zusammenspiel mit politischem Rückenwind sind real. Dieses Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen.
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