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24.02.2026 | 05:15

MustGrow Biologics und die Partnerschaft mit Bayer: Darum steht die Aktie erst am Anfang

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Bildquelle: pixabay.com

Die globale Landwirtschaft steht vor einem Paradox. Sie muss mehr Menschen ernähren, aber mit weniger chemischen Mitteln. Weltweit sind in 162 Ländern inzwischen 460 Pestizide verboten oder eingeschränkt. Die Ära der synthetischen Wirkstoffe geht zu Ende – doch was kommt danach? Ein kanadisches Unternehmen glaubt, die Antwort gefunden zu haben. Sie wächst auf dem Feld, ist scharf und gelb: Senf. MustGrow Biologics hat eine Technologie entwickelt, die die natürlichen Abwehrstoffe der Senfpflanze nutzt, um Böden zu sanieren und Erträge zu steigern. Was wie eine Nischenidee klingt, könnte sich als einer der spannendsten Investments im Agrarsektor entpuppen.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: MUSTGROW BIOLOGICS CORP. | CA62822A1030 , BAYER AG NA O.N. | DE000BAY0017

Inhaltsverzeichnis:


    Die Senf-Formel: Wie Corey Giasson die Agrarkrise lösen will

    Die Zahlen, die Corey Giasson, President und CEO von MustGrow, präsentiert, haben es in sich. „Wenn wir uns den US-Markt für unser Biofertilitätsprodukt TerraSante™ ansehen, gibt es dort 5,6 Mio. Acres hochwertige Sonderkulturen – Obst, Gemüse, Nüsse, Kartoffeln“, erklärt er. „Bei einer Marktdurchdringung von nur 3,3 % und einer Anwendung pro Acre und Jahr sprechen wir von 100 Mio. USD Umsatz.“ Das Entscheidende ist, dass viele Landwirte in Kalifornien nicht nur eine, sondern bis zu vier Ernten pro Jahr auf dieselbe Fläche einholen. Entsprechend größer wird der Bedarf.

    MustGrow hat bereits 2024 mit der Kommerzialisierung begonnen und erlebte eine Überraschung. „Der Verkauf von TerraSante™ begann 2024 auf einer kleinen Fläche (150 Acres), als Landwirte und Einzelhändler begannen, das Produkt zu testen. Aufgrund der positiven Ergebnisse wurde dies 2025 auf einer Fläche von etwa 1.000 Acres fortgesetzt.“, so Giasson. „In der zweiten Hälfte des Jahres 2025 verzeichneten wir einen Anstieg der Nachfragesteigerung, da sich die ersten Feldversuche als erfolgreich erwiesen. Aufgrund einer bewusst konservativen Bestandsplanung zu Beginn des Jahres konnten wir diese Nachfrage zum Saisonende nicht vollständig bedienen – ein klares Zeichen dafür, dass die Marktakzeptanz von TerraSante™ zunimmt.“ Ein Ausverkauf, der für jedes junge Unternehmen ein klares Signal ist, dass man einen Nerv getroffen hat.

    Was steckt hinter dieser Dynamik? MustGrow hat aus der Senfpflanze mehr gemacht als nur Gewürz. Die Technologieplattform des Unternehmens basiert auf der Isolierung jener Verbindungen, mit denen sich die Pflanze in der Natur gegen Schädlinge wehrt. Das Ergebnis sind zwei Produktlinien, TerraSante™ als Biofertilitätsprodukt, das den Boden nährt, und TerraMG™ als Biokontroll-Lösung gegen bodenbürtige Krankheiten.

    Harte Fakten vom Acker: Was die Feldversuche wirklich zeigen

    Besonders Letzteres sorgt derzeit für Aufsehen. In einem zweijährigen Feldversuchsprogramm auf rund 100 Acres in den kanadischen Prärieprovinzen hat MustGrow TerraMG™ gegen Kohlhernie getestet, eine parasitäre Krankheit, die den Rapsanbau massiv bedroht. „Im Jahr 2024 waren Kohlhernie-Sporen aufgrund einer feuchteren Vegetationsperiode häufiger anzutreffen, und TerraMG™ zeigte mit einer Reduzierung der Kohlhernie-Sporen um bis zu 95 % eine außergewöhnlich gute Leistung.“, berichtet Giasson. Die Ertragseffekte waren spektakulär. Bis zu 7 Bushel mehr pro Acre – ein Plus von 19 % gegenüber dem kanadischen Durchschnitt. Für den Landwirt bedeutete das einen Mehrwert von 91 CAD pro Acre. Und das in einem Markt, in dem es derzeit kein einziges registriertes Produkt gegen Kohlhernie gibt.

    Canola, wie Raps in Kanada genannt wird, ist die wertvollste Ackerfrucht des Landes. Die Produktion erreichte 2025 rund 14 Mrd. CAD. Die Landwirte helfen sich bislang mit Fruchtwechsel, aufwendiger Reinigung der Maschinen und resistenten Sorten. Doch die Pathogene passen sich an. Genau hier setzt TerraMG™ als biologische Waffe gegen einen Feind an, der sonst kaum zu stoppen ist.

    Vom Labor in den Markt: Die Bayer-Partnerschaft als Ritterschlag

    Das Besondere an MustGrows Ansatz ist die Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe und kommerzieller Klugheit. Das Unternehmen hält rund 110 Patente. Gleichzeitig hat man sich frühzeitig strategische Partner gesucht. Die Kooperation mit Bayer für die Regionen Europa, Naher Osten und Afrika ist mehr als nur ein Prestigeobjekt. „Wir schätzen, dass Bayer in seinen Gebieten 35 bis 40 Mio. USD ausgeben wird, um alle lokalen Daten zu generieren, die für die Produktregistrierungen erforderlich sind.“, erklärt Giasson. Dafür erhält das Unternehmen Vorauszahlungen, Meilensteinzahlungen und später Lizenzgebühren auf den Umsatz.

    Doch MustGrow denkt nicht nur in Partnerschaften. Über die Vertriebsplattform NexusBioAg vertreibt das Unternehmen in Kanada bereits ein breites Portfolio an Drittprodukten, von Mikronährstoffen bis zu Blattdüngern. Das schafft nicht nur Umsätze, sondern auch Beziehungen zu jenen Landwirten, die später die eigenen Produkte kaufen sollen. Im 3. Quartal 2025 erzielte MustGrow bereits 0,8 Mio. CAD Umsatz bei einer Bruttomarge von 22,9 %, durchaus ermutigende Zahlen für ein Unternehmen im Aufbau.

    Kluge Strategie: Warum MustGrow keine eigenen Fabriken baut

    Die Produktionsstrategie folgt einem klaren Asset-light-Ansatz. Statt teure eigene Fabriken zu bauen, setzt MustGrow auf Auftragsfertiger in Kanada und Asien. „Was die Produktion angeht, verfolgt MustGrow derzeit die Strategie, Produkte von Vertragsherstellern produzieren zu lassen. Wir haben bereits Produkte in Kanada und Asien hergestellt. Die Produktionskapazitäten unserer Fertigungspartner werden derzeit ausgebaut (sie investieren), was großartig ist, da dies eine Steigerung der Produktion ermöglicht, ohne dass MustGrow Kapitalausgaben tätigen muss.“, sagt Giasson. Die Umstellung von Chargenproduktion auf kontinuierliche Fertigung wird zudem die Margen verbessern.

    Im Januar 2026 hat sich das Unternehmen frisches Kapital besorgt: 2 Mio. CAD aus einer LIFE-Finanzierung zu 0,50 CAD je Einheit. Das Geld fließt in die Produktion von TerraSante™, in Inventar für NexusBioAg und in Working Capital. Die Kapitalstruktur bleibt mit rund 62,9 Mio. ausstehenden Aktien überschaubar. Und die Insider, Management und Berater, halten etwa 20 %, was als gutes Zeichen zu werten ist.

    Es gibt ein interessantes Interview von GBC Research mit dem CEO, das hier zu finden ist.

    Was Landwirte wirklich wollen: Effektivität trifft auf Nachhaltigkeit

    „Letztendlich brauchen Landwirte Lösungen, um eine wachsende Bevölkerung zu ernähren, aber sie wollen auch Produkte, die sowohl wirksam als auch sicher für den Boden und das Bodenmikrobiom sind.“, fasst Giasson zusammen. „Das ist es, was MustGrow zu bieten hat: eine natürliche, biologische Technologie mit der Wirksamkeit synthetischer Chemikalien und Düngemittel, kombiniert mit dem Sicherheitsprofil von Lebensmitteln.“

    Der Weg vom Patentportfolio zum Produkt ist bekanntlich das Grab vieler vielversprechender Technologien. MustGrow hat entscheidende Meilensteine bereits hinter sich. Erste Umsätze, einen Ausverkauf, einen strategischen Partner von Weltformat, Felddaten, die Landwirte überzeugen, und eine Produktionsstrategie, die Skalierung ohne Kapitalvernichtung erlaubt zeigen, dass das Unternehmen auf einem guten Weg ist. Und das mit einem Rohstoff, den jeder kennt: Senf.

    Die Aktie notiert aktuell bei 0,59 CAD und damit deutlich über dem Preis der letzten Finanzierung was als gutes Zeichen zu werten ist.

    Chart MustGrow Biologics, Stand 20.02.2026, Quelle: Refinitiv

    Für wachstumsorientierte Anleger bietet MustGrow Biologics eine seltene Kombination aus einem strukturellen Megatrend, ersten kommerziellen Erfolgen, eine validierte Technologie und einen strategischen Partner wie Bayer. Die Marktchancen sind enorm, schon kleine Marktanteile versprechen dreistellige Millionenerlöse. Wer auf die Transformation der Landwirtschaft setzen will, findet hier eine spannende Anlagemöglichkeit mit realen Fortschritten. Die Richtung stimmt – jetzt muss die Umsetzung halten, was die Feldversuche versprechen.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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