27.10.2026 | 05:21
Pharmaaktien mit Zukunft – Bayer, BioNxt Solutions, Novo Nordisk füllen ihre Pipelines
Kein Pharmakonzern lebt ewig von seinen Bestsellern. Irgendwann läuft der Patentschutz aus, Nachahmer drängen in den Markt und die Margen schrumpfen. Wer dann keinen Nachschub hat, sitzt auf dem Trockenen. Deshalb fließt gerade viel Geld in neue Wirkstoffe, neue Fabriken und neue Wege der Verabreichung. Bayer will in Ohio 2,2 Mrd. USD in ein Pharmawerk investieren. Kleinere Entwickler wie BioNxt Solutions tüfteln an bekannten Wirkstoffen in neuer Form. Novo Nordisk vereinbarte Ende September die Lizenz für einen oralen Wirkstoff, 300 Mio. USD Anzahlung inklusive. Wir sehen uns daher Bayer, BioNxt Solutions und Novo Nordisk genauer an.
Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BioNxt Solutions Inc | CA0909741062 , BAYER AG NA | DE000BAY0017 , NOVO NORDISK A/S | DK0062498333
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Bayer – Milliarden für die Pharmasparte von morgen
Bayer plant langfristig. Am 2. Oktober hat der Konzern angekündigt, 2,2 Mrd. USD in einen neuen Pharmastandort in New Albany im Bundesstaat Ohio zu stecken. Dort sollen zunächst Medikamente für die Onkologie, Kardiologie und Nephrologie entstehen. Das erste Modul für die Wirkstoffherstellung soll 2031 betriebsbereit sein, das zweite für die Herstellung des Fertigprodukts ist für 2034 geplant. Der Zeitplan zeigt, dass Bayer auf Nachschub aus der eigenen Entwicklung setzt. Gelingt es, die Pipeline zu füllen, spielt das Werk dem Konzern langfristig in die Karten.
Dazu passt, was in der Nephrologie gerade geschieht. Am 17. September hat die amerikanische Zulassungsbehörde FDA Kerendia für Erwachsene mit chronischer Nierenerkrankung bei Diabetes vom Typ 1 zugelassen. Laut Bayer ist es die erste neue Behandlungsoption für diese Gruppe seit mehr als 30 Jahren. Am 8. Oktober nahm die FDA zudem den Antrag für Patienten ohne Diabetes an, gestützt auf die Studie FIND-CKD. Am 22. Oktober legte Bayer beim Nierenkongress ASN Kidney Week neue Auswertungen dazu vor. Gelingt die Ausweitung, könnte Kerendia der Pharmasparte auf die Sprünge helfen.
Auch bei der Behandlung von Krebs gibt es Fortschritte. Am 24. Oktober meldete Bayer, dass Darolutamid, das der Konzern gemeinsam mit Orion entwickelt, zusätzlich zu Androgenentzug und Strahlentherapie in der Zwischenanalyse der Studie DASL-HiCaP bei Prostatakrebs mit hohem Rückfallrisiko die Gefahr für Metastasen oder Tod um 58 % gegenüber Placebos senkte.
Der Rechtsstreit um das Glyphosat-Herbizid Roundup belastet dagegen weiter. Der Vergleich über bis zu 7,25 Mrd. USD, zahlbar über bis zu 21 Jahre, wartet laut Medienberichten von Mitte Oktober noch auf die endgültige Genehmigung durch das Gericht. Damit hängt eine Milliardensumme in der Schwebe. Das Risiko bleibt bestehen.
BioNxt Solutions – bekannter Wirkstoff, neue Form, erster Test am Menschen
BioNxt Solutions arbeitet an bekannten Wirkstoffen in neuer Form. Am 19. Oktober meldete das Unternehmen, dass rund 1.500 Prüffilme mit sublingualem Cladribin gegen Multiple Sklerose hergestellt sind. Am 16. Oktober reichten die Entwicklungspartner den Antrag auf die erste klinische Prüfung über das europäische Portal CTIS ein. Die Prüfung durch die Behörden des CTA-Antrags dauert nach Schätzung des Unternehmens etwa drei Monate. In einem Interview, das am 25. Oktober veröffentlicht wurde, erklärte Mitgründer und CEO Hugh Rogers, die Studie solle nur die Bioäquivalenz zur Tablette Mavenclad prüfen, weil Wirksamkeit und Sicherheit längst bekannt seien. Das Rad muss man hier nicht neu erfinden.
Als nächste Schritte nennt Rogers die Freigabe der Prüffilme, die er binnen 30 bis 60 Tagen erwartet, und eine Humanstudie, die nur zwei bis drei Wochen dauern soll. Dazu kommt das Patentportfolio des Unternehmens. In Europa und Eurasien sind Patente erteilt, aus Nordamerika erwartet er in wenigen Wochen Nachricht. Am Ende könnte eine Lizenzvereinbarung stehen. Parallel baut BioNxt die Plattform aus. Am 8. September startete eine Tierstudie mit sechs Beagle-Hunden zu einem Everolimusfilm für die Transplantationsmedizin, und als weiteres Einsatzgebiet für Cladribin nennt Rogers Myasthenia gravis. Das könnte BioNxt Türen öffnen.
Auch im Markt für Stoffwechselwirkstoffe mischt BioNxt mit. Am 4. August nannte das Unternehmen in einer Mitteilung zur Entwicklung seiner Pipeline das sublinguale Semaglutid, den Inhaltsstoff von Ozempic und Wegovy, als weiteren Baustein. Im Mittelpunkt steht zunächst die Frage, ob sich die Dünnfilmplattform für Peptide eignet, mit Schwerpunkt auf Stoffwechselerkrankungen. Die gemeinsame Plattform soll nach Unternehmensangaben mehrere Therapiebereiche abdecken, von der Neurologie bis zum Stoffwechsel. Taugt der Film auch für Peptide? Gelingt das, wäre BioNxt in einem Feld unterwegs, in dem Novo Nordisk aktuell den Ton angibt.
Novo Nordisk – oraler Kandidat und CagriSema füllen die Pipeline
Novo Nordisk holt sich Nachschub für seine Entwicklungspipeline von außen. Am 29. September vereinbarte der Konzern mit Hengrui Pharma eine exklusive Lizenz für HRS-1596, einen Wirkstoff zum Einnehmen gegen Übergewicht, der zwei Hormonrezeptoren anspricht und möglicherweise nur einmal pro Woche nötig ist. Die Vorauszahlung beträgt 300 Mio. USD, der mögliche Gesamtwert samt Meilensteinen liegt bei bis zu 2,6 Mrd. USD. Der Abschluss wird im 4. Quartal erwartet, vorbehaltlich kartellrechtlicher Freigaben. Schon am 21. September hatte Novo das Ziel bis 2030 ausgegeben, die Kapazität so auszubauen, dass zehnmal mehr Menschen mit Adipositas ein orales Mittel bekommen können. Dafür greift man tief in die Tasche.
Bei CagriSema gibt es neue Daten. Am 20. Oktober stellte Novo beim Kongress der Menopause Society in San Diego Auswertungen der Studie REDEFINE 1 vor. Bei 2.309 Frauen mit Adipositas oder Übergewicht lag der durchschnittliche Gewichtsverlust nach 68 Wochen bei 25,0 %, unter Placebo bei 3,0 %. Das Unternehmen betont, dass es sich um nachträgliche Auswertungen handelt, die weiter geprüft werden müssen. Die Entscheidung der FDA über die Zulassung wird im 4. Quartal erwartet. Kommt die Zulassung, wäre das ein großer Wurf.
Rückschläge gibt es auch. Am 2. Oktober teilte Novo mit, dass die FDA die Prüfung von Denecimig gegen Hämophilie A verlängert, weil am Herstellungswerk noch Mängel behoben werden. Mängel bei Wirksamkeit oder Sicherheit hat die Behörde nicht festgestellt. Der Marktstart in den USA ist nun für die erste Jahreshälfte 2027 angepeilt, die Prognose für 2026 bleibt laut Novo unberührt. Gleichzeitig läuft der Aktienrückkauf weiter. Bis zum 16. Oktober erwarb Novo seit dem 4. Februar 39.074.179 Aktien der Klasse B für etwa 10,88 Mrd. DKK. Die nächsten Quartalszahlen kommen am 4. November vor Börsenstart.
Fazit
Wer Nachschub will, muss zuerst investieren. Bayer steckt 2,2 Mrd. USD in ein neues Werk und baut mit Kerendia die Nephrologie aus, doch der Vergleich zu Roundup bleibt offen. BioNxt Solutions hat die Prüffilme für Cladribin hergestellt und den Antrag auf die erste Studie am Menschen eingereicht, zugleich wächst die Plattform um Everolimus und Semaglutid. Novo Nordisk sichert sich einen oralen Kandidaten von Hengrui und wartet im 4. Quartal auf die Entscheidung der FDA zu CagriSema. Nachschub ist bei allen dreien in Arbeit.
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