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19.08.2026 | 06:00

Bei Zefiro Methane, RENK und Talanx bewegt sich was: Drei interessante Aktien im Check

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Bildquelle: Pixabay

Aufträge, operative Fortschritte und eine angehobene Prognose: Bei Zefiro Methane, RENK und Talanx hat sich zuletzt einiges bewegt. Während Talanx längst zur ersten Liga der europäischen Versicherer zählt und RENK vom Rüstungsboom profitiert, entwickelt sich bei Zefiro Methane aus einem wenig beachteten Umweltproblem ein wachsendes Geschäft. Wir stellen die drei aussichtsreichen Titel im Aktiencheck näher vor.

Lesezeit: ca. 7 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , RENK AG O.N. | DE000RENK730 , TALANX AG NA O.N. | DE000TLX1005

Inhaltsverzeichnis:


     

    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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    Aktien-Cloud

    Zefiro Methane: Aktie mit Kurspotenzial von 250 %

    In den USA schlummern Hunderttausende aufgegebene Öl- und Gasbohrlöcher. Viele davon stoßen unkontrolliert Methan aus, gefährden das Grundwasser oder liegen inzwischen mitten in Wohngebieten. Zefiro Methane spürt solche „Orphan Wells“ auf, misst die Emissionen und verschließt die Bohrungen. Die Erlöse stammen aus staatlichen und privaten Sanierungsaufträgen sowie aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten.

    Wie konkret das Problem ist, zeigt die jüngste Titelgeschichte der Regionalzeitung „The Bradford Era“. Im Mittelpunkt stand das Bohrloch „Warrant 3489 Johnston & Mathews #1“ in Bradford, Pennsylvania. Was für Anwohner jahrelang lediglich wie ein rostiges Rohr unter einem orangefarbenen Verkehrskegel aussah, entpuppte sich als Quelle mit einem Methananteil von 50 %. Zefiros Tochter Plants & Goodwin (P&G) verschloss das Bohrloch im November 2025 erfolgreich und konnte dadurch weitere Schäden für Mensch und Umwelt verhindern. Durch die Berichterstattung entstehen natürlich noch nicht automatisch neue Aufträge. Sie verschafft dem Thema rund um „Orphan Wells“ und Zefiro jedoch Aufmerksamkeit weit über die Fachwelt hinaus – bis hin zu einem Besuch des „Beverly Hills 90210“-Schauspielers Jason Priestley und einem Beitrag der BBC.

    Das operative Fundament ist für die weitere Börsenstory allerdings weitaus wichtiger. Die Zefiro-Tochter P&G ist seit 1970 im Bohrlochgeschäft aktiv und gehört zu den wenigen Anbietern, die größere Sanierungsprogramme mit eigenen Fachkräften und eigener Ausrüstung abarbeiten können. In Ohio sicherte sich Zefiro einen über drei Jahre laufenden Vertrag über 19,6 Mio. USD. Hinzu kommen das mit 4,5 Mio. USD bewertete Projekt Wood 12F sowie drei weitere, im Juni vergebene Projekte über zusammen 2,4 Mio. USD.

    Zusätzlichen Schub verspricht die Partnerschaft mit der Well Done Foundation. Die Organisation ist in 18 US-Bundesstaaten aktiv, Zefiro verfügt inzwischen in 13 Staaten über operative Kapazitäten. Ein erster Auftrag umfasst zehn Bohrlöcher im Deep Fork National Wildlife Refuge in Oklahoma; 20 weitere sollen 2027 folgen. Ein gemeinsam genutzter Standort in Okmulgee schafft zudem eine Basis für weitere Ausschreibungen in einem der wichtigsten Öl- und Gasstaaten der USA.

    Auch die Zahlen unterfüttern die Story inzwischen. Im dritten Geschäftsquartal stieg der Umsatz um 58 % auf 11,0 Mio. USD, der Bruttogewinn sprang sogar um 153 % auf 2,56 Mio. USD. Der bereinigte Nettoverlust schmolz dagegen von 2,05 Mio. auf nur noch 62.000 USD. Nach neun Monaten standen ein Rekordumsatz von 33 Mio. USD und ein bereinigtes EBITDA von rund 4,25 Mio. USD in den Büchern. Für das Gesamtjahr stellt das Management mehr als 40 Mio. USD Umsatz in Aussicht.

    Eine Videopräsentation mit Zefiro-Methane-Chefin Catherine Flax finden Sie hier:
    https://youtu.be/nNodjcqNJMM

    Der Augsburger Finanzdienstleister GBC Research erwartet nachhaltig kräftiges Wachstum. Für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2025/26 kalkulieren die Analysten sogar mit einem Umsatz von 45,18 Mio. USD und einem EBITDA von 3,73 Mio. USD. Im laufenden Geschäftsjahr sollen die Erlöse auf 57,92 Mio. USD steigen. Beim EBITDA wird mit einem Sprung auf 10,02 Mio. USD gerechnet. 2027/28 könnten bereits 66,85 Mio. USD Umsatz und 12,22 Mio. USD EBITDA erreicht werden.

    Noch gar nicht vollständig eingepreist ist dabei laut GBC das Geschäft mit CO₂-Zertifikaten. Durch das Verschließen undichter Bohrlöcher verhindert Zefiro künftige Methanemissionen. Diese Einsparungen können nach einer Verifizierung in Emissionszertifikate umgewandelt und verkauft werden. Das Geschäft ruht derzeit weitgehend, könnte nach der Einführung einer überarbeiteten Berechnungsmethode aber ab der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2026/27 wieder anlaufen. Da hierfür kaum zusätzliche operative Kosten anfallen, winken überdurchschnittlich hohe Margen.

    GBC hat die Aktie mit „Kaufen“ und einem Kursziel von 1,50 USD beziehungsweise 2,12 CAD in die Bewertung aufgenommen. Ausgehend vom aktuellen Aktienkurs von 0,42 USD oder 0,61 CAD ergibt sich rechnerisch ein Potenzial von rund 250 %. Das klingt spektakulär, doch wenn es dem Unternehmen gelingt, die jüngste Dynamik in nachhaltiges Wachstum und stabile Gewinne zu übersetzen, könnte der Markt die Aktie völlig neu bewerten. Auch wenn das Papier in den vergangenen 12 Monaten bereits mehr als 100 % zugelegt hat, könnte sich der Titel mittelfristig durchaus nochmals verdoppeln. Gelingt es Zefiro, den Auftragsbestand weiter hochzufahren und die positive EBITDA-Entwicklung in nachhaltige Gewinne zu übersetzen, dürfte die heutige Bewertung noch viel Luft nach oben lassen. Die Aktie bleibt aber sehr spekulativ, Anleger sollten auch Kursschwankungen einkalkulieren.

    RENK: Volle Bücher, geduldige Aktionäre

    Beim deutschen Rüstungshersteller RENK brummt der Auftragseingang schneller als der Umsatz. Im ersten Halbjahr legten die Bestellungen um knapp 30 % auf rund 1,2 Mrd. EUR zu. Allein im zweiten Quartal gingen Aufträge über 612,8 Mio. EUR ein – so viel wie noch nie in einem einzelnen Quartal. Der Gesamtauftragsbestand erreichte 7,4 Mrd. EUR, das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz lag bei starken 1,9.

    In der Gewinnrechnung kommt der Rüstungsboom bereits an, wenn auch gemächlicher. Der Umsatz wuchs lediglich um 2,7 % auf 637,2 Mio. EUR, das bereinigte EBIT aber um gut 10 % auf 98,2 Mio. EUR. Die Marge verbesserte sich von 14,4 auf 15,4 %. Für 2026 peilt RENK weiterhin mehr als 1,5 Mrd. EUR Umsatz und ein bereinigtes EBIT von 255 bis 285 Mio. EUR an. Knapp 64 % der Erlöse entfielen 2025 auf das Geschäft mit Fahrzeuggetrieben. Dabei ist RENK internationaler aufgestellt, als es die Diskussion um deutsche Rüstungsausgaben vermuten lässt: Nur rund 24 % des Umsatzes kamen aus Deutschland, knapp 29 % aus Asien und weitere 24 % aus Amerika.

    Der Marktkonsens traut dem Getriebespezialisten weiterhin kräftiges Wachstum zu. Die Erlöse sollen von 1,37 Mrd. EUR im Jahr 2025 auf 1,56 Mrd. EUR in 2026, 1,81 Mrd. EUR in 2027 und 2,16 Mrd. EUR in 2028 steigen. Beim Gewinn je Aktie rechnen die Analysten mit einem Anstieg von 1,61 EUR auf 1,75 EUR, 2,17 EUR und schließlich 2,79 EUR. Zugleich soll sich der freie operative Cashflow von 70 Mio. EUR im vergangenen Jahr auf 150 Mio. EUR in 2026 und bis auf 220 Mio. EUR in 2028 mehr als verdreifachen. Das wäre der Beleg, dass aus dem Auftragsboom tatsächlich Bares wird.

    Billig ist diese Entwicklung allerdings nicht zu haben. Beim Kurs von rund 51 EUR wird RENK mit gut 5,1 Mrd. EUR bewertet. Das erwartete KGV für 2026 liegt bei knapp 30, der Unternehmenswert beim 17-Fachen des prognostizierten EBITDA. Das ist wahrlich kein Schnäppchenniveau. Beide Multiplikatoren liegen über dem Branchenmedian. Bis 2028 würde das KGV bei Erreichen der Schätzungen allerdings auf unter 19 sinken.

    Seit dem Hoch vom Oktober 2025 hat die Aktie zudem mehr als 45 % verloren. Der Kursrückgang hat viel Übertreibung aus der Bewertung genommen, die hohen Erwartungen und die Ausführungsrisiken aber noch nicht gänzlich beseitigt. Analysten bleiben dennoch ausgesprochen optimistisch: Aktuell raten 17 Banken und Researchhäuser zum Kauf, lediglich zwei Analysten vergeben Halte-Voten. Verkaufsempfehlungen gibt es derzeit nicht. Das mittlere Kursziel von knapp 65 EUR eröffnet rund 26 % Potenzial. Für langfristig orientierte Anleger bleibt RENK auf aktuellem Niveau interessant. An schwächeren Tagen können Bestände aufgestockt werden.

    Talanx: Rekordgewinn zum vernünftigen Preis

    Der Versicherer Talanx lieferte am Freitag harte Gewinne statt Zukunftsversprechen. Der Überschuss stieg im ersten Halbjahr um 9 % auf den Rekordwert von 1,50 Mrd. EUR, das operative Ergebnis um 11 % auf 3,2 Mrd. EUR. Die Eigenkapitalrendite erreichte 21,5 %, die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich von 90,7 auf 88,7 %.

    Hilfreich waren Großschäden von 942 Mio. EUR, die fast eine halbe Milliarde Euro unter dem anteiligen Budget lagen. Dabei hat Talanx bereits 200 Mio. EUR für mögliche Belastungen aus dem Iran-Krieg zurückgestellt. Nach dem starken Halbjahr erwartet der Versicherer 2026 nun einen Nettogewinn von „deutlich mehr“ als 2,7 Mrd. EUR. Die Solvency-II-Quote von 246 % signalisiert ein komfortables Kapitalpolster.

    Der Analystenkonsens liegt bereits höher: Im Mittel rechnen Finanzexperten mit 2,95 Mrd. EUR Nettogewinn und 11,05 EUR Gewinn je Aktie. Beim Kurs von rund 119 EUR bringt Talanx etwa 30,7 Mrd. EUR auf die Börsenwaage. Das erwartete KGV für die kommenden zwölf Monate liegt bei gut 10 und damit etwa auf Höhe des Branchenmedians. Beim Unternehmenswert zum EBITDA ist Talanx mit einem Faktor von rund 5 sogar deutlich günstiger als der Sektordurchschnitt von 7,5. Hinzu kommt eine erwartete Dividendenrendite von rund 3,9 %.

    Sieben Bank- und Researchinstitute raten zum Kauf des Titels, zwei Analysten votieren mit Halten. Verkaufsempfehlungen gibt es wie bei RENK derzeit keine. Das mittlere Kursziel von gut 133 EUR eröffnet rund 12 % Potenzial.

    Die niedrigen Großschäden lassen sich nicht einfach fortschreiben, zumal die Hurrikansaison erst im zweiten Halbjahr auf die Rechnung schlägt. Talanx überzeugt jedoch mit profitablem Wachstum, diszipliniertem Underwriting und steigenden Kapitalerträgen. Gemessen an Ertragskraft, Bilanzqualität und Dividende bleibt die Aktie interessant. Der Titel ist an schwachen Tagen ein Kauf für langfristig orientierte Anleger.

    Fazit

    Talanx steht für berechenbare Qualität, RENK für einen prall gefüllten Auftragsbestand und Zefiro für die spekulative Wachstumschance. Alle drei Aktien sind interessant und aussichtsreich. Im kleinen kanadischen Umweltdienstleister steckt das größte Überraschungspotenzial: Die Aufträge wachsen, das operative Ergebnis ist positiv und das Geschäftsmodell gewinnt sichtbar an Reichweite. Die Aktie ist allerdings auch der spekulativste Titel des Trios.


    Interessenskonflikt

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    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

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