19.10.2026 | 05:22
Rio Tinto, Almonty Industries, Energy Fuels – Die Börse zögert, doch der Rohstoffhunger wächst
Die jüngste Korrektur bei Rohstoffaktien sorgt für Nervosität. Nach kräftigen Kursgewinnen nehmen Anleger Gewinne mit, während schwankende Metallpreise und konjunkturelle Unsicherheiten zusätzlichen Druck erzeugen. Doch an den langfristigen Perspektiven hat sich wenig geändert. Der Ausbau von Stromnetzen, Künstlicher Intelligenz, Rüstungsindustrie und moderner Fertigung verschlingt enorme Mengen strategischer Metalle. Gleichzeitig wollen die USA und Europa ihre Abhängigkeit von China reduzieren. Für Rohstoffunternehmen mit eigenen Lagerstätten und konkreten Produktionsplänen eröffnet dies erhebliche Chancen.
Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: Almonty Industries Inc | CA0203987072 , ENERGY FUELS INC. | CA2926717083 , RIO TINTO PLC LS-10 ADR 1 | US7672041008
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Der Autor
Stefan Feulner
Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.
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Rio Tinto – Kupferproduktion nimmt kräftig Fahrt auf
Während Rohstoffaktien an der Börse unter Druck stehen, liefert Rio Tinto operative Fortschritte. Der britisch-australische Bergbauriese meldete vergangene Woche neue Produktionszahlen. Besonders dynamisch entwickelte sich dabei das Kupfergeschäft. In der mongolischen Oyu-Tolgoi-Mine stieg die Förderung im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 27 %. Nach neun Monaten lag das Plus sogar bei 29 %. Die Mine erreichte im Quartal eine auf das Gesamtjahr hochgerechnete Produktionsrate von rund 450.000 t Kupfer.
Auch bei anderen Rohstoffen kommt Rio Tinto voran. Die weltweiten Eisenerzverkäufe stiegen im dritten Quartal um 3 % auf 90,8 Mio. t. Das Simandou-Projekt in Guinea erreichte eine annualisierte Förderrate von rund 10 Mio. t. Bis zur zweiten Jahreshälfte 2028 soll die Kapazität auf 60 Mio. t steigen.
Zusätzliche Wachstumschancen bietet Lithium. In den ersten neun Monaten erhöhte Rio Tinto die Produktion um 33 %. Damit baut der Konzern seine Position in einem Wachstumsmarkt aus, der langfristig vom Ausbau der Batteriespeicherung profitieren dürfte.
Gleichzeitig arbeitet Rio Tinto an seiner Kostenstruktur. Bis Ende 2026 strebt das Management einen jährlichen Produktivitätsbeitrag von 1,8 Milliarden USD an. Die aktuelle Korrektur an den Rohstoffbörsen ändert damit wenig an den operativen Fortschritten.
Almonty Industries – Nächster Meilenstein erreicht
Die jüngste Korrektur bei Rohstoffaktien hat auch Almonty Industries erfasst. Nach einer kräftigen Kursrallye und einem Allzeithoch bei 24,41 USD sorgten Gewinnmitnahmen und schwankende Metallpreise für Druck und einem Kursverfall von knapp 60 % auf aktuell 9,83 USD. Die langfristigen Perspektiven des kanadischen Wolframspezialisten bleiben dagegen intakt, vielmehr haben sich diese in den vergangenen Wochen deutlich verbessert.
Im CEO-Newsletter vom 11. Oktober kündigte Lewis Black an, dass die erste kommerzielle Wolframlieferung aus der südkoreanischen Sangdong-Mine am 24. Oktober verschifft werden soll. Nach 33 Jahren Stillstand läuft die Mine wieder. Der Mahlkreislauf arbeitet laut Black bereits mit voller Durchsatzleistung, die erzielten Gewinnungsraten entsprechen den Erwartungen. Selbst technische Probleme an drei Rohrleitungen der Wasseraufbereitung konnten inzwischen behoben werden.
Zudem bestätigte Almonty, dass die zweite Entwicklungsphase bereits angelaufen und vollständig finanziert ist. Bis 2027 soll die jährliche Verarbeitungskapazität auf bis zu 1,2 Mio. t steigen. Daraus könnten mehr als 460.000 MTU Wolfram jährlich entstehen. Damit würde Sangdong zu einer der größten Wolframminen außerhalb Chinas aufsteigen.
Auch neben dem Großprojekt in Südkorea macht Almonty Fortschritte. In Ruanda sollen ab November monatlich mehr als 100 t Wolframmaterial verschifft werden. Zusätzlich plant das Unternehmen in Südkorea eine Anlage zur Weiterverarbeitung von Wolframkonzentrat zu APT und Oxiden. Der Baubeginn wird für 2027 angestrebt.
Ein weiteres Signal setzte das Management mit Aktienrückkäufen. Bis Ende September erwarb Almonty 2.914.739 eigene Aktien für rund 48 Mio. USD.
Die Perspektiven bleiben somit vielversprechend. Während China den Wolframmarkt dominiert, baut Almonty seine Produktion und Verarbeitung außerhalb Chinas aus.
Energy Fuels – Amerikas Antwort auf Chinas Rohstoffdominanz
Energy Fuels arbeitet daran, eine der größten Schwachstellen der amerikanischen Rohstoffversorgung zu beseitigen. Der US-Konzern ist traditionell im Uransektor aktiv, baut aber zunehmend ein zweites Standbein bei Seltenen Erden auf. Im Mittelpunkt steht die White-Mesa-Anlage im Bundesstaat Utah, die sowohl Uran als auch bestimmte Seltene Erden verarbeiten kann.
Dabei konnten Fortschritte bei schweren Seltenen Erden vermeldet werden. Energy Fuels gelang erstmals die Herstellung von hochreinem Terbiumoxid aus amerikanischen Rohstoffen. Zuvor hatte das Unternehmen bereits Dysprosiumoxid mit einer Reinheit von 99,9 % produziert. Beide Metalle sind für leistungsfähige Permanentmagnete von großer Bedeutung. Diese werden unter anderem in Elektrofahrzeugen, Robotern, Drohnen und militärischen Anwendungen eingesetzt.
Damit positioniert sich Energy Fuels in dem Markt, der bislang stark von chinesischen Lieferketten abhängig ist. Die USA wollen diese Abhängigkeit reduzieren und unterstützen den Aufbau einer eigenen Rohstoffindustrie zunehmend durch staatliche Programme und strategische Initiativen.
Auch die Ausbaupläne sind ambitioniert. Bereits 2027 könnte eine erweiterte Verarbeitungsanlage in Betrieb gehen, sofern Genehmigungen und ausreichende Rohstoffmengen vorliegen. Vorgesehen sind jährliche Kapazitäten von bis zu 35 t Dysprosium, 12 t Terbium und 850 bis 1.000 t Neodym-Praseodym-Oxid.
Langfristig plant Energy Fuels eine weitere Ausbaustufe. Ab 2029 könnte die Kapazität auf mehr als 6.000 t Neodym-Praseodym-Oxid jährlich steigen. Dafür wären allerdings erhebliche Investitionen und zusätzliche Rohstofflieferungen erforderlich.
Fazit
Rio Tinto baut seine Kupfer- und Lithiumproduktion aus, während Energy Fuels an einer amerikanischen Lieferkette für Seltene Erden arbeitet. Almonty Industries hat mit dem Produktionsstart von Sangdong bereits einen entscheidenden Schritt geschafft. Die jüngste Börsenkorrektur zeigt zwar, wie volatil Rohstoffaktien bleiben. Doch der langfristige Bedarf an strategischen Metallen wächst weiter. Besonders Unternehmen mit eigenen Produktionskapazitäten, gesicherten Absatzmöglichkeiten und Zugang zu kritischen Rohstoffen könnten davon profitieren.
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