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15.09.2026 | 05:10

GE Aerospace, Strategic Resources, BASF – Lieferketten werden zum Milliardenmarkt

  • kritische Rohstoffe
Bildquelle: Chat GPT KI-generiert

Rüstung, Luftfahrt, Energieinfrastruktur und Hightech treiben den Bedarf an Spezialmetallen und Hochleistungsmaterialien. Gleichzeitig wächst im Westen die Sorge, bei entscheidenden Rohstoffen und industriellen Vorprodukten von wenigen Lieferländern abhängig zu sein. Milliarden fließen deshalb nicht mehr nur in neue Fabriken, sondern zunehmend in die Absicherung kompletter Lieferketten. Wer Rohstoffe besitzt, verarbeitet oder daraus unverzichtbare Komponenten produziert, rückt strategisch in den Mittelpunkt.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: GE AEROSPACE | US3696043013 | NYSE: GE , STRATEGIC RES INC. | CA86277X4093 | TSXV: SR , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111

Inhaltsverzeichnis:


    GE Aerospace – 11,75 Milliarden USD für mehr Kontrolle

    GE Aerospace greift tief in die Tasche, um einen wichtigen Teil seiner Lieferkette stärker unter eigene Kontrolle zu bringen. Der Triebwerkshersteller übernimmt Consolidated Precision Products, kurz CPP, für 11,75 Mrd. USD von Warburg Pincus und Berkshire Partners. CPP produziert hochkomplexe Gussteile für nahezu alle wichtigen aktuellen Verkehrsflugzeugprogramme sowie für Defence- und Energieanwendungen.

    Besonders interessant ist das Materialspektrum. CPP verarbeitet unter anderem Titan, Superlegierungen und weitere Spezialmetalle zu hochbelastbaren Struktur- und Triebwerkskomponenten. GE Aerospace arbeitet bereits seit mehr als 15 Jahren mit dem Unternehmen zusammen.

    Hinter der Milliardenübernahme steht ein zunehmender Engpass. Die Nachfrage nach Verkehrsflugzeugen, Ersatzteilen und Rüstungsgütern wächst gleichzeitig. GE-Chef Larry Culp bezeichnet zusätzliche Kapazitäten bei missionskritischen Gussteilen deshalb ausdrücklich als notwendig.

    Durch die Integration will GE Aerospace Produktionskapazitäten ausbauen, die Leistungsfähigkeit der Lieferkette erhöhen und die Entwicklung neuer Triebwerkstechnologien beschleunigen. Die Transaktion soll bereits im ersten Jahr positiv zum bereinigten Gewinn je Aktie und zum freien Cashflow beitragen.

    Der Deal zeigt, wie wertvoll industrielle Versorgungssicherheit inzwischen geworden ist. GE Aerospace kauft nicht einfach einen Zulieferer. Der Konzern zahlt fast 12 Mrd. USD, um sich langfristig Zugang zu Technologien, Kapazitäten und strategisch wichtigen Komponenten zu sichern.

    Strategic Resources – drei Rohstoffe in einem Projekt

    Strategic Resources sitzt deutlich früher in der Wertschöpfungskette. Das vollständig kontrollierte BlackRock-Projekt in Québec kombiniert Vanadium, Titan und Eisen, Rohstoffe, die für Spezialstähle, Luftfahrt, Verteidigung, Energieinfrastruktur und zahlreiche industrielle Anwendungen benötigt werden.

    Die Dimension ist beachtlich. Allein für das Southwest Deposit weist die Machbarkeitsstudie 127,8 Mio. t Proven-&-Probable-Reserven mit 0,46 % Vanadiumpentoxid (V₂O₅), 40,2 % Eisen(III)-oxid (Fe₂O₃) und 7,8 % Titandioxid (TiO₂) aus. Die geplante Minenlaufzeit beträgt 39 Jahre. Der Nachsteuer-NPV liegt bei 1,93 Mrd. CAD, die kalkulierte Rendite bei 18,2 %.

    Entscheidend ist jedoch, dass Strategic Resources nicht beim Erzverkauf stehen bleiben will. BlackRock verbindet Mine und Konzentrator bei Chibougamau mit einer geplanten metallurgischen Anlage am Tiefseehafen Port Saguenay. Vorgesehen ist eine durchschnittliche Jahresproduktion von rund 562.000 t hochreinem Roheisen, 4.400 t Ferrovanadium und 118.000 t Titanschlacke.

    Damit adressiert das Unternehmen gleich mehrere strategische Märkte. Vanadium erhöht die Festigkeit hochwertiger Stähle und kann in stationären Speichern eingesetzt werden. Titan ist wegen seiner Kombination aus geringem Gewicht, hoher Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit insbesondere für Luftfahrt und Industrie interessant.

    Das Projekt ist kapitalintensiv und die Finanzierung bleibt die entscheidende Hürde. Gelingt der Schritt Richtung Produktion, könnte BlackRock jedoch genau jene nordamerikanische Rohstoff- und Verarbeitungskapazität schaffen, die angesichts geopolitisch unsicherer Lieferketten zunehmend gesucht wird.

    BASF – Hightech beginnt bei den Materialien

    BASF zeigt, dass der Wettlauf um industrielle Wertschöpfung nicht bei Metallen endet. Der Chemiekonzern erweitert sein Portfolio um den neuen emissionsarmen Polyurethan-Katalysator Lupragen BisDMAPU. Das Produkt soll weltweit angeboten werden und unter anderem die Herstellung flexibler PU-Schaumstoffe mit geringeren VOC-Emissionen ermöglichen.

    Solche Spezialchemikalien wirken unscheinbar, sind aber für zahlreiche industrielle Produkte entscheidend. Polyurethane finden sich unter anderem in Automobilen, Möbeln, Bauprodukten und technischen Anwendungen. BASF liefert dabei nicht nur den eigentlichen Werkstoff, sondern chemische Komponenten, die dessen Eigenschaften und Verarbeitung beeinflussen.

    Parallel treibt der Konzern seine Hochleistungsmaterialien weiter voran. Auf der SIMAC 2026 präsentiert BASF neue Polyurethan- und thermoplastische Polyurethanlösungen, die längere Produktlebenszyklen und bessere Recyclingfähigkeit ermöglichen sollen.

    Darin liegt eine interessante Parallele zu GE Aerospace und Strategic Resources. Moderne Industrie benötigt nicht nur ausreichend Rohstoffe, sondern Materialien mit immer präziseren Eigenschaften. BASF erwirtschaftete 2025 rund 60 Mrd. EUR Umsatz und verfügt über die Forschungs- und Produktionsinfrastruktur, solche Spezialprodukte weltweit zu skalieren.

    Der neue Katalysator allein wird die Größenordnung des Konzerns kaum verändern. Er steht aber exemplarisch für den Wettbewerb, der hinter der Rohstoffdebatte häufig übersehen wird. Entscheidend ist am Ende nicht nur, wer Ressourcen besitzt, sondern wer daraus hochwertige industrielle Produkte herstellen kann.


    Versorgungssicherheit wird zum Wettbewerbsfaktor. GE Aerospace zahlt 11,75 Mrd. USD, um kritische Fertigungskapazitäten stärker zu kontrollieren, während BASF mit immer spezialisierteren Materialien um industrielle Wertschöpfung kämpft. Strategic Resources setzt bereits am Anfang der Kette an. BlackRock könnte Vanadium, Titan und hochwertiges Eisen aus einer nordamerikanischen Quelle liefern. Gelingt die Finanzierung des Großprojekts, könnte die geopolitische Neuordnung der Lieferketten dem Projekt zusätzlichen strategischen Wert verleihen.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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