13.10.2026 | 05:00
BioNxt, CrowdStrike und Shell: Drei spannende Aktien vor dem nächsten Kursschub
An der Börse zählen vor allem Fakten. So sorgen etwa neue Studienergebnisse, gute Zahlen und operative Rekorde bei Anlegern für erhöhtes Interesse und führen nicht selten auch zu steigenden Kursen. Bei diesen drei Aktien sollten Investoren näher hinschauen: Bei BioNxt Solutions rückt die erste Humanstudie näher, CrowdStrike meldet ein Rekordquartal und Shell profitiert von außergewöhnlich hohen Raffineriemargen. Drei grundverschiedene Aktien – und drei Chancen mit ebenso unterschiedlichen Risiken. Wir nehmen die spannenden Titel im Aktien-Check näher unter die Lupe.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
Bionxt Solutions Inc. | CA0909741062 | CSE:BNXT , OTCQB: BNXTF , CROWDSTRIKE HLD. DL-_0005 | US22788C1053 , Shell PLC | GB00BP6MXD84
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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BioNxt Solutions: Der große klinische Test rückt näher
Das kanadische Unternehmen BioNxt Solutions will bekannte Wirkstoffe besser verabreichbar machen. Im Mittelpunkt steht eine hauchdünne Arzneifolie, die sich unter der Zunge auflöst. Der Wirkstoff gelangt über die Mundschleimhaut in den Körper, Wasser oder das Schlucken einer Tablette sind nicht nötig. Das kann gerade bei neurologischen Erkrankungen ein Vorteil sein.
Am weitesten fortgeschritten ist BNT23001, eine sublinguale Formulierung von Cladribin für Patienten mit Multipler Sklerose. Der Wirkstoff ist etabliert und wird in Tablettenform unter dem Namen Mavenclad vertrieben. BioNxt entwickelt also kein völlig neues Molekül, sondern eine neue Darreichungsform. Das senkt das wissenschaftliche Risiko gegenüber einem klassischen Biotechprojekt – beseitigt es aber nicht.
Die Daten aus dem Tiermodell liefern einen ersten positiven Hinweis. In einer Studie mit Minischweinen erreichte BioNxts Folie bei gleicher Dosis eine maximale Wirkstoffkonzentration von 11,27 Nanogramm je Milliliter, die Vergleichstablette kam auf 9,44. Die gesamte Wirkstoffexposition lag bei 39,46 gegenüber 28,11 Stunden mal Nanogramm je Milliliter. Das spricht für eine bessere Aufnahme. Entscheidend ist allerdings: Es handelt sich um präklinische Daten. Ob sich der Vorteil beim Menschen bestätigt, ist noch offen.
Genau hier liegt der nächste große Kurstreiber. BioNxt hat das Dossier für das Prüfpräparat, kurz IMPD, fertiggestellt. Auch der GMP-Prozess, die klinische Studiencharge, lokale Verträglichkeitstests und das Studienprotokoll sind nach Unternehmensangaben abgeschlossen. Nach der letzten technischen Prüfung soll der Antrag für eine randomisierte Crossover-Studie in Europa eingereicht werden. Dabei wird BNT23001 direkt mit Mavenclad verglichen. Laut Unternehmensangaben ist die Humanstudie für November und Dezember 2026 vorgesehen – vorbehaltlich der behördlichen Zustimmung.
Gelingt der Nachweis einer vergleichbaren Bioverfügbarkeit, könnte BioNxt den europäischen Hybrid-Zulassungsweg nutzen. Dabei darf sich das Unternehmen teilweise auf die bereits vorhandenen Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten des Referenzprodukts stützen. Das könnte Zeit und Entwicklungskosten sparen. Scheitert die Bioäquivalenz, wären dagegen weitere präklinische oder klinische Studien möglich. Für die Aktie ist die Humanstudie deshalb der bislang wichtigste Bewertungsmeilenstein.
Wertvoll ist auch der Patentschutz. Das europäische Patent für die sublinguale Cladribin-Formulierung wurde im März 2026 erteilt und gilt einheitlich in 18 EU-Ländern. Hinzu kommt ein eurasisches Patent; weitere Anmeldungen unter anderem für die USA, Kanada und Japan sind geplant. BioNxt strebt Partnerschaften, regionale oder globale Lizenzen sowie Co-Development-Modelle an. Ein belastbarer Pharmadeal wäre neben positiven Humandaten der zweite mögliche Hebel.
Die jüngsten Nachrichten verbreitern zudem die Pipeline. Für eine sublinguale Everolimus-Folie zur Immunsuppression nach Organtransplantationen wurde im September eine vergleichende Tierstudie gestartet. Das Semaglutid-Programm befindet sich in der Formulierungsentwicklung. Beide Projekte erhöhen die Option auf zusätzliche Partnerschaften, stehen aber noch deutlich am Anfang und rechtfertigen derzeit kaum einen hohen eigenen Wertansatz.
Die Kehrseite steht in der Bilanz. Im ersten Halbjahr fiel ein Gesamtverlust von 5,46 Mio. CAD an. Umsätze gab es noch nicht. Ende Juni verfügte BioNxt über 1,2 Mio. CAD Cash, gleichzeitig bestand ein Working-Capital-Defizit von 5,39 Mio. CAD. Das Unternehmen erklärte selbst, dass die Mittel für die geplanten Aktivitäten nicht ausreichen und zusätzliches Kapital benötigt wird. Im August wurden Wandelanleihen über zusammen 5,48 Mio. CAD um ein Jahr verlängert. Dafür erhielten die Gläubiger 16,9 Mio. neue Warrants mit einem Ausübungspreis von 0,50 CAD.
BioNxt ist keine klassische Pharmaaktie, sondern eine spekulative Wette auf klinische Validierung und einen Lizenzpartner. Positive Humandaten könnten den Wert der Plattform schlagartig erhöhen. Verzögerungen, schwache Resultate oder eine Finanzierung zu ungünstigen Konditionen hätten den gegenteiligen Effekt. Risikobereite Anleger können jetzt eine kleine Position aufbauen, sollten aber den CTA-Antrag, den tatsächlichen Studienstart und die Veränderung des Liquiditätspolsters genau verfolgen.
CrowdStrike: KI wird zum Wachstumsmotor
Bei CrowdStrike zeigt sich, dass Künstliche Intelligenz die Boombranche Cybersecurity nicht überflüssig macht, sondern den Bedarf erhöht. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 stieg der Umsatz um 26 % auf 1,47 Mrd. USD, die wiederkehrenden Jahreserlöse wuchsen um 25 % auf 5,84 Mrd. USD. Mit 333 Mio. USD erreichte der neu hinzugewonnene jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) einen Rekord. Auch der freie Cashflow überzeugte mit 377 Mio. USD.
Der Vorstand erhöhte daraufhin die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 5,99 bis 6,01 Mrd. USD. Besonders stark entwickelt sich Falcon Flex: Der ARR der Kunden dieses flexiblen Lizenzmodells hat sich auf mehr als 2,29 Mrd. USD verdoppelt. Je mehr Module Kunden nutzen, desto höher werden Bindung und Erlöspotenzial.
Das Problem ist der Preis. Nach der Rally wird CrowdStrike laut Konsensschätzungen mit dem 47-Fachen des erwarteten Umsatzes und einem KGV von mehr als 200 für 2027 bewertet. Trotz der hohen Bewertung raten viele Analysten momentan weiter zum Kauf. Insgesamt gibt es aktuell 40 Kaufempfehlungen und 13 Halte-Voten. Nur ein Research-Analyst rät zum Verkauf. Dennoch: Selbst starkes Wachstum verzeiht auf diesem Niveau kaum Enttäuschungen. Anleger sollten daher vorsichtig bleiben. CrowdStrike ist zwar weiterhin ein struktureller KI-Gewinner, eignet sich für Neueinsteiger aber eher für Rücksetzer an schwächeren Börsentagen als für unlimitierte Käufe.
Shell: Raffinerien drucken Geld
Bei Shell liefert der Quartalsausblick einen Vorgeschmack auf die Zahlen am 29. Oktober. Die indikative Raffineriemarge sprang im dritten Quartal von 24 auf 42 USD je Barrel. Gleichzeitig soll die Produktion im Flüssiggasgeschäft von 631.000 auf 740.000 bis 780.000 Barrel Öläquivalent pro Tag steigen – auch dank der übernommenen ARC-Resources-Aktivitäten.
Ganz ohne Gegenwind läuft es nicht. Die Chemikalienmarge sank von 270 auf 208 USD je Tonne, niedrige Rheinpegel belasten die Raffinerieauslastung. Außerdem erwartet Shell einen Mittelabfluss von rund 2,5 Mrd. USD für deutsche Emissionszertifikate. Dennoch dürfte das starke Raffinerie- und Handelsgeschäft das Quartal prägen.
Laut Konsensschätzungen wird Shell für 2026 nur mit rund dem Achtfachen des erwarteten Gewinns bewertet. 40 bis 50 % des operativen Cashflows sollen über Dividenden und Rückkäufe an die Aktionäre fließen. Die außergewöhnlichen Margen werden nicht ewig halten, doch Shell besitzt vom Bohrloch bis zum LNG-Handel mehrere Ertragsquellen. Unter den drei Aktien ist Shell die defensivste Wahl – mit Dividende, niedriger Bewertung und weiterem Kurspotenzial. Auch Analysten trauen Shell noch weitere Kursgewinne zu. 12 Kaufempfehlungen stehen 9 Halte-Voten gegenüber, Verkaufsempfehlungen gibt es nicht. Im Mittel sehen die Experten den fairen Wert bei knapp 4,05 GBP – rund 15 % über dem aktuellen Kurs. Wer langfristig und konservativer investieren will, kann sich das Shell-Papier als Depotbeimischung näher ansehen.
Fazit
Die drei Titel decken sehr verschiedene Risikoklassen ab. BioNxt bietet den größten prozentualen Hebel, aber auch das höchste Risiko. CrowdStrike liefert das stärkste strukturelle Wachstum, ist jedoch ambitioniert bewertet. Shell punktet mit Cashflow und Ausschüttungen. Wer spekuliert, setzt bei BioNxt nur klein auf die anstehende Humanstudie. Wer Qualität sucht, wartet bei CrowdStrike auf Rücksetzer. Für konservativere Anleger bleibt Shell der solideste Wert des Trios.
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