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06.10.2026 | 05:00

Kampf gegen Hautkrebs: Wie Vidac Pharma, Biofrontera und Regeneron an verschiedenen Stellen ansetzen

  • Hautkrebs
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Bildquelle: Nano Banana KI

Auf der Jahrestagung der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie in Wien standen zuletzt neue Ansätze für die großflächige Behandlung von Hautschäden im Fokus. Der Kampf gegen Hautkrebs verlagert sich zunehmend: Es geht nicht mehr nur darum, entwickelte Tumore zu bekämpfen, sondern die Krankheit zu stoppen, bevor sie ausbricht. Wer die kranken Zellen frühzeitig zerstört, erspart Patienten schwere Eingriffe und entlastet das Gesundheitssystem. Wir stellen aktuelle Entwicklungen und Chancen für Anleger vor.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619 , BIOFRONTERA AG NA O.N. | DE0006046113 , REGENERON PHARMAC.DL-_001 | US75886F1075

Inhaltsverzeichnis:


    Regeneron: Platzhirsch bei fortgeschrittenen Tumoren setzt auf Milliardenallianz

    Regeneron hat sich mit Libtayo als Standard bei fortgeschrittenen kutanen Plattenepithelkarzinomen etabliert. Das kutane Plattenepithelkarzinom ist der zweithäufigste Hautkrebs und wird in den USA jährlich rund 1,8 Mio. Mal diagnostiziert. Etwa 40.000 dieser Fälle schreiten pro Jahr in fortgeschrittene Stadien fort, in denen der Tumor tief in das Gewebe einwachsen kann. Die US-Behörde FDA ließ das Antikörpermittel Libtayo im Oktober 2025 zur adjuvanten (ergänzenden) Therapie zu. Das bedeutet, das Medikament wird nach der chirurgischen Entfernung und Bestrahlung des Tumors verabreicht, um im Körper verbliebene Krebszellen abzutöten und Rückfälle zu verhindern. In der klinischen Phase-3-Studie C-POST senkte Libtayo das Risiko für ein Wiederauftreten der Krankheit oder den Tod um 68 % gegenüber einem Placebo. Über alle Indikationen hinweg erzielte Libtayo 2024 einen weltweiten Umsatz von 1,22 Mrd. USD. Am 1. Oktober 2026 erweiterten Regeneron und Sanofi zudem ihre Immunologie-Allianz um vier neue Antikörper, unter anderem gegen atopische Dermatitis. Sanofi zahlt dafür 1 Mrd. USD im Voraus, ergänzt um mögliche Meilensteinzahlungen von bis zu 7 Mrd. USD.

    Biofrontera: Lichttherapie schlägt die Brücke zur Tumorbekämpfung

    Die US-Gesellschaft Biofrontera zielt auf den direkten Übergang von der Krebsvorstufe zum tatsächlichen Tumor ab. Mitte September erhielt das Unternehmen von der FDA die Zulassung, seine photodynamische Therapie Ameluz auch beim oberflächlichen Basalzellkarzinom einzusetzen. Bei dieser Methode tragen Ärzte ein spezielles Gel auf die betroffene Haut auf. Kranke Zellen nehmen den Wirkstoff stärker auf als gesunde. Anschließend bestrahlt der Arzt die Stelle mit einer Rotlichtlampe. Dies löst in den Krebszellen eine chemische Reaktion aus und zerstört sie durch extremen Sauerstoffstress. In der Phase-3-Zulassungsstudie erreichten 66 % der Patienten bei der Kombination aus Gel und Rotlicht eine vollständige klinische und gewebliche Abheilung der zuvor ausgewählten Hauptläsion, verglichen mit nur 5 % in der Placebo-Gruppe. Biofrontera plant den kommerziellen Verkaufsstart für diese Indikation um den Jahreswechsel 2026/2027.

    Vidac Pharma packt den Krebs an der Wurzel

    Vidac Pharma setzt noch früher an und unterbricht die Tumorentstehung. Das Unternehmen fokussiert sich auf die aktinische Keratose. Die American Academy of Dermatology Association schätzt, dass allein in den USA jährlich über 40 Mio. Menschen diese Krebsvorstufe entwickeln. Vidac konzentriert sich dabei auf besonders stark wuchernde Läsionen, bei denen das Risiko eines Übergangs in Hautkrebs als erhöht gilt. Entartete Zellen stellen ihren Stoffwechsel um und benötigen enorme Mengen an Zucker. Sie treiben diesen Prozess über das Enzym Hexokinase 2 an, das sich an einen Kanal in den Zellkraftwerken bindet und so den natürlichen Zelltod blockiert. Vidac Pharma greift mit der Salbe VDA-1102 exakt diesen Mechanismus an. Der Wirkstoff trennt das Enzym von seinem Kanal. Dadurch kollabiert die Energieversorgung der kranken Zelle und sie stirbt ab, während umliegende gesunde Haut weitgehend verschont bleiben soll.

    Am 9. September 2026 fand der letzte Patientenbesuch einer doppelblinden, placebokontrollierten Phase-2b-Studie statt. VDA-1102 wurde dabei an 39 Patienten mit stark wuchernden Vorstufen getestet. Eine nachträgliche Auswertung (Post-hoc-Analyse) einer früheren Phase-2b-Studie ergab bei rund 40 % der Patienten eine vollständige Abheilung der Läsionen. Das bedeutet, Experten untersuchten die gesammelten Daten nach Abschluss der ursprünglichen Studie noch einmal gezielt auf bestimmte Merkmale und Behandlungserfolge. Solche Analysen gelten allerdings als richtungsweisend, nicht als Wirksamkeitsnachweis. Nach Abschluss der laufenden Datenprüfung und der Datenbankschließung will Vidac die finalen klinischen Ergebnisse veröffentlichen.

    Vidacs Plattform könnte Pharmakonzerne anlocken

    Der technologische Ansatz von Vidac Pharma beschränkt sich nicht auf Salben zur lokalen Anwendung. Anfang 2026 erhielt Vidac ein zentrales US-Patent für seine Wirkstoffplattform; in Kanada folgte im Mai eine Erteilungsankündigung (Notice of Allowance). Mit dem präklinischen Wirkstoff VDA-1275 entwickelt Vidac ein Präparat in Form eines kleinen Moleküls, das den Zuckerstoffwechsel in soliden Tumoren systemisch adressiert. Zusätzlich liegen seit Januar 2024 vielversprechende Phase-2a-Zwischenergebnisse für den Einsatz von VDA-1102 bei kutanen T-Zell-Lymphomen vor, einer speziellen Blutkrebsart der Haut. Daneben hat das Unternehmen angekündigt, Algorithmen zu entwickeln, die anhand von Bildern vorhersagen sollen, welche Hautschäden sich mit der höchsten Wahrscheinlichkeit zu einem Karzinom entwickeln. Diese breite Anwendbarkeit positioniert Vidac Pharma als strategisches Ziel für Dermatologie- und Onkologie-Spezialisten, die auf neue Wirkmechanismen angewiesen sind, um ihre Umsätze zu schützen.

    Der Fokus der Forschung verlagert sich auf die gezielte Prävention, wie der Dermatologenkongress in Wien gezeigt hat. Dieser Trend bestätigt, dass Vidac Pharma mit seinem frühen Eingreifen in den Zellstoffwechsel genau den richtigen Weg einschlägt. Der entscheidende Katalysator für das Unternehmen ist nun die anstehende Veröffentlichung der Phase-2b-Ergebnisse. Zeigen die Daten, dass VDA-1102 die kranken Zellen effektiv eliminiert, schließt Vidac die Lücke zur invasiven Krebstherapie. Auf der Risikoseite verbleiben die typischen Hürden der klinischen Entwicklung. Verfehlt der Wirkstoff die primären Studienziele zur Läsionsbeseitigung oder verzögert sich die Vorbereitung einer entscheidenden Phase-3-Studie, können Rückschläge drohen. Vidac finanziert sich teils über Aktienverkäufe von Großaktionären und Board-Mitgliedern. Weitere Kapitalmaßnahmen sind möglich. Die kommenden Wochen und Monate dürften für Vidac Pharma spannend werden.

    Die Aktie von Vidac Pharma gab in den vergangenen sechs Monaten leicht nach.

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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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