25.09.2026 | 05:00
Durchbrüche gegen Hautkrebs: Neue Ansätze von Biofrontera und Moderna – Vidac Pharma vor heißem Herbst
Die Behandlung von Hautkrebs und dessen Vorstufen glich lange einem handwerklichen Kompromiss: Mediziner griffen zum Skalpell, froren betroffene Stellen ein oder verordneten aggressive Cremes, die das Gewebe zerstörten. Patienten erlitten nicht selten Schmerzen und wochenlange Wundheilungsstörungen. Doch aktuell entsteht eine völlig neue Dynamik in der Branche. Plötzlich machen Innovationen rund um Lichtstrahlen, Boten-RNA und metabolische Neuprogrammierungen von Krebszellen von sich reden. Wir stellen die aktuellsten Neuerungen rund um Hautkrebs und dessen Vorstufen vor. Der Wettlauf um Innovationen hat gerade erst begonnen.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619 , BIOFRONTERA AG NA O.N. | DE0006046113 , MODERNA INC. DL-_0001 | US60770K1079
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Biofrontera: Lichtblitze gegen Tumore
Die US-Gesundheitsbehörde FDA öffnete Mitte September 2026 ein neues Kapitel für Biofrontera. Das Spezialpharmaunternehmen sicherte sich die US-Zulassung für seine photodynamische Therapie namens Ameluz im Kampf gegen das oberflächliche Basalzellkarzinom. Bisher durften Ärzte das Präparat dort lediglich gegen leichte bis mittelschwere aktinische Keratosen an Gesicht und Kopfhaut einsetzen. Schätzungen zufolge werden in den USA jährlich über eine halbe Million Fälle dieser speziellen Ausprägung diagnostiziert. In der zulassungsrelevanten Studie war bei fast 76 % der Behandelten die Hauptläsion im Gewebe frei von Krebszellen. Den kombinierten primären Endpunkt aus klinischer und histologischer Abheilung erreichten 66 % der Patienten (Placebo: 5 %). Biochemisch funktioniert das Konzept über eine Zelloxidation durch Rotlichtbestrahlung. Die Präzision hat aber ihren Preis. Über 95 % der Behandelten berichteten Schmerzen an der Applikationsstelle, meist während der Belichtung, knapp 70 % hatten Hautrötungen. Zudem erfordert die Belichtung eine Lampe in der Praxis.
Moderna: Maßgeschneiderte mRNA gegen Melanom-Rückfälle
Moderna meldete gemeinsam mit Merck & Co. im August einen bahnbrechenden Erfolg: Erstmals erreichte ein individualisiertes mRNA-Krebsvakzin in einer Phase-3-Studie seinen primären Endpunkt. In Kombination mit dem Immuntherapeutikum Keytruda verringerte Intismeran autogene bei Hochrisiko-Melanom-Patienten das Rückfallrisiko signifikant. Mediziner entnehmen dafür Gewebe aus dem zuvor entfernten Tumor und lassen Algorithmen passgenaue Antigene berechnen. Der Organismus baut daraufhin eine Immunantwort gegen mikroskopische Metastasen auf. In der vorangegangenen Phase-2b-Studie sank das Risiko für Fernmetastasen oder Tod um rund 59 %. Die Nachricht ließ den Börsenwert von Moderna sich zeitweise mehr als verdoppeln. Für oberflächliche Präkanzerosen eignet sich die Technologie jedoch nicht: Sie wird aus dem operativ entfernten Tumor des Patienten hergestellt und ist entsprechend aufwendig.
Vidac Pharma: Der „Cut“ für den Krebsstoffwechsel
Zwischen lokaler Zerstörung durch Rotlicht und der Immuntherapie positioniert sich Vidac Pharma. Das britisch-israelische Unternehmen will dem Tumor die Energiezufuhr abdrehen. Wirkstoffe wie VDA-1102 zielen auf den Warburg-Effekt ab, mit dem bösartige Zellen ihren extremen Hunger stillen. Das synthetische Molekül löst das Enzym Hexokinase-2 von der Mitochondrienmembran und soll so den programmierten Zelltod in der Tumorzelle wieder in Gang setzen. Da gesunde Hautzellen in erster Linie auf eine andere Enzym-Variante zurückgreifen, soll dieses Gewebe verschont bleiben – das deutet auf eine gute Verträglichkeit der Therapie hin.

Nahezu zeitgleich mit der FDA-Entscheidung zu Biofrontera meldete Vidac Pharma den Abschluss der Patientenbesuche für eine europäische Phase-2b-Studie am Studienzentrum CentroDerm in Wuppertal unter der Leitung von Professor Thomas Dirschka. Die Untersuchung fokussiert sich auf 39 Patienten mit hochproliferativer aktinischer Keratose. Nun folgt die Auswertung der Daten einschließlich der Gewebeproben. Die Ergebnisse werden in den kommenden Wochen erwartet. Bisherige klinische Daten liefern erste Hinweise auf die Wirksamkeit. In einer offenen US-Studie waren bei 22,5 % der Teilnehmer mit der 20%igen Salbe nach 16 Wochen alle AK-Läsionen im Behandlungsfeld abgeheilt. Im Gesichtsbereich sank die Zahl der Läsionen laut Unternehmen im Schnitt um über 62 %. Ein möglicher Vorteil gegenüber aggressiven Cremes ist die Verträglichkeit: Behandlungsbedingte schwerwiegende Nebenwirkungen wurden laut Unternehmen bislang nicht gemeldet. Patienten könnten die Salbe einmal täglich zu Hause auftragen, ohne wochenlange Schmerzen befürchten zu müssen. Auch eine Behandlung in der Praxis wie bei Biofronteras Lichttherapie Ameluz wäre nicht nötig.
Vidac Pharma: Pipeline und Finanzierung
Neben dem Hauptfokus auf Hautkrebsvorstufen treibt Vidac Pharma die Forschung voran. Über die geplante französische Tochter Eutopos Pharma will die Gruppe ihre Forschung in Europa ausbauen. Präklinische Auswertungen zum Molekül VDA-1275 deuten auf synergistische Effekte mit klassischen Chemotherapien hin. Beim kutanen T-Zell-Lymphom zeigte VDA-1102 in einer Phase-2a-Zwischenanalyse bereits eine Ansprechrate von 56 %.
Wirtschaftlich navigiert das Unternehmen in einem sehr speziellen Fahrwasser. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 25 bis 30 Mio. EUR finanziert sich die Gesellschaft bislang maßgeblich durch Kapitalzuflüsse aus dem Aktionärskreis. Für eine globale Zulassungsstudie dürfte Vidac auf einen Lizenz- oder Entwicklungspartner aus der Dermatologie angewiesen sein. Die laufende Datenauswertung könnte zum Türöffner für entsprechende Gespräche werden. Klar ist aber auch: Fallen die Daten schwächer aus als erhofft oder bleibt ein Partner aus, steht das Unternehmen vor Herausforderungen. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie es für Unternehmen und Aktie weitergeht.
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