12.08.2026 | 05:30
Drei Wege zum Krebsmedikament der Zukunft: BioNTech, Vidac Pharma und Pfizer im Onkologie-Check
Die Onkologie hat sich zum dynamischsten Innovationsfeld der Pharmabranche entwickelt. Dabei wird nicht nach einem Wundermittel gesucht, sondern man ist bestrebt, hochpräzise personalisierte Therapien, die Tumore auf molekularer Ebene angreifen, zu entwickeln. Für Investoren ist der Markt, der zweistellig wächst, langfristig attraktiv. Zwischen etablierten Konzernen und agilen Biotech-Unternehmen mit bahnbrechenden Technologieplattformen liegen zwar Welten, aber sie bieten beide enorme Wertsteigerungspotenziale. Wir sehen uns heute mit BioNTech, Vidac Pharma und Pfizer drei Unternehmen an, die den nächsten Blockbuster finden wollen.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
BIONTECH SE SPON. ADRS 1 | US09075V1026 , VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619 , PFIZER INC. DL-_05 | US7170811035
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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BioNTech - zwischen Transformation und finanzieller Substanz
BioNTech hat im 2. Quartal einen deutlichen Umsatzrückgang verbucht. Mit 105,6 Mio. EUR erzielte das Unternehmen nur noch rund 40 % des Vorjahreswertes von 260,8 Mio. EUR. Der Nettoverlust stieg von 386,6 Mio. auf 820,8 Mio. EUR. Wie zu erwarten war, sinkt die Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen weiter und ist damit hauptverantwortlich für die Ertragsschwäche, speziell in den USA. Die Halbjahreszahlen zeigen das auch. Der Umsatz fiel von 443 Mio. auf 223,7 Mio. EUR und der kumulierte Nettoverlust stieg auf 1,35 Mrd. EUR.
Die Forschungskosten lagen mit 551 Mio. EUR im letzten Quartal auf einem hohen Niveau. Rechnet man die Sondereffekte wie Wertminderungen und die CureVAC-Integration heraus sind es noch 477,1 Mio. EUR. Auffällig ist, dass die Vertriebskosten deutlich ansteigen. Das kann als Indiz für die Vorbereitungen auf kommende Produkteinführungen aus der Onkologie-Sparte gedeutet werden. Derzeit treibt das Unternehmen die klinische Entwicklung von 14 Studien voran. Schwerpunkte sind der PD-L1xVEGF-bispecific Antibody pumitamig und das B7-H3-gerichtete ADC-Produkt elfetabart drozuntecan.
Für das Gesamtjahr erwartet das Management nun Umsätze zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden EUR. Das ist ein Minus von 0,4 Mrd. EUR zur vorherigen Prognose. Die angepasste F&E-Prognose liegt bei 2 bis 2,3 Mrd. EUR. Die liquiden Mittel liegen bei 16,6 Mrd. EUR. Derzeit läuft ein Aktienrückkaufprogramm über 1 Mrd. USD. Trotzdem verfügt das Unternehmen über ausreichend finanzielle Reserven. Wie es mit der Aktie weitergeht, wird maßgeblich davon abhängen, ob die Onkologie-Pipeline in den kommenden Monaten Erfolge und positive Studiendaten liefern kann.
Vidac Pharma - Strategischer Neustart in Europas Biotech-Herz
Vidac Pharma vollzieht einen wichtigen Strategiewechsel. Das Unternehmen verlagert Kernaktivitäten sowie Forschung und Entwicklung nach Straßburg, um geopolitische Risiken zu mindern und den Zugang zu Kapital zu verbessern. Die Region um Freiburg, Basel und Straßburg bietet ein dichtes Netzwerk aus Pharmaunternehmen sowie Forschungseinrichtungen und ist ein ideales Umfeld für die geplanten klinischen Studien. Aktuell gründet Vidac Pharma die europäische Tochtergesellschaft Eutopos Pharma, die neues geistiges Eigentum halten und eigenständig Kapital aufnehmen soll. Die französische Gesellschaft bleibt zunächst privat. Diese Struktur ermöglicht den Zugang zu spezialisierten Investoren, die öffentliche Märkte meiden, und schafft Flexibilität für die weitere Entwicklung.
Die kürzlich abgeschlossene Rekrutierung von 39 Patienten für die Phase-2b-Studie mit VDA1102 bei fortgeschrittener aktinischer Keratose markiert einen wichtigen Meilenstein für das Unternehmen. Die Ergebnisse werden etwa ab November vorliegen, nach einer dreimonatigen Nachbeobachtung und anschließender Datenanalyse. Positiv ist zu erwähnen, dass bislang keine behandlungsbedingten schwerwiegenden Nebenwirkungen gemeldet wurden, was auf ein gutes Sicherheitsprofil hindeutet. Die Europäische Arzneimittelagentur hat zudem eine Studie genehmigt, die gezielt auf hochproliferative Läsionen abzielt. Diese Bestätigung stärkt die Position des Unternehmens, das mit seinem metabolischen Ansatz, dem sogenannten Warburg-Effekt, einen eigenständigen Weg in der Onkologie geht.
Die Finanzierung soll über zwei Kanäle erfolgen. Während Vorstände eigene Aktien verkaufen und die Erlöse dem Unternehmen zuführen, zielt die private Eutopos Pharma Gesellschaft auf institutionelle Gelder ab, die über öffentliche Börsen nicht verfügbar sind. Die Aufnahme in den renommierten Accelerator Quest for Health ermöglicht den Zugang zu einem Netzwerk von rund 25 Biotech-Firmen und einem Förderökosystem mit über 220 Mio. EUR Investitionsvolumen. Wissenschaftlich erweitert Vidac Pharma seinen Fokus durch die Tochtergesellschaft über VDAC hinaus auf die Korrektur fehlplatzierter Proteine in Zellen. Mit sieben internationalen Patentfamilien, einer klinischen Pipeline und einem klaren Fahrplan für die weitere Entwicklung ist das Unternehmen gut positioniert für die nächste Entwicklungsphase.
Pfizer - operative Stärke trifft auf bilanzielle Lasten
Pfizer erreichte im 2. Quartal 15,03 Mrd. USD. Ein Anstieg von 2,6 % gegenüber dem Vorjahr. Bereinigt um Währungseffekte betrug das Plus 1 %. Rechnet man die COVID-19-Produkte heraus, sprich ohne Comirnaty und Paxlovid, wuchs das Geschäft operativ um 5 %. Die neuen eingeführten und zugekauften Produkte konnten ihren Umsatz sogar um 18 % steigern. Das zeigt deutlich, dass der Konzern die Abhängigkeit von Pandemieprodukten langsam, aber sicher hinter sich lässt durch ein breit aufgestelltes Portfolio. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 wurde vom Management angehoben von bisher 60,5 auf 62,5 Mrd. USD.
Die Onkologie-Sparte erzielte im letzten Quartal Erlöse von rund 4,17 Mrd. USD, ein Plus von fast 9 % gegenüber dem Vorquartal. Padcev, der ADC-Kandidat, steigerte den Umsatz um 23 % auf 667 Mio. USD. Das gelang auch durch die FDA-Zulassung für die Behandlung von muskelinvasivem Blasenkrebs. Lorbrena wuchs um 37 %, getrieben durch eine starke Marktdurchdringung bei der Therapie von ALK-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Die 7-Jahres-Daten der CROWN-Studie untermauern die Wirksamkeit mit einer Progressionswahrscheinlichkeit von 55 % gegenüber 3 % unter Xalkori. Das ist ein deutlicher Vorteil für Patienten.
Die hohen Kosten nach den US-amerikanischen Rechnungslegungsgrundsätzen von 4,3 Mrd. USD stammen aus nicht zahlungswirksamen Wertminderungen. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,77 USD und damit nahe am Vorjahresniveau. Die Forschungsausgaben stiegen dagegen um 13 %, wobei der Fokus auf Onkologie- und Adipositas-Kandidaten wie Berobenatide liegt. Die Sparprogramme sollen bis 2029 Einsparungen von rund 6,7 Mrd. USD bringen.
Die Onkologie hat ein enormes Umsatzpotenzial. Daher gibt es auch so viele neuartige Ansätze. BioNTech kämpft mit sinkenden Corona-Erlösen, doch die milliardenschwere Liquidität und eine vielversprechende Pipeline könnten den Turnaround bringen. Vidac Pharma verlegt seine Aktivitäten nach Straßburg und mit den Phase-2b-Daten im November könnte ein weiterer Schritt in Richtung Therapie geschafft sein. Pfizer beeindruckt mit operativem Wachstum in der Onkologie, während Sparprogramme die Bilanz entlasten sollen.
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