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04.09.2026 | 05:30

Von der Pille über den Schmelzfilm bis zur Monatsspritze gegen Adipositas: Novo Nordisk, BioNxt Solutions und Pfizer

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Bildquelle: Pixabay

Die Adipositas-Therapie befindet sich im Umbruch. Nach dem ersten Siegeszug der GLP-1-Präparate wird nun die nächste Runde eingeläutet. Es geht nicht mehr um die reine Wirksamkeit, sondern die Art der Einnahme. Novo Nordisk hat als Erster die orale Pille auf den europäischen Markt gebracht und testet bereits niedrigere Erhaltungsdosen. BioNxt Solutions kontert mit einem zergehenden Dünnfilm für die Mundschleimhaut, ganz ohne Spritze oder Wasser. Pfizer dagegen setzt auf ein monatliches Ultra-Langzeit-GLP-1 aus der Metsera-Übernahme. Wir sehen uns daher die Strategien von Novo Nordisk, BioNxt Solutions und Pfizer genauer an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: NOVO NORDISK A/S | DK0062498333 , Bionxt Solutions Inc. | CA0909741062 | CSE:BNXT , OTCQB: BNXTF , PFIZER INC. DL-_05 | US7170811035

Inhaltsverzeichnis:


    Novo Nordisk - zwischen Preisdruck und Pillenoffensive

    Im 2. Quartal 2026 verbuchte Novo Nordisk ein Umsatzplus von 7 % auf 78,5 Mrd. DKK, getrieben von der anhaltend starken Nachfrage nach GLP-1-Präparaten. Die Freude über das Volumenwachstum wird jedoch durch eine sinkende Marge getrübt. Die bereinigte Bruttomarge sank auf 78,2 % von ursprünglich 82,7 % im Vorjahreszeitraum. Verantwortlich sind niedrigere realisierte Preise, Währungseffekte und Sonderkosten für den Ausbau der Produktionskapazitäten. Diese Entwicklung zeigt, dass der zunehmende Preisdruck im US-Markt die Profitabilität des Konzerns nach unten drückt.

    Zurück in die Erfolgsspur soll die orale Wegovy-Variante führen, die sich als Wachstumsmotor entpuppt. CEO Maziar Mike Doustdar bezifferte den Marktanteil im Segment der oralen Adipositas-Therapien auf rund 90 %, mit über 5 Mio. Verordnungen in den USA seit Marktstart. Der jüngste Markteintritt in Deutschland Anfang September markiert einen weiteren Meilenstein für die europäische Expansion. Parallel dazu läuft die OASIS-5-Studie zur Ermittlung der niedrigsten effektiven Erhaltungsdosis. Das ist ein strategischer Schachzug, um die Therapie durch niedrigere Kosten und bessere Verträglichkeit für eine breitere Patientenschicht attraktiv zu machen.

    Trotz der operativen Fortschritte lastet der verschärfte Wettbewerb auf der Aktie. Eli Lilly drängt mit seinem oralen Wirkstoff Foundayo in den Markt und setzt Novo Nordisk unter Zugzwang. Die jüngste Herabstufung durch die Deutsche Bank sowie die anhaltend schwache Prognose für das Gesamtjahr, die ein Umsatzminus von bis zu 6 % vorsieht, spiegeln die verhaltene Stimmung wider. Anleger müssen sich auf ein schwieriges zweites Halbjahr einstellen, in dem der Preis- und Zugangsdruck in den USA sowie die Pipeline-Risiken die weitere Entwicklung maßgeblich bestimmen werden.

    BioNxt Solutions - mit Dünnfilm-Technologie in Milliardenmärkten

    Die Adipositas-Sparte gewinnt bei BioNxt Solutions klar an Fahrt. Das Semaglutid-Dünnfilmprogramm befindet sich seit Juli in der aktiven pharmazeutischen Entwicklung, unterstützt durch den deutschen Partner Gen-Plus. Mit der Bestellung des Wirkstoffs und laufenden Formulierungsarbeiten adressiert das Unternehmen einen Markt, der bis 2034 auf über 250 Mrd. USD anwachsen soll. Der oral lösliche Film umgeht den Magen-Darm-Trakt und könnte so die Bioverfügbarkeit gegenüber oralen Tabletten verbessern. BioNxt plant zudem, die Plattform auf weitere GLP-1-Präparate wie Tirzepatid auszuweiten. Das ist ein cleverer Schachzug, um im wachsenden Peptid-Therapiemarkt schnell Fuß fassen zu können.

    Das Flaggschiff BNT23001 für Multiple Sklerose erreichte im August einen entscheidenden Meilenstein. Die Fertigstellung des IMPD-Dossiers ebnet den Weg für die geplante Bioäquivalenzstudie am Menschen. Mit Mavenclad® als Referenz, das 2025 geschätzte 1,4 Mrd. USD Umsatz generierte, zielt die sublinguale Formulierung auf vergleichbare Wirkspiegel bei höherem Patientenkomfort ab. Das ist besonders relevant für MS-Patienten mit Schluckbeschwerden. Der Patentschutz in Europa und Eurasien bis 2043 sowie eine erste Absichtserklärung für die Vermarktung in Eurasien untermauern das kommerzielle Potenzial. Parallel laufen Entwicklungen für Myasthenia gravis und weitere Autoimmunindikationen.

    Die im August verlängerten Wandelanleihen über 5,475 Mio. CAD bis 2027/28 verschaffen dem Unternehmen finanzielle Luft, während die Ausgabe von 16,9 Mio. Warrants zu 0,50 CAD das Vertrauen der Anleihegläubiger signalisiert. Mit einer GMP-Chargen-Produktion in Deutschland, einem breiten Patentportfolio und der strategischen Fokussierung auf Bioäquivalenz statt risikoreicher Neuentwicklungen ist BioNxt gut positioniert. Die laufenden Partnerschaftsgespräche für BNT23001 und die vielversprechende Semaglutid-Plattform eröffnen langfristig attraktive Perspektiven für geduldige Investoren.

    Pfizer – mit Balanceakt

    Die Pharmabranche erlebt eine tiefgreifende Umwälzung im Markt für Adipositas-Therapien. Während Eli Lilly und Novo Nordisk mit Zepbound und Wegovy die Schwergewichte sind, unternimmt Pfizer einen konzertierten Vorstoß. Der monatliche GLP-1-Wirkstoff Berobenatid (PF-3944) aus der Metsera-Übernahme bildet dabei das Herzstück. Die Phase-IIb-Daten zeigen eine placebokorrigierte Gewichtsreduktion von bis zu 12,3 % nach 28 Wochen bei einer monatlichen statt wöchentlichen Dosis. Das ist ein entscheidender Komfortvorteil für die Kunden und ein möglicher Vorteil für die Therapietreue. Zehn Phase-III-Studien laufen bereits, die erste Zulassung wird für 2028 anvisiert.

    Die am 4. August vorgelegten Q2-Zahlen untermauern Pfizers Anspruch, sich neu zu erfinden. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um 1 % auf rund 15 Mrd. USD und übertraf damit die Analystenerwartungen von 14,41 Mrd. USD. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 0,77 USD ebenfalls über den Markterwartungen. Rechnet man die COVID-Präparate heraus, wäre der Umsatz sogar um 5 % gestiegen. Der Konzern hob die Umsatzprognose für 2026 um 500 Mio. USD auf 60,5 bis 62,5 Mrd. USD an und bestätigte die Gewinnprognose von 2,80 bis 3,00 USD je Aktie.
    Der bevorstehende Patentablauf für Eliquis und Ibrance, die zusammen fast ein Viertel des Umsatzes ausmachen, sowie die Normalisierung des COVID-Geschäfts setzen Pfizer unter Druck.

    Analysten erwarten bis 2029 rückläufige Gewinne. Das Management hat als Gegenmaßnahme ein Sparprogramm von knapp 10 Mrd. USD bis 2029 ins Leben gerufen, das die operative Marge stützen soll. Sollte sich Berobenatid mit seiner monatlichen Dosierung von den etablierten wöchentlichen Präparaten abheben, hat Pfizer Chancen auf Milliardenerlöse. Die Onkologie-Sparte, gestärkt durch die Seagen-Übernahme, bietet zusätzliches Potenzial. Die Investoren glauben derzeit an das Potenzial und haben die Aktie seit Anfang Juli um mehr als 20 % ansteigen lassen.


    Die Adipositas-Therapie wird zum strategischen Differenzierungskampf um Darreichungsformen. Novo Nordisk sichert sich mit der oralen Abnehmpille früh Marktanteile, kämpft jedoch mit Margendruck und dem Angriff von Eli Lilly. BioNxt Solutions positioniert sich mit seinem sublingualen Dünnfilm für den Milliardenmarkt, ohne selbst Wirkstoffe entwickeln zu müssen. Pfizer schickt mit dem monatlichen Berobenatid ein entscheidendes Langzeitargument ins Rennen. Die kommenden Jahre entscheiden, wer Patientenkomfort und Profitabilität am besten vereint.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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