18.06.2026 | 05:00
Das geheime Verfahren das Krebszellen sterben lässt: Was Revolution Medicines und Merck & Co. von Vidac Pharma lernen müssen
Hier kann man ohne Übertreibung von einer Patent-Superklippe sprechen: Satte 236 Mrd. USD drohende jährliche Umsatzverluste zwingen die biopharmazeutische Industrie dazu, neue Wege zu gehen. Pharma-Riesen müssen schwindende Blockbuster-Einnahmen durch den gezielten Zukauf innovativer Onkologie-Plattformen ersetzen, da herkömmliche Krebstherapien zunehmend an Grenzen stoßen. Dieser Innovationsdruck löst eine Konsolidierungswelle aus, bei der forschungsstarke Biotechs mit geschützten Wirkmechanismen ins Zentrum potenzieller Käufer rücken. Vor allem intrazelluläre und metabolische Behandlungsansätze gewinnen rasant an Bedeutung, um therapieresistente Krebsarten zu bekämpfen. Wir blicken auf die Erfolge von Revolution Medicines und nennen den nächsten potenziellen Überflieger.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619 , REVOLUTION MED. DL-_0001 | US76155X1000 , MERCK CO. DL-_01 | US58933Y1055
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Merck & Co.: Keytruda-Patentablauf zwingt zum Handeln
Der US-amerikanische Branchenprimus Merck & Co. dominiert mit dem Immun-Checkpoint-Inhibitor Keytruda die Krebstherapie, steht operativ jedoch vor einer großen Herausforderung. Das umsatzstärkste Präparat generierte im Jahr 2024 einen Rekorderlös von 29,5 Mrd. USD und steuert damit nahezu die Hälfte der gesamten Konzernerlöse bei. Da die Kernpatente für diesen Blockbuster in den USA im Dezember 2028 auslaufen, drohen die Cashflows zu erodieren. Um Marktanteile zu sichern, initiiert das Management eine Lifecycle-Strategie und spaltete das Unternehmen im Frühjahr dieses Jahres in zwei Bereiche auf. Im ersten Quartal 2026 steigerte Merck den Umsatz um 5 % auf 16,29 Mrd. USD, verbuchte aufgrund von M&A-bedingten Einmalabschreibungen jedoch einen vorübergehenden GAAP-Nettoverlust.
Revolution Medicines verdoppelt Überlebensdauer bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Revolution Medicines setzt ausschließlich auf die Entwicklung einer proprietären Pipeline von RAS(ON)-Inhibitoren, um genetische Krebstreiber zu eliminieren. Der Wirkstoffkandidat Daraxonrasib kann oral eingenommen werden und erreichte in einer Phase-3-Studie ein einzigartiges Ergebnis: Der Wirkstoff verdoppelte das mediane Gesamtüberleben vorbehandelter Patienten mit duktalem Adenokarzinom der Pankreas auf 13,2 Monate. Dieser klinische Erfolg im Kampf gegen den aggressiven Bauchspeicheldrüsenkrebs löste an den Kapitalmärkten einen Kurssprung der Aktie um rund 40 % aus, was die Marktkapitalisierung des Unternehmens zeitweilig auf 33 Mrd. USD hievte. Das klinische Stadium generiert zwar noch keine Produktumsätze, doch gilt Revolution Medicines als potenzieller Heilsbringer im Kampf gegen Krebs. Angesichts der hohen Marktkapitalisierung ist Revolution Medicines längst kein klassisches „Hopp-oder-Top-Biotech“ mehr. Selbst als Käufer könnte der Biotech-Überflieger perspektivisch auftreten.
Vidac Pharma: Warum der Warburg-Effekt ein bedeutender Hebel ist
Das britisch-israelische Biotech-Unternehmen Vidac Pharma entwickelt "First-in-Class-Therapien“, die gezielt an der „Achillesferse“ des Krebsstoffwechsels ansetzen. Der Wirkmechanismus basiert auf der Trennung des Enzyms Hexokinase 2 von den mitochondrialen VDAC-Poren, um den hyperglykolytischen Warburg-Effekt in Krebszellen zu unterdrücken und so den programmierten Zelltod, der bei Krebszellen ausgeschaltet ist, wieder auszulösen. Vidac Pharma meldete in der vergangenen Woche den erfolgreichen Abschluss der Patientenrekrutierung für die europäische Phase-2b-Studie mit dem Wirkstoffkandidaten VDA-1102 zur Behandlung der Aktinischen Keratose, einer Frühphase des weißen Hautkrebses. Die Studie in Deutschland untersucht den Wirkstoff für die Dauer von 12 Wochen mittels bildgebender Verfahren. Ab Herbst könnten erste Daten veröffentlicht werden.

Neben der topischen Salbe legte das Unternehmen auch vielversprechende Daten für die subkutane Formulierung Almavid vor, die bei Kindern eine erfolgreiche Durchdringung der Blut-Hirn-Schranke zeigte. Weiterhin expandiert Vidac außerhalb der Onkologie und startete ein präklinisches In-vivo-Programm für Psoriasis, da auch Schuppenflechte-Läsionen eine signifikante Überexpression von Hexokinase 2 aufweisen. Den weltweiten Patentschutz stellte das Management durch den Erhalt eines "Notice of Allowance" des kanadischen Patentamts im Mai sicher, womit Vidac nun weltweit sieben Patentfamilien hält.
Fazit: Zellstoffwechsel als vielversprechender Ansatz – Komplementär-Therapien gefragt
Der globale Pharmamarkt wächst laut Evaluate bis 2030 auf über 1,7 Bio. USD, wobei Onkologie als das am stärksten wachsende Segment gilt. Der Fokus richtet sich dabei zunehmend auf Therapieformen, die komplementär zu bestehenden Standardbehandlungen wirken. Der Ansatz von Vidac erscheint dafür prädestiniert zu sein: In präklinischen dreidimensionalen Organoid-Modellen von humanem Leberkrebs zeigte die Kombination des Vidac-Kandidaten VDA-1275 mit Standard-Chemotherapeutika starke synergistische Effekte: Die zur Hemmung der Krebszellviabilität um 50 % notwendige Dosis von Cisplatin ließ sich um bis zu 95 % reduzieren. Vidac muss daher als potenzieller Übernahmekandidat gelten, da der Ansatz auf Ebene des Zellstoffwechsels die Wirksamkeit bestehender Checkpoint-Inhibitoren wie Keytruda steigern kann. Bei Vidac Pharma tut sich was, die Aktie könnte weiteres Potenzial entwickeln. Die kommenden Unternehmensmeldungen von Vidac, aber auch die Entwicklung bei Pharma-Giganten wie Merck oder Biotech-Überfliegern wie Revolution Medicines könnten dem Unternehmen weitere Aufmerksamkeit bescheren.
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