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09.07.2026 | 05:30

Vom Spritzen Blockbuster zur oralen Zukunft: Die Analyse von Novo Nordisk, BioNxt Solutions und Pfizer in diesem Wettlauf

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Bildquelle: pixabay.com

Die Abnehmspritze hat die Pharmabranche grundlegend verändert und ein Geschäft mit Milliardenpotenzial ins Rollen gebracht, doch dieser erste Goldrausch ist vorbei. Die Branche erfährt einen disruptiven Wandel, in dessen Verlauf die unangenehme Injektion zunehmend durch bequemere orale Alternativen ersetzt wird. Mit dieser Entwicklung verändern sich die Machtverhältnisse, und Nachzügler erhalten eine historische Chance, während die Platzhirsche ihre Vorherrschaft verteidigen müssen. Die Auseinandersetzung um die Dominanz in der Behandlung von Adipositas hat erneut begonnen. Welches Unternehmen wird in der nächsten Phase die Führung übernehmen? Heute nehmen wir eine genauere Analyse von Novo Nordisk, BioNxt Solutions und Pfizer vor.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: NOVO NORDISK A/S | DK0062498333 , Bionxt Solutions Inc. | CA0909741062 | CSE:BNXT , OTCQB: BNXTF , PFIZER INC. DL-_05 | US7170811035

Inhaltsverzeichnis:


    Novo Nordisk - zwischen Markteroberung und Margendruck

    Der dänische Pharmakonzern befindet sich in einer Phase der Neuausrichtung. Das Unternehmen sichert seine Marktstellung durch innovative Formen der Produktverabreichung, sieht sich aber gleichzeitig schrumpfenden Margen und einem erstarkten Mitbewerber gegenüber. Die Semaglutid-Tablette wird zum Wendepunkt. Das orale Wegovy erreicht mit über 3 Mio. Verschreibungen in den USA innerhalb von 5 Monaten und mehr als 80 % Neupatienten genau die Zielgruppe, die Spritzen scheut. Die Erfolge bei den Zulassungen in Großbritannien und der bevorstehende Markteintritt in Europa eröffnen weitere Möglichkeiten. Im 1. Quartal generierte das Präparat bereits einen Umsatz von umgerechnet etwa 300 - 330 Mio. EUR, damit wurden die Erwartungen der Analysten fast verdoppelt.

    In der Geschichte des Konzerns ist es zum ersten Mal so, dass ein Produkt in China noch vor den USA und Europa auf den Markt kommt. Das ist ein strategisches Zeichen. Dort wurde die Kombinationstherapie Kyinsu weltweit eingeführt, während der Produktionsstandort Tianjin erweitert wird. Zugleich fördert die Novo-Nordisk-Stiftung mit 60 Mio. EUR die europäische Forschung. Die Partnerschaft mit OpenAI, um Künstliche Intelligenz in der Wirkstoffforschung zu nutzen, hebt den technologischen Anspruch hervor. Das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm ist ebenfalls ein Zeichen für das Vertrauen in die eigene Substanz.

    Eli Lilly hat inzwischen rund 60 % des US-Marktes für sich gewonnen, und der Wettbewerb um die Preise verschärft sich. Das Medicare GLP-1 Bridge-Pilotprojekt mag zwar Millionen neuer Patienten anlocken, doch der Haken ist der zusätzliche Druck auf die ohnehin schon angespannten Margen. Die Konzernführung zieht deshalb die Reißleine und hat ein entschlossenes Sparpaket geschnürt. Konkret peilt der Konzern Einsparungen von bis zu 1,3 Mrd. USD an, unter anderem durch den Abbau von rund 11 % der Stellen, aber auch durch fordernde Nachverhandlungen mit Lieferanten über Preisabschläge. Dass der Wettbewerb mächtig an den Reserven nagt, wird zuletzt auch durch die gesenkte Jahresprognose unterstrichen, die nun einen Umsatzrückgang von immerhin 4 - 12 % in Aussicht stellt. Derzeit ist die Aktie für 42,84 EUR zu haben.

    BioNxt Solutions - auf dem Weg zum Wachstum mit innovativen Wirkstoffsystemen

    Das kanadische Biotech-Unternehmen BioNxt Solutions hat sich im Bereich der Arzneimittelapplikation mit seinen sublingualen Dünnfilmen und transdermalen Pflastern eine bemerkenswerte Position erarbeitet. Die europäische Präsenz, insbesondere durch die Übernahme von Vektor Pharma TF, sichert dem Unternehmen nicht nur GMP-zertifizierte Produktionskapazitäten, sondern auch jahrelange Erfahrung in der Formulierung. Ein weitreichendes Patentportfolio, welches das neu registrierte europäische Unitary Patent mit Schutz in 18 Ländern umfasst, bildet die technologische Basis für eine langfristige Exklusivität. Das Flaggschiff BNT23001, ein Cladribin-Dünnfilm zur MS-Behandlung, tritt nun in die entscheidende Phase der Bioäquivalenzprüfung ein, nachdem im April die GMP-Herstellung für klinische Studien abgeschlossen wurde.

    Die Wahl, sich strategisch auf Kooperationen zu fokussieren, zeigt Erfolge. Eine Absichtserklärung mit einem potenziellen Partner für die eurasische Region bildet die Basis für regionale Lizenzvereinbarungen, die durch Patentschutz bis 2043 ergänzt werden. Zudem wurde ein auf Geschäftsentwicklung spezialisierter Berater engagiert, um das Cladribin-Programm internationalen Pharmaunternehmen attraktiv zu präsentieren. Ziel der geplanten Studie zur humanen Bioverfügbarkeit ist es, die sublinguale Darreichung herkömmlicher Tabletten gegenüber als überlegen zu demonstrieren. Das stellt einen eindeutigen Vorteil für Patienten mit Schluckbeschwerden dar. Dank seiner skalierbaren Produktionsinfrastruktur in Deutschland ist BioNxt hervorragend positioniert, um nach erfolgreichen Studien schnell in die Vermarktungsphase überzugehen.

    Das Semaglutid-Programm für oral lösliche Filme bietet ein enormes Marktpotenzial. Analysten erwarten, dass das Volumen von GLP-1-Präparaten bis 2035 auf 190 Mrd. USD ansteigt. Das ist mehr als das Doppelte des Wertes von 2025. Die Gen-Plus GmbH ist ein deutscher Partner von BioNxt, mit dem BioNxt an der aktiven pharmazeutischen Entwicklung arbeitet. Das Ziel ist eine diskrete, nadelfreie Alternative zu Injektionen. Die Technologieplattform ist konzipiert, in Zukunft auch andere Peptid-Therapeutika wie Tirzepatid oder Liraglutid zu entwickeln. Wenn der Nachweis der Bioverfügbarkeit gelingt, könnte BioNxt zu einem begehrten Partner für Lifecycle-Management-Strategien etablierter Pharmaunternehmen werden. Das ist ein Szenario mit beträchtlichem Wertsteigerungspotenzial. Aktuell notiert die Aktie bei 0,30 CAD.

    Pfizer – zwischen der Gefahr des Patentschadens und der Hoffnung auf GLP-1

    Im florierenden Markt für Adipositas-Medikamente verfolgt Pfizer eine aggressive Akquisitionsstrategie. Der milliardenschwere Wettbewerb um Metsera und dessen orale GLP-1-Pipeline verdeutlicht, wie ernsthaft das Unternehmen einen Einstieg in dieses Segment anstrebt. Dies wird ergänzt durch Bethylatide, dem eigenen Kandidaten, ein Präparat, das einmal im Monat verabreicht wird und nach 32 Wochen Gewichtsreduktionen von etwa 16 % zeigt. Pfizer erhält durch die vor Kurzem in China erteilte Genehmigung auch einen frühen Zugang zum asiatischen Markt. Falls die Pipeline wie vorgesehen bis 2028 marktreif wird, könnte das Unternehmen im Vergleich zu Novo Nordisk und Eli Lilly mit einem Differenzierungsmerkmal überzeugen, der selteneren Dosierung.

    Das operative Geschäft zeigt abgesehen vom Bereich Gewichtsreduktion eine bemerkenswerte Resilienz. Das Geschäft außerhalb von Covid wuchs zuletzt um 7 %, während die neu eingeführten und zugekauften Produkte einen Anstieg um 22 % auf 3,1 Mrd. USD verzeichneten. Vor allem der Bereich Onkologie mit Arzneimitteln wie Padcev und Lorbensa erfährt Vorteile durch robuste klinische Daten und umfassende Marktdurchdringung. Allein Padcev sorgte für eine Umsatzsteigerung um 39 %. Die Akquisition von Seagen erweist sich als zunehmend profitabel und fördert das onkologische Wachstum. Die operative Marge, die zuletzt auf 32 % gesunken ist, wird durch die strikte Kontrolle der Kosten relativiert.

    Einkommensinvestoren werden von der Dividendenrendite von über 7 % angezogen, doch es stellen sich Fragen zur Nachhaltigkeit. Die Ausschüttungsquote in Bezug auf den freien Cashflow betrug 131 %. Die Umsätze werden bis 2030 aufgrund des bevorstehenden Patentverfalls von Eliquis, Ibrance und anderen Blockbustern um etwa 14 - 15 Mrd. USD sinken. Zwar kann das Portfolio neuer Produkte diese Lücke allmählich schließen, doch der jüngste Rückschlag in der Krebsstudie zu Sigvotatug Vedotin verdeutlicht die klinischen Unsicherheiten. Analysten zeigen sich zurückhaltend. Momentan kostet die Aktie 24,07 USD.


    Die nächste Phase im Adipositas-Markt wird nicht von der Spritze, sondern von der Tablette oder dem Film bestimmt. Novo Nordisk verteidigt mit seinem oralen Wegovy erfolgreich seine Marktführerschaft, muss aber gegen sinkende Margen ankämpfen. BioNxt Solutions positioniert sich mit seiner innovativen Filmtechnologie als potenzieller Gamechanger, der etablierten Konzernen als wertvoller Partner dienen könnte. Pfizer hingegen setzt alles auf eine Karte: Der GLP-1-Kandidat muss einen Teil der drohenden Patentverluste kompensieren, doch bei hoher Dividende bleiben die klinischen Risiken und die finanzielle Nachhaltigkeit fragil. Der Wettlauf um die orale Zukunft hat begonnen.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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    Erstellt und veröffentlicht im Auftrag von Antimony Resources Corp.

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