22.10.2026 | 05:28
Der Kanzler sieht die russische Bedrohung! Aufrüsten mit Rheinmetall, Hensoldt, Strategic Resources und TKMS
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht die Maßnahmen gegen die russische Bedrohung als Zentrum seines Wirkens. Trotz weitverbreiteter Bedenken zur Situation, hätten sich viele Bürger Deutschlands eine wirtschaftlichere und progressive Haltung bei der CDU gewünscht. Doch die internationale Defense-Industrie kann schon die nächste Aufwärtswelle feiern, garantiert die Gemengelage doch weiterhin robustes Wachstum. Endlich Durchatmen, denn seit Herbst 2025 konnte der Funke nicht mehr so recht in den Rüstungs-Sektor überspringen. Aber: Kann man die Charts überhaupt noch retten? Sektor-Primus Rheinmetall hat von der Spitze mehr als 50 % korrigiert und musste operativ schon zurückrudern. Dennoch tritt CEO Papperger immer wieder als Aktienkäufer auf, zuletzt Ende September nahe den Jahrestiefs. Ist das bereits die Wende? Zeit für ein Update in einem vielbeachteten Sektor.
Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: Strategic Resources Inc | CA86277X4093 , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , TKMS AG & CO KGAA | DE000TKMS001 , HENSOLDT AG INH | DE000HAG0005
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
Tag-Cloud
Aktien-Cloud
Rheinmetall – Kann die Russland-Angst das Ruder herumreißen?
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall erlebte nach dem historischen Allzeithoch von über 2.000 EUR im Herbst 2025 einen schmerzhaften Kurssturz, der die Aktie phasenweise unter die Marke von 1.000 EUR drückte. Vor allem das überraschende Aus für das prestigeträchtige deutsche Fregattenprogramm versetzte den Wachstumshoffnungen der Anleger einen massiven Dämpfer. Inmitten dieser spürbaren Sektor-Korrektur rücken nun wieder die anhaltenden geopolitischen Spannungen und die fundamentale Bedrohungslage an den Nato-Ostgrenzen in den Fokus des Marktes. Von oberster Stelle vorgelebt, führt die anhaltende Russland-Angst zu einer spürbaren Neubewertung der globalen Sicherheitslage und zwingt die westlichen Industrienationen zu einer dauerhaften Erhöhung ihrer Verteidigungsbudgets.
Rheinmetalls prall gefüllte Auftragsbücher der Divisionen Kettenfahrzeuge und Großkaliberwaffen spiegeln den enormen Nachholbedarf der Bundeswehr und der alliierten Streitkräfte wider. Zum Stichtag 30. Juni 2026 kletterte der sogenannte Backlog auf die Rekordsumme von 80,5 Mrd. EUR. Dies entspricht einem massiven Zuwachs von rund 44 % zum Vorjahr. Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 erreichte der Konzern einen Umsatz von 9,9 Mrd. EUR, bis zum Jahr 2030 wird von den Analysten mehr als 40 Mrd. EUR erwartet. Bislang gibt es aber Zweifel, ob CEO Papperger die hohe „Run-Rate“ auch im operativen Tagesgeschäft stemmen kann. Er selbst scheint davon überzeugt und kauft weiter in großem Stil Aktien zu, zuletzt auf einem Niveau von 950 EUR. Für das Jahr 2027e sank das KGV korrekturbedingt auf 19,5, die nächsten Quartalszahlen werden am 5. November erwartet. Analysten auf der Plattform LSEG taxieren ein neues 12-Monatskursziel von im Schnitt 1.520 EUR. Na dann!
Hensoldt – Moderne Satellitentechnik für Kiew
Auch bei Hensoldt geht es aufwärts! Der Münchner Rüstungselektronik-Spezialist stärkt durch die Lieferung modernster weltraumgestützter Aufklärungstechnologie seine strategische Schlüsselrolle bei der Unterstützung der Ukraine. Im Rahmen einer engen Kooperation stellt das Unternehmen den Streitkräften in Kiew hochauflösende Radardaten zur Verfügung, die selbst bei extremen Schlechtwetterverhältnissen und völliger Dunkelheit präzise Lagebilder der Frontlinien liefern. Diese Satellitentechnik ermöglicht es der ukrainischen Verteidigung, russische Truppenbewegungen und logistische Infrastrukturen in Echtzeit aufzuklären. Genau wie der DAX-Partner Rheinmetall verzeichnet Hensoldt durch die anhaltende Bedrohungslage an den Nato-Ostgrenzen einen historischen Anstieg der Auftragseingänge auf über 10,3 Mrd. EUR. Sektorgeplagte Investoren reagieren positiv auf die fundamentale Wachstumsstory, da Hensoldts hochspezialisierte Technologieprodukte als unverzichtbarer Kern moderner Verteidigungsstrategien gelten. Im Vergleich zu anderen Branchen-Playern ist der Kurs von Hensoldt mit knapp 86 EUR nicht weit vom Allzeithoch von 103,20 EUR entfernt. Das LSEG-Analystenkursziel liegt allerdings nur bei 91 EUR. Auch aus München gibt es am 5. November frische Quartalszahlen.
TKMS – Die Analysten werden immer positiver
Nach dem brillanten Marine-Coup gegen Rheinmetall stehen die Zeichen bei der thyssenkrupp-Marinetochter TKMS auf Sturm. Die acht bestellten Meko A200AN-Fregatten sollen in Rekordzeit geliefert werden. Das erste Schiff soll bereits bis Ende 2029 fertiggestellt werden. Danach will die Werft etwa alle 9 Monate eine weitere Fregatte an die Bundeswehr übergeben. Die kurze Bauzeit ist möglich, weil TKMS kein komplett neues Schiff entwickelt. Das Auftragsvolumen beträgt insgesamt fast 12 Mrd. EUR, im Jahr 2025 setzte die ehemalige thyssenkrupp-Sparte nur 2,1 Mrd. EUR um. Rekordverdächtig sind auch die jüngsten Aufstufungen der Analysten. So votieren Deutsche Bank mit „Buy“ und Ziel 115 EUR, selbiges kommt von Bernstein, einen Ausreißer nach oben präsentiert mwb Research mit 140 EUR. Im Schnitt treffen sich die 9 Einschätzungen bei 107,90 EUR, ein Potenzial von immerhin 27 % zum gestrigen Kurs.
Strategic Resources – Ohne kritische Metalle läuft nichts
Wer sich im Defense-Bereich engagieren möchte, sollte im großen Bild auch die kritischen Lieferketten für strategische Metalle im Auge haben. Denn was oftmals als Selbstverständlichkeit unterstellt wird, ist im Umfeld geopolitischer Konflikte keinesfalls als gegebene Komponente zu verstehen. Zum Glück gibt es im westlichen Staatenverbund funktionierende Bündnisse wie z.B. zwischen Europa und Kanada. Dort ansässige Unternehmen kennen die schwierige Situation europäischer Rohstoffsicherung und stehen mit ihren Produkten gerne bereit, Mangelzustände zu beheben. Deutschland und Kanada haben im August 2025 eine vertiefte bilaterale Rohstoff-Partnerschaft vereinbart, um die Resilienz ihrer Lieferketten nachhaltig zu stärken. Das zentrale Ziel dieses Abkommens ist es, die Abhängigkeit von China zu reduzieren und die Versorgungssicherheit mit kritischen Rohstoffen zu gewährleisten. Der Inhalt der Vereinbarung sieht vor, deutsche Technologien und kanadische Bergbauvorkommen enger zu vernetzen, wobei Kanada zudem dreistellige Millionenbeträge in den Ausbau seiner Hafeninfrastruktur investiert, um den Transport nach Europa zu sichern.
Das kanadische Unternehmen Strategic Resources positioniert sich als kanadischer Herausforderer mit ambitionierten Wachstumsplänen. Statt sich auf den klassischen Erzabbau zu beschränken, verfolgt das Unternehmen das Ziel, Eisen, Vanadium und Titan zu hochwertigen Industrieprodukten zu veredeln und damit westliche Lieferketten unabhängiger von ausländischen Rohstoffproduzenten zu machen. Im Mittelpunkt steht das BlackRock-Projekt in Québec mit rund 127,8 Mio. t Erzreserven, dessen eisen-, vanadium- und titanhaltiges Magnetit eine interessante Rohstoffkombination für mehrere Zukunftsmärkte bietet. Am Tiefseehafen Port Saguenay ist eine Pelletieranlage mit einer angestrebten Jahreskapazität von 4 Mio. t vorgesehen, die hochreine Direktreduktionspellets mit mehr als 67 % Eisengehalt für die emissionsärmere Stahlproduktion liefern soll. Gerade angesichts verschärfter Klimavorgaben und des europäischen CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM gewinnen solche Vormaterialien an Bedeutung, weil emissionsintensive Produktionsketten zunehmend unter Kosten- und Wettbewerbsdruck geraten. Unterstützung kommt aus den USA, wo kritische Rohstoffe stärker in den Fokus ihrer Sicherheits- und Industriepolitik rücken und Handelsbarrieren sowie Fördermaßnahmen regionale Lieferketten begünstigen können. Vanadium und Titan stehen dabei auf der US-Liste kritischer Rohstoffe und werden auch im Zusammenhang mit Verteidigungsanwendungen und industrieller Versorgungssicherheit diskutiert.
IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk im Gespräch mit CEO Sean Cleary über den bevorstehenden Aufbau der Förderanlage in Québec. Hier geht´s zum Video.
Für Strategic Resources eröffnet sich damit eine doppelte Perspektive: Das Unternehmen könnte sowohl von der Nachfrage nach hochwertigem Eisenvormaterial als auch von der strategischen Neubewertung seiner Begleitmetalle profitieren. Ein technologischer Türöffner ist zudem das finnische Mustavaara-Projekt, dessen vanadiumreiches Magnetitkonzentrat für das Forschungsprojekt FutSteel ausgewählt wurde, an dem unter anderem die Universität Oulu und der Stahlkonzern SSAB beteiligt sind. Die mit 17 Mio. EUR ausgestattete Initiative untersucht Wege zur wasserstoffbasierten, fossilfreien Stahlproduktion und stärkt damit die industrielle Relevanz des Rohstoffportfolios, auch wenn die Auswahl noch keine spätere Abnahme garantiert. Parallel dazu richtet sich der Blick auf Vanadium als möglichen Schlüsselbaustein stationärer Energiespeicher, denn Vanadium-Redox-Flow-Batterien können große Strommengen speichern und dadurch die schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien ausgleichen. Eine Absichtserklärung mit Tyfast Energy soll den Aufbau einer nordamerikanischen Vanadium-Batterie-Wertschöpfungskette unterstützen und könnte dem Unternehmen langfristig zusätzliche Absatzwege eröffnen.
Die Bewertung des Unternehmens erscheint auf den ersten Blick ambitioniert niedrig: Denn während die frühere Machbarkeitsstudie einen Kapitalwert nach Steuern von rund 1,93 Mrd. CAD auswies, wurde Strategic Resources zuletzt lediglich mit etwa 12 Mio. CAD Börsenwert gehandelt. Gelingt es CEO Sean Cleary, BlackRock in Richtung Produktion zu entwickeln und zugleich die strategische Nachfrage nach Vanadium und hochwertigem Eisen in konkrete Partnerschaften und Erlöse umzusetzen, könnte aus dem kleinen Rohstoffentwickler ein relevanter Baustein nordamerikanischer Versorgungssicherheit werden. Höchst spannend!

Fazit
Während nun die Tech-Korrektur ihren Lauf nimmt, kann sich der Rüstungssektor über den verminderten technischen Druck nach unten freuen. Das schafft für Anleger wieder Raum, die sich andeutende nächste Aufwärtswelle zu reiten. Sektor-Rotation ist ein Hinweis auf weit fortgeschrittene Bewertungen, daher sollte generell eine gute Streuung angewendet werden, um unkontrollierbare Volatilitäten zu glätten.
Interessenskonflikt
Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) derzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen hält bzw. halten und auf deren Kursentwicklungen spekulieren. Sie beabsichtigen insofern Aktien oder andere Finanzinstrumente der Unternehmen zu veräußern bzw. zu erwerben (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.
Es besteht insofern ein konkreter Interessenkonflikt bei der Berichterstattung zu den Unternehmen.
Die Apaton Finance GmbH ist daneben im Rahmen der Erstellung und Veröffentlichung der Berichterstattung in entgeltlichen Auftragsbeziehungen tätig.
Es besteht auch aus diesem Grund ein konkreter Interessenkonflikt.
Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.
Risikohinweis
Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.inv3st.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.
Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.
Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.



