27.08.2026 | 05:15
Der unterschätzte Lückenbüßer im Milliardenmarkt: dynaCERT zwischen Plug Power und Daimler Truck!
Zwischen der Dieselrealität von heute und dem emissionsfreien Fernverkehr von morgen klafft eine gewaltige Lücke. Genau hier setzt dynaCERT an. Eine innovative Nachrüsttechnologie erzeugt Wasserstoff bedarfsgerecht an Bord und senkt so nachweislich Kraftstoffverbrauch und Emissionen. Die Kommerzialisierung gewinnt an Fahrt. Auch der Wasserstoffspezialist Plug Power kommt gut voran und schafft im zweiten Quartal nahezu die Bruttomargenwende. Daimler Truck zeigt ein gemischtes Bild, während die Auslieferung der ersten 100 NextGenH2-Lkw in Sichtweite kommt. Wer hat die Nase vorn?
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Carsten Mainitz
ISIN:
DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , Daimler Truck Holding AG | DE000DTR0013
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Carsten Mainitz
Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.
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dynaCERT – Kommerzialisierung im Fokus
Die EU verlangt eine Senkung der CO₂-Emissionen schwerer Nutzfahrzeuge um 45 % bis 2030, 65 % bis 2035 und sogar um 90 % bis 2040! Der Unterschied zwischen Zielbild und Realität ist jedoch erschreckend. Laut den Daten des europäischen Branchenverbands der Automobilhersteller ACEA waren 2025 lediglich 2 % der neu zugelassenen schweren Lkw über 16 Tonnen emissionsfrei. Eine im März 2026 beschlossene Flexibilisierung ändert an den langfristigen Zielen nichts. Die Branche braucht daher zugleich Brückentechnologien für den Bestand und emissionsfreie Antriebe für die Zukunft.
Genau hier setzt dynaCERT mit seinen innovativen Lösungen an. Das proprietäre HydraGEN-System erzeugt an Bord per Elektrolyse aus destilliertem Wasser geringe Mengen an Wasserstoff und Sauerstoff und führt das Gasgemisch der Ansaugluft des Dieselmotors zu. Damit können nach Unternehmensangaben Kraftstoffeinsparungen von bis zu 8 % sowie CO₂-Reduktionen von bis zu 9,6 % realisiert werden. Die Umrüstlösung liefert somit messbare Effizienzgewinne und adressiert damit einen riesigen installierten Markt.
Südostasien steht im Fokus der Kommerzialisierungsstrategie. Nach einer Pilotphase erhielten die Kanadier im Sommer einen ersten Serienauftrag eines vietnamesischen Transport- und Logistikunternehmens. Parallel liefen Installationen auf Lkw und Containerumschlaggeräten eines globalen Hafen- und Logistikkonzerns. Im August folgten weitere Pilotprojekte, u. a. bei einem Entsorgungs- und Recyclingfuhrpark nahe der Hauptstadt Hanoi sowie bei einem Öl- und Gasunternehmen.
Diese Fortschritte in der kommerziellen Umsetzung gehen maßgeblich auf den im Frühjahr vollzogenen Wechsel an der Unternehmensspitze zurück. Der langjährige CEO und Gründer Jim Payne gab im März den operativen Spitzenposten an den bisherigen COO Kevin Unrath ab und blieb Chairman. Die kürzlich angekündigte verstärkte Präsenz ab dem Herbst auf Transport-, Hafen- und Energiekonferenzen in Hannover, Le Mans, Houston, Cartagena und Singapur könnte die Kommerzialisierung im kommenden Jahr nochmals deutlich nach vorne bringen.
Perspektivisch könnte sich zudem das Geschäft mit CO₂-Zertifikaten zu einem weiteren starken Erlösstrom entwickeln. Die von dynaCERT entwickelte und von Verra anerkannte Methodik erlaubt es, Effizienzmaßnahmen in Fahrzeugflotten und mobilen Maschinen anhand kontinuierlicher Telematikdaten zu erfassen.
Um das weitere Wachstum zu stemmen, emittierte die Gesellschaft kürzlich eine Wandelanleihe über 5 Mio. CAD. Aktuell notiert die Aktie bei 0,10 CAD. Der Börsenwert liegt mit 53 Mio. CAD auf einem moderaten Niveau. Kommerzialisierungsfortschritte dürften in positiven Impulsen für die Anteilsscheine resultieren.
Plug Power: Der Turnaround nimmt Konturen an
Das Unternehmen vereint Brennstoffzellensysteme, Elektrolyseure, eigene Wasserstoffproduktion, Tankinfrastruktur und Service unter einem Dach. Die Kontrolle über weite Teile der Wertschöpfungskette ist ein zweischneidiges Schwert. Sie eröffnet langfristig zwar erhebliche Skalenvorteile, verursacht kurzfristig jedoch hohe Kosten und eine beträchtliche operative Komplexität.
Im zweiten Quartal erzielte die Gesellschaft einen Umsatz von rund 178 Mio. USD. Die Bruttomarge verbesserte sich deutlich und lag annähernd bei Null nach -31 % im Vorjahresquartal und -13 % in Q1. Die Betriebskosten konnten gegenüber Vorjahr um 58 % gesenkt werden.
Im Kerngeschäft mit wasserstoffbetriebenen Flurförderzeugen lieferte Plug Power 1.666 GenDrive-Brennstoffzellensysteme aus. Diese Module ersetzen klassische Batterien in Gabelstaplern und anderen Lagerfahrzeugen. Zugleich stieg der Serviceumsatz um 82 % auf rund 30 Mio. USD. Damit zeigt sich, dass die wachsende installierte Basis zunehmend wiederkehrende Erlöse aus Wartung, Reparatur und technischer Betreuung generiert.
Unter dem Strich schreibt die Gesellschaft weiterhin rote Zahlen. Zum Halbjahr lagen die frei verfügbaren liquiden Mittel bei rund 162 Mio. USD. Dennoch zeigten sich erste Erfolge des seit Frühjahr amtierenden CEO José Luis Crespo, welcher die Prioritäten auf Kostenkontrolle und operative Disziplin verschob. Das Unternehmen bestätigte die Guidance, danach soll das Umsatzwachstum 15 bis 16 % betragen und in Q4 ein positives bereinigtes EBITDA erzielt werden.
Die Aktie notiert aktuell bei 2,18 USD, womit der Wasserstoffspezialist einen Börsenwert von 3,2 Mrd. USD aufweist. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten beträgt 3,55 USD und signalisiert damit ein Aufwärtspotenzial von 56 %.
Daimler Truck – Gemischtes Bild
Strategisch verfolgt Daimler Truck einen dualen Weg. Batterielastwagen sollen den größten Teil der emissionsfreien Anwendungen abdecken, Wasserstoff ist als Ergänzung für sehr lange Distanzen, hohe Nutzlasten, Kühltransporte und flexible Routen vorgesehen. Ende 2026 soll eine Kleinserie von 100 Mercedes-Benz NextGenH2 Trucks in die Kundenerprobung gehen. Der Flüssigwasserstoff-Lkw soll eine Reichweite von mehr als 1.000 km unter Beweis stellen.
Im zweiten Quartal 2026 konnte der Konzern die Anleger nicht wirklich überzeugen. Der Gewinn je Aktie fiel fast um die Hälfte auf 0,15 EUR. Zölle im wichtigen nordamerikanischen Markt belasteten die Profitabilität. Der Auftragseingang legte um 27 % gegenüber einem schwachen Vorjahresquartal zu. Der Umsatz im Industriegeschäft kletterte um 6 %, jedoch bei schrumpfenden Margen.
Die Anteilsscheine haben seit Jahresbeginn um 26 % auf aktuell 47 EUR zugelegt, womit das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von knapp 36 Mrd. EUR aufweist. Die Kennzahlen spiegeln ein attraktives Niveau wider. Das 2026er KGV liegt bei 12,6 und das KGV des Folgejahres bei moderaten 10. Die Dividendenrendite von über 4 % ist attraktiv. Nach der guten Performance im laufenden Jahr verfügt das Papier nach Meinung von Analysten mit einem durchschnittlichen Kursziel von 50,80 EUR lediglich über ein geringes Aufwärtspotenzial.
Fazit
dynaCERT adressiert mit seinen Lösungen ein echtes Problem. Der globale Dieselbestand wird noch viele Jahre in Betrieb bleiben, während Emissionsziele und Kraftstoffkosten den Druck erhöhen. Die Kommerzialisierung der Brückentechnologie nimmt Fahrt auf. Das sollte sich sukzessive auch positiv auf den Aktienkurs auswirken. Bei Daimler Truck setzen Anleger auf ein profitables zyklisches Kerngeschäft, freie Mittelzuflüsse und Aktienrückkäufe. Plug Power ist die operative Turnaround-Wette. Das zweite Quartal zeigt, dass Kosten und Bruttomarge in die richtige Richtung laufen.
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