10.09.2026 | 05:30
Deutschlands Gas-Speicher sind leer! BASF, A.H.T. Syngas und Verbio können die Gaslücke für sich nutzen
Die Gaspreise schwanken, die Speicher sind so leer wie seit Beginn der Aufzeichnungen nicht mehr und die alte fossile Sicherheit bröckelt. Während Deutschland nervös auf die Heizsaison blickt, hat die Industrie längst die Reißleine gezogen. Der Griff zu heimischen, kohlenstoffarmen Gasen ist kein grünes Märchen mehr, sondern harte betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Die Technologie zur Umwandlung von Reststoffen in Energie rückt ins Rampenlicht, und die ersten Unternehmen verbuchen bereits steigende Margen. In diesem Spannungsfeld aus Versorgungskrise und technologischem Aufbruch sollte man sich BASF, A.H.T. Syngas und Verbio genauer ansehen.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
BASF SE NA O.N. | DE000BASF111 , A.H.T. SYNGAS TECH. EO 1 | NL0010872388 , VERBIO VER.BIOENERGIE ON | DE000A0JL9W6
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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BASF - zwischen grüner Transformation und Rekordzahlen
BASF treibt die Dekarbonisierung ihrer energieintensiven Produktion voran. Der Konzern sicherte sich einen Siebenjahresvertrag mit ENGIE über 2,7 bis 3,0 Terawattstunden Biomethan für die Standorte Ludwigshafen und Antwerpen. Damit versucht man das fossile Methan zu substituieren. Parallel dazu läuft die Wasserstoff-Offensive. In Ludwigshafen produziert der größte PEM-Elektrolyseur Deutschlands seit März 2025 erste Mengen, während in Schwarzheide seit August dieses Jahres eine SOEC-Testanlage von Sunfire gebaut wird. Die Technologie verspricht Wirkungsgrade bis 89 % und könnte die Kosten für grünen Wasserstoff signifikant drücken.
Das 2. Quartal übertraf mit 17,2 Mrd. EUR Umsatz und 2,4 Mrd. EUR EBITDA die Erwartungen der Analysten deutlich. Der Verkauf des Coatings-Geschäfts an Carlyle spülte 5,8 Mrd. EUR in die Kasse, was nach Steuern rund 3,5 Mrd. EUR Sondergewinn sind. BASF hob daraufhin die Jahresprognose auf 6,9 bis 7,7 Mrd. EUR EBITDA an. Derzeit ist die Produktion durch extremes Niedrigwasser im Rhein eingeschränkt. Der Konzern investiert über 100 Mio. EUR in den Ausbau des Kombiverkehrsterminals, das die Abhängigkeit vom Wasserweg ab 2028 reduzieren soll.
Die Aktionäre profitieren von Kapitalrückführungen. Bis zu 1 Mrd. EUR fließen bis April 2027 in den Aktienrückkauf, Teil eines 4-Mrd.-EUR-Pakets bis Ende 2028. Insgesamt plant BASF zwischen 2025 und 2028 rund 12 Mrd. EUR Ausschüttung, davon 8 Mrd. EUR an Dividenden. Die Mindestdividende liegt bei 2,25 EUR je Aktie. Parallel schreitet die Abspaltung der Agrarsparte voran, ein Börsengang ist für 2027 angepeilt. Während das Green-Energy-Manufacturing-Konzept mit Partnern wie Bosch und Eaton erste CO2-Einsparungen realisiert, bleibt die Skalierungsfrage bei Wasserstoff offen, denn der Bedarf in Ludwigshafen übersteigt die Elektrolyse-Kapazitäten bei Weitem.
A.H.T. Syngas - vom Anbieter zum integrierten Energiepartner
Das niederländische Cleantech-Unternehmen A.H.T. Syngas mit deutschen Standorten hat sich auf die Umwandlung biogener Reststoffe in Synthesegas spezialisiert. Kernstück ist der patentierte Doppelfeuer-Gaserzeuger, der Altholz, landwirtschaftliche Abfälle oder Klärschlamm bei hohen Temperaturen unter Sauerstoffmangel in ein nahezu teerfreies Gasgemisch zerlegt. Dieses kann flexibel zur Strom- und Wärmeerzeugung oder als Rohstoff für Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe dienen. Derzeit vollzieht das Management einen strategischen Kurswechsel. Man will sich nicht mehr ausschließlich auf Anlagenverkäufe konzentrieren, sondern selbst die Anlagen im Contracting-Modell betreiben. Diese Lösung verspricht planbare, wiederkehrende Einnahmen und gleichzeitig höhere Margen.
Der polnische Markt bietet ideale Rahmenbedingungen für die Technologie. Das Land verfügt über umfangreiche landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Reststoffe, ist aber gleichzeitig noch stark von Kohle abhängig. Der politische Druck zur Dekarbonisierung ist entsprechend hoch. Mit dem lokalen Partner INNOTEC Energy hat A.H.T. einen etablierten Partner an Bord, der über die Rechte an 17 Projekten verfügt und die Akquisition sowie Genehmigungsverfahren übernimmt. Diese Arbeitsteilung soll die Skalierung beschleunigen. Bereits für dieses Jahr werden Aufträge über 10 Mio. EUR erwartet, bis 2029 sind nach Unternehmensangaben sogar über 25 Mio. EUR möglich.
Die Anfang des Jahres vollständig platzierte Wandelanleihe über 2 Mio. EUR stärkt die Handlungsfähigkeit. Das Kapital fließt in laufende Projekte und den Ausbau des Betreibergeschäfts. Parallel hat das Unternehmen mit dem BiDroGen-Projekt eine containerisierte Wasserstofflösung entwickelt. Die Technologie kann biogenen Wasserstoff zu Kosten zwischen 4,40 und 7,98 EUR pro kg produzieren. Das ist deutlich günstiger als elektrolytisch erzeugter Wasserstoff, der bei 8,87 bis 9,22 EUR liegt. Analysten von GBC Research prognostizieren für 2026 einen Umsatz von gut 9,2 Mio. EUR, der sich bis 2028 auf über 23 Mio. EUR mehr als verdoppeln soll. Das Kursziel liegt bei 8,50 EUR.
Verbio - vom Investitionsmodus in die Ertragsphase
Die Verbio SE durchläuft einen Wandel. Nach zwei Jahren mit operativen Belastungen durch verzerrte THG-Quotenmärkte und Margendruck bei Bioethanol mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende. Das vorläufige EBITDA von rund 192 Mio. EUR für 2025/26 liegt klar über der eigenen Prognose. Entscheidend ist die Qualität dieser Erholung. Der Großteil der Verbesserung speist sich nicht aus einmaligen Sondereffekten, sondern aus der Normalisierung des deutschen Quotenmarktes und günstigeren Ethanol-Spreads. Verbio profitiert dabei von seinem integrierten Biorefinery-Ansatz. Die Verzahnung von Bioethanol- und Biomethanproduktion sorgt dafür, dass Reststoffe aus einem Prozess als Rohstoff in den nächsten fließen. So kann biogenes CO2 vermarktet werden. Diese Kopplung senkt Kosten und erweitert auch die Margen.
Der entscheidende Hebel für die Ertragserholung kommt aus der Regulierung. Die THG-Quotenpreise in Deutschland, die das wirtschaftliche Rückgrat von Verbios europäischem Geschäft bilden, zeigen nach der Bereinigung von Marktverzerrungen wieder eine positivere Tendenz. Analysten rechnen mit einer zunehmenden Stabilisierung. Politische Kurswechsel oder erneute Billigimporte könnten die Erholung allerdings gefährden. Zugleich hat Verbio ein beachtliches Quotenpolster von knapp 0,7 Mio. t CO₂-Äquivalent angehäuft. Bei einem Preisniveau von 400 EUR pro Tonne CO2 könnte die Monetarisierung in den kommenden Jahren einen substanziellen Mittelzufluss von über 220 Mio. EUR generieren. Dieser Wert ist jedoch keine feste Größe, sondern eine Option, deren Realisierung vom künftigen Preisumfeld abhängt.
Die eigentliche Investmentthese fußt auf einer strategischen Neuausrichtung. Nach Jahren des Kapazitätsausbaus in Nordamerika und Europa sollen nun die Früchte geerntet werden. In Nevada verbessert die steigende Auslastung die Profitabilität, während South Bend schrittweise zur integrierten Ethanol- und RNG-Produktion entwickelt wird. Der Fokus auf Biomethan und erneuerbares Erdgas adressiert einen wachsenden Markt für emissionsärmere Energieträger. Parallel dazu soll das Chemiegeschäft als vierte Säule etabliert werden. Die neue Anlage für erneuerbare Chemikalien könnte bei voller Auslastung signifikante Umsätze und Margen beisteuern. Die Ertragsdynamik kommt in den kommenden Jahren aus Nutzung des bestehenden, ausgebauten und integrierten Anlagennetzwerks.
Deutschlands Abkehr vom fossilen Erdgas ist keine Option, sondern ein Fakt der aktuellen Regierung. Die leeren Speicher zwingen die Industrie zur eigenen Vorsorge. BASF sichert sich mit langfristigen Biomethan- und Wasserstoffprojekten die grüne Rohstoffbasis. A.H.T. Syngas beweist mit seiner skalierbaren Reststoffvergaser-Technologie, dass lokale, autarke Energieproduktion bereits heute wirtschaftlich ist. Verbio kehrt dank stabilisierter Quotenmärkte und integrierter Biorefinery-Konzepte in die Ertragsspur zurück.
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