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01.09.2026 | 05:10

Ballard Power, First Hydrogen, ElringKlinger – Wasserstoff vor dem Neustart?

  • Wasserstoff
  • Drohnentechnologie
Bildquelle: Pixabay KI generiert

Nach Jahren voller Milliardeninvestitionen und großer Versprechen muss die Wasserstoffbranche endlich liefern. Entscheidend sind nicht mehr neue Absichtserklärungen, sondern Anwendungen, die im Alltag funktionieren und sich wirtschaftlich skalieren lassen. Brennstoffzellen erreichen inzwischen den Schwerlastverkehr, Anbieter bündeln Technologie und Wasserstoffversorgung und neue Einsatzgebiete entstehen abseits klassischer Fahrzeuge. Für Anleger könnte damit eine neue Phase beginnen. Nicht mehr die Vision entscheidet, sondern wer aus Wasserstoff tatsächlich ein Geschäft macht.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: BALLARD PWR SYS | CA0585861085 , ELRINGKLINGER AG NA O.N. | DE0007856023 , First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 | TSXV: FHYD

Inhaltsverzeichnis:


    Ballard Power – Übernahme abgeschlossen

    Ballard Power treibt den Umbau vom Brennstoffzellenhersteller zum integrierten Wasserstoffanbieter voran. Zum Ende der vergangenen Woche meldete das Unternehmen den Abschluss der Übernahme des britischen Wasserstoffspezialisten GeoPura. Der Kaufpreis beträgt zunächst 275 Mio. GBP, davon 82,5 Mio. GBP in bar. Weitere bis zu 27,5 Mio. GBP können bei Erreichen bestimmter Ziele hinzukommen.

    GeoPura entwickelt und betreibt Hydrogen Power Units für eine netzunabhängige Stromversorgung. Der Wasserstoff wird teilweise selbst produziert und über eine eigene Flotte verteilt. Zum Kundenkreis gehören namhafte Unternehmen wie Microsoft, Equinix, Netflix, Disney und Balfour Beatty sowie das britische Verteidigungsministerium.
    Für Ballard erweitert sich damit das Geschäftsmodell erheblich. Statt hauptsächlich Brennstoffzellen zu verkaufen, deckt der Konzern künftig Wasserstoffproduktion, Logistik, Betankung, Brennstoffzellen und stationäre Stromerzeugung ab. Besonders interessant ist das Energy-as-a-Service-Modell, das wiederkehrende Einnahmen ermöglichen soll.

    GeoPura erwartet für 2026 rund 38 Mio. GBP Umsatz. Ballard rechnet langfristig mit jährlichen EBITDA-Synergien von rund 25 Mio. USD. Gleichzeitig verbessert sich das bestehende Geschäft. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 15 % auf 21 Mio. USD, die Bruttomarge erreichte 20 %. Der Auftragsbestand erhöhte sich auf 157 Mio. USD. Nach Jahren hoher Verluste bleibt der Weg zur Profitabilität dennoch die entscheidende Herausforderung. Die GeoPura-Übernahme könnte diesen jedoch erheblich beschleunigen.

    First Hydrogen – Wasserstoff trifft auf KI und Robotik

    First Hydrogen beschleunigt den Wandel vom Wasserstoffentwickler zum Technologieunternehmen. Im Mittelpunkt steht die KI-Ausstattung der autonomen UGV-Plattform. Geplant sind Navigation, Objekterkennung, Sensorfusion, Missionsplanung und Bedrohungserkennung. Damit könnte das unbemannte Bodenfahrzeug Aufklärung, Logistik und Truppenschutz übernehmen und bei der Drohnenabwehr helfen.

    Acht bewegliche Bein-Rad-Einheiten sollen Stabilität in schwierigem Gelände ermöglichen. Hinzu kommen ein faltbares Chassis, amphibische Fähigkeiten und austauschbare Missionsmodule. Das UGV wäre damit auch in Häfen, Minen, Industrieanlagen oder zum Schutz kritischer Infrastruktur einsetzbar.

    Die Erweiterung des Geschäftsmodells ist strategisch schlüssig. First Hydrogen verbindet emissionsfreie Antriebe mit Robotik und autonomen Systemen. Eine Hybridversorgung aus Solarenergie, Batterie und Wasserstoff-Brennstoffzelle soll längere Einsatzzeiten ermöglichen. Über eine erweiterte verbindliche Absichtserklärung verfügt das Unternehmen über exklusive weltweite Entwicklungsrechte an der patentierten UGV-Technologie. Parallel wird eine 60 %-Beteiligung an einem Robotikunternehmen vorbereitet, dessen Portfolio 26 erteilte sowie zehn angemeldete Patente umfasst. Der endgültige Vertrag steht noch aus.

    Das Wasserstoffgeschäft liefert bereits einen Machbarkeitsnachweis. Zwei in Großbritannien straßenzugelassene Brennstoffzellen-Transporter absolvierten 6.000 Testkilometer und erreichten mehr als 630 km Reichweite je Tankfüllung. Nun adressiert First Hydrogen zusätzlich die wachsenden Märkte für Drohnen, Robotik und Verteidigung. Gelingt die Kommerzialisierung, könnte aus dem wenig beachteten Wasserstoffwert eine Technologieplattform mit mehreren Wachstumstreibern werden, was zu einer deutlichen Neubewertung führen könnte.

    ElringKlinger – Brennstoffzelle kommt in den 40-Tonner

    Auch bei ElringKlinger erreicht die Brennstoffzellentechnologie den realen Schwerlastverkehr. Die Tochter EKPO Fuel Cell Technologies startet gemeinsam mit Akkodis die Erprobung des neuen NM20-Brennstoffzellenstacks in einem 40 t Wasserstoff-Lkw. Anschließend soll das Fahrzeug bei einem Logistikunternehmen unter realen Bedingungen eingesetzt werden.

    Der NM20 wurde speziell für Heavy-Duty-Anwendungen entwickelt. Mit einer Leistung von bis zu 400 kW und einer vorgesehenen Lebensdauer von mehr als 25.000 Betriebsstunden ist er das leistungsstärkste Stack im EKPO-Portfolio. Im Demonstrationsfahrzeug reicht ein einzelnes Stack für bis zu 360 kW Systemleistung bei einem Wirkungsgrad von bis zu 61 %.
    Die Daten aus dem Logistikbetrieb sollen direkt in die Weiterentwicklung des NM20 einfließen und dessen Weg in Richtung Serienproduktion unterstützen. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten zudem auf Schifffahrt, stationäre Energieversorgung und Off-Highway-Anwendungen übertragen werden.

    ElringKlinger besitzt über EKPO damit eine interessante Position im Wasserstoffmarkt. Das Gemeinschaftsunternehmen von ElringKlinger und OPmobility entwickelt und produziert Brennstoffzellenstacks für Pkw, Nutzfahrzeuge, Busse sowie Bahn- und Marineanwendungen. Entscheidend bleibt auch hier die Industrialisierung. Gelingt der Sprung vom Demonstrator in größere Serien, könnte aus der Brennstoffzellentechnologie ein deutlich bedeutenderes Geschäft entstehen.


    Nach der großen Wasserstoff-Euphorie beginnt die entscheidende Phase. Ballard Power kauft sich mit GeoPura zusätzliche Umsätze und ein wiederkehrendes Servicemodell, während ElringKlinger seine Brennstoffzellentechnik unter realen Bedingungen im Schwerlastverkehr erprobt. First Hydrogen verbindet Wasserstoff, Robotik und KI zu einer ambitionierten Technologieplattform. Gelingt die Marktreife des UGV, eröffnen Verteidigung, Drohnenabwehr und Infrastrukturschutz erhebliche Chancen, inklusive einer möglichen Neubewertung der Aktie.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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