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27.07.2026 | 05:00

Exportbeschränkungen Chinas - Deutsche Industrie muss in Rohstoffe investieren: Wie Rheinmetall und Volkswagen vorgehen und wieso Aspermont profitieren kann

  • Exportstopp
  • China
  • Rohstoffe
  • Daten
Bildquelle: KI

Über Jahrzehnte waren Rohstoffe im wahrsten Sinne des Wortes Commodities – austauschbare Güter, die man möglichst preiswert einkauft. Doch seit einigen Jahren wird Versorgungssicherheit von einem Thema für Einkäufer zum alles entscheidenden Faktor für das Überleben der westlichen Industrie. Je nach Branche kann Knappheit ganze Geschäftsmodelle scheitern lassen. Um den Gefahren geopolitischer Verwerfungen, volatiler Marktpreise und strenger Nachhaltigkeitsvorgaben zu begegnen, setzen sich Industrieunternehmen immer detaillierter mit Rohstoffen auseinander. Entweder sie investieren direkt oder suchen Partnerschaften. In jedem Fall sind Informationen über Bergbau-Projekte und konkrete Rahmenbedingungen entlang der Wertschöpfungskette wichtig, um eigene Risiken einschätzen zu können. Der auf Rohstoffe spezialisierte Informationsdienstleister Aspermont könnte von dieser neuen Situation profitieren.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: ASPERMONT LTD. | AU000000ASP3 | ASX: ASP , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , VOLKSWAGEN AG VZO O.N. | DE0007664039

Inhaltsverzeichnis:


    Wehrhafte Autarkie: Rheinmetall investiert im großen Stil in Munition

    Rheinmetall befindet sich inmitten eines nie dagewesenen Auftragsbooms: Ende des ersten Quartals lag der Auftragsbestand bei rund 73 Mrd. EUR. Um diese Aufträge auch abzuarbeiten, hat der Konzern das strategische Projekt Firepower gestartet, das bis zum Jahr 2030 eine jährliche Kapazität von 20.000 t Treibladungspulver in Europa vorsieht. Ein wesentlicher Baustein ist die Tochtergesellschaft Nitrochemie Aschau, deren Werksfläche von 90 auf 110 Hektar ausgebaut wird, um die Pulverproduktion um 2.500 t zu erweitern. Zudem investiert das Unternehmen über 500 Mio. EUR in das Joint Venture Rheinmetall Victoria in Rumänien, um ab 2028 ein neues Werk für wehrtechnische Treibmittel zu betreiben. Um kritische Lieferengpässe bei Nitrocellulose auszuschließen, übernahm Rheinmetall den Traditionshersteller Hagedorn-NC am Standort Lingen. Ergänzt wird diese vertikale Integrationsstrategie durch eine Kooperation mit dem schwedischen Konzern SSAB bezüglich der Belieferung mit fossilfreiem Stahl. Dass es für Rheinmetall Sinn macht, sich autark aufzustellen, zeigen die am Freitag erlassenen Exportbeschränkungen Chinas für Lieferungen von Dual-Use-Gütern an Rheinmetall und andere Unternehmen aus der EU.

    Lehrgeld bezahlt: Volkswagens steiniger Weg zur Unabhängigkeit

    Volkswagen setzt bei der Transformation zur Elektromobilität auf vertikale Integration und hat dafür die Batterietochter PowerCo gegründet. Mit Beginn der Produktion am Standort Salzgitter im Dezember 2025 begann für VW ein neues Kapitel. Das Werk Salzgitter ist in der ersten Phase auf eine Kapazität von 20 GWh ausgelegt. Neben Salzgitter entstehen weitere Fertigungsstätten in Valencia und St. Thomas. Die so gefertigte prismatische Einheitszelle soll künftig in bis zu 80 % aller Fahrzeuge des Konzerns zum Einsatz kommen. Zur Herstellung von Kathoden plant das Joint Venture Ionway in Polen Investitionen von bis zu 1,7 Mrd. EUR. Direktinvestitionen wie in das Shaakichiuwaanaan-Lithiumprojekt von Patriot Battery Metals garantieren Abnahmerechte. Allerdings verdeutlicht das Scheitern der geplanten Übernahme brasilianischer Minen über die Hülle ACG im Jahr 2023 die enormen Risiken direkter Rohstoffengagements. Damals war der Preis für Nickel stark eingebrochen und der geplante Kauf der Minen für rund 1 Mrd. USD war vom Tisch.

    Vom Traditionsverlag zum Daten-Pionier: Aspermont punktet rund um Rohstoffe

    In einer Zeit, in der immer mehr Industrieunternehmen Rohstoffprojekte bewerten und analysieren müssen, gewinnen Marktanalysen von echten Profis sowie Daten zu Minen und Bergbau-Regionen an Bedeutung. Das an den Börsen in Australien und Frankfurt gelistete Unternehmen Aspermont hat sich von einem klassischen Verlagshaus zu einem führenden Daten- und Analyseanbieter gewandelt. Mit geschichtsträchtigen Medienmarken wie dem Mining Journal aus dem Jahr 1835 und dem Mining Magazine aus dem Jahr 1909 verfügt das Unternehmen über umfassende Expertise in der Rohstoffbranche. Seit einigen Jahren entwickelt sich das Unternehmen stetig weiter und hat inzwischen ein skalierbares Anything-as-a-Service-Modell entwickelt. Mittlerweile machen wiederkehrende Einnahmen aus Abonnements zwischen 66 % und 72 % der gesamten Erlöse aus, während der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer von 1.046 AUD im Jahr 2020 auf aktuell 2.493 AUD gestiegen ist.

    Daten werden im Bergbau immer wichtiger - Aspermont könnte profitieren.

    Im Jahr 2025 lancierte Aspermont die KI-gestützte Analyseplattform Mining-IQ, um Bergbaudaten automatisiert aufzubereiten. Mit spezialisierten Analysemodulen wie World Risk Analytics zur Bewertung geopolitischer und operativer Länderrisiken sowie dem Project Pipeline Index zur Erfassung von Bergbauprojekten liefert das Unternehmen nützlich aufbereitete Informationen. Der ESG Mining Company Index bietet zudem Vergleichswerte zur Nachhaltigkeitsperformance von Produzenten - da die westliche Industrie ESG immer auch mitdenken muss, trifft auch dieses Produkt einen Nerv der potenziellen Kunden. Durch den Einsatz moderner Datenarchitekturen verwandelt Aspermont unstrukturierte Rohstoffdaten in maschinenlesbare Handlungsentscheidungen. Dadurch unterstützt der Konzern industrielle Abnehmer dabei, Risiken in ihren Lieferketten frühzeitig zu erkennen und fundiert gegenzusteuern.

    Aspermont und der Datenschatz: Rio Tinto als Kunde

    Wie viel die Daten von Aspermont wert sind, zeigt nicht zuletzt die Kooperation des Unternehmens mit dem Bergbaugiganten Rio Tinto aus dem Jahr 2025. Gegenstand der Partnerschaft ist die vollständige Digitalisierung von über zwei Jahrhunderten historischer Archivmaterialien des Mining Journal und des Mining Magazine. Rio Tinto unterstützte dieses Digitalisierungsprojekt mit einem Finanzierungsbeitrag von 550.000 AUD, wofür der Konzern eine exklusive Nutzungsphase von sechs Monaten vor der Markteinführung erhielt. Mithilfe künstlicher Intelligenz werden die historischen Texte aufbereitet und in das Datenökosystem integriert, was eine weltweite Wissensdatenbank schafft. Dieses Projekt unterstreicht die Fähigkeit des Unternehmens, bestehende Wissensschätze in wiederkehrende Erlösmodelle zu überführen. Der Konzern stützt sich nach eigenen Angaben auf eine breite Kundenbasis im Premiumsegment mit mehr als 3.000 Kunden, die jeweils einen jährlichen wiederkehrenden Umsatz von über 1.000 AUD generieren. Darüber hinaus umfasst die globale Kontaktdatenbank über 8 Mio. Einträge von Führungskräften und Entscheidern aus Industrie und Rohstoffbranche. So will man weiter wachsen und die neu geschaffene Stärke voll ausspielen.

    Die Aktie von Aspermont bewegte sich während der vergangenen Monate mit leicht negativer Tendenz seitwärts. Dabei ist das Unternehmen gut positioniert: Die Transformation zu einem Plattformanbieter mit einem wiederkehrenden Erlösanteil von bis zu 72 % schützt das Geschäft wirksam vor den für den Werbemarkt typischen zyklischen Schwankungen. Kann das Unternehmen sein Potenzial umsetzen und weitere Kunden gewinnen, könnte auch die Aktie weiteres Potenzial entwickeln.


    Interessenskonflikt

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    Risikohinweis

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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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