28.08.2026 | 05:15
Schnitzel und Chips: Kommt nach dem Chipmangel die Überkapazität? Micron, Infineon und Strategic Resources im Zyklus-Check!
Die Sorge, dass der milliardenschwere Ausbau neuer Chipfabriken und KI-Rechenzentren die Nachfrage überholen und einen klassischen Schweinezyklus aus Überangebot, Preisdruck und Investitionsstopp auslösen könnte, hatte den Technologieboom zuletzt überschattet. Doch Nvidias jüngste Quartalszahlen liefern vorerst Entwarnung. Der Bedarf an Rechenleistung bleibt hoch, Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der gewaltigen KI-Investitionen treten wieder in den Hintergrund und die Rallye kann weitergehen. Davon profitiert Micron unmittelbar durch den rasant wachsenden Bedarf an Hochleistungsspeichern, während Infineon die energieeffiziente Stromversorgung von Rechenzentren ermöglicht. Strategic Resources setzt bei den Rohstoffen und Materialien an, ohne die der Ausbau der physischen Infrastruktur des KI-Zeitalters nicht möglich wäre, wobei hochwertiges Eisenerz und Vanadium im Mittelpunkt stehen.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Carsten Mainitz
ISIN:
STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR , MICRON TECHN. INC. DL-_10 | US5951121038 , INFINEON TECH.AG NA O.N. | DE0006231004
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Carsten Mainitz
Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.
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Strategic Resources – Enormer Hebel
Der Fokus der Aktivitäten umfasst hochreines Eisen, Vanadium und Titan. Dabei verfolgt Strategic Resources einen geschickten, jedoch ungewöhnlichen industriellen Ansatz. Ziel ist, eine integrierte Wertschöpfungskette vom Rohstoff über die Aufbereitung bis hin zu Produkten für Stahlindustrie und Batterietechnik aufzubauen.
Wichtigstes Asset ist das vollständig unternehmenseigene BlackRock-Projekt in der kanadischen Provinz Québec. Am dortigen Tiefseehafen Port Saguenay plant die Gesellschaft eine Anlage, die jährlich bis zu 4 Mio. t hochreine Eisenerzpellets produzieren soll. Diese sogenannten Direct-Reduction- oder DR-Pellets gewinnen an strategischer Bedeutung. Direktreduktionsanlagen können mit Erdgas und perspektivisch mit Wasserstoff arbeiten. In Verbindung mit Elektrolichtbogenöfen lässt sich der CO₂-Ausstoß der Stahlproduktion erheblich reduzieren. Dafür wird jedoch besonders hochwertiges Ausgangsmaterial benötigt, was zu einem strategischen Engpass werden könnte. Für Strategic Resources ist das eine vielversprechende Ausgangslage.
Für die Beschaffung des benötigten Eisenerzkonzentrats und die Vermarktung der Pellets hat Strategic Resources bereits Vereinbarungen mit Javelin Global Commodities geschlossen. Javelin soll als exklusiver Agent jährlich etwa 4 Mio. t Konzentrat beschaffen und bis zu 4 Mio. t fertige DR-Pellets vermarkten. Zusätzlich wurde eine mögliche Betriebsmittellinie von bis zu 150 Mio. USD skizziert. Diese Fazilität steht allerdings unter Bedingungen und ersetzt nicht die noch zu sichernde Finanzierung für den Bau der Anlage.
Das zweite Standbein von Strategic Resources liegt in Finnland. Das Mustavaara-Projekt war zwischen 1976 und 1985 bereits in Betrieb und gehörte damals zu einem finnischen Vanadiumkomplex, der zeitweise einen beachtlichen Anteil der weltweiten Produktion stellte. Heute bietet die Lagerstätte die Chance, Vanadium und hochwertiges Eisen aus einer europäischen Jurisdiktion bereitzustellen.
Im Sommer wurde das vanadiumreiche Magnetitkonzentrat des finnischen Projekts für das mit 17 Mio. EUR ausgestattete FutSteel-Forschungsprojekt ausgewählt, was einen wichtigen technologischen Vertrauensbeweis darstellt. Unter Führung der Universität Oulu wird gemeinsam mit Industriepartnern untersucht, wie elektrische und wasserstoffbasierte Verfahren in eine emissionsärmere Stahlproduktion integriert werden können.
Neben grünem Stahl arbeitet die Gesellschaft auch an einem möglichen Einstieg in das Geschäft mit höherwertigen Batteriematerialien. Dazu wurde mit Tyfast Energy im Frühjahr vereinbart, den Aufbau einer kanadischen Lieferkette für Vanadiumoxid in Batteriequalität zu evaluieren. Tyfast entwickelt Lithium-Vanadiumoxid-Anoden für Nutzfahrzeuge, Bergbaumaschinen und militärische Anwendungen.
Das Unternehmen besitzt nachweislich mehrere Wachstumspfade, die ein hohes wirtschaftliches Potenzial darstellen. Dagegen notieren die Anteilsscheine bei 0,22 CAD, womit die Gesellschaft lediglich mit 13 Mio. CAD bewertet ist.
IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk diskutiert mit CEO Sean Cleary über den geplanten Aufbau der Verarbeitungsanlage im kanadischen Québec. Hier geht´s zum Video.
Infineon – Neuer Umsatzrekord dank KI-Boom
Die Stromversorgung von KI-Rechenzentren hat sich zum wichtigsten Wachstumstreiber der Deutschen entwickelt. Je höher die Rechenleistung, desto größer sind Stromverbrauch und Anforderungen an eine verlustarme Energieumwandlung. Leistungshalbleiter von Infineon sorgen dafür, dass die Energie möglichst effizient vom Netz bis zu Prozessoren und Speichersystemen gelangt.
Im dritten Quartal erzielte die Gesellschaft mit 4,17 Mrd. EUR einen Rekordumsatz. Unter dem Strich verdiente der Konzern 423 Mio. EUR oder 0,32 EUR je Aktie. Für das Gesamtjahr erwartet Infineon rund 16,3 Mrd. EUR Umsatz. Besonders bemerkenswert sind mehrjährige Kapazitätsreservierungen, die mit führenden KI-Kunden bereits vereinbart wurden oder sich in Verhandlung befinden. Ihr kumuliertes Umsatzvolumen liegt nach Unternehmensangaben im hohen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich.
Im laufenden Jahr können die Anteilsscheine aktuell einen Zuwachs von gut 50 % auf 57 EUR verbuchen. Analysten formulieren im Durchschnitt ein Kursziel von 85 EUR, knapp unterhalb des in diesem Jahr markierten Mehrjahreshochs. Daraus resultiert ein potenzielles Upside von etwa 50 %.
Micron Technology - Analystenliebling
Der KI-Boom treibt die Aktie bereits seit mehreren Quartalen massiv an. Im dritten Quartal verdoppelte sich der Umsatz nahezu auf 41,46 Mrd. USD, wodurch unter dem Strich ein Nettogewinn von 28,24 Mrd. USD erzielt wurde. Für das vierte Quartal stellt Micron einen Umsatz von rund 50 Mrd. USD sowie eine Bruttomarge von rund 86 % in Aussicht. Diese außergewöhnlichen Werte verdeutlichen, wie knapp Hochleistungsspeicher geworden sind und welche Preissetzungsmacht die Hersteller derzeit besitzen.
Im Zentrum steht High Bandwidth Memory, kurz HBM. Diese Speicherbausteine werden direkt mit KI-Beschleunigern kombiniert und ermöglichen den schnellen Zugriff auf riesige Datenmengen. Micron liefert HBM4 bereits in hohen Stückzahlen für die Plattform eines führenden Kunden aus. Die Weiterentwicklung HBM4E soll 2027 in die Serienfertigung gehen.
Jüngst kündigte die Gesellschaft den Aufbau des Micron Research Labs in Boise, im US-Bundesstaat Idaho, an. Über die kommenden zehn Jahre sollen 10 Mrd. USD in die langfristige Speicher- und Halbleiterforschung investiert werden. Das neue Zentrum soll Hochschulen, Start-ups, staatliche Stellen und Industriepartner zusammenbringen. Der Baubeginn für die zentrale Forschungseinrichtung ist im kommenden Jahr vorgesehen.
Somit positioniert sich Micron nicht nur als Profiteur des aktuellen Nachfragebooms, sondern auch als strategischer Bestandteil der amerikanischen Technologiepolitik. Analysten bescheinigen der Aktie ein weiteres Kurspotenzial von über 60 % in den kommenden 12 Monaten.
Fazit
Strategic Resources setzt auf Rohstoffe und Materialien, ohne die der Ausbau der physischen Infrastruktur des KI-Zeitalters nicht möglich wäre. Die Gesellschaft hat viele Eisen im Feuer. Der Hebel ist angesichts eines Börsenwerts von lediglich 13 Mio. CAD enorm. Infineon hat sich als ein überzeugender europäischer Infrastrukturwert für KI und Elektrifizierung etabliert. Micron ist nach Einstufung von Analysten ein chancenreicher Titel im KI-Sektor. Die guten Nvidia-Zahlen dürften beiden Techaktien weiterhin Rückenwind geben.
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