26.08.2026 | 04:15
Amazon, Volatus Aerospace, Suss MicroTec: Drei Aktien, ein Muster – und die Chance auf bis zu 100 % Gewinn
Erst Euphorie, dann Ernüchterung: An der Börse hat sich zuletzt ein Muster etabliert, bei dem selbst starke Quartalszahlen den ersten Kurssprung nur selten überleben. Denn bei genauerem Hinsehen tauchen oft Fragezeichen auf – etwa hinter den Investitionen von Amazon, dem konservativen Jahresausblick von Suss MicroTec oder dem Umbau des Geschäftsmodells bei Volatus Aerospace. Die drei Unternehmen stehen für völlig unterschiedliche Spielarten der Künstlichen Intelligenz: Cloud-Infrastruktur, Fertigungsanlagen für die Halbleiterindustrie und KI-Einsatz in autonomen Drohnen. Die gute Nachricht: Nach den Rückschlägen sehen Analysten wieder viel Potenzial – 25, 50 oder sogar 100 %.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
AMAZON.COM INC. DL-_01 | US0231351067 , SUESS MICROTEC SE NA O.N. | DE000A1K0235 , VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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Amazon: Wenn Investitionen die Feierlaune dämpfen
Die Quartalszahlen von Amazon sorgten Ende Juli für einen Paukenschlag: Mit einem Gewinn von 5,75 USD je Aktie übertraf der weltgrößte Onlinehändler die Analystenschätzungen von 1,82 USD um mehr als das Dreifache. Der Umsatz belief sich im zweiten Jahresviertel auf 200,6 Mrd. USD, ein Plus von 20 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Erlöse der Cloud-Sparte AWS wuchsen um 37 % auf 42,2 Mrd. USD, das schnellste Tempo seit 2021. Entsprechend euphorisch fiel die erste Reaktion aus: Die Aktie sprang zweistellig nach oben und markierte am 4. August mit 287 USD ein neues Allzeithoch.
Seither ist die Luft raus. Aktuell notiert die Aktie bei 261 USD, gut 9 % unter dem Rekordstand. Der Grund: Amazon kündigte eine Erhöhung der Investitionsausgaben für 2026 von 200 auf 220 Mrd. USD an, vor allem für KI-Infrastruktur und eigene Chips wie Trainium. Der freie Cashflow drehte dadurch ins Minus – zum ersten Mal seit 2023, obwohl die Mittelzuflüsse aus dem operativen Geschäft um 33 % auf 161,4 Mrd. USD gestiegen waren. Bereits im Februar hatte eine Erhöhung des Investitionsbudgets einen Kurseinbruch von 11 % ausgelöst; diesmal fiel die erste Reaktion zunächst gegenteilig aus – mit Zeitverzögerung kehrte die Skepsis aber zurück. Der Markt tut sich offenkundig schwer damit, ob massive KI-Investitionen als Wachstumsversprechen oder als Belastung gelesen werden sollen. Die Analysten allerdings bleiben zuversichtlich: Im Schnitt sehen sie die Aktie bei 335 USD fair bewertet – ein Aufwärtspotenzial von rund 25 % gegenüber dem aktuellen Kurs.
Suss MicroTec: Starke Auftragslage, verhaltener Ausblick
Auch beim deutschen TecDAX-Wert Suss MicroTec zeigte sich dieses Wechselspiel. Am 6. August meldete der Halbleiterausrüster aus Garching bei München einen Umsatz von 116,2 Mio. EUR für das zweite Jahresviertel – ein Plus von 34 % zum ersten Quartal, aber ein Minus von 18 % zum Vorjahreszeitraum. Der eigentliche Höhepunkt lag im Auftragseingang: Mit 260,7 Mio. EUR kletterte er um 75 % gegenüber dem bereits rekordstarken Vorquartal, getrieben unter anderem von einem Großauftrag über 115 Mio. EUR für einen Kunden, der seine Kapazitäten für fortschrittliche Chipverpackung ausbaut. Rund 220 Mio. EUR des Auftragsbestands sind bereits für Auslieferungen im Jahr 2027 vorgesehen. Damit liegt auf der Hand, dass die temporäre Auftragsflaute überwunden ist. Die Aktie reagierte zunächst positiv und erreichte im Xetra-Handel am 17. August knapp 87 EUR. Seither ging es abwärts. Aktuell pendelt der Kurs um die Marke von 70 EUR – meilenweit entfernt vom Rekordhoch bei 118,50 EUR aus dem Juni.
Zwei Gründe dürften dafür verantwortlich sein: Erstens hat sich das Management trotz starker Bestellungen bewusst zurückhaltend gegeben und die Prognose fürs laufende Jahr nicht angehoben. Denn auch hier steht eine größere Investition von 45 Mio. EUR für den Bau eines neuen Applikations- und Entwicklungszentrums in Karlsruhe an, mit dem Ziel, die Technologieführerschaft im Bereich Advanced Packaging (Kombination verschiedener Chips zu komplexen Systemen) zu stärken. Zweitens war die Aktie bereits vor den Zahlen in einer Korrektur vom Allzeithoch – die Zahlen konnten diesen Trend bislang nur bremsen, nicht umkehren. Glaubt man dem Analystenkonsens, könnte das eine Einstiegsgelegenheit sein, zumal der KI-Boom die Halbleiterindustrie antreibt und damit auch die Nachfrage nach präzisen Anlagen für Lithografie, Wafer-Verbindungen und Fotomaskenbearbeitung made in Germany. Das durchschnittliche Kursziel der Experten liegt bei 108 EUR, was einem Potenzial von mehr als 50 % entspricht – doppelt so viel wie bei Amazon.
Volatus Aerospace: Der Umbau zum KI-Unternehmen
Eine noch größere Lücke zwischen aktuellem Kurs und Expertenziel klafft bei Volatus Aerospace. Analysten sehen den fairen Wert im Schnitt bei 1,00 CAD – gegenüber dem aktuellen Niveau von 0,50 CAD entspricht das einer Verdopplung. Der kanadische Drohnenspezialist hatte kürzlich für den Zeitraum von Anfang April bis Ende Juni einen Umsatz von 8,42 Mio. CAD gemeldet – ein Plus von 49,5 % gegenüber dem Vorquartal, getragen von einem Anstieg der Dienstleistungen um 59 % und der Ausrüstungslieferungen um 38 %. Obwohl das Unternehmen bilanziell besser dasteht als jemals zuvor, reagierte die Aktie sogar negativ auf den Quartalsbericht. Grund: Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum war der Umsatz um rund 20 % zurückgegangen, weil ein Verteidigungsauftrag über 2,6 Mio. CAD wegen Lieferkettenproblemen nicht rechtzeitig vor dem Stichtag 30. Juni ausgeliefert werden konnte. Das heißt keineswegs, dass der Umsatz verloren ist – er wird nur später verbucht. Nach einigen Tagen stärkerer Kursschwankungen hat sich die Notierung bei rund 0,50 CAD (an deutschen Handelsplätzen 0,32 EUR) eingependelt – weiterhin gut 40 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 0,89 CAD.
Was bei Volatus mehr zählt als die reine Momentaufnahme, ist die Richtung des Umbaus – und hier liegt die eigentliche Parallele zu Amazon. So wie der Cloud-Riese Mrd. USD in Infrastruktur für Rechenzentren steckt, bevor sich das operativ rechnet, investiert Volatus konsequent in den Wandel vom klassischen Drohnen-Dienstleister zu einer integrierten KI-basierten Aerospace- und Defence-Plattform mit eigener Software. Herzstück ist die SaaS-Plattform SKYDRA zur Planung von Drohnenabwehr-Einsätzen sowie der KI-basierte Flugcontroller V-CORTEX, der Drohnen auch ohne GPS-Signal navigieren lässt – ein Feature von hoher militärischer Relevanz. Ergänzt wird das durch die im Juni eröffnete, rund 4.900 Quadratmeter große Fertigungsanlage in Mirabel bei Montreal, die bei Vollauslastung ein Umsatzpotenzial von bis zu 250 Mio. CAD bieten soll – ein Vielfaches der aktuellen Erlöse.
Dieser Umbau des Geschäftsmodells kostet, wie bei Amazon, zunächst sichtbar Geld: Die operativen Aufwendungen kletterten im ersten Halbjahr um 48,4 % auf 17,0 Mio. CAD. Mit 59,2 Mio. CAD Cash und 63,8 Mio. CAD Working Capital, der stärksten Liquiditätsposition der Firmengeschichte, verfügt das Unternehmen über den notwendigen Spielraum, um die Transformationsphase zu finanzieren. Rückenwind liefert die angespannte geopolitische Lage: Volatus wurde für die zweite Phase des 1,1 Mrd. USD schweren US-Verteidigungsprogramms Drone Dominance Program ausgewählt und profitiert von Kanadas Defence Industrial Strategy, die heimische Rüstungsproduzenten mit 6,6 Mrd. CAD über fünf Jahre fördert. Der Optimismus der Analysten kommt folglich nicht von ungefähr.
Fazit: 25, 50 und sogar 100 % Aufwärtspotenzial
Bei allen drei Werten gilt: Der Markt honoriert kurzfristig starke operative Signale, wird aber schnell wieder nervös – ob bei der zurückhaltenden Prognose von Suss MicroTec oder den Investitionen von Amazon und Volatus. Ein Haar in der Suppe lässt sich eben immer finden. Vorausschauende Experten hingegen honorieren, dass alle drei Unternehmen Geld in die Hand nehmen, um ihre Zukunft zu sichern. Auffällig ist dabei eine klare Stufung: Je etablierter das Geschäftsmodell, desto moderater das von Analysten prognostizierte Kurspotenzial – bei Amazon gut 25 %, bei Suss MicroTec über 50 %, bei Volatus sogar 100 %. Das spiegelt exakt den Reifegrad der drei Unternehmen wider: Amazon finanziert seine KI-Wette aus einem der profitabelsten Geschäftsmodelle der Welt, Suss MicroTec sein künftiges Wachstum aus einem etablierten, wenn auch zyklischen Kerngeschäft. Volatus befindet sich noch mitten im Umbau vom Flugdienstleister zum Software- und Defence-Anbieter – mit entsprechend höherem Risiko, aber eben auch mit der größten rechnerischen Chance, wenn die Transformation gelingt.
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