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31.08.2026 | 05:10

GE Vernova, RE Royalties, Canadian Solar – Milliarden fließen in die Energie-Infrastruktur

  • Energie
  • Speichersysteme
Bildquelle: Pixabay

Die Energiewende hat längst kein Technologieproblem mehr, sondern ein Finanzierungs- und Infrastrukturproblem. Solarparks müssen gebaut, Batteriespeicher finanziert und Stromnetze für eine zunehmend dezentrale Energieversorgung aufgerüstet werden. Allein die Projektpipelines großer Entwickler zeigen, welche Dimension der Investitionsbedarf inzwischen erreicht hat. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmodelle für Unternehmen, die nicht nur Anlagen bauen, sondern Kapital bereitstellen oder an den langfristigen Erträgen der Projekte verdienen. Für Anleger eröffnet sich damit eine zweite Phase der Energiewende. Jetzt geht es darum, aus dem gewaltigen Ausbau ein profitables Geschäft zu machen.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , CANADIAN SOLAR INC. | CA1366351098 , GE VERNOVA INC | US36828A1016 | NYSE: GEV

Inhaltsverzeichnis:


    GE Vernova – Großauftrag für das Stromnetz der Zukunft

    Ohne leistungsfähige Stromnetze bleibt selbst der größte Ausbau erneuerbarer Energien wirkungslos. GE Vernova meldete am Donnerstag einen weiteren Auftrag für den Ausbau des britischen Übertragungsnetzes. Im Auftrag von Laing O'Rourke liefert der US-Konzern eine neue 400-kV-GIS-Umspannanlage in Chesterfield für Projekte von National Grid. Sie soll die Übertragungskapazität erhöhen, die Versorgungssicherheit verbessern und die Integration zusätzlicher erneuerbarer Energiequellen ermöglichen.

    Das Projekt ist Teil des „Great Grid Upgrade“, des größten Umbaus des britischen Stromnetzes seit Generationen. Für GE Vernova trifft dieser Investitionsschub auf einen ohnehin boomenden Markt. Der Konzern ist mit Gasturbinen, Windkrafttechnik sowie Lösungen für Stromnetze an mehreren neuralgischen Punkten der weltweiten Energieversorgung vertreten.
    Besonders das Netzgeschäft könnte sich zum langfristigen Wachstumstreiber entwickeln. Wind- und Solarparks entstehen häufig weit entfernt von den großen Verbrauchszentren, während gleichzeitig Rechenzentren und die zunehmende Elektrifizierung zusätzliche Netzkapazitäten verlangen. Transformatoren, Hochspannungstechnik und Umspannwerke werden dadurch zu kritischer Infrastruktur.

    Der neue Auftrag aus Großbritannien steht exemplarisch für diese Entwicklung. Während Anleger beim Energieboom häufig zuerst an Stromproduzenten denken, verdient GE Vernova an der Infrastruktur dahinter. Diese Position macht die Aktie zu einem der spannendsten „Schaufelverkäufer“ des weltweiten Strombooms.

    RE Royalties – 67,5 Mio. USD könnten neue Dimension eröffnen

    RE Royalties steht vor einem möglichen Wachstumssprung. Anfang August investierte der kanadische Spezialfinanzierer eine weitere Million USD in das Solarportfolio von Solaris Energy und erhöhte sein Engagement auf 4,8 Mio. USD. Entscheidender ist jedoch die gleichzeitig vereinbarte unverbindliche Absichtserklärung, denn die Partnerschaft könnte auf ein Royalty-Finanzierungsvolumen von 67,5 Mio. USD anwachsen. Neben 16 bereits finanzierten Anlagen umfasst die Perspektive weitere 96 US-Solarprojekte mit rund 190 Megawatt Gleichstrom (MWDC).

    RE Royalties baut keine eigenen Kraftwerke, sondern finanziert Entwickler von Solar-, Wind-, Speicher- und anderen Energieprojekten. Dafür erhält das Unternehmen umsatzabhängige Royalties. Bei Solaris sind die Zahlungen so strukturiert, dass über zunächst 25 Jahre eine vereinbarte Mindestrendite erreicht werden soll; anschließend laufen die Royalties über die verbleibende Betriebsdauer weiter.
    Damit positioniert sich RE Royalties, wo der Kapitalbedarf durch Energiewende, Elektrifizierung und den Stromhunger von Rechenzentren explodiert. Gleichzeitig müssen Entwickler für diese Finanzierung keine Unternehmensanteile abgeben. RE Royalties wiederum partizipiert an den Umsätzen der Projekte, ohne selbst deren operativer Betreiber zu sein.

    Wie gut das Modell skalieren kann, zeigen die bisherigen Zahlen. Mehr als 83 Mio. CAD wurden investiert, daraus entstand ein diversifiziertes Portfolio von 135 Projekten. Die Investments erzielten nach Unternehmensangaben im Durchschnitt rund 19 % Rendite.

    Zusätzliche Kursfantasie liefert die Bewertung. Anfang August lag der Börsenwert bei lediglich 16,5 Mio. CAD. Gleichzeitig prüfte das Unternehmen Investitionsmöglichkeiten von rund 200 Mio. CAD. Der Verwaltungsrat untersucht zudem gemeinsam mit PwC strategische Optionen, von neuen Partnerschaften und Finanzierungsstrukturen bis zu einem möglichen Verkauf.

    Gelingt es, nur einen Teil der Pipeline in langfristige Royalty-Cashflows zu verwandeln, könnte die heutige Unternehmensgröße schnell überholt sein. Genau diese Diskrepanz zwischen Börsenwert und Wachstumsperspektive macht RE Royalties derzeit besonders spannend.

    Canadian Solar – Batteriespeicher werden zum Wachstumsmotor

    Bei Canadian Solar verschiebt sich das Geschäft immer stärker in Richtung Batteriespeicher. Die am Donnerstag veröffentlichten Quartalszahlen liefern dafür den Beweis. Im zweiten Quartal wurden 3,7 GWh Speicherlösungen ausgeliefert, 82 % mehr als im Vorquartal und 73 % mehr als ein Jahr zuvor. Damit übertraf Canadian Solar sogar die eigene Prognose von 2,8 bis 3,2 GWh.

    Noch wichtiger für die kommenden Jahre ist der Auftragsbestand. Die Tochter e-STORAGE verfügte Ende Juni über einen vertraglich gesicherten Backlog einschließlich langfristiger Servicevereinbarungen von 3,5 Mrd. USD. Gleichzeitig umfasst die weltweite Entwicklungspipeline inzwischen rund 84 GWh Batteriespeicher.
    Damit entwickelt sich Canadian Solar zunehmend vom klassischen Modulhersteller zum integrierten Energieunternehmen. Neben Solarmodulen gehören Speicherlösungen sowie die Entwicklung, der Betrieb und Verkauf großer Energieprojekte zum Geschäftsmodell.

    Noch läuft allerdings nicht alles rund. Der Quartalsumsatz sank gegenüber dem Vorjahr um 29 % auf 1,2 Mrd. USD, unter dem Strich entstand ein Verlust von 77 Mio. USD. Umso entscheidender wird das Speichersegment. Während das traditionelle Solargeschäft unter starkem Preisdruck leidet, wächst hier ein zweites Standbein mit Milliardenauftragsbestand heran. Sollte Canadian Solar dieses Wachstum in steigende Profitabilität übersetzen, könnte genau dieser Bereich die Neubewertung der Aktie antreiben.


    Die nächste Phase der Energiewende entscheidet sich nicht allein bei Windrädern und Solarmodulen. GE Vernova profitiert vom milliardenschweren Ausbau der Stromnetze, während Canadian Solar mit 3,5 Mrd. USD Speicher-Auftragsbestand einen rasant wachsenden Zukunftsmarkt besetzt. Der spekulativste Wert des Trios ist RE Royalties. Wächst das finanzierte Projektportfolio wie geplant, entstehen zusätzliche langfristige Zahlungsströme. Aus dem kleinen Spezialisten könnte ein zunehmend bedeutender Finanzierer der Energiewende werden.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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