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27.08.2026 | 04:44

Wie Phönix aus der Asche: Deutsche Telekom, Almonty und Abbott starten wieder durch

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Bildquelle: Pixabay KI generiert

Monatelang kannten Deutsche Telekom, Almonty Industries und Abbott Laboratories nur eine Richtung: nach unten. Dann kamen die Quartalszahlen – und mit ihnen der Befreiungsschlag. Bei der Telekom und Almonty löste eine Kombination aus Wachstum und Aktienrückkäufen die Initialzündung aus, bei Abbott die Bestätigung, dass zwei belastende Sondereffekte nur vorübergehender Natur waren. Der nachhaltige Ausbruch aus dem Abwärtstrend ist bei allen drei Aktien inzwischen Fakt. Wie weit der Weg zurück zu den alten Höchstständen noch ist und wo Analysten sogar neue Kursrekorde für möglich halten, erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: DT.TELEKOM AG NA | DE0005557508 , ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , ABBOTT LABS | US0028241000

Inhaltsverzeichnis:


    Deutsche Telekom: Der Ausbruch aus dem Tal der Tränen

    Seit Anfang März steckte die Aktie der Deutschen Telekom in einer hartnäckigen Abwärtsbewegung fest. Belastet von der vorerst wohl gescheiterten Fusion mit der Tochter T-Mobile US und Sorgen um deren Geschäftsentwicklung, pendelte der Kurs monatelang unterhalb einer Widerstandszone um 27,30 EUR – der Deckel einer Abwärtstrendlinie, an der mehrere Erholungsversuche zuvor gescheitert waren.

    Die Wende kam am 6. August mit den Zahlen zum zweiten Quartal: Der Umsatz stieg um 4,4 % auf 29,9 Mrd. EUR, der bereinigte Nettogewinn kletterte um 11,1 % auf 2,8 Mrd. EUR, was einem Ergebnis je Aktie von 0,58 EUR entspricht. Mehr noch: Der Konzern hob die Free-Cashflow-Prognose fürs laufende Jahr auf rund 20 Mrd. EUR an und erhöhte sein laufendes Aktienrückkaufprogramm von 2 auf bis zu 5 Mrd. EUR. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung um knapp 6 % und durchbrach damit exakt jene Widerstandszone, an der sie zuvor wiederholt gescheitert war.

    Seither hat sich die Erholung fortgesetzt: Die T-Aktie notiert aktuell bei 29,03 EUR und arbeitet sich an den Widerstand bei 29,44 EUR heran. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 34,36 EUR, das die Aktie Ende Februar markiert hatte, hätte sie damit noch rund 18 % Luft nach oben. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt sogar bei 37,34 EUR, was signalisiert, dass die Experten der Telekom mittelfristig noch einiges zutrauen. Zusätzlichen Rückenwind lieferte zuletzt der Zukauf der polnischen Breitbandanbieter Fiberhost und Inea – ein weiterer Baustein der europäischen Konvergenzstrategie.

    Almonty Industries: Die Schlüsselaktie des Westens nimmt Fahrt auf

    Auch der Wolframproduzent Almonty Industries hat einen schwierigen Sommer hinter sich: Vom Rekordhoch bei 24,40 USD im April rutschte die Aktie bis Ende Juli auf 10,74 USD ab – auch wegen technischer Faktoren wie Absicherungsgeschäften rund um eine 800-Mio.-USD-Wandelanleihe. Die Wende kam mit den Quartalszahlen am 11. August: Der Umsatz schoss um 498 % auf 43,0 Mio. USD nach oben, das bereinigte Ergebnis je Aktie drehte von minus 0,30 USD auf plus 0,62 USD. Dabei stammte der ausgewiesene Umsatz noch größtenteils aus der etablierten Panasqueira-Mine in Portugal, deren Erlöse allein im ersten Quartal um 221 % zulegten. Das für die westliche Rohstoffsicherheit weitaus bedeutsamere Sangdong-Projekt in Südkorea hat die Erzaufbereitung erst Ende Juni aufgenommen und wird sein volles Umsatzpotenzial daher erst in den kommenden Quartalen entfalten – die eigentliche Ertragsstory steht also noch bevor.

    Wolfram ist eines jener Metalle, die für die moderne Rüstungsindustrie unverzichtbar sind: Wegen seiner extremen Härte und Hitzebeständigkeit steckt es in panzerbrechender Munition, Raketentriebwerken und hochbelastbaren Bauteilen für die Luft- und Raumfahrt. Das Problem: China kontrolliert mehr als 80 % der Weltproduktion. Almonty Industries, ursprünglich in Kanada beheimatet, hat sich in dieser Gemengelage zu einer der Schlüsselaktien des Westens entwickelt. Das Unternehmen, das seine Zentrale mittlerweile in die USA verlegt hat, ist einer der wenigen Produzenten außerhalb Chinas, der in der Lage ist, westliche Verteidigungsindustrien und Hightech-Fertiger mit dem hochgradig kritischen Metall zu versorgen. Neben den bereits produzierenden Minen in Südkorea und Portugal entwickelt der Konzern weitere Projekte, etwa in Spanien und im US-Bundesstaat Montana.

    https://youtu.be/H89AmF0rjfA

    Den endgültigen Ausbruch aus dem Abwärtstrend verdankt das Papier einer weiteren Nachricht: Am 17. August kündigte Almonty ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 300 Mio. USD an – für bis zu 14,4 Mio. eigene Aktien, rund 5 % der ausstehenden Anteile. CEO Lewis Black begründete den Schritt damit, dass der aktuelle Kurs den inneren Wert der Wolfram-Lagerstätten und die operativen Fortschritte in Sangdong nicht annähernd widerspiegele. Seither kletterte der Kurs von rund 15 auf knapp 19 USD. Bis zum Rekordhoch von 24,40 USD wären es von dort aus noch etwa 30 % – nach dem fulminanten Comeback der vergangenen Wochen keine unrealistische Distanz mehr. Und auch hier liegt das Analystenkursziel über dem bisherigen Hoch: Der Konsens sieht die Aktie im Schnitt bei 26,94 USD, die Experten des Augsburger Analysehauses GBC Research haben ihr Kursziel nach den jüngsten Entwicklungen sogar von 20,89 auf 30,00 USD angehoben.

    Abbott Laboratories: Der Dividendenaristokrat kämpft sich zurück

    Kaum ein Wert zeigt deutlicher als der US-amerikanische Pharma- und Medizintechnikkonzern Abbott Laboratories, dass selbst ein Dividendenaristokrat an der Börse in Ungnade fallen kann, wenn das Sentiment einmal gekippt ist: Trotz solider Zahlen und angehobener Prognosen büßte die Aktie im Jahresverlauf gegenüber dem 52-Wochen-Hoch zeitweise 40 % ein. Zwei Gründe wogen dabei besonders schwer: der Rückruf bestimmter Chargen von Blutzuckermessgeräten Ende 2025 sowie Preiserhöhungen im Ernährungsgeschäft, die der Markt zunächst nicht honorierte. Beide sind inzwischen abgearbeitet.

    Die Trendwende kam auch hier mit den Zahlen zum zweiten Quartal: Der Umsatz stieg um 13 % auf 12,6 Mrd. USD, der bereinigte Gewinn je Aktie übertraf mit 1,31 USD die Erwartungen von 1,29 USD. Entscheidend war die Anhebung der Jahresprognose auf einen bereinigten Gewinn je Aktie von 5,45 bis 5,60 USD – ein klares Signal, dass sich die befürchtete Wachstumsschwäche in der Medizintechnik auflöst. Die Aktie sprang am 16. Juli, dem Tag der Veröffentlichung, um rund 10 % nach oben und hat sich seither weiter erholt: Am 24. August erreichte sie mit rund 116,67 USD ein neues Sechs-Monats-Hoch. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 137,49 USD aus dem September 2025 wären es noch rund 18 % nach oben. Der Aufwärtstrend, der sich seit Anfang August ausgebildet hat, ist intakt.

    Bei den Analysteneinschätzungen zeigt sich ein interessanter Unterschied zu Telekom und Almonty: Das durchschnittliche Kursziel der Experten liegt mit rund 120 USD nur wenig über der aktuellen Notiz und deutlich näher am Status quo als am alten Hoch. Auffällig ist allerdings ein Muster innerhalb der Analystenschätzungen selbst: Je jüngeren Datums die Kursziele sind, desto höher fallen sie aus, mit aktuellen Einschätzungen im Bereich um 135 USD und damit fast wieder auf Höhe des 52-Wochen-Hochs. Das deutet darauf hin, dass die Wall-Street-Gemeinde die operativen Fortschritte erst nach und nach in ihre Modelle einpreist.

    Die Zweifel sind beseitigt, der Weg nach oben ist frei

    Bei allen drei Werten war es letztlich dieselbe Zutat, die den Umschwung brachte: konkrete, überzeugende Quartalszahlen, die eine zuvor angezweifelte Story operativ untermauerten. Bei der Deutschen Telekom und Almonty war es die Kombination aus Wachstum und Kapitalrückführung, bei Abbott die Bestätigung, dass die vermeintlichen Probleme nur vorübergehender Natur waren. Am dynamischsten verlief die Erholung bei Almonty, denn das Unternehmen lieferte den Beweis, dass sich die jahrelange Entwicklungsarbeit nun in realen Cashflows auszahlt – wohlgemerkt bislang noch überwiegend aus dem etablierten Portugal-Geschäft, während der eigentliche Wachstumstreiber Sangdong erst anläuft. Trotz des zuletzt steilen Kursanstiegs hat die Almonty-Aktie im Vergleich noch eine ganz schöne Strecke bis zum alten Rekordstand vor sich. Wie bei der Telekom trauen Analysten dem Wolframproduzenten sogar zu, das Jahreshoch zu überwinden. Bei Abbott zeigt sich diese Zuversicht bislang nur in den jüngsten Einschätzungen, während der Konsens noch zögerlich ist. Der eigentliche Charme der Abbott-Aktie liegt aber ohnehin im langfristigen Wertzuwachs: Das Unternehmen zählt zu den US-Dividendenaristokraten und hat seine Ausschüttung 54 Jahre in Folge erhöht.


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    Der Autor

    Jens Castner

    Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.

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