15.10.2026 | 05:27
Bilfinger, Zefiro Methane, Waste Management – Sanierung von Altlasten als Geschäft für drei Spezialisten
Umweltschäden entstehen oft schnell, ihre Beseitigung kostet Zeit und Geld. Die Deutsche Umwelthilfe meldete am 13. Oktober, bei Kontrollen im September sei an Gasanlagen in Norddeutschland, im Westen Deutschlands und in den Niederlanden unkontrolliert Methan entwichen. Die Umweltschützer sehen darin mögliche Verstöße gegen die Methanverordnung der EU. Solche Meldungen dürften Betreibern Beine machen. Wer Anlagen stilllegt, Altlasten dekontaminiert, verwaiste Bohrungen verschließt oder aus Müll noch Energie gewinnt, könnte davon profitieren. Gelingt das, wird aus dem Aufräumen ein Geschäft. Wir sehen uns daher Bilfinger, Zefiro Methane und Waste Management genauer an.
Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: Zefiro Methane Corp | CA98926D1069 , BILFINGER SE | DE0005909006 , WASTE MANAGEMENT (DEL.) | US94106L1098
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Erstellt und veröffentlicht im Auftrag von Zefiro Methane Corp.
Bilfinger – Prognose gesenkt, aber die Nachfrage zieht an
Alte Anlagen müssen irgendwann weg, und auch dabei hilft Bilfinger. Stilllegung, Dekontamination und Rückbau gehören zum Angebot. Ende April meldete der Konzern einen Auftrag der Bundesgesellschaft für Endlagerung. Die Mannheimer entwickeln Technik, mit der sich Atommüll aus der Schachtanlage Asse II zurückholen lässt, wo rund 126.000 Fässer lagern. Ferngesteuerte Maschinen und ein digitaler Zwilling, der die Bergung im Leitstand simuliert, gehören zur Technik. Das ist allerdings nicht der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit, denn Geld verdient Bilfinger vor allem mit Wartung und Modernisierung von Anlagen. Am 5. Oktober kam ein Rahmenvertrag mit Delamine in Delfzijl hinzu.
Operativ läuft es gerade holprig. Am 16. September hat Bilfinger die Prognose für 2026 gesenkt, weil das zweite Halbjahr deutlich hinter den Annahmen zurückbleibt. Der Umsatz soll nun 5,3 bis 5,7 Mrd. EUR betragen, zuvor waren es 5,4 bis 5,9 Mrd. EUR. Die Marge beim EBITA liegt bei 3,2 bis 3,6 %, zuvor bei 5,8 bis 6,2 %. Das beschleunigte Sparprogramm Agile soll ab 2028 jährlich rund 75 Mio. EUR bringen und der Marge auf die Sprünge helfen. Die Delle ist bitter.
Dafür zieht die Nachfrage an. Bei einem Auftritt in Mannheim sagte der Vorstand am 8. Oktober, in den vergangenen Wochen habe sie spürbar zugenommen. Im September beauftragte EWE Gasspeicher Bilfinger mit der Gasaufbereitung für den Wasserstoffspeicher Huntorf. Die Mannheimer setzen dabei erstmals ihre Technik H2Dry im kommerziellen Maßstab ein. Der Speicher soll 2028 an das Wasserstoffkernnetz angeschlossen werden. Am 11. November legt Bilfinger die Zahlen zum 3. Quartal vor. Wandelt sich die Nachfrage in Umsatz, könnte das zum Turnaround beim Konzern werden.
Zefiro Methane – neue Aufträge für die Sanierung verwaister Bohrungen
Verwaiste Bohrungen für Öl und Gas, um die sich niemand mehr kümmert, müssen verschlossen werden. Wer macht das? Zefiro Methane. Am 8. September meldete das Unternehmen einen staatlich geförderten Auftrag über 11,5 Mio. USD, der von November 2026 bis Juni 2029 läuft. Eine Woche später, am 15. September, kamen drei bundesfinanzierte Projekte über 1,9 Mio. USD für 12 Bohrungen in Ohio und Pennsylvania hinzu. Bei zwei der drei Projekte war Zefiro der einzige Bieter. Die Arbeiten sollen im Dezember 2026 oder Januar 2027 beginnen.
Auch die Zahlen zum Geschäftsjahr bis 30. Juni stimmen. Am 28. September meldete Zefiro einen Umsatz von rund 42,5 Mio. USD nach 32,4 Mio. USD im Vorjahr. Das bereinigte EBITDA drehte von minus 4.020.772 USD auf plus 3.752.887 USD. Die Bruttomarge stieg auf 29,2 % nach 23,0 % im Vorjahr. Im 4. Quartal allein stieg der Umsatz auf 9,3 Mio. USD nach 8,0 Mio. USD. Dazu kommt der Auftrag in Ohio über 19,6 Mio. USD, der größte Regierungsauftrag der Firmengeschichte. Operativ läuft es gut. Das gibt dem Unternehmen Rückenwind.
Zefiro wächst auch räumlich. Am 22. September meldete das Unternehmen den ersten Einsatz in Indiana und Michigan. In Ostindiana läuft ein achtwöchiges Projekt für eine Kohlenstoffspeicherung im Wert von rund 750.000 USD, die erste dieser Art für Zefiro. Am 30. September schloss Zefiro das zweite Projekt im Cuyahoga Valley National Park ab. Für das Geschäftsjahr 2027 will das Management die größte vertraglich gesicherte Pipeline der Firmengeschichte in Umsatz verwandeln. Die Analysten von GBC rieten am 13. Oktober in einer Studie zum Kaufen mit einem Kursziel von 1,50 USD, umgerechnet 2,15 CAD. Sie erwarten weiteres Wachstum, falls Zefiro die Pipeline wie geplant abarbeitet.
Waste Management – aus Deponiegas wird Erdgas
Wo Müll liegt, entsteht Gas. Waste Management (WM) fängt es auf und macht daraus erneuerbares Erdgas, das ins Netz darf. Im 2. Quartal gingen drei neue Anlagen für erneuerbares Erdgas in Betrieb, zwei in South Carolina und eine in Florida. Zusammen sollen sie jährlich rund 3,5 Mio. MMBtu zusätzlich erzeugen. Die Sparte Renewable Energy steigerte den Umsatz, wie am 28. Juli gemeldet wurde, von 115 Mio. USD auf 157 Mio. USD. Das Operating EBITDA stieg von 53 Mio. USD auf 71 Mio. USD. Aus Müll wird so bares Geld.
Auch der Konzern liefert. Der Umsatz im 2. Quartal lag bei 6.684 Mio. USD nach 6.430 Mio. USD im Vorjahr. Das bereinigte Operating EBITDA erreichte 2.067 Mio. USD, zum Vergleich 1.959 Mio. USD im Vorjahr, bei einer Marge von 30,9 %. Der Free Cashflow stieg um 34,5 % auf 1.104 Mio. USD. Für 2026 erwartet WM ein bereinigtes Operating EBITDA von 8,15 bis 8,25 Mrd. USD. Die Umsatzprognose liegt mit 26,275 bis 26,475 Mrd. USD etwa 0,6 % niedriger als zuvor, vor allem wegen geringerer Mengen.
Schon bald stehen die nächsten Quartalszahlen an. Am 27. Oktober legt WM nach Börsenschluss die Zahlen zum 3. Quartal vor. Für den gesamten Jahresverlauf peilt der Konzern einen Free Cashflow von 3,75 bis 3,85 Mrd. USD an. Gelingt es, diese Spanne zu halten, bleibt WM ein stabiler Partner für Kommunen und Betriebe, die ihren Abfall loswerden wollen. Dann zeigt sich, ob die neuen Anlagen für erneuerbares Erdgas bereits spürbar zum Ergebnis beitragen. Mit dem Gas aus den Deponien kommt ein zweites Standbein hinzu.
Aufräumen kostet Geld, und genau darin liegt für manche ein Geschäft. Bilfinger hält die Anlagen der Industrie am Laufen, baut sie bei Bedarf zurück und spürt anziehende Nachfrage, muss die gesenkte Prognose für 2026 aber erst verdauen. Bleibt die Nachfrage so lebhaft, könnte sich die Marge wieder erholen. Zefiro Methane hat im Geschäftsjahr 2026 Umsatz und Marge gesteigert und mehrere neue Aufträge gewonnen. Die Pipeline ist nach Angaben des Unternehmens die größte seiner Geschichte. WM macht aus Deponiegas Erdgas und legt am 27. Oktober die nächsten Quartalszahlen vor. Alle drei haben ihr Handwerk im Griff.
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