21.05.2026 | 04:38
Boom im Ölmarkt: Wie Total Energies, Zefiro Methane und Shell davon profitieren!
Der Ölpreis hält sich nun schon seit Beginn des Kriegs am Persischen Golf um die Marke von 100 USD je Barrel. Laut Marktexperten und CEOs diverser Firmen kann es in den kommenden Wochen in Europa zu Engpässen kommen. Dies gilt sowohl für die Versorgung der europäischen Autoflotte, als auch für den Flugverkehr. Denn der Kerosinpreis hat sich seit Ende Februar nahezu verdoppelt. Die Raffinerien in Rotterdam laufen deshalb auf Hochtouren. Doch auch in dieser Marktsituation gibt es Profiteure. So fuhren viele Ölkonzerne im ersten Quartal Rekordgewinne ein. Wir blicken deshalb heute auf die Aktien von Total Energies und Shell. Zudem hat auch die Ölindustrie ihre Schattenseiten. Hiervon profitiert in Nordamerika Zefiro Methane, das bei der Bekämpfung von Emissionen eine wichtige Rolle spielt.
Lesezeit: ca. 6 Min.
|
Autor:
Tarik Dede
ISIN:
ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , Shell PLC | GB00BP6MXD84 , TOTALENERGIES SE | FR0000120271
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Tarik Dede
Schon als Primaner in Norddeutschland entwickelte sich seine Begeisterung für den Neuen Markt. Small- und Midcaps standen dabei von Beginn an im Mittelpunkt. Der gelernte Bankkaufmann vertiefte sein Wirtschaftswissen später im Volkswirtschaftsstudium und in verschiedenen Stationen der Frankfurter Finanzbranche. Heute ist er seit über 25 Jahren privat wie beruflich an der Börse aktiv.
Tag-Cloud
Aktien-Cloud
Total Energies: Der nationale Champion boomt!
Im Gegensatz zu Deutschland hat Frankreich mit Total Energies einen echten Ölchampion in seinen Reihen. Der Konzern aus Paris gehört zu den zehn größten, privaten Ölproduzenten der Welt. Im ersten Quartal machten sich bereits die hohen Ölpreise in Folge des Kriegs am Golf in den Büchern bemerkbar. So stieg der Netto-Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 51 % auf rund 4,96 Mrd. Euro. Damit lag Total leicht über den Konsensschätzungen der Analysten. Diese bestätigten im Nachgang auch ihre „buy“ bzw. „overweight“-Ratings für die Aktie und raten weiter zum Einstieg. Der Verwaltungsrat des Unternehmens hat die Dividende für das erste Quartal deshalb auf 0,90 Euro je Aktie festgelegt. Das entspricht einer Steigerung von knapp 6 % im Vorjahresvergleich. Rechnet man die Dividende aufs Jahr hoch, ergibt sich eine Ausschüttungsrendite von aktuell rund 4,4 %. Dazu kommt ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm. Das im Januar aufgelegte Volumen von 750 Mio. Euro wurde auf 1,5 Mrd. Euro verdoppelt. Das Management erwartet für das zweite Halbjahr und darüber hinaus ein kontinuierliches Produktions- und Cashflow-Wachstum von rund 4 % pro Jahr.
Hohe Dividendenrendite, aber…
Die hohe Dividendenrendite ist bemerkenswert, da die Total-Aktie wie viele große Ölwerte schon in der Zeit vor dem Krieg massiv marschiert war. So ging es seit Jahresanfang um mehr als 30 % in die Höhe. Seit Beginn der Kampfhandlungen aber schwankt das Papier volatil mit der Nachrichtenlage respektive dem Ölpreis. Aufwärts, wenn die Bomben fallen; abwärts, wenn die Friedenstauben singen! Wer noch nicht auf den Zug aufgesprungen ist, sollte zwei Dinge beachten: Zum einen stellt sich die Frage, wie lange die Ölpreise auf dem hohen Niveau verbleiben. Analysten gehen davon aus, dass selbst bei einem sofortigen Ende des Kriegs und der Öffnung der Straße von Hormuz der Ölpreis und Ölprodukte auf hohem Niveau verbleiben werden. Außerdem gibt es auch in Frankreich eine Diskussion um eine Übergewinnsteuer (taxe sur les superprofits). Der massive Gewinnsprung führte dazu, dass vor allem die Opposition eine gezielte Abschöpfung der Renditen fordert. Konzernchef Patrick Pouyanné hält dagegen und sagt, dass zusätzliche steuerliche Belastungen die freiwilligen Preisdeckelungen an französischen Tankstellen gefährden würden. Nun muss der CEO im Juni vor dem Finanzausschuss der Nationalversammlung dazu aussagen. Ende offen!
Zefiro Methane: Der Entsorger in der Öl- und Gasbranche!
Während große Ölkonzerne in der Regel dafür sorgen, dass Öl- und Gaslöcher bei einem Ende der Produktion fachgerecht geschlossen werden, ist es bei vielen, insbesondere kleineren Unternehmen in Nordamerika nicht der Fall. Nach mehr als 150 Jahren Öl- und Gasindustrie finden sich in den Vereinigten Staaten überall stillgelegte oder verwaiste Öl- und Gasquellen. Manche Betreiber kümmerten sich, andere gingen pleite und vielerorts erfolgte die Versiegelung mangelhaft. Die Folge: Es tritt das extrem klimaschädliche Gas Methan aus.
Riesenmarkt wartet auf Problemlöser
Zefiro Methane hat sich genau auf diese Problematik fokussiert. Und es wartet ein gewaltiger Markt: So gehen Schätzungen davon aus, dass es allein in den USA rund 2,2 Millionen verlassene Öl- und Gaslöcher gibt. Laut dem Unternehmen entspricht dies einer Marktgröße von 400 Mrd. USD aufwärts. In den Vereinigten Staaten sind inzwischen auch die Regulierer in den Bundesstaaten auf dieses Problem aufmerksam geworden und haben nun entsprechende Budgets für die Schließung dieser Methan-Quellen bereitgestellt. Der Gesamtbetrag umfasst rund 4,7 Mrd. USD.
Zefiro befindet sich hier in einer Pole Position, um möglichst viele staatliche Projekte zu gewinnen. Bisher liest sich die Erfolgsquote gut: So hat das Unternehmen rund ein Viertel aller durch die Bundesstaaten ausgeschriebenen Aufträge gewonnen, wobei man derzeit in 13 Regionen aktiv ist. In den vergangenen 12 Monaten hat Zefiro Methane bereits 413 Bohrlöcher versiegelt. Die starke regionale Präsenz wurde kürzlich durch die Übernahme von Viking Well Service Equipment (4,3 Mio. USD) erweitert.
Das Wachstum macht sich inzwischen am Aktienkurs und den Umsätzen bemerkbar. So konnte man im Q3 2026 (gebrochenes Geschäftsjahr) Einnahmen von etwa 11 Mio. USD melden. Da das Unternehmen schneller wächst als seine Kosten, gingen die Aufwendungen um 14 % zurück. Damit verbessern sich auch die Gewinngrößen. Mit Blick auf neun Monate stieg der EBITDA auf 4,25 Mio. USD. Zudem konnte Zefiro die Schulden um ein Drittel auf 8,2 Mio. USD reduzieren.
Die Aktie konnte sich seit dem Tief Ende 2025 nahezu vervierfachen. Die Performance spiegelt die operative Entwicklung wider, aber auch die Möglichkeiten in der Zukunft. Mit dem Zukauf kann das Management einerseits schneller wachsen, andererseits aber auch Synergien heben. Nicht zuletzt ist auch der Verkauf von Emissionszertifikaten eine Option für die Kanadier. Denn mit dem Stopfen verwaister Öl- und Gasquellen werden klimaschädliche Emissionen vermieden. Sollte Zefiro in den kommenden Jahren in eine stattliche Größe hineinwachsen können, ist das Unternehmen als potenzieller Zukauf für Öldienstleister interessant.
Shell: Licht und Schatten!
Der niederländisch-britische Shell-Konzern geriet in der letzten Aprilwoche europaweit in die Schlagzeilen. Frans Everts, der Chef des niederländischen Shell-Geschäfts, führte Journalisten persönlich vor Ort auf dem Gelände der Großraffinerie in Rotterdam-Pernis, der größten Raffinerie Europas. Was er sagte, dürfte so manchen Politiker und auch Bürger nervös gemacht haben. Denn Everts bezeichnete die Lage auf dem europäischen Markt für Flugkraftstoffe (Kerosin/Jet Fuel) als dramatisch. Europa hatte durch die Blockade im Nahen Osten seine wichtigste Importquelle verloren. „Ganz eindeutig befindet sich jede einzelne Raffinerie in Europa in dem, was wir den ‚Max-Jet-Modus‘ nennen“, so Everts. Und sein Chef und Shell-CEO Wael Sawan äußerte sich kurz darauf bei der Präsentation der Q1-Zahlen noch dramatischer: Er warnte vor einer Rohöl-Unterversorgung von fast einer Milliarde Barrel weltweit, und dass dieses Loch „jeden Tag tiefer wird“. Zudem haben laut Aussagen von Sawan europäische Airlines bereits ihren Verbrauch aufgrund der extremen Preise um rund 5 % drosseln müssen – ein klares Zeichen, dass hier die Nachfrage zurückgeht.
Die strategische Lage sieht bei Shell gemischter aus als bei Total. Denn der Konzern profitiert einerseits vom hohen Ölpreis, andererseits ist man selbst durch den Krieg betroffen. So würden die Einschränkungen in der Straße von Hormus rund 20 % der gesamten Kohlenwasserstoff-Produktion des Konzerns beeinträchtigen. Zudem gab es Ausfälle bei den LNG-Anlagen in Katar und Schäden an der Anlage Pearl GTL, deren Reparatur rund ein Jahr in Anspruch nehmen werde.
Auf der anderen Seite kletterte der bereinigte Gewinn im Jahresvergleich um etwa 23 % auf 6,9 Mrd. USD. Damit lag Shell deutlich über den Erwartungen der Analysten. Haupttreiber ist dabei die starke Performance im Raffineriegeschäft, das zu 99 % ausgelastet ist. Zudem konnte Shell im Produkt- und Rohstoffhandel punkten. Shell hob die Quartalsdividende um 5 % auf 0,3906 US-Dollar je Aktie an und beschloss ein Aktienrückkaufprogramm über 3 Mrd. USD. Die hohen Preise machen wohl doch die Probleme bei den LNG-Anlagen in Nahost weg. Zudem hat Shell ARC Resources aus Kanada erworben. Für rund 4 Mrd. USD (75 % in Aktien) sichert sich das Unternehmen ein erstklassiges Gas- und Flüssiggas-Vorkommen im kanadischen Montney-Gebiet. Damit will man das LNG-Geschäft massiv ausbauen. Die Shell-Aktie hat sich bis Kriegsbeginn ähnlich stark entwickelt wie jene von Total. Seither aber performt sie schwächer. Zudem kam die Übernahme, wie üblich an der Börse, zunächst nicht gut bei den Investoren an. Daneben ist auch die Dividendenrendite mit rund 3,6 % niedriger als bei Total.
Fazit: Mit der Aktie von Total Energies können Anleger derzeit von den hohen Ölpreisen profitieren. Zudem liefern die Franzosen kontinuierlich Dividenden ab und kaufen Aktien zurück. Wer an dauerhaft hohe Energiepreise glaubt, der kann über eine Beimischung ins Portfolio nachdenken. Ein möglicher Beimischungs-Kandidat ist auch Zefiro Methane. Die Kanadier haben zuletzt stark performt und das Wachstum spiegelt sich auch in der Aktie wider. Hier bietet sich viel mittel- bis langfristiges Potenzial. Bei Shell gibt es dagegen viel Licht und Schatten für die Aktionäre. Steigende Gewinne und hohe Ausschüttungen stehen den Problemen in Nahost gegenüber, wo man direkt vom Krieg betroffen ist. Wer kein Risiko will, bleibt fern. Zumal der Krieg auch wieder ausbrechen kann.
Interessenskonflikt
Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) ggf. künftig Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen halten oder auf steigende oder fallende Kurse setzen werden und somit ggf. künftig ein Interessenskonflikt entstehen kann. Die Relevanten Personen behalten sich dabei vor, jederzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente des Unternehmens kaufen oder verkaufen zu können (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei unter Umständen den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.
Die Apaton Finance GmbH ist daneben im Rahmen der Erstellung und Veröffentlichung der Berichterstattung in entgeltlichen Auftragsbeziehungen tätig.
Es besteht aus diesem Grund ein konkreter Interessenkonflikt.
Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.
Risikohinweis
Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.inv3st.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.
Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.
Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.