14.07.2026 | 05:00
Daimler Truck warnt vor Engpass bei Ladepunkten – NEL feilt an Details und Pure One denkt komplett neu
Die Transformation des schweren Güterverkehrs auf der Straße gleicht einem Kampf mit Windmühlen. Während die politischen Vorgaben die Automobilhersteller in ein immer engeres Korsett drängen, hinkt der Ausbau der physischen Infrastruktur bei Elektromobilität und Wasserstoff durch die EU-Mitgliedstaaten meilenweit hinterher. Auf europäischen Rastplätzen und Transitrouten zeigt sich das Dilemma: Ein emissionsfreier Lkw nutzt den Transportunternehmern wenig, wenn es im Alltag an Ladesäulen oder Wasserstoff-Tankstellen fehlt. Inmitten dieser Kluft zwischen regulatorischem Anspruch und industrieller Machbarkeit schlägt die Stunde der wendigen Technologieanbieter. Wir beleuchten pragmatische Lösungen und zeigen mögliche Chancen auf.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
PURE ONE CORPORATION LIMITED | AU0000442865 | ASX: P1E , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , Daimler Truck Holding AG | DE000DTR0013
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Daimler Truck: Infrastruktur-Chaos macht Sorge
Beim Branchenriesen Daimler Truck brennt die Luft, da schon heute drakonische Strafen von 4.250 EUR pro überschrittenem gCO₂/tkm (Gramm Kohlenstoffdioxid pro Tonnenkilometer) drohen, die ab 2030 sogar auf 6.800 EUR pro gCO₂/tkm ansteigen. Die CEO von Daimler Truck und neue Vorsitzende des Nutzfahrzeug-Ausschusses beim europäischen Automobilherstellerverband ACEA, Karin Rådström, warnt eindringlich vor den Defiziten beim europäischen Ladenetz und betont, dass Ende des Jahres 2025 in der gesamten EU lediglich rund 2.000 LKW-taugliche Ladepunkte existierten. Zwar setzt Daimler Truck im schweren Fernverkehr auf die gemeinsam mit Linde Engineering entwickelte sLH2-Technologie für unterkühlten Flüssigwasserstoff, doch ohne ein flächendeckendes Netz drohen den Herstellern trotz ihres Engagements hohe Strafen.
Um dieses Risiko abzumildern, fordert die ACEA unter Rådströms Führung eine beschleunigte, vorgezogene Überprüfung der CO₂-Gesetzgebung für schwere Nutzfahrzeuge. Zwar gewährt eine temporäre Anpassung der Berechnungsmethode für Emissionsgutschriften den Herstellern kurzfristig etwas mehr Flexibilität, doch die harten Kernziele für das Jahr 2030 bleiben von diesen Anpassungen unberührt. Laut Schätzungen von Eurelectric und ACEA müssten bis 2030 zwischen 300.000 und 400.000 emissionsfreie LKW auf den Straßen der EU unterwegs sein, wovon der Markt angesichts von nur etwa 22.500 registrierten Batterie-LKW Ende 2025 meilenweit entfernt ist. Die Brancheninitiative Blueprint 2030 beziffert den notwendigen Investitionsbedarf allein in die europäischen Stromnetze auf rund 600 Mrd. EUR, während der europäische Zuliefererverband CLEPA betont, dass die Erreichung der Klimaziele untrennbar mit dem sofortigen Ausbau der Ladenetze verknüpft ist. Es gibt also noch viel zu tun – auf allen Seiten.
NEL: Neuer Elektrolyse-Standard gegen den Margendruck
Auch bei NEL spürt man den Druck des schleppenden Infrastruktur-Ausbaus. Insbesondere Sorgen um staatliche Fördergelder, die in Ländern wie Deutschland wegen der Schuldenbremse und knapper Haushalte immer wieder zur Disposition stehen, irritieren. Der norwegische Wasserstoff-Pionier NEL reagiert auf die hohen Investitionsbarrieren der Industrie und präsentierte eine neue Technologieplattform für druckaufgeladene alkalische Elektrolysesysteme. Das Unternehmen verspricht, durch standardisierte und im Werk vorinstallierte Systemdesigns die Investitionskosten solcher Großanlagen im Vergleich zu heutigen Marktstandards um 40 bis 60 % auf unter 1.450 USD pro Kilowatt zu senken. Trotz anhaltender Verluste im Zuge der weltweiten Skalierung setzt das Management in Oslo konsequent auf diese Modulbauweise, um Megaprojekte wie die Belieferung von Hyundai in der Schweiz oder das HySynergy-Projekt mit Everfuel in Dänemark entscheidend zu beschleunigen.
Pure One: Mit smarten CleanTech-Lösungen auf die Überholspur
Das australische Cleantech-Unternehmen Pure One positioniert sich mit einem smarten, weil wenig kapitalintensiven Geschäftsmodell als Komplettanbieter rund um Wasserstoff, der von der Erzeugung bis hin zu emissionsfreien Fahrzeugplattformen ein breites Clean-Tech-Ökosystem abdeckt. Ein echter Coup gelang den Spezialisten im schweren Nutzfahrzeuggeschäft mit zwei schweren Brennstoffzellen-Betonmischern für Heidelberg Materials sowie durch die Auslieferung eines vollelektrischen Minibusses an South West Community Transport. Das strategische Highlight der Australier ist jedoch eine skalierbare Batteriewechsel-Plattform für den schweren Straßengüterverkehr – ein Ansatz, dem ein aktuelles Whitepaper des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) unter bestimmten Voraussetzungen Potenzial bescheinigt: Bei zeitkritischen, standardisierten Korridorverkehren mit Netz- oder Flächenrestriktionen kann ein Batterietausch demnach eine sinnvolle Ergänzung zum kabelgebundenen Laden sein.

Der automatisierte Batteriewechsel innerhalb weniger Minuten eliminiert unproduktive Standzeiten der Fahrzeuge, wenn die Zeit am meisten drängt. Zudem verlagert das System den eigentlichen Ladevorgang in stationäre Wechselstationen, was eine kontinuierliche, netzdienliche Aufladung außerhalb von Spitzenlastzeiten erlaubt – das steigert die Effizienz und senkt die Kosten der Aufladung. Um die ambitionierten Pläne voranbringen zu können, ist Pure One solide finanziert. Dank des erfolgreich abgeschlossenen Börsengangs der Tochtergesellschaft Eastern Gas Corporation hält Pure One eine Mehrheitsbeteiligung von 69,44 % am Unternehmen. Weiterhin strich man durch den Verkauf einer 40%igen Beteiligung an der Turquoise Group liquide Mittel in Höhe von 5 Mio. AUD ein.
Pure One im Visier der Märkte
Das clevere Geschäftsmodell von Pure One und die verschiedenen innovativen Ansätze machen die Aktie zu einer heißen Wette auf den Clean-Tech-Markt. Mögliche Katalysatoren für die Aktie könnten der Marktstart der modular aufgebauten Wechselstationen für schwere Nutzfahrzeuge sowie weitere Aufträge aus dem Transportsektor sein. Während sich Industriekonzerne wie Daimler Truck von Gesetzgebern mehr Flexibilität wünschen, geht Pure One bewusst innovative Wege. Zwar ist die Konkurrenz groß, aber die Branche zugleich im Fluss. Die Voraussetzungen dafür, dass die besten Ideen letztlich profitieren, stehen nicht schlecht.
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