29.06.2026 | 05:00
Wasserstoff erobert Schwellenländer – so gelingt die Transformation: Trimble, NEL, dynaCERT
Während das langfristige Ziel einer vollständig emissionsfreien Mobilität bestehen bleibt, gibt es über den Weg dorthin durchaus unterschiedliche Meinungen. Gerade angesichts der schwächelnden Wirtschaft und der großen Herausforderungen setzen immer mehr Volkswirtschaften auf pragmatische Lösungen. Viele technologische und infrastrukturelle Hürden lassen sich auf diese Weise umgehen. Da die Umrüstung großer Nutzfahrzeugflotten gegen Batterie- oder Brennstoffzellensysteme aus bekannten Gründen Jahrzehnte in Anspruch nehmen dürfte, gewinnen Übergangstechnologien an Bedeutung. Wir beleuchten den Markt und stellen drei vielversprechende Akteure vor.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , TRIMBLE INC. | US8962391004 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Nel: Wasserstoff-Infrastruktur zwischen Skalierung und Marktunsicherheit
Die Norweger von NEL fokussieren sich nach der Ausgliederung ihrer Mobilitätssparte zu 100 % auf die Entwicklung und Produktion hocheffizienter Elektrolyseure für die Industrie. Ein zentrales technologisches Thema ist aktuell die Markteinführung der nächsten Generation der druckaufgeladenen alkalischen Elektrolyse-Plattform. Zur Erschließung globaler Gigawatt-Märkte kooperiert das Unternehmen eng mit Partnern und präsentiert gemeinsam mit dem Großaktionär Samsung E&A das 100-MW-System CompassH2-A+, das gegenüber Konkurrenzprodukten mit 50 % weniger Stellfläche auskommt. Das System bietet durch eine integrierte Gesamtgarantie aus einer Hand erhebliche finanzielle Sicherheit für Investoren in Wasserstoff-Infrastruktur. Das erste Quartal 2026 war bei NEL allerdings noch nicht von Rückenwind geprägt: Die Zahlen zeigen eine verhaltene Dynamik mit sinkenden Umsatzerlösen von 148 Mio. NOK und einem Rückgang des Auftragsbestands um 24 % auf 1,113 Mrd. NOK. Mitten in dieser volatilen Phase gab das Management Mitte des Monats bekannt, dass der seit Juli 2022 amtierende CEO Håkon Volldal von seinem Posten zurücktritt, was die Restrukturierung zusätzlich erschwert.
Trimble digitalisiert Nachhaltigkeit
Während Hardware-Hersteller Lösungen zur Emissionsreduktion entwickeln, schafft der US-amerikanische Technologiekonzern Trimble das digitale Ökosystem der Energiewende. Über die strategische Ausrichtung „Connect & Scale“ verbindet der Konzern konkrete Arbeitsabläufe mit digitalen Datenströmen. Durch die Integration fortschrittlicher On-Board-Computer und Softwarelösungen wie der Transportmanagement-Plattform Transporeon bietet das Unternehmen Flottenbetrieben eine lückenlose Transparenz zur datenbasierten Emissionsreduktion. In Feldversuchen mit Industriepartnern wie IKEA Supply Chain Operations und Girteka Logistics ermöglichte der Einsatz der Software von Trimble eine präzisere Emissionserfassung, die gegenüber Standard-Kalkulationswerten Abweichungen von rund 5 % aufdeckte. Im Vergleich zu vielen Hardware-Anbietern steht Trimble sehr gut da: Mit einem Gesamtumsatz von 3,587 Mrd. USD im Jahr 2025 und einem annualisierten wiederkehrenden Umsatz von über 2,4 Mrd. USD verfügt das Unternehmen über eine hochgradig planbare Erlösstruktur. Im ersten Quartal 2026 steigerte der Konzern seinen Umsatz im Vorjahresvergleich um 11,8 % auf 939,9 Mio. USD, während das GAAP-Nettoergebnis um 48,3 % auf 98,9 Mio. USD kletterte. Diese finanzielle Solidität ermöglicht eigene Aktienrückkäufe im Gesamtvolumen von rund 317 Mio. USD.
dynaCERT: Nachhaltige Lösung für Dieselmotoren
dynaCERT steht für die patentierte HydraGEN-Technologie, die als kompakte, im Motorraum montierte Elektrolyseeinheit destilliertes Wasser bedarfsgerecht in reinen Wasserstoff und Sauerstoff spaltet. Die Gase strömen direkt in den Luftansaugtrakt des Dieselmotors, wo der Wasserstoff als Katalysator die Verbrennungsrate optimiert. Das HydraGEN-System fungiert als hocheffiziente Nachrüstlösung, die positive Effekte auf den Kraftstoffverbrauch haben kann, die emittierten Treibhausgase verringert und den Infrastruktur-Engpass reiner Wasserstoff-Fahrzeuge komplett umgeht, da die Speicherung von Wasserstoff im Fahrzeug entfällt.

Neben dem Vertrieb der eigenen Hardware setzt dynaCERT auch auf die eigene Telematikplattform HydraLytica, welche die Verbrauchs- und Emissionsdaten in Echtzeit erfasst. Da die Methodik durch die Organisation Verra zertifiziert ist, lassen sich die verifizierten Einsparungen aggregiert als hochwertige CO2-Zertifikate am globalen Markt monetarisieren. Mit dem auf zwei Säulen aufbauenden Geschäftsmodell geht dynaCERT seit einigen Monaten auf Kundenakquise. In Vietnam meldete man zuletzt den ersten kommerziellen Serienauftrag eines Logistikunternehmens sowie erfolgreiche Installationen bei einem nach eigenen Angaben weltweit führenden Hafenbetreiber. In Mexiko und Texas erhielt dynaCERT über den Partner Hydrofuel einen Kaufauftrag für 100 Einheiten. Für noch höhere Margen und um mögliche Zölle zu vermeiden kann sich das Management auch eine Endmontage direkt in den Zielregionen vorstellen. Um handlungsfähig zu sein, sicherte sich das Unternehmen zuletzt eine Wandelanleihe über bis zu 5 Mio. CAD sowie weitere Kreditlinien zur Stärkung der Liquidität.
dynaCERT: Beflügelt der regulatorische Rückenwind auch die Aktie?
Die Analysten von GBC Research bescheinigten der Aktie von dynaCERT im September 2025 ein spekulatives Aufwärtspotenzial und bezifferten den fairen Wert auf 0,75 CAD. Das Erreichen dieses Kursziels hängt laut der Analysten maßgeblich von der erfolgreichen Skalierung der Serienaufträge in Vietnam und dem Start des Zertifikate-Geschäfts ab. Als positiv für das Geschäft gilt auch die schnelle Amortisierung der HydraGEN-Einheiten, deren Installation zudem in immer mehr Rechtsräumen auch regulatorisch begünstigt ist. Ein Beispiel ist Vietnam, wo verschärfte Emissionsstandards und ein neues Emissionshandelssystem seit 2025 für regulatorischen Rückenwind für Emissionsreduktionslösungen sorgen.
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