Menü schließen




07.08.2026 | 05:00

Wasserstoff-Wetten der Hedgefonds: NEL ASA unter Druck, Amazon stark und First Hydrogen in vielversprechender Nische

  • Wasserstoff
  • Hedgefonds
  • Transformation
  • Industrie
Bildquelle: Nano Banana KI

Die Industrie muss dem Klimawandel Rechnung tragen. Die Gesetze dafür sind längst gemacht, die Zielgrößen definiert. Doch Großkonzerne können bei den Herausforderungen der Transformation an ihre Grenzen stoßen. Selbst Siemens Energy erwägt unter dem Projektnamen „Voyager", seine Sparte Transformation of Industry – die unter anderem Kompressoren, Dampfturbinen, Energiespeicher und Elektrolyseure umfasst – mehrheitlich abzuspalten. Das verdeutlicht den gewaltigen Druck zur Fokussierung. Um im weltweiten Wettlauf um Marktanteile rund um Lösungen für die Transformation mitzuhalten, kommt es auf schmale Strukturen und Spezialisierung ohne Denkverbote an. Die Neuordnung der Wasserstoff- und Energiebranche hat längst begonnen. Wir beleuchten den Markt und stellen mögliche Profiteure vor.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 | TSXV: FHYD , AMAZON.COM INC. DL-_01 | US0231351067 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235

Inhaltsverzeichnis:


    NEL will das Ruder herumreißen – Hedgefonds wetten auf den Niedergang

    Wie schwer es ist, vielversprechende Technologie in marktreife Produkte zu überführen, die Umsatzwachstum generieren, zeigt derzeit der norwegische Wasserstoff-Spezialist NEL. Das Unternehmen reagierte auf die veränderten Marktbedingungen und spaltete bereits 2024 sein Betankungsgeschäft unter dem Namen Cavendish Hydrogen ab. Also ein ähnlicher Schritt, wie ihn Siemens Energy gerade für seine Industrie- und Wasserstoffsparte plant. Während sich NEL seitdem voll auf die Fertigung von Elektrolyseuren fokussiert, leidet das Geschäft unter schwachen Auftragseingängen und einem Umsatzrückgang von 5 % im ersten Quartal 2026 auf 148 Mio. NOK. Um die Produktionskosten zu senken, schloss NEL zwar eine Lizenzvereinbarung mit dem indischen Giganten Reliance Industries, die dem Partner die Fertigung von alkalischen Elektrolyseuren in Serie ermöglicht und NEL im Gegenzug Einnahmen aus dem indischen Markt sichert sowie den Bezug von Anlagen für eigene Projekte erlaubt. Trotz des sinnigen Deals stürzte die NEL-Aktie über einen Zeitraum von drei Jahren um mehr als 84 % ab. Bekannte Hedgefonds wie Parvus, Marshall Wace, Ennismore und Qube bauten bereits im Zuge des Cavendish-Spin-offs 2024 Shortpositionen auf – ein Signal, dass institutionelle Anleger Verzögerungsrisiken beim Markthochlauf einpreisen.

    Amazon: Der Handels- und Tech-Gigant lebt in seiner eigenen Welt

    Ganz anders agiert Handelsriese Amazon, der auf den Wandel nicht reagiert, sondern ihn mit eigenen Lösungen vorantreibt. In mehr als 80 Logistikzentren ersetzte der Konzern über 17.000 Blei-Säure-Batterien in seiner Gabelstaplerflotte durch Brennstoffzellen des Partners Plug Power. Im Verteilzentrum Aurora im US-Bundesstaat Colorado installierte Amazon sogar ein eigenes System zur Vor-Ort-Erzeugung von Wasserstoff mit einem 1 MW starken PEM-Elektrolyseur, der täglich bis zu 400 Logistikfahrzeuge mit Treibstoff versorgt. Da man mit seinen Niederlassungen dezentral aufgestellt ist, nutzt Amazon so Kapazitätsspitzen aus eigenen PV-Anlagen und spart sich teure Wasserstoff-Transporte auf der Straße. Ab 2025 sorgt ein Liefervertrag über jährlich 10.950 t flüssigen Wasserstoffs für die Versorgung von bis zu 30.000 Staplern oder 800 Fernverkehrs-Lkw.

    Reichweite ohne Ladefrust: First Hydrogen geht in die Transporter-Offensive

    Während Industrie und Konzerne den eigenen Wandel vorantreiben, stoßen elektrisch betriebene Fahrzeuge in der Logistik bei schweren Nutzlasten und engen Zeitplänen an Grenzen. Genau hier will First Hydrogen mit seinen wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen-Transportern punkten. Die von der britischen Vehicle Certification Authority behördlich zertifizierten Transporter bieten eine Reichweite von 400 bis 600 km und lassen sich in wenigen Minuten vollständig betanken. In intensiven Praxistests mit dem Flottenbetreiber Rivus absolvierte ein Fahrzeug 700 Meilen in 47 Fahrstunden und erzielte mit einem Tankvolumen von 10,3 kg Wasserstoff eine Distanz von 500 km bei 90 % Beladung. Die Auswertung von Praxisdaten aus Stadt-, Überland- und Autobahneinsätzen zeigte, dass selbst bei nahezu maximaler Beladung keine nennenswerten Reichweiteneinbußen auftreten. Ergänzt wurden die Erprobungen durch Tests bei Versorgungsunternehmen wie Wales & West Utilities sowie weiteren 14 britischen Flottenbetreibern aus den Branchen Paketdienste, Lebensmittellogistik und Gesundheitswesen. First Hydrogen will mit seinen Transportern die Lücke für Betreiber schließen, deren tägliche Praxis keine längeren Ladestopps erlaubt oder die selbst Wasserstoff produzieren.

    Heißes Eisen: Die Aktie von First Hydrogen.

    Tank-Infrastruktur als Nadelöhr und Chance

    Das größte Problem für Wasserstoff in der gewerblichen Logistik bleibt das Fehlen einer flächendeckenden Betankungsinfrastruktur. Um dieses Problem zu lösen, setzt First Hydrogen auf Hydrogen-as-a-Service: Dabei liefert First Hydrogen die gesamte Infrastruktur zur Erzeugung, Speicherung und Betankung. Dieses All-inclusive-Paket senkt Risiken und vereinfacht den Umstieg von Diesel auf Wasserstoff deutlich. Smart gesteuert, können Elektrolyseure Wasserstoff etwa genau dann produzieren, wenn Sonne oder Wind Überkapazitäten liefern. First Hydrogen zielt damit auf einen globalen Nutzkraftwagenmarkt, der laut Allied Market Research bis zum Jahr 2030 ein Gesamtvolumen von 786,5 Mrd. USD erreichen soll. Durch die Kombination aus zertifizierter Fahrzeugtechnik und abgesicherter Treibstoffversorgung schafft First Hydrogen ein Ökosystem für Flottenkunden.

    First Hydrogen mit spannender Ausgangslage

    Die Aktie von First Hydrogen hat eine bewegte Geschichte und notierte zeitweise bereits um ein Vielfaches höher. Die aktuelle Lage am Energiemarkt und der wachsende Regulierungsdruck auch für den Mittelstand können für das ambitionierte Unternehmen, das seine Fühler auch bereits in Zukunftsthemen wie modulare Kernreaktoren oder Robotik ausgestreckt hat, eine große Chance sein. Gelingt es First Hydrogen, sich nachhaltig am Markt zu positionieren, kann auch die Aktie zu einer spannenden Option werden.


    Interessenskonflikt

    Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) ggf. künftig Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen halten oder auf steigende oder fallende Kurse setzen werden und somit ggf. künftig ein Interessenskonflikt entstehen kann. Die Relevanten Personen behalten sich dabei vor, jederzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente des Unternehmens kaufen oder verkaufen zu können (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei unter Umständen den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.

    Die Apaton Finance GmbH ist daneben im Rahmen der Erstellung und Veröffentlichung der Berichterstattung in entgeltlichen Auftragsbeziehungen tätig.

    Es besteht aus diesem Grund ein konkreter Interessenkonflikt.

    Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.

    Risikohinweis

    Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.inv3st.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.

    Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.

    Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.


    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

    Mehr zum Autor



    Weitere Kommentare zum Thema:

    Kommentar von Nico Popp vom 06.08.2026 | 05:00

    Europa vor Wolfram-Schock? Konzerne wie Airbus und Siemens unter Druck – Verdoppler bei Almonty möglich?

    • Wolfram
    • Industrie
    • Versorgungssicherheit
    • Flugzeugbau
    • Elektrotechnik

    Wer durch die Werkshallen europäischer Industriekonzerne wie Airbus oder Siemens geht, ahnt kaum, an welch seidenem Faden die Produktion vielerorts wirklich hängt. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) hat die Situation am Dienstag mit Blick auf die EU eingeordnet: Die westliche Industrie steckt in einer gefährlichen Abhängigkeit, aus der sie sich aus eigener Kraft kaum befreien kann. Seit China im Februar 2025 die Exportkontrollen bei Wolfram spürbar verschärfte, kletterten die Preise für Wolfram teils um das Sieben- bis Neunfache nach oben. Europäische Initiativen wie der Critical Raw Materials Act (CRMA) greifen mangels eigener Finanzmittel und wegen langwieriger Genehmigungsverfahren viel zu langsam. Ohne verlässliche Partner droht Werken in Europa schlicht der Stillstand. Wir ordnen die Situation ein und werfen auch einen Blick auf den westlichen Wolfram-Produzenten Almonty, der als Profiteur der Situation am Weltmarkt gilt.

    Zum Kommentar

    Kommentar von André Will-Laudien vom 05.08.2026 | 04:15

    Unendliche Hausse an der NASDAQ – KI sucht E-Power und Wasserstoff: Nel ASA, dynaCERT, BYD und ITM Power

    • Alternative Energien
    • Wasserstoff
    • E-Mobilität
    • KI-Rechenzentren
    • Stromhunger

    Während die nimmermüde Tech-Rallye an der NASDAQ dank des unersättlichen KI-Booms von einem historischen Allzeithoch zum nächsten jagt, gerät hinter den Kulissen die fundamentale Achillesferse ins Visier: der gigantische Stromhunger der Rechenzentren. Die Anwendungen der Künstlichen Intelligenz nimmt in den Unternehmen zunehmend ihren Platz ein. Das kostet neben viel Strom auch viele einfache Arbeitsplätze zu Routine-Tätigkeiten, die nun um ein Vielfaches schneller maschinell ausgeführt werden können. Dadurch entsteht massiver Hunger nach E-Power, nur woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wer in die Zukunft denkt, sucht die beste ESG-Brücke zwischen Hightech-Industrie und Energieerzeugung. Neben dem Ausbau der Kernenergie wird in vielen Cleantech-Lösungen gedacht. Der E-Mobilitäts-Gigant BYD hat das Problem schon vor Jahren erkannt, heute dominiert er die Straßen weltweit mit bahnbrechenden Batterie-Technologien. Flankiert wird dieser E-Boom auch vom Wasserstoff, bei dem Nel ASA und ITM Power ein ordentliches Wort mitreden. Gleichzeitig drängt auch dynaCERT mit seiner cleveren Technologie zur Emissionssenkung über eine ambitionierte Asien-Expansion rasant in die kommerzielle Spur. Wo stecken die Trigger für Anleger?

    Zum Kommentar

    Kommentar von Carsten Mainitz vom 04.08.2026 | 04:40

    Am Puls der digitalen Revolution: Steht jetzt der nächste Sprung bei HPQ Silicon, Intel und JinkoSolar an?

    • Silizium
    • Silizium-Anoden
    • Batterietechnologie
    • Elektromobilität
    • Fumed Silica
    • Materialwissenschaft
    • Innovationen
    • Wasserstoff
    • KI
    • Chips
    • Halbleiter
    • Solartechnologie

    Mehrere wichtige Technologietrends der kommenden Jahrzehnte, auch wenn noch so unterschiedlich, besitzen einen gemeinsamen Nenner. Die Rede ist von Silizium, einem Grundstoff, bzw. chemisch betrachtet einem Halbleiter, der in nahezu allen Schlüsseltechnologien der modernen Gesellschaft steckt. Ohne Silizium gäbe es keine leistungsfähigen Computerchips, keine Smartphones, keine Solarmodule und keine moderne digitale Infrastruktur. An dieser entscheidenden Stelle positioniert sich HPQ Silicon. Die Kanadier entwickeln innovative Verfahren zur Herstellung und Verarbeitung siliziumbasierter Materialien, um industrielle Prozesse effizienter, kostengünstiger und ressourcenschonender zu gestalten.

    Zum Kommentar