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11.08.2026 | 05:20

Wasserstoff-Aktien 2026: Nel ASA, dynaCERT und Plug Power, drei Strategien – wer gewinnt das Rennen um die Profitabilität?

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Bildquelle: Pixabay

Der Hype um Wasserstoff ist beendet. Jetzt zählen nur noch operative Kennzahlen, Margin und eine mögliche Skalierung. Der Kapitalmarkt legt den Fokus auf Cashflow und Effizienz. Die Branchenpioniere sind lange hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Bei einigen Wasserstoffunternehmen zeichnet sich jetzt eine Trendwende ab. Wir sehen uns heute mit Nel ASA, dynaCERT und Plug Power drei Unternehmen mit unterschiedlichen Strategien an und analysieren, wo sie aktuell stehen.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020

Inhaltsverzeichnis:


    Nel ASA - Auftragsboom und operative Herausforderungen

    Die neuesten Geschäftszahlen von Nel ASA sind geprägt von Licht und Schatten. Der Auftragseingang schoss auf 230 Mio. NOK nach oben, ein Plus von 224 % im Jahresvergleich. Doch der Umsatz schrumpfte gleichzeitig um rund 12 % auf 153 Mio. NOK. Der Auftragsbestand wuchs dagegen auf 1,2 Mrd. NOK. Das operative Ergebnis verbesserte sich nicht aufgrund eines Vergleichs in Höhe von 70 Mio. NOK mit Iwatani, der das EBITDA erheblich belastete. Ohne diesen Effekt wären die Zahlen etwas besser gewesen. Aktuell verfügt das Unternehmen über knapp 1,3 Mrd. NOK an liquiden Mitteln und hat damit weiterhin ausreichend finanziellen Spielraum.

    CEO Håkon Volldal verlässt das Unternehmen nach 4 Jahren, bleibt aber bis Jahresende im Amt. Der Verwaltungsrat sucht aktuell einen Nachfolger und betonte, dass sich an der strategischen Ausrichtung nichts ändern werde. Diese Konstanz ist wichtig, denn das Unternehmen justiert sein Geschäftsmodell neu. Man will weg von spekulativen Großprojekten und hin zu dezentralen Lösungen für Industriekunden. Die Partnerschaft mit H2 Energy soll diesen Wandel begleiten. Der nordamerikanische Markt wird durch neue Importzölle auf grüne Technologien verteuert. Hier wäre es wichtig, dass das Werk in den USA umgesetzt wird.

    Hoffnung macht die neue Druck-Alkali-Plattform PA-Series. Nach acht Jahren Entwicklung ist sie marktreif und soll die Investitionskosten im Vergleich zu herkömmlichen Elektrolyselösungen um 40 - 60 % senken. Für eine 25-Megawatt-Anlage (MW) peilt Nel ASA schlüsselfertige Kosten von unter 1.450 USD pro Kilowatt an. Aktuell liegt der Branchenstandard oft über 3.000 USD. Bis Ende 2026 will Nel die Fertigungskapazität von Herøya auf 500 MW erhöhen. Im kommenden Jahr soll diese Zahl noch einmal verdoppelt werden. Jetzt gilt es, den Auftragsbestand abzuarbeiten und in Umsätze umzuwandeln. Der Zwischenbericht zum 3. Quartal am 21. Oktober wird zeigen, ob dieser Wandel gelingt.

    dynaCERT - Kommerzialisierung nimmt Fahrt auf

    Der kanadische Cleantech-Spezialist dynaCERT hat im Juni 2026 einen ersten Serienauftrag von einem vietnamesischen Logistikunternehmen erhalten. Das ist ein Beleg dafür, dass die Pilotphase allmählich abgeschlossen wird. Gleichzeitig wurden bei einem der weltweit größten Hafenbetreiber in Vietnam mehrere HydraGEN™-Systeme in LKWs und Containergeräten installiert. Diese Referenzprojekte liefern nicht nur operative Daten, sondern erhöhen auch die Sichtbarkeit des Unternehmens in der globalen Transportbranche erheblich. Eine Marktdurchdringung in Südostasien könnte sich als Blaupause für weitere Regionen erweisen.

    Ende Juni sicherte sich das Unternehmen 5 Millionen CAD, die in den weltweiten Vertrieb fließen. dynaCERT ist ein Lösungsanbieter für das gesamte Antriebssystem von Dieselmotoren. Das Elektrolyseverfahren ist nur ein Drittel des Systems. Hinzu kommen die Thermodynamik im Motor und die jeweilige Applikation, die Lastkurven und Drehzahlen bestimmen. Als Nachrüstlösung macht die Investition den Kauf neuer Motoren oder Geräte überflüssig, was die Lösung attraktiv für Flottenbetreiber macht. Bei Standardanwendungen wie Class-8-Trucks ist die Installation mit einem geringen Aufwand verbunden. Die erhöhte Effizienz im Brennraum führt zur fast vollständigen Verbrennung, einem reduzierten Kraftstoffverbrauch und geringeren Emissionen. Wirtschaftlich amortisiert sich das Nachrüsten innerhalb von 1,5 bis 2 Jahren.

    Im August meldete das Unternehmen Fortschritte bei mehreren Implementierungen in Vietnam, unter anderem bei einem Abfallentsorger nahe Hanoi und einem großen Ölkonzern. Die Hydrogen-Technologie wird nun auch in Feuerwehrfahrzeugen, Gabelstaplern und Kränen getestet. Besonders interessant für einen lokalen Logistikkonzern ist die verbesserte Telematik-Lösung HydraLytica™. Damit können wertvolle Betriebsdaten generiert werden. Parallel laufen bereits Gespräche in Kambodscha, Indonesien und Japan. Das Unternehmen baut den südostasiatischen Brückenkopf weiter aus. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, wie sich die Umsätze entwickelt haben.

    Plug Power – vor den Quartalszahlen

    Der Wasserstoffspezialist Plug Power legt am 10. August nach US-Börsenschluss seine Zahlen für das 2. Quartal vor. Da dies nach Redaktionsschluss ist, sehen wir uns die Erwartungen der Analysten an, die verhalten ausfallen. Der Umsatz dürfte bei rund 168-169 Mio. USD etwa 3 - 4 % unter dem Vorjahreswert liegen. Beim Verlust je Aktie zeichnet sich eine Verbesserung ab, von -0,20 USD im Vorjahreszeitraum soll es jetzt nur noch ein -0,08 USD sein. Die Profitabilität ist damit immer noch nicht erreicht, aber es wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Die Konsensschätzungen wurden zuletzt sogar leicht nach oben korrigiert, was auf vorsichtigen Optimismus hindeutet.

    Für Investoren zählt aber beim morgigen Bericht nicht allein der Umsatz. Entscheidend wird sein, ob Plug Power bei der Bruttomarge und dem Cashburn Fortschritte vorzeigen kann. Im 1. Quartal verbesserte sich die Marge von -55 auf -13 %. Der operative Mittelabfluss lag in den ersten drei Monaten bei 150 Mio. USD und der Kassenbestand ist von 369 Mio. auf 223 Mio. USD gesunken und setzte das Management unter Zugzwang. Die Analysten erwarten für das 2. Quartal ein negatives EBITDAS von rund 73 Mio. USD. Auch das wäre eine Verbesserung, ist aber noch kein Grund zur Entwarnung.

    Die Vermögensverkäufe an Stream Data Centers bringen kurzfristig mehr als 80 Mio. USD zusätzliche Liquidität. Zusammen mit einem Großauftrag über einen 50-MW-Elektrolyseur für Oricas Hunter-Valley-Projekt in Australien kommt so neues Geld in die Kassen. Das Sanierungsprogramm „Project Quantum Leap“ soll die operative Wende bringen. Das Ziel lautet, ab dem 4. Quartal ein positives bereinigtes EBITDAS zu erreichen. Ob diese Strategie aufgeht, entscheidet nicht ein einzelner Quartalsbericht. Die Frage ist, ob Plug Power auf weitere Kapitalmaßnahmen angewiesen ist oder ob das vorhandene Geld für den Weg in die Profitabilität reicht.


    Das Wasserstoff-Rennen entscheiden operative Exzellenz und Kapitaldisziplin. Nel ASA überzeugt mit technologischem Fortschritt und wachsendem Auftragsbestand, doch der CEO-Wechsel und rückläufige Umsätze trüben das Bild. dynaCERT liefert mit Serienaufträgen in Südostasien den Beweis für die praktische Marktdurchdringung seiner kostengünstigen Nachrüstlösungen. Plug Power kämpft mit hohem Cashburn, aber erste Margenverbesserungen und das Sanierungsprogramm Quantum Leap geben Hoffnung auf eine Trendwende ab dem 4. Quartal.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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