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30.09.2026 | 05:10

Cummins, dynaCERT, Volvo – Der Kampf um die sauberste Flotte

  • Emissionen
  • Wasserstoff
  • Elektromobilität
Bildquelle: Chat GPT KI-generiert

Der Schwerlastverkehr steht vor einem milliardenschweren Umbau. Speditionen, Häfen und Industriekonzerne müssen Emissionen senken, gleichzeitig entscheidet jeder Cent beim Kraftstoff über die Profitabilität. Doch Millionen Dieselmotoren lassen sich nicht über Nacht ersetzen. Deshalb läuft der Kampf um die sauberste Flotte längst auf mehreren Ebenen. Elektro-Lkw drängen auf geeignete Strecken, Motorenhersteller holen mehr Effizienz aus dem Verbrenner und Nachrüsttechnologien sollen bestehende Flotten sauberer machen. Entscheidend wird, welche Lösung Emissionen nicht nur auf dem Papier reduziert, sondern für Flottenbetreiber auch wirtschaftlich funktioniert.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , CUMMINS INC. DL 2_50 | US2310211063 , VOLVO A FRIA | SE0000115420

Inhaltsverzeichnis:


    Cummins – Milliardenkonzern macht den Diesel fit

    Cummins geht hierbei einen entscheidenden Schritt im Bereich des Energiesektors, wo das Unternehmen den bisher umfangreichsten Auftrag für ein Batterie-Energiespeichersystem erhalten hat.

    Die Anlage wird in einem US-amerikanischen Rechenzentrum installiert, dessen Fokus auf Anwendungen der Künstlichen Intelligenz liegt. Da KI-Rechenprozesse abrupte und starke Schwankungen beim Strombedarf verursachen, soll das System helfen, Lastspitzen abzufedern und die Stabilität des lokalen Stromnetzes zu gewährleisten. Die Anlage nutzt flüssigkeitsgekühlte Lithium-Eisenphosphat-Zellen und liefert eine Kapazität von 5 MWh. Cummins bedient mit diesem Angebot den wachsenden Bedarf von Rechenzentrumsbetreibern, die zunehmend mit Netzengpässen und hohen Stromkosten umgehen müssen.

    Im traditionellen Motorengeschäft bereitet sich das Unternehmen auf zukünftige Umweltvorgaben vor. Für das Jahr 2027 wurde eine neue Abgasnachbehandlung namens „Twin Module“ für die kommenden Nutzfahrzeug-Dieselmotoren präsentiert. Das System zielt darauf ab, die strengeren nordamerikanischen Emissionsstandards zu erfüllen. Es ist in zwei separate Baugruppen unterteilt, was den Lkw-Produzenten mehr räumlichen Spielraum bei der Fahrzeugkonstruktion gibt.
    Die wichtigste technische Anpassung ist eine integrierte elektrische Heizung. Diese sorgt dafür, dass die Katalysatoren auch bei Kaltstarts oder Fahrten mit geringer Auslastung zügig die nötige Temperatur erreichen, um Stickoxide zuverlässig zu filtern. Für die Endkunden ändern sich die bisherigen Reinigungsintervalle der Filteranlagen durch das neue Design nicht.

    Die Analysten von Bernstein SocGen stufen die Aktie weiterhin auf „Market Perform“ ein und rufen ein Kursziel von 700 USD auf. Im abgelaufenen zweiten Quartal erzielte Cummins zwar einen über den Erwartungen liegenden Umsatz von 9,5 Mrd. USD, blieb bei der Profitabilität jedoch hinter den Prognosen zurück. Einmalige Aufwendungen und höhere Vergütungen reduzierten den Gewinn. Das Management passte daraufhin die Margenerwartungen nach unten an. Aufgrund der soliden Nachfrage bei Lkw-Komponenten und Stromerzeugern wurde die allgemeine Umsatzprognose für das Gesamtjahr dagegen angehoben.

    dynaCERT – kleiner Marktanteil, gewaltiger Hebel

    Genau dieser riesige Bestand an Verbrennern ist die Chance für dynaCERT. Das kanadische Unternehmen muss keine neuen Lkw entwickeln, sondern will bestehende Dieselmotoren nachrüsten. Das erweitert den adressierbaren Markt über den Straßentransport hinaus. HydraGEN kann grundsätzlich auch bei Dieselmotoren in Minen, Häfen, Baumaschinen und stationären Anwendungen eingesetzt werden.

    Die Technologie erzeugt Wasserstoff und Sauerstoff bedarfsgerecht an Bord und führt die Gase der Verbrennung zu. Nach Unternehmensangaben sind Kraftstoffeinsparungen von bis zu 8 % und CO₂-Reduktionen von bis zu 9,6 % möglich. Für Flottenbetreiber ist das entscheidend, denn senkt HydraGEN den Verbrauch im realen Dauerbetrieb messbar, entsteht neben der CO₂-Reduktion ein unmittelbar wirtschaftlicher Anreiz.

    Der Hebel steckt in der Skalierung. dynaCERT benötigt keinen großen Anteil am weltweiten Dieselmarkt. Schon eine geringe Marktdurchdringung könnte bei dem gewaltigen Fahrzeug- und Maschinenbestand hohe Stückzahlen bedeuten. Jetzt geht es darum, aus erfolgreichen Tests wiederholbare Flottenaufträge zu machen.

    Erste Signale kommen aus Asien. Nach einer Pilotinstallation erhielt dynaCERT die erste Serienbestellung eines vietnamesischen Logistikunternehmens. Zudem wurden HydraGEN-Systeme auf Lkw und Containerhebern eines großen Hafenbetreibers in Vietnam installiert. Parallel präsentiert sich dynaCERT bei den 24h Camions in Le Mans gemeinsam mit NRS Racing, dem Dakar Team und dem französischen Vertriebspartner IPMD.

    Damit rückt die Kommerzialisierung immer stärker in den Mittelpunkt. Gelingt der Sprung von einzelnen Projekten zu größeren Flotten, könnte bereits eine geringe Marktdurchdringung einen erheblichen Umsatzhebel auslösen. Der Milliardenmarkt ist vorhanden, dynaCERT muss jetzt zeigen, dass HydraGEN darin skalieren kann.

    Volvo – Elektro-Lkw gehen in den Alltag

    Auch der Fahrzeughersteller Volvo treibt seine Transformation auf zwei Feldern bei der digitalen Fahrzeugentwicklung im Pkw-Segment und bei der emissionsfreien Logistik im Nutzfahrzeugbereich voran.

    Im Bereich der Pkw-Sparte gilt Volvo Cars ab sofort als primärer Industriepartner für die neue Entwicklungsplattform „Horizon“. Dieses von Accenture und Google Cloud initiierte Open-Source-Projekt konzentriert sich auf die Weiterentwicklung des Betriebssystems Android Automotive. Durch die Nutzung cloudbasierter Werkzeuge und KI-gestützter Prozesse entfällt für Programmierer die Notwendigkeit, auf physische Hardware zu warten. Virtuelle Testumgebungen lassen sich nun innerhalb von Sekunden bereitstellen, was Softwaretests um bis zum Neunfachen beschleunigt. Gleichzeitig können die Entwicklungskosten für Infotainment-Systeme um bis zu 40 % gesenkt werden. Für das Unternehmen bedeutet dies, dass Software-Aktualisierungen und neue digitale Funktionen deutlich zügiger und in höherer Qualität an die Endkunden ausgeliefert werden können.

    Fortschritte präsentiert der Konzern auch im Bereich schwerer Nutzfahrzeuge. In New York City hat die Hilfsorganisation City Harvest drei vollelektrische Lkw des Typs Volvo VNR Electric in ihre Flotte aufgenommen, um ältere Dieselfahrzeuge zu ersetzen. Auch die Kühlsysteme dieser Lastkraftwagen werden vollständig batterieelektrisch betrieben, sodass lokal keine Emissionen anfallen. Die Fahrzeuge werden vorrangig im Stadtteil Hunts Point in der Bronx eingesetzt, einem Gebiet, in welchem täglich rund 15.000 Lkw-Fahrten stattfinden und stark von verkehrsbedingten Abgasen belastet ist.

    Die Flottenerneuerung ist Teil des Umweltprojekts „Bronx is Breathing“, welches durch staatliche Fördermittel der New Yorker Energiebehörde in Höhe von 10 Mio. USD finanziert wird. Durch die neuen Nutzfahrzeuge kann die Organisation ihre Kapazitäten für die Verteilung geretteter Lebensmittel an Bedürftige in diesem Jahr um 25 % auf stadtweit 100 Mio. Pfund steigern.


    Der Kampf um die sauberste Flotte ist längst eröffnet. Cummins zeigt, dass selbst der klassische Diesel mit neuer Technologie effizienter und emissionsärmer werden kann. Volvo treibt dagegen den vollständigen Wechsel zum Elektro-Lkw voran. Dazwischen eröffnet sich für dynaCERT eine spannende Nische. Millionen bestehende Dieselmotoren müssen noch Jahre betrieben werden. Gelingt es, HydraGEN vom Pilotprojekt in große Flotten zu bringen, könnte schon eine geringe Marktdurchdringung einen erheblichen Umsatzhebel entfalten.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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