12.08.2026 | 04:45
Anschnallen für den Short-Squeeze: Folgen Almonty und HelloFresh dem Raketenstart von SpaceX?
Wenn Leerverkäufer auf dem falschen Fuß erwischt werden, kann das zu regelrechten Kursexplosionen führen. Zwar war beim Raumfahrtkonzern SpaceX in der vergangenen Woche keine Supernova zu beobachten, aber doch mehr als ein sanftes Abheben: Der Kurs schnellte nach den Quartalszahlen um mehr als 15 % in die Höhe. Auch beim Wolframproduzenten Almonty Industries und beim Kochboxenversender HelloFresh haben sich zuletzt auffällig hohe Short-Positionen aufgebaut. Bei beiden Werten stehen in Kürze Zahlen an, die zum Auslöser einer noch stärkeren Bewegung werden könnten.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
SPACE EXPLORATION TECHNOLOGIES CORP | US84615Q1031 | NASDAQ: SPCX , ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , HELLOFRESH SE INH O.N. | DE000A161408
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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SPACEX: DER SHORT-SQUEEZE ALS LEHRSTÜCK
Kaum ein Börsenneuling wurde jemals so heiß diskutiert wie SpaceX. Nach dem Nasdaq-Debüt im Juni stieg die Short-Quote binnen weniger Wochen von rund 23 Mio. auf zeitweise über 250 Mio. leerverkaufte Aktien, was etwa einem Drittel des frei handelbaren Streubesitzes entsprach und selbst die Wetten gegen Tesla der Höhe nach übertraf. Ein Hauptargument der Leerverkäufer war die am 6. August ausgelaufene Lock-up-Periode, während der Insider ihre Aktien nicht verkaufen durften. Dadurch könnten rund 911,5 Mio. zusätzliche Anteile auf den Markt kommen.
CEO Elon Musk begegnete den Spekulationen öffentlich auf der Plattform X und warnte sinngemäß, dass Leerverkäufer mit dauerhaften Wetten gegen den Raumfahrtkonzern kaum Aussicht auf Erfolg haben könnten. Untermauert wurde diese Zuversicht durch die ersten Quartalszahlen seit dem Börsengang: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 92 % auf 7,8 Mrd. USD, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte um 191 % auf 3,5 Mrd. USD zu, während sich der Nettoverlust auf 541 Mio. USD nahezu halbierte. Das lag deutlich über den Erwartungen der Analysten. Entsprechend heftig fiel die Reaktion an der Börse aus. Am Tag nach den Zahlen sprang der Kurs um mehr als 15 % nach oben, über die Woche summierte sich das Plus auf über 22 %. Leerverkäufer mussten ihre Positionen eindecken, was den Kursanstieg zusätzlich befeuerte – ein klassischer Short-Squeeze.
Auch institutionelle Anleger nutzten die Gelegenheit. Starinvestorin Cathie Wood von ARK Invest, die SpaceX seit dem Börsengang wiederholt aufgestockt hatte, kaufte am 5. August erneut rund 182.000 Aktien und bekräftigte damit ihre langfristig positive Einschätzung des Unternehmens. Analysten bestätigen diese Sicht der Dinge: Goldman Sachs, Bernstein und JPMorgan erneuerten ihre Kaufempfehlungen mit Kurszielen zwischen 220 und 240 USD. Beim aktuellen Kurs von 137,90 USD (120,00 EUR) entspricht das einem Aufwärtspotenzial von bis zu 75 %. Andere Experten sprechen indes von Mondpreisen. Weitere Lock-up-Tranchen laufen bis Dezember aus, und mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 40 bleibt die Bewertung anspruchsvoll.
ALMONTY: DER HOFFNUNGSTRÄGER DES WESTENS
Eine ähnliche Gemengelage zeigt sich bei Almonty Industries. Die Short-Quote kletterte Mitte Juli auf rund 19 Mio. Aktien beziehungsweise etwa 6,6 % des Streubesitzes – ein Sprung von fast 40 % gegenüber dem Vormonat. Der amerikanisch-kanadische Wolframproduzent legt in Kürze den Bericht fürs zweite Quartal 2026 vor. Verschiedene Finanzplattformen nennen den 17. August als Veröffentlichungstermin, andere erwarten die Zahlen möglicherweise noch im Verlauf des heutigen Tages. Der Analystenkonsens rechnet mit einem Umsatz zwischen 35 und 50 Mio. USD und 0,05 bis 0,10 USD Gewinn je Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 25,00 USD und damit gut 80 % über dem aktuellen Niveau von 13,70 USD (12,10 EUR). Fallen die Zahlen wie erwartet stark aus, dürften die zuletzt aufgebauten Short-Positionen gewaltigen Aufwärtsdruck erzeugen.
Anders als bei SpaceX wäre eine solche Bewegung bei Almonty fundamental unterlegt: Wolfram bleibt knapp und teuer, China kontrolliert weiterhin mehr als 80 % der Weltproduktion, Regierungen sind zunehmend bereit, für eine unabhängige Versorgung zu zahlen. Das Sangdong-Projekt gilt als der große Hoffnungsträger der westlichen Welt hinsichtlich der Versorgungssicherheit mit dem Schwermetall, das wegen seiner extremen Hitzebeständigkeit für panzerbrechende Munition und Raketentriebwerke unverzichtbar ist. Im Unterschied zu Elon Musks Weltraumprojekt steckt hinter den hohen Shortpositionen kein grundsätzliches Misstrauen gegen das operative Geschäft, sondern vor allem technische Faktoren. Institutionelle Käufer der im Juni platzierten 800-Mio.-USD-Wandelanleihe sichern ihre Position häufig durch parallele Leerverkäufe der Aktie ab, was die Short-Quote automatisch erhöht. Hinzu kommt der freiwillige Rückzug von den Börsen in Toronto und Sydney zugunsten einer Konzentration auf die Nasdaq, was kurzfristig für zusätzliche Kursschwankungen sorgte.
Operativ steht Almonty besser da als jemals zuvor. Seit Ende Juni wird in der Aufbereitungsanlage der südkoreanischen Sangdong-Mine erstmals in größerem Umfang Wolframkonzentrat hergestellt, der Wandel vom Projektentwickler zum Produzenten ist vollzogen. Ein auf 21 Jahre verlängerter Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders sichert bei aktuellen Preisen ein jährliches Umsatzpotenzial von rund 490 Mio. USD. Die seit Jahren laufende Produktion in Portugal untermauert diese Dynamik: Der Umsatz aus der Panasqueira-Mine sprang im ersten Quartal um 221 % auf 25,4 Mio. USD, das bereinigte EBITDA drehte von minus 2,4 auf plus 6,1 Mio. USD – Folge des hohen Preises für Ammoniumparawolframat, der sich allein im ersten Halbjahr auf 3.000 USD je Metrischer Tonneneinheit (MTU; 10 kg) verdreifacht hat. Zusätzliche Nahrung erhalten Spekulationen auf starke Zahlen durch ein Interview, das IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk dieser Tage mit Almonty-Vorstandschef Lewis Black führte. Zwar ist darin (vorschriftsgemäß) nicht vom anstehenden Quartalsbericht die Rede, aber selten präsentierte sich ein Manager so entspannt. Anders als Musk verlor Black kein Wort über die Leerverkäufer, sondern legte den Fokus auf die operativen Fortschritte des Unternehmens. Das spricht für mehr als nur eine kurzfristige Gegenbewegung. Zum Interview geht’s hier:
HELLOFRESH: DER NAHRUNGSLIEFERANT FÜR SHORTSELLER
Auch am deutschen Aktienmarkt gibt es einen prominenten Kandidaten für ein Short-Squeeze-Szenario: HelloFresh. Kaum ein anderer MDAX-Wert steht derart im Fokus professioneller Leerverkäufer. Mehrere Hedgefonds haben ihre meldepflichtigen Netto-Leerverkaufspositionen in den vergangenen Wochen sukzessive ausgebaut. Marshall Wace hält mit zuletzt rund 1,9 % die größte gemeldete Position, SIH Partners liegt bei etwa 1,2 %. Hinzu kommen Wetten auf fallende Kurse von Tages Capital, Tudor Capital Europe und Capital Fund Management. In Summe zählt HelloFresh damit zu den am stärksten geshorteten Werten auf dem deutschen Kurszettel.
Fundamental befindet sich der Versender von Kochboxen in einer Phase des Umbaus: Weniger Rabatte, weniger kurzfristige Bestellanreize, dafür Konzentration auf Kunden mit hochwertigeren Warenkörben. Im ersten Quartal sank der Umsatz währungsbereinigt um 7,7 % auf 1,675 Mrd. EUR, während der durchschnittliche Bestellwert um 4,2 % zulegte. Das Ready-to-Eat-Geschäft verzeichnete zuletzt einen Rückgang um 6,9 %, wobei sich außerhalb der USA bereits zweistelliges Wachstum zeigte. Für das Gesamtjahr wird weiterhin ein Umsatzrückgang zwischen 3 und 6 % bei einem um nicht-operative Kosten bereinigten EBITDA zwischen 375 und 425 Mio. EUR erwartet.
Die Halbjahreszahlen sind für den 13. August angekündigt. Schon morgen entscheidet sich also, wohin die Reise für das Berliner Unternehmen geht. Bereits eine weitere Abschwächung des Bestellrückgangs, Fortschritte bei der US-Tochter Factor und eine Bestätigung der Jahresziele könnten reichen, um die Leerverkäufer unter Druck zu setzen und eine Eindeckungsrally auszulösen. Allerdings: Anders als bei Almonty fehlt HelloFresh derzeit ein klarer operativer Katalysator wie ein Produktionsstart, die Umsatzbasis schrumpft weiterhin. Eine nachhaltige Trendwende ist nach der fünfjährigen Talfahrt von 97,50 EUR auf nur noch 3,40 EUR durchaus möglich, aber keineswegs sicher.
FAZIT: Wo zündet die nächste Supernova?
Was die drei Aktien eint, ist die ungewöhnlich hohe Aufmerksamkeit von Leerverkäufern kurz vor wichtigen Terminen. Bei SpaceX hat sich das Muster bereits bestätigt: Starke Zahlen trafen auf eine überdehnte Short-Position und lösten eine kräftige Gegenbewegung aus. Bei Almonty sprechen sowohl der Produktionsstart in Sangdong als auch die strukturelle Wolframknappheit dafür, dass sich ein ähnliches Szenario wiederholen könnte – mit dem Unterschied, dass hier eine intakte fundamentale Story dahintersteht. HelloFresh liefert am Donnerstag den dritten Testfall, allerdings mit deutlich unsichererem Ausgang, da der operative Turnaround noch nicht bewiesen ist. Sollte er gelingen, wäre die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zwischen 5 und 6 auf Basis der Schätzungen fürs kommende Jahr ein Schnäppchen – aber eben nur dann. Auch die deutlich sicherere Wette Almonty ist mit einem geschätzten 2027er-KGV von etwa 10 angesichts der exzellenten Wachstumsperspektiven und der politischen Bedeutung des Unternehmens keineswegs teuer. Zum Vergleich: SpaceX bringt es selbst unter optimistischen Annahmen auf ein astronomisches Gewinnvielfaches von über 100.
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