22.09.2026 | 05:00
Wolfram-Engpass: Almonty sichert Sandvik-Deal – US-Rüstungsregeln ab 2027 erhöhen Druck auf Lockheed & Co.
Spitzentechnologie ist in extremen Einsatzbereichen auf Werkstoffe angewiesen, die physikalische Grenzen verschieben. Egal ob bei Munition, Triebwerken oder Fräsköpfen, die Titanblöcke für Tarnkappenjets bearbeiten – an Wolfram führt kein Weg vorbei. Mit dem höchsten Schmelzpunkt aller reinen Metalle und einer enormen Dichte gilt das Element als unverzichtbar für Industrie und Verteidigungssektor. Doch ausgerechnet bei dieser Schlüsselkomponente sitzt der Westen fast auf dem Trockenen. Peking kontrolliert über drei Viertel der weltweiten Förderung und dominiert auch die nachgelagerte Veredelung. Preissprünge und schärfere Handelsregeln rütteln die Industrie jetzt aber wach. Im Zentrum steht der US-Wolframspezialist Almonty Industries.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | NASDAQ: ALM , SANDVIK AB | SE0000667891 , LOCKHEED MARTIN DL 1 | US5398301094
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Sandvik ringt um europäische Rohstoffressourcen – und setzt auf Almonty
Für spezialisierte Industriekonzerne wie Sandvik ist die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten ein Problem. Der schwedische Werkzeugspezialist steuert mit seiner österreichischen Tochter Wolfram Bergbau und Hütten die einzige integrierte Wolframhütte außerhalb Asiens und Russlands, ist aber auf Nachschub an Wolfram angewiesen. Chinas APT-Exporte fielen von 782 t im Jahr 2024 auf 243 t in den ersten elf Monaten 2025, seit Anfang 2026 sind sie praktisch zum Erliegen gekommen. Der APT-Preis in Rotterdam stieg zuletzt auf rund 3.000 USD je MTU. Das zwingt die Schweden zu neuen Partnerschaften. Am 17. September gab Almonty bekannt, dass die Sandvik-Tochter WBH künftig Konzentrat aus der Wiederaufbereitung von Tailings des spanischen Almonty-Projekts Los Santos abnehmen wird.
Gesetzeslage setzt Lockheed Martin unter Druck
Jenseits des Atlantiks trifft die Rohstoffkrise das Rüstungsgeschäft. Der US-Verteidigungskonzern Lockheed Martin benötigt Wolfram-Schwermetalllegierungen für Flugkörper wie die Patriot PAC-3 MSE, Precision Strike Missiles und Panzerabwehrwaffen, aber auch als Ballastgewichte für den Tarnkappenjet F-35. Gleichzeitig verbraucht das Fräsen der gewaltigen Titan-Strukturspanten Tausende extrem harter Zerspanungswerkzeuge. Ein Lieferstopp bei Wolfram dürfte bei Lockheed Martin schnell auch die Produktion bedrohen. Verschärft wird die Lage durch die Gesetzeslage in den USA, die über die Landesgrenzen hinauswirkt: Ab dem 1. Januar 2027 untersagt das Pentagon den Kauf von Rüstungsgütern, deren Wolfram aus China, Russland, Nordkorea oder Iran stammt. Die Lieferketten müssen künftig lückenlos dokumentiert sein.
Almonty erschließt eines der größten Vorkommen der freien Welt
Profiteur der neuen Situation rund um Wolfram ist das Bergbauunternehmen Almonty. Der langjährige Wolfram-Spezialist kontrolliert die bedeutendsten Förderstätten abseits der chinesischen Vormachtstellung. Flaggschiff ist die Sangdong-Mine in Südkorea, wo Mitte 2026 nach umfangreichen Vorarbeiten die Flotation anlief. Die erste Ausbaustufe von Sangdong zielt auf einen jährlichen Durchsatz von 640.000 t Erz ab und liefert rund 230.000 MTU Wolframtrioxid-Konzentrat. Nach Vollendung der zweiten Phase will das Unternehmen seine Kapazitäten verdoppeln und damit etwa 40 % der gesamten Wolframnachfrage außerhalb Chinas liefern. Die Abnahme der Mengen aus Phase 1 ist längst gesichert: Ein über 21 Jahre laufender Kontrakt bindet 90 % der Konzentrate der Startphase an den Verarbeiter Global Tungsten & Powders, ein Tochterunternehmen der österreichischen Plansee Group. Zudem sollen monatlich mindestens 40 t Oxid direkt an Tungsten Parts Wyoming für ballistische Verteidigungsgüter fließen.

Almonty: Gute Geschäfte auch in Afrika und Europa
Neben dem asiatischen Hauptprojekt entwickelt Almonty weitere bestehende Liegenschaften. Ein Beispiel ist das spanische Projekt Los Santos, das man reaktivieren will, um künftig Wolfram direkt an den europäischen Verarbeiter Sandvik zu liefern. Mittels eines eigens entwickelten nassmechanischen Verfahrens soll Scheelit aus den Tailings früherer Förderung zurückgewonnen werden. Die Sandvik-Tochter Wolfram Bergbau und Hütten sicherte sich über einen Take-or-Pay-Vertrag mindestens rund 1.720 t Wolframtrioxid aus diesen Rückständen. Für die Abnahmerechte sagte sie eine bedingte Einmalzahlung von 3 Mio. USD vorab zu. Die Lieferungen selbst werden zu indexgebundenen Preisen mit Untergrenze abgerechnet, während die Schweden das dringend benötigte Wolfram erhalten. Flankiert wird die europäische Produktion durch die traditionsreiche portugiesische Untertagemine Panasqueira, die seit Jahrzehnten verlässlich hochreine Konzentrate liefert. In den USA hält Almonty zudem das Projekt Gentung Browns Lake in Montana, um künftig auch in den Vereinigten Staaten mit einer Mine präsent zu sein. Ein ebenfalls in der vergangenen Woche geschlossenes Joint Venture mit dem Staat Ruanda sichert Almonty weiteres Material aus dem ostafrikanischen Kleinbergbau. Mittelfristig will Almonty in Ruanda auch eine Verarbeitungsanlage bauen.
Almonty: Jefferies sieht deutliches Kurspotenzial
Die US-Investmentbank Jefferies hat Almonty am 2. September mit einer Kaufempfehlung („Buy") und einem Kursziel von 26,25 USD in die Coverage aufgenommen. Zum damaligen Kurs von 17,80 USD entsprach das 47 % Potenzial; beim aktuellen Kurs von rund 14 USD liegt es bei gut 85 %. Jefferies begründet die Bewertung mit einem soliden Cashflow-Modell auf Basis eines langfristigen Wolfram-Verkaufspreises von 1.300 USD je MTU, flankiert von dem auf 21 Jahre fixierten Abnahmevertrag mit Mindestpreis-Sicherungen. Neben dem anstehenden Hochlauf der Sangdong-Mine in Südkorea sehen die Analysten vor allem den Zeitplan für Phase 2 und anhaltende Preisaufschläge für westliches Wolfram als entscheidend für das weitere Potenzial. Gleichwohl weist Jefferies im Risiko-Radar auch auf Gefahren hin: Verzögerungen beim Erreichen der vollen Förderleistung in Phase 1, ein möglicher Aufschub der Phase 2 über das Jahr 2027 hinaus, anhaltende Volatilitäten am Rohstoffmarkt sowie die Bedienung von Schulden und Zinskosten stellen die wesentlichen Hürden dar. Bewältigt das Management diesen Übergang zur industriellen Vollproduktion reibungslos, sichert sich Almonty aber die entscheidende Schlüsselrolle in der westlichen Versorgungskette inklusive aller damit einhergehenden Chancen.
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