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14.09.2026 | 05:20

Leere Munitionslager, knappes Wolfram: Almonty Industries, Rheinmetall und Lockheed Martin können profitieren

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Bildquelle: Pixabay

Während die geopolitischen Konflikte wieder zunehmen und die NATO-Staaten aufrüsten, wird mittlerweile der Nachschub knapp. Dadurch wird Wolfram immer wichtiger. Ohne den Rohstoff fehlen panzerbrechende Munition, Präzisionsraketen und Hochleistungswerkzeuge. Ab 2027 verlangen US-Beschaffungsregeln zudem eine von China, Russland, Iran und Nordkorea unabhängige Lieferkette. Das verschiebt Milliardenströme und verschärft den Wettlauf um sichere Quellen. Dabei rücken Almonty Industries, Rheinmetall und Lockheed Martin in den Fokus. Die drei Unternehmen können von der Neuausrichtung der westlichen Rüstungsindustrie profitieren.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , LOCKHEED MARTIN DL 1 | US5398301094

Inhaltsverzeichnis:


    Almonty Industries – Sangdong liefert, die USA kommen später

    Almonty fördert Wolfram in Portugal und Südkorea, der Konzernsitz liegt seit April in Dillon, Montana. Am 11. August legte das Unternehmen die Quartalszahlen vor. Der Umsatz stieg auf 43,0 Mio. CAD. Zum Vergleich, im Vorjahresquartal waren es 7,2 Mio. CAD. Das Ergebnis aus dem Bergbaugeschäft drehte von -0,9 Mio. CAD auf 26,1 Mio. CAD, getragen fast vollständig von Panasqueira, da Sangdong sich noch im Hochlauf befand. Vom Nettogewinn über 181,8 Mio. CAD stammen allerdings 173,1 Mio. CAD aus Bewertungseffekten. Löcher stopfen muss man trotzdem nicht, in der Kasse liegen rund 1,2 Mrd. CAD, mit denen man die Erweiterung des Geschäfts finanzieren kann.

    Herzstück der Strategie ist die Sangdong-Mine in Südkorea. Phase-1 ist auf 640.000 t Erz-Durchsatz ausgelegt und soll rund 230.000 MTU Wolframkonzentrat liefern. Im Juni 2026 nahm die Anlage die Verarbeitung von Rohfördergut auf, zunächst aus etwa 139.700 t gelagertem Entwicklungs-Erz. Mitte Juli wurde der Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders von 15 auf 21 Jahre zu besseren Preisen ausgeweitet. Das deckt rund 90 % der Produktion aus Phase-1 ab und spielt dem Konzern hinsichtlich Planungssicherheit in die Karten. Die geplante Phase-2 soll den Durchsatz der Verarbeitung verdoppeln. Gelingt der Hochlauf, kann Almonty rund 40 % des globalen Angebots außerhalb Chinas stellen.

    Den US-Fußabdruck liefert das Gentung-Browns-Lake-Projekt in Montana. Produktionsbereit sollte es in der zweiten Jahreshälfte 2026 sein, aber ein genauer Produktionsstart wurde bisher nicht kommuniziert. Die neuen Beschaffungsregeln für Verteidigungsgüter könnten dem Projekt auf die Sprünge helfen, operativ beitragen kann es aber erst, wenn der Zeitplan hält. Dazu kommt eine geplante Oxidproduktion in Südkorea, die das Unternehmen vom Konzentratverkäufer zum Verarbeiter machen soll. Auch das Molybdänvorkommen auf der Sangdong-Liegenschaft soll genutzt werden. In Europa soll die Panasqueira-Mine auf Level-4 ausgebaut werden. Das Unternehmen hat viel vor in den kommenden Jahren.

    Rheinmetall – Rekordzahlen und US-Aufträge

    Rheinmetalls Portfolio umfasst Fahrzeuge, Munition, Flugabwehrsysteme und beinhaltet seit Februar 2026 auch das Marinegeschäft. Am 6. August legten die Düsseldorfer die Halbjahreszahlen vor. Der Umsatz stieg um 39 % auf gut 5,2 Mrd. EUR. Zum Vergleich, im Vorjahr waren es 3,75 Mrd. EUR. Das operative Ergebnis kletterte von 453 Mio. EUR auf 786 Mio. EUR, die Marge auf 15,0 %. Der Auftragsbestand schoss auf 80,5 Mrd. EUR durch die Decke. Doch der operative Free Cashflow lag bei minus 1,6 Mrd. EUR, weil Anzahlungen sich verschoben und Vorräte aufgebaut wurden.

    Das Wachstum in den USA läuft über die Tochter American Rheinmetall. Am 1. September ging der erste von acht Prototypen des Schützenpanzers Lynx XM30 Mechanized Infantry Combat Vehicle an die U.S. Army, der Entwicklungsvertrag umfasst rund 764 Mio. USD. Einen Tag später folgte ein Auftrag von Kongsberg über rund 710.000 USD für Turmbauteile aus Michigan. Am 4. September bestellte die U.S. Navy Ersatzteile für Bodenstartgeräte im einstelligen Mio. EUR-Bereich, am 10. September orderte das Marine Corps 12 autonome Mission Master SP für 7,28 Mio. USD. Der Bradley-Nachfolger wäre der große Wurf.

    Den größten Hebel liefert aber derzeit Deutschland. Beim Boxer-Programm geht es um einen festen Fahrzeugvertrag über 12,4 Mrd. EUR, über den der Bundestag am 9. Dezember entscheiden soll. Verhandelt wird über eine Anzahlung von 30 %, also mehr als 3 Mrd. EUR. Das würde der Kasse auf die Sprünge helfen. Daran hängt der Ausbau in Kassel für über 260 Mio. EUR. Dass solche Vorhaben platzen können, zeigte die Stornierung der Fregatte F126, die 300 Mio. EUR Umsatz kostet. Gelingt die Unterzeichnung, entspannt sich die Finanzierung. Verzögert sie sich, bleibt der Mittelabfluss hoch.

    Lockheed Martin - Rückenwind durch Raketen und Aufträge

    Lockheed Martin baut Kampfflugzeuge, Hubschrauber, Flugkörper und Satelliten. Hier wird Wolfram in großen Mengen benötigt. 2025 entfielen 72 % der Erlöse auf den US-Staat. Im 2. Quartal 2026 stieg der Umsatz um 11 % auf 20,1 Mrd. USD, alle vier Sparten legten zu. Der Auftragsbestand kletterte auf 230,4 Mrd. USD. Zum Vergleich, Ende 2025 waren es 193,6 Mrd. USD. Für 2026 peilt der Konzern 79,75 bis 81,75 Mrd. USD Umsatz und einen freien Cashflow von 7,0 bis 7,2 Mrd. USD an. Damit liegen fast drei Jahresumsätze in den Büchern.

    Den Takt gibt das Raketengeschäft vor, dessen Umsatz im 2. Quartal um 19 % auf 4,1 Mrd. USD stieg, das Ergebnis legte um 24 % auf 594 Mio. USD zu. Der Auftragsbestand der Sparte schoss von 46,65 Mrd. USD auf 87,88 Mrd. USD durch die Decke. Im Juni kam ein Siebenjahresrahmen für das mobile, bodengestützte Raketenabwehrsystem THAAD über 35 Mrd. USD hinzu, am 29. Juli zudem das Lenkflugkörper PAC-3-MSE-Paket über 58,62 Mrd. USD. Am 9. September folgten 826 Mio. USD für den Marschflugkörper JASSM und die LRASM-Rakete sowie 257,3 Mio. USD für Torpedos der U.S. Navy. Schweden bestellte das radgestützte Raketensystem HIMARS für rund 729 Mio. USD.

    Die Schwachstelle liegt in der Fertigung. Das Modernisierungsprogramm Block 4 für die F-35 wird laut Rechnungshof GAO mindestens 6 Mrd. USD teurer und mindestens 5 Jahre später fertig. Im ersten Halbjahr kamen neue Programmbelastungen von 395 Mio. USD hinzu. Der Hochlauf bindet Kapital, die Vertragsvermögen wuchsen um 3,037 Mrd. USD auf 16,038 Mrd. USD. Bis 2030 sollen 8 bis 9 Mrd. USD in über 20 Werke fließen. Die Mittel für die Rahmenverträge fließen nur über jährliche Haushaltsbeschlüsse. Gelingt der Ausbau ohne neue Abschreibungen wird aus dem Polster Ertrag. Bis dahin gibt es Vorschusslorbeeren.


    Der Rückenwind für Wolfram und die westliche Verteidigung ist stark, doch die Bewertung hängt an der operativen Umsetzung. Almonty Industries überzeugt mit dem Produktionsstart in Sangdong und den geplanten Erweiterungen. Rheinmetall muss trotz Rekordaufträgen den negativen Cashflow drehen, die F-126-Lücke stopfen und die US-Expansion profitabel skalieren. Lockheed Martin profitiert vom Raketenzyklus, braucht aber Verbesserungen bei der Produktion der F-35 und eine Ausweitung der Produktion.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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