10.09.2026 | 05:00
Rüstung und der Preis des Wachstums: AeroVironment, Rheinmetall und Volatus Aerospace im Fokus
Die Realität in der Ukraine hat viele Versprechungen der klassischen Rüstungsindustrie entlarvt. Wenn teure Waffensysteme durch Schwärme kostengünstiger Drohnen ausgeschaltet werden, lösen sich althergebrachte Vorstellungen über militärische Stärke in Luft auf. Satellitennavigation versagt wegen Störsendern, Funkstrecken brechen zusammen und Befehlsketten reißen ab. Riesige Panzer wirken auf Gefechtsfeldern in der Ukraine nicht selten wie ein Käfer, der auf den Rücken gefallen ist. Ein Umdenken ist daher nötig. Gefragt sind heute autonome Drohnen, die Ziele selbstständig im Tiefflug ansteuern oder andere Aufgaben übernehmen. Die Verteidigungsindustrie im Westen muss umdenken.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , AEROVIRONMENT DL -_0001 | US0080731088 , RHEINMETALL AG | DE0007030009
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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AeroVironment: Margen in Gefahr
Der US-Drohnen-Pionier AeroVironment dominiert seit zwei Jahrzehnten im Bereich Nahaufklärung für die Infanterie und hat die Loitering Munition mit Triebwerken im Westen etabliert. Doch der Konkurrenzdruck zwingt auch die Amerikaner zum Umdenken: Um sich gegen moderne Störsender zu wappnen und Fähigkeiten im Bereich der Laserwaffen einzukaufen, schloss der Konzern im Mai 2025 die Übernahme von BlueHalo im Wert von rund 4,1 Mrd. USD ab. Dieser Zukauf katapultierte das Umsatzvolumen zwar auf rund 1,98 Mrd. USD, hinterlässt jedoch auch Spuren in der Bilanz. Wegen hoher Anlaufkosten und der Integration neuer Hardwareprojekte sackte die Bruttomarge von zuvor 38 % auf rund 24 % ab. Zwar verbuchte das Unternehmen einen Lieferabruf über 186 Mio. USD für gehärtete Switchblade-Systeme unter einem Fünfjahres-Rahmenvertrag sowie einen IDIQ-Kontrakt über 874,26 Mio. USD, doch die Integration von Blue Halo bindet große Kapazitäten.
Rheinmetall: Volle Auftragsbücher und „Cashflow-Delle“
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall profitiert enorm von der Wiederaufrüstung Europas, kämpft jedoch mit den Begleiterscheinungen des rasanten Wachstums. Nachdem Rheinmetall die Umsatzprognose nach dem Wegfall des F126-Programms Anfang August auf 13,7 bis 14,2 Mrd. EUR gesenkt hatte – bei unverändertem Margenziel von rund 19 % (Q2-Marge: 17,1 %) – geriet zusätzlich die Liquidität unter Druck. Wegen Vorratskäufen und Vorabinvestitionen in neue Werke verbuchte der Konzern im ersten Halbjahr 2026 einen negativen operativen freien Cashflow von rund minus 1,6 Mrd. EUR. Dieser Mittelabfluss ist der Preis, den das Management zahlen muss, um den gigantischen Auftragsbestand von rund 80 Mrd. EUR verlässlich abzuarbeiten. Zudem trübt der Verlust des F126-Marineprogramms die mittelfristigen Perspektiven zur See. Während der Konzern mit dem Skyranger-Flugabwehrsystem und eigenen Containerstartern für FV-014-Präzisionsgeschosse technologisch durchaus auftrumpfen kann, bindet der Hochlauf der schweren Artillerie- und Fahrzeugfertigung erhebliche Ressourcen. Das zeigt: Wachstum hat seinen Preis.
Volatus Aerospace: Smarter Plattformansatz aus Kanada
Volatus Aerospace hat sich von einem zivilen Inspektionsdienstleister zu einem verteidigungspolitischen Technologiepartner gewandelt. Die Kanadier verfügen über jahrelange Erfahrung durch jährlich rund 1,7 Mio. km Pipelineüberwachung mit 28 bemannten Flugzeugen sowie über 100 Drohnen, was kontinuierliche Erlöse von etwa 20 Mio. CAD einspielt. Im Juni 2026 nahm das Unternehmen am Flughafen Montreal-Mirabel eine 53.000 Quadratfuß große Fertigungs- und Integrationsanlage in Betrieb, die auf ein jährliches Erlöspotenzial von bis zu 250 Mio. CAD ausgelegt ist. Operativ zielt man dabei auf die Anforderungen moderner Konflikte. Weil herkömmliche Steuerungen bei Störsignalen versagen, entwickelte Volatus die V-Cortex AI. Dieser unter 15 Gramm leichte Autonomie-Controller navigiert unbemannte Fluggeräte über optische Lageerfassung selbst dann präzise ins Zielgebiet, wenn feindliche Jammer sämtliche Satellitensignale neutralisieren.

Ergänzt wird die Hardwaresparte durch die Softwareplattform SKYDRA, welche Sensor- und Radardaten bündelt, um Betreibern kritischer Infrastruktur ein lückenloses Luftraumlagebild zu liefern. Dass die Kanadier komplexe Beyond-Visual-Line-of-Sight-Einsätze ohne externe Bodenradare fliegen dürfen, belegt die regulatorische Sonderstellung, die sich das Unternehmen bereits während seiner zivilen Phase angeeignet hat. Erst vor wenigen Tagen qualifizierte sich Volatus Aerospace laut einer Unternehmensmeldung in sämtlichen fünf Leistungsbereichen der Defence Drone Initiative, was exklusive direkte Angebotsabgaben für unbemannte Flugzeuge, Software und Fertigung an die kanadischen Streitkräfte ermöglicht.
Volatus Aerospace: Versorgungssicherheit unabhängig von Asien
Um sich von asiatischen Lieferanten unabhängig zu machen, treibt Volatus den Aufbau einer autarken Fertigungskette voran. Kooperationen mit VoltaXplore zur heimischen Beschaffung von Batteriezellen und dem Volt-Age-Programm der Concordia University steigern die technologische Souveränität. Gemeinsam mit Ondas implementiert das Unternehmen automatisierte Drohnensysteme zur Grenzüberwachung, während Vereinbarungen mit Partnern wie Kraus Hamdani Aerospace Einsätze im anspruchsvollen arktischen Umfeld ermöglichen. Für Korridortests an der Frontlinie in der Ukraine existieren zudem bereits bilaterale Vereinbarungen. Ein Liquiditätspolster von mehr als 50 Mio. CAD sichert die operative Expansion des Unternehmens mittelfristig ab.
Weil Engpässe bei Antriebsmotoren und Energiespeichern die Auslieferung eines Militärauftrags über 2,6 Mio. CAD verzögerten, senkte die Unternehmensführung die Jahresumsatzprognose 2026 auf 50,6 Mio. CAD. Zudem drückten die hohen Anlaufkosten der Fabrik in Mirabel sowie gestiegene Personalaufwendungen das Quartalsergebnis auf -7,5 Mio. CAD. Volatus könnte für spekulativ denkende Investoren dennoch interessant sein. Viele Investitionen in moderne Technologie stehen noch aus. Anleger sollten Unternehmensmeldungen von Volatus Aerospace engmaschig verfolgen – das Unternehmen agiert in einem dynamischen Umfeld.
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