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02.09.2026 | 05:20

Wie Anleger vom Drohnen-Terror profitieren – mit Rheinmetall, Volatus Aerospace und Lockheed Martin im Portfolio

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Bildquelle: Pixabay

In der Nacht zum 5. August 2026 war es ein Tritt eines Busfahrers, der eine Katastrophe abwendete. Durch diese Drohnen-Attacke wurde eine neue Ära der Bedrohung eingeläutet. Die vereitelte Attacke auf den Flughafen Leipzig/Halle mit einer sprengstoffbeladenen Drohne ist mittlerweile kein Einzelfall mehr. Diese Eskalation, die nun die höchsten Sicherheitskreise beschäftigt, rückt einen milliardenschweren Markt für effektive Abwehrlösungen von Drohnen und autonomen Waffensystemen in den Fokus. Für Anleger stellt sich die Frage, wer von diesem „Drohnen-Superzyklus“ am stärksten profitieren wird. Wir sehen uns mit Rheinmetall, Volatus Aerospace und Lockheed Martin drei vielversprechende Kandidaten an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: RHEINMETALL AG | DE0007030009 , VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , LOCKHEED MARTIN DL 1 | US5398301094

Inhaltsverzeichnis:


    Rheinmetall - Rekordaufträge, aber gekappte Prognosen

    Die Zahlen für das 2. Quartal von Rheinmetall sind stark. Der Umsatz kletterte um 69 % auf 3,289 Mrd. EUR, das operative Ergebnis legte um 115 % auf 562 Mio. EUR zu und die operative Marge verbesserte sich auf 17,1 %. Im ersten Halbjahr wuchs der Konzernumsatz um 39 % auf 5,2 Mrd. EUR, das operative Ergebnis stieg um 74 % auf 786 Mio. EUR. Dennoch reagierte der Markt verhalten aufgrund des überraschenden Stopps des deutschen Fregattenprogramms F126. Rheinmetall musste infolge des Ausfalls eine Umsatzbelastung von rund 300 Mio. EUR im laufenden Jahr verkraften und senkte die Umsatzprognose für 2026 um 300 Mio. EUR. Das Margenziel liegt dagegen nach wie vor bei rund 19 % für das Gesamtjahr.

    Der Konzern positioniert sich zunehmend als Systemanbieter für vernetzte, unbemannte Plattformen über alle Bereiche hinweg. Die Loitering-Munition FV-014 für die Bundeswehr, die Begleitdrohne MQ-28 Ghost Bat mit Boeing und die Überwasserdrohne K3 Scout aus Hamburg zeigen die strategische Breite. Die Übernahme von DOK-ING in Kroatien und das neue Kompetenzzentrum für Landautonomie in Großbritannien unterstreichen den Anspruch. Zuletzt demonstrierten Rheinmetall und Hensoldt die erfolgreiche Integration des Passivradars Twinvis in das Skymaster-Führungssystem und schufen so ein Luftlagebild für die vernetzte Luftverteidigung.

    Der Radpanzer "Boxer" könnte die nächste Großbestellung durch die Bundeswehr werden. Über die erste Tranche von rund 1.500 Fahrzeugen im Wert von etwa 12,4 Mrd. EUR könnte bereits im September entschieden werden. Parallel treibt Rheinmetall den Ausbau seines Kasseler Stammwerks voran. Dort könnte das größte Panzerwerk Europas entstehen. Eine endgültige Investitionsentscheidung steht aber noch aus. Die negative Cashflow-Entwicklung im ersten Halbjahr spiegelt den erheblichen Lagerbestandsaufbau wider, um die Aufträge abzuarbeiten. Die Analysten haben unterschiedliche Sichtweisen. Die Spanne der Kursziele reicht von 1.350 bis 2.380 EUR.

    Volatus Aerospace – Drohnen-Plattform wächst

    Die kanadische Luftfahrtbranche befindet sich im Wandel, bei dem autonome Systeme zunehmend als strategische Notwendigkeit und nicht mehr als Zukunftstechnologie betrachtet werden. Volatus Aerospace hat sich in diesem Umfeld mit einem Plattformansatz positioniert, der von der Fertigung über proprietäre Software bis zum operativen Betrieb reicht. Die kürzlich in Betrieb genommene 53.000 Quadratfuß große Anlage in Mirabel und das jährlich rund 1,7 Mio. km umfassende Pipeline-Überwachungsgeschäft unterstreichen die kommerzielle Akzeptanz. Mit 28 bemannten Flugzeugen und einer Drohnenflotte, die in Edmonton täglich etwa 16 Flüge absolviert, hat sich das Unternehmen eine operative Basis geschaffen, die als Fundament für weiteres Wachstum dient.

    Das Management verfolgt bewusst zwei Geschäftsbereiche parallel. Auf der einen Seite ist das zivile Industriegeschäft, das mit regulären Aufträgen aus Energieüberwachung und Katastrophenschutz für Planbarkeit sorgt. Auf der anderen Seite steht das explodierende Verteidigungsgeschäft, das aufgrund geopolitischer Konflikte immer wichtiger wird. Die im August eingegangene Partnerschaft mit Singular Aircraft zur Einführung des FlyOx 1, eines 4.000 kg schweren autonomen Flugzeugs für Waldbrandbekämpfung, zeigt die wachsende technologische Bandbreite. Mit 8,4 Mio. CAD Umsatz im 2. Quartal, ein Plus von 49,5 % gegenüber dem Vorquartal, und einer Liquidität von 59,2 Mio. CAD ist die finanzielle Basis solide. Die strategischen Vorabinvestitionen in Produktionskapazitäten und Zertifizierungen sind bewusst gesetzt, um die Weichen für die margenstarken Skaleneffekte zu stellen.

    Die kanadische Regierung plant, Verteidigungsausgaben auf 3,5 bis 5 % der Wirtschaftsleistung zu steigern, und heimische Unternehmen sollen 70 % dieses Kuchens erhalten. Volatus Aerospace profitiert von dieser Neuausrichtung durch seine strategische Partnerschaft mit Kraus Hamdani Aerospace für persistente Aufklärungsfähigkeiten und durch regulatorische Erfolge wie die Transport-Canada-Zulassung für das Canary-System. Die erste Liste qualifizierter Anbieter für Kanadas Defence Drone Initiative wird für September erwartet. Findet sich Volatus auf dieser Liste wieder, wäre das nicht nur ein Meilenstein, sondern könnte zu festen, wiederkehrenden Aufträgen führen. Es wäre ein Katalysator für eine Neubewertung des Unternehmens.

    Lockheed Martin - vom Flugzeugbauer zum Systemarchitekten

    Der US-Rüstungskonzern durchläuft eine Transformation. Obwohl der F-35-Kampfjet noch immer das Rückgrat bildet, verschiebt sich das Gewicht zunehmend in Richtung autonomer Systeme und intelligenter Vernetzung. Die jüngsten Drohnentests, vom bewaffneten Seegefährt bis zum 5G-gestützten Detektionssystem, zeigen den neuen Fokus. Lockheed Martin will nicht mehr nur Plattformen liefern, sondern ganze Ökosysteme aus Sensorik, Feuerkraft und künstlicher Intelligenz steuern. Dieser Wandel könnte mittelfristig neue Margenpotenziale erschließen, auch wenn die alten Programme weiterhin den Großteil der Erträge generieren.

    Der Konzern erzielte einen Umsatz von 20,1 Mrd. USD im 2. Quartal und hat einen Rekord-Auftragsbestand von rund 230 Mrd. USD. Besonders der Bereich Lenkflugkörper glänzt mit einem fast verdoppelten Auftragsbestand von knapp 88 Mrd. USD und Margen von 14,5 %. Die jüngsten Rahmenvereinbarungen für PAC-3 und THAAD könnten dieses Polster auf nahezu 284 Mrd. USD aufstocken. Analysten sehen hier Potenzial für eine Neubewertung, warnen jedoch, dass erst die Umsetzung in profitable Umsätze zählt. Die Produktionshochläufe werden aber Jahre dauern.

    Der Konzern steht gerade bei seinem Flaggschiff-Produkt der F-35 vor Herausforderungen. Die Kosten für die Bestellung der F-35-Kampfjetflotte verteuern sich laut Pentagon um weitere 51 Mrd. USD. Außerdem schreiben zwei geheime Projekte Verluste. Gleichzeitig investiert Lockheed kräftig in die Zukunft, beispielsweise in Drohnentechnologien, Hyperschallfertigung oder das modulare Strigo-System. Die Dividende von 3,45 USD pro Quartal bleibt stabil, doch der Kapitalbedarf ist enorm. Für Anleger stellt sich die Frage, ob die starke Nachfrage nach Verteidigungstechnologie die operativen Probleme auffangen kann.


    Die Drohnen-Attacke auf den Leipziger Flughafen markiert den Startschuss für einen milliardenschweren Verteidigungszyklus. Rheinmetall glänzt mit Rekordzahlen und einer großen technologischen Breite, kämpft aber kurzfristig mit Projektausfällen und negativem Cashflow. Volatus Aerospace hat sich als agiler Plattformanbieter etabliert, der seine Geschäftsfelder sukzessive erweitert hat und in Zukunft vermehrt im Rüstungsbereich aktiv sein will. Lockheed Martin beeindruckt mit einem Rekordauftragsbestand, muss jedoch die Transformation zum Systemanbieter erst noch in nachhaltige Profitabilität ummünzen.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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