14.08.2026 | 05:00
Desert Gold vor Neubewertung und Kurssprung? RWE und Allianz auf Rekordkurs: Drei Aktien im Check
Der Goldpreis notiert wieder bei knapp 4.400 USD je Unze und bietet Desert Gold Ventures ein ideales Umfeld für den Sprung vom Explorer zum Produzenten. Gelingt die Inbetriebnahme der ersten Anlage, könnte sich die Bewertung des Pennystocks grundlegend verändern. Die Aktie von RWE überzeugt derweil mit kräftigem Ergebniswachstum. Der Versicherer Allianz liefert Rekordgewinne und üppige Kapitalrückgaben, der DAX-Titel notiert allerdings bereits nahe am Rekordhoch. Drei Aktien, drei Risikoklassen – und jeweils klare Kurstreiber. Wir nehmen die Titel im Aktiencheck unter die Lupe.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
DESERT GOLD VENTURES | CA25039N4084 | TSXV: DAU , OTCQB: DAUGF , ALLIANZ SE NA O.N. | DE0008404005 , RWE AG INH O.N. | DE0007037129
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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Desert Gold: Spekulative Goldaktie mit außergewöhnlich hohem Hebel
Nur wenige Goldexplorer schaffen den Schritt in Richtung Produktion. Desert Gold Ventures will diese Hürde nun nehmen. Im Mittelpunkt steht das zu 100 % kontrollierte SMSZ-Projekt im Westen Malis. Das 440 Quadratkilometer große Areal erstreckt sich über 38 Kilometer entlang der Senegal-Mali-Scherzone. In der Nachbarschaft liegen große Minen von B2Gold, Barrick Mining und Allied Gold.
Die Ressourcenbasis kann sich für einen Börsenwert von knapp 40 Mio. CAD sehen lassen. Gemessene und angezeigte Ressourcen von 336.800 Unzen sowie abgeleitete Ressourcen von 879.900 Unzen ergeben gut 1,2 Mio. Unzen Gold. Mehr als 20 entdeckte Goldzonen liefern weitere Explorationsfantasie.
An der Börse rückt jedoch die geplante Produktion in Barani East in den Blick. Desert Gold startet mit einer Schwerkraftanlage, die zunächst 200 Tonnen Erz pro Tag verarbeiten soll. Die technische Abnahme samt Ersatzteilen und einem Generators mit 650 Kilovoltampere erfolgte im Frühjahr in China. Ende April wurden sechs Container verschifft. Parallel ließ das Unternehmen rund 52.000 Quadratmeter Fläche räumen, Fundamente vorbereiten und Wasserbohrungen anstoßen.
Finanziert werden die ersten Schritte aus einer im Februar abgeschlossenen Kapitalerhöhung über brutto 7,18 Mio. CAD. Das Geld ist für die Inbetriebnahme sowie Bohrungen in Mali und der Elfenbeinküste vorgesehen.
Die Wirtschaftlichkeitsstudie für Barani und Gourbassi kalkuliert bei 2.850 USD je Unze mit einem Kapitalwert nach Steuern von 61 Mio. USD und einer internen Rendite (IRR) von 57 %. Vorgesehen sind 113.100 Unzen förderbares Gold über zehn Jahre, bei nachhaltigen Gesamtkosten von 1.137 USD je Unze. Der anfängliche Kapitalbedarf liegt bei 20,4 Mio. USD. Bei einem Goldpreis von 4.070 USD steigen Kapitalwert und IRR bereits auf 124 Mio. USD und 101 %. Zum Vergleich: Aktuell kostet Gold rund 4.400 USD je Unze.
Diese Modellrechnung ist aber noch kein Gewinnversprechen. Die Studie ist eine PEA, also eine frühe Wirtschaftlichkeitsanalyse, und bezieht auch geologisch weniger gesicherte abgeleitete Ressourcen ein. Mineralreserven hat Desert Gold bislang nicht definiert. Die kleine Anlage soll zunächst zeigen, wie sich Erz, Ausbeute, Kosten und Logistik im laufenden Betrieb tatsächlich verhalten. Erst wenn dieser Praxistest gelingt, gewinnt der geplante Ausbau an Glaubwürdigkeit.
Auch beim Zeitplan ist nun ein belastbares Update nötig. Das Unternehmen hatte die Inbetriebnahme zuletzt für den 19. Juli 2026 avisiert. Dieser Termin ist verstrichen, ohne dass Desert Gold bislang den Start oder eine Verzögerung gemeldet hat. Zudem stehen die Resultate des im April begonnenen Bohrprogramms über 4.250 Meter noch aus. Die 46 Bohrlöcher auf fünf Zielgebieten sollen bestehende Ressourcen erweitern und zusätzliche oberflächennahe Vorkommen im Umfeld von Barani nachweisen.
Eine erfolgreiche Inbetriebnahme und gute Bohrresultate könnten eine Neubewertung auslösen. Das 297 Quadratkilometer große Tiegba-Projekt in der Elfenbeinküste, an dem Desert Gold bis zu 90 % erwerben kann, verteilt das politische Risiko künftig auf zwei Länder, befindet sich aber noch in einer frühen Phase.
Beim jüngsten Kurs von 0,11 CAD bringt Desert Gold rund 40 Mio. CAD auf die Börsenwaage. Der Augsburger Finanzdienstleister GBC Research taxiert das Kursziel auf 0,93 CAD, was im Vergleich zum aktuellen Kurs einem Aufpreis von 750 % entspricht. Die hohe Differenz beruht auf einer Sum-of-the-Parts-Bewertung und der Annahme, dass der Produktionsaufbau gelingt. Das Potenzial ist riesig, allerdings stehen diesem auch hohe Bau-, Metallurgie- und Finanzierungsrisiken sowie der schwierige Standort Mali gegenüber.
Unter dem Strich bleibt Desert Gold eine spekulative Goldaktie mit außergewöhnlich hohem Hebel. Der Sprung vom Explorer zum Produzenten wäre der Türöffner für eine deutlich höhere Bewertung. Zuvor muss das Unternehmen aber nachweisen, dass die Anlage angekommen ist, läuft und tatsächlich Gold produziert. Für risikobereite Anleger ist die Aktie eine interessante Beimischung.
RWE: Gewinnsprung mit Schönheitsfehler
Der Versorger RWE hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr verdient. Das bereinigte EBITDA stieg um mehr als 40 % von 2,1 auf 3,0 Mrd. EUR, der bereinigte Nettogewinn von 0,8 auf 1,3 Mrd. EUR. Je Aktie erhöhte sich das bereinigte Ergebnis von 1,08 auf 1,77 EUR. Rückenwind lieferten bessere Windbedingungen, neue Erzeugungskapazitäten und eine Erholung im Energiehandel.
Offshore Wind steigerte das EBITDA von 643 Mio. EUR auf 810 Mio. EUR, Onshore Wind und Solar von 830 Mio. EUR auf gut 1 Mrd. EUR. Flexible Erzeugung legte auf 1,03 Mrd. EUR zu. Hier half allerdings eine einmalige Entschädigungszahlung der Niederlande über 332 Mio. EUR.
Bereits Ende Juli hatte RWE die Ziele erhöht. Für 2026 werden nun 5,75 bis 6,35 Mrd. EUR bereinigtes EBITDA und 2,60 bis 3,30 EUR Gewinn je Aktie erwartet. Bis 2031 soll das Ergebnis im Schnitt um 10 % pro Jahr auf 4,55 EUR je Aktie steigen. Auch die Dividende soll ausgehend von 1,32 EUR für 2026 jährlich um 10 % wachsen.
Die neue Mehrheit am Stromnetzbetreiber Amprion erweitert das Geschäft um eine stabile Ertragssäule. RWE plant 2026 Nettoinvestitionen von 9 bis 11 Mrd. EUR und bis 2031 insgesamt 42 Mrd. EUR. Die Nettoschulden lagen Ende Juni bei 15 Mrd. EUR, zugleich sind 10,3 Gigawatt im Bau.
Nach einem Kursanstieg von mehr als 60 % innerhalb eines Jahres ist die Aktie kein Schnäppchen mehr. Bei rund 57,60 EUR beträgt das KGV auf Basis der Mitte der neuen Gewinnspanne knapp 20. Dafür erhalten Anleger langfristiges Wachstum und eine verlässlich steigende Ausschüttung. RWE bleibt interessant, neue Käufe bieten sich nach dem starken Lauf eher bei Rücksetzern an.
Allianz: Rekordgewinn – aber reicht das für neue Hochs?
Die Allianz bleibt eine Gewinnmaschine. Im zweiten Quartal stieg das Geschäftsvolumen organisch um 5,7 % auf 45,6 Mrd. EUR. Der operative Gewinn legte um 10,6 % auf den Rekordwert von 4,87 Mrd. EUR zu. Das auf die Aktionäre entfallende Kernergebnis sank wegen Sondereffekten dagegen um 12,7 % auf 2,6 Mrd. EUR.
Bereinigt um Beteiligungsverkäufe und Gegenmaßnahmen im Zuge der Trennung von den indischen Gemeinschaftsunternehmen wuchs es nach Konzernangaben um 10 %. In der Schaden- und Unfallversicherung erhöhte sich der Gewinn um 7,2 % auf 2,46 Mrd. EUR. Die Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich leicht von 91,2 auf 91,9 %, blieb aber auf einem sehr profitablen Niveau. Das Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft steigerte den operativen Gewinn um 10 % auf 1,54 Mrd. EUR.
Besonders kräftig entwickelte sich die Vermögensverwaltung mit Pimco und Allianz Global Investors. Der Gewinn kletterte um 19,8 % auf 933 Mio. EUR. Allein im zweiten Quartal flossen 39 Mrd. EUR an neuen Kundengeldern zu, das für Dritte verwaltete Vermögen erreichte 2,16 Bio. EUR. Damit wächst die Gebührenbasis weiter. Nach sechs Monaten liegt der operative Gewinn mit 9,39 Mrd. EUR um 8,6 % über dem Vorjahr. Das Kernergebnis je Aktie stieg um 17,5 % auf 16,44 EUR, die annualisierte Eigenkapitalrendite erreichte 20,7 %. Die Solvenzquote von 225 % bietet viel Spielraum. Der Vorstand bestätigte das Jahresziel von 17,4 Mrd. EUR operativem Gewinn, plus oder minus 1 Mrd. EUR.
Von der starken Kapitalausstattung profitieren die Aktionäre direkt. Das Rückkaufprogramm umfasst bis zu 2,5 Mrd. EUR, wovon zur Jahresmitte bereits 1,4 Mrd. EUR umgesetzt waren. Die zuletzt gezahlte Dividende von 17,10 EUR entspricht beim Kurs von rund 437 EUR knapp 4 % Rendite. Das KGV bewegt sich um 14, der Kurs allerdings nur wenige Prozent unter dem Rekordhoch. Naturkatastrophen, schwächere Kapitalmärkte und steigende Schadeninflation bleiben Risiken. Die Allianz ist daher weniger eine Kursrakete als ein verlässlicher Dauerläufer mit steigenden Ausschüttungen und solidem Sicherheitsnetz.
Fazit: Drei Risikoklassen, drei Chancen
Desert Gold besitzt das größte Kurspotenzial, muss den Produktionsstart aber erst beweisen. Bei RWE ist nach der Rally bereits einiges eingepreist. Die Allianz liefert Rekordgewinne, eine hohe Kapitalrendite und verlässliche Ausschüttungen, lässt kurzfristig aber weniger Raum für eine Neubewertung. Spekulative Anleger schauen auf das nächste Lebenszeichen aus Mali, langfristige Investoren finden bei RWE und vor allem der Allianz die berechenbareren Alternativen.
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