22.06.2026 | 05:00
Engpass bei HALEU-Anreicherung bedroht Cameco und Amazon – American Atomics profitiert
Der Strombedarf von KI-Rechenzentren lässt sich nicht allein durch erneuerbare Energie decken – das haben inzwischen selbst die größten Idealisten verstanden. Die Folge ist eine beispiellose Renaissance der Kernenergie. Der aktuelle „Red Book-Bericht“ der OECD Nuclear Energy Agency (NEA) und der Internationalen Atomenergiebehörde zeigt, dass bei einem beschleunigten Reaktorausbau die vorhandenen Minenkapazitäten mittelfristig nicht ausreichen würden, um die Nachfrage zu decken. Zu wenige Investitionen in Bergbauprojekte über Jahrzehnte führten zu einem Angebotsdefizit, während geopolitische Risiken und gravierende Produktionsengpässe beim weltgrößten Produzenten Kazatomprom die Situation zusätzlich verschärfen. In der Folge geraten die etablierten Akteure der nuklearen Wertschöpfungskette unter Zugzwang. Investoren nutzen das für Investments in sicheren Jurisdiktionen.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
AMERICAN ATOMICS INC | CA0240301089 | CSE: NUKE , CAMECO CORP. | CA13321L1085 , AMAZON.COM INC. DL-_01 | US0231351067
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Amazon setzt auf Nuklearstrom für Rechenzentren
Handels- und Tech-Gigant Amazon setzt längst nicht mehr nur auf Emissionszertifikate, sondern investiert gezielt in Nuklearstrom für seine Rechenzentren. Der Hyperscaler erwarb einen 960 MW fassenden Rechenzentrumscampus direkt am Kernkraftwerk Susquehanna für 650 Mio. USD. Im Frühjahr 2024 erhielt AWS eine Genehmigung für ein 15-Gebäude-Campus auf rund 650 Hektar rund um den Standort Susquehanna. Der Infrastrukturausbau belastet Amazons Cashflow erheblich: Der freie Cashflow fiel 2025 auf 11,2 Mrd. USD, da Amazon insgesamt 128,3 Mrd. USD an Kapitalinvestitionen tätigte. Im ersten Quartal 2026 erzielte der Konzern einen Umsatz von 181,5 Mrd. USD, das waren 17 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2025 wies Amazon einen Nettogewinn von 77,7 Mrd. USD aus. An den Märkten verzeichnete die Aktie zuletzt eine kleine Korrektur.
Cameco: Uran-Gigant profitiert von langfristigen Lieferverträgen
Cameco agiert als vertikal integrierter Uranförderer, dessen Erlösströme sich auf die Uranförderung, Veredelungs- und Konversionsdienstleistungen sowie Reaktorwartungen durch die Beteiligung Westinghouse Electric Company verteilen. Der Konzern stützt seine Marktführerschaft auf die hohen Erzgehalte seiner Kernminen im kanadischen Athabasca-Becken. Die nachgewiesenen Reserven der Mine Cigar Lake umfassten 2024 118,4 Mio. Pfund Uran (U3O8) bei einem Gehalt von 16,68 %. Das Unternehmen verfügt über feste Abnahme-Commitments über durchschnittlich 28 Mio. Pfund Uran pro Jahr bis zum Jahr 2030. 2025 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 3.482 Mrd. CAD sowie einen Nettogewinn von 590 Mio. CAD. Auch die Aktie von Cameco konsolidierte zuletzt ein wenig.
American Atomics: Rocks-to-Reactor-Strategie setzt auf HALEU-Brennstoffe
Die kanadische Gesellschaft American Atomics verfolgt eine weitreichende „Rocks-to-Reactor-Strategie“, bei der die eigene Exploration im US-Uravan-Gürtel über ein Joint Venture direkt in den Aufbau inländischer Konversionskapazitäten für Spezialtreibstoffe wie HALEU münden soll. Das Unternehmen erwarb im April dieses Jahres eine 100%ige Beteiligung am Projekt Blue Streak in Colorado. Laut dem im Mai 2026 abgeschlossenen NI 43-101-Bericht umfassen die Ressourcen des Blue Streak Main Area 29.000 Short Tons bei einem Gehalt von 0,189 % U3O8, entsprechend rund 109.700 Pfund U3O8.

Uranmühle im Genehmigungsprozess
Das Unternehmen generiert im gegenwärtigen Explorationsstadium noch keine operativen Umsatzerlöse – das hat das Unternehmen mit vielen Explorationsgesellschaften gemein. Anleger sollten bei American Atomics daher den Fokus auf die langfristige Perspektive legen. Mit der gemeinsam mit CVMR geplanten Uranmühle könnte sich American Atomics einen großen Anteil am künftigen US-Markt für nukleare Brennstoffe sichern. Aktuell befindet sich die Verarbeitungsanlage noch im Genehmigungsprozess. Da inländische Rohstoffquellen allerdings gefragt sind und die US-Regierung alles tut, um unabhängig zu werden, stehen derartige Genehmigungsverfahren unter einem guten Stern. Angesichts des Booms bei Rechenzentren und des Angebotsdefizits bei Uran wäre eine derartige Marktposition für American Atomics Gold wert. Die kommenden Monate werden jedoch zeigen müssen, welche Fortschritte das Unternehmen auf diesem Weg machen kann. Rückenwind vonseiten renommierter Analysten besteht – die Chancen für American Atomics stehen also nicht schlecht. Das gilt umso mehr, da Markt bei einer Marktkapitalisierung von nur rund 15 Mio. CAD noch kaum Vorschusslorbeeren verteilt hat.
Fazit: Angebotsdefizit bietet Potenzial bei Juniors wie American Atomics
Marktberichte des Analysehauses Sprott betonen, dass jahrelanges Under-Contracting bei Energieversorgern für enorme Deckungslücken gesorgt hat. Das habe den Spotpreis wieder über die Marke von 100 USD/lb getrieben. Eine Analyse von Deloitte aus 2025 schätzt, dass neue Kernkraftkapazitäten bis 2035 rund 10 % des Anstiegs der Stromnachfrage von Rechenzentren decken könnten. Während Cameco als solides Basis-Investment agiert, bietet American Atomics den größten Hebel für alle, die spekulativ denken. Gelingen dem Management-Team von American Atomics Fortschritte, dürfte das den gering bewerteten Junior zu einem Übernahmeziel machen. Aktuell ist die Aktie spekulativ, aber ebenso chancenreich. Da die Aktie noch im vergangenen Herbst um ein Vielfaches höher notierte und seit dem Jahreswechsel in einem Seitwärtstrend verharrt, kann jede positive Unternehmensmeldung eine Neubewertung einleiten.
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