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14.07.2026 | 05:20

Eskalation in der Straße von Hormus: Occidental, Volatus Aerospace und Palantir im Fadenkreuz der Börsianer

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Bildquelle: Pixabay

Die Hoffnung auf eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran war verfrüht: Die Friedensgespräche liegen auf Eis. Stattdessen eskaliert der Konflikt um die Straße von Hormus erneut – mit Angriffen auf Tanker, US-Sanktionen gegen iranisches Öl und Vergeltungsschlägen auf beiden Seiten. Für Anleger lohnt sich deshalb der Blick auf drei Aktien aus drei völlig unterschiedlichen Branchen, die jeweils eine andere Stufe derselben Krise abbilden: Der Öl- und Gaskonzern Occidental Petroleum als direkter Hebel auf die Energiepreise, der kanadische Drohnenspezialist Volatus Aerospace als Profiteur der wachsenden Nachfrage nach militärischer Hardware und der Softwarehersteller Palantir, der zeigt, wohin sich der eigentliche Wertzuwachs im Zeitalter der KI-gestützten Kriegsführung verschiebt.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: OCCIDENTAL PET. DL-_20 | US6745991058 , VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , PALANTIR TECHNOLOGIES INC | US69608A1088

Inhaltsverzeichnis:


    STUFE 1 – DER ROHSTOFF: OCCIDENTAL PETROLEUM

    Ganz am Anfang der Kette steht Öl. Der Preis kannte nach dem Ausbruch des Iran-Konflikts kein Halten mehr, hat sich inzwischen aber wieder weit von der 100 USD-Marke entfernt. Dauern die Kampfhandlungen an, könnte das schwarze Gold wieder knapp und damit teurer werden. Ein direkter Profiteur wäre Occidental Petroleum. Das Unternehmen ist im Kern ein klassischer Öl- und Gasförderer mit Schwerpunkt im Permian Basin, dem produktivsten Fördergebiet der USA, das sich vom westlichen Texas bis in den Südosten von New Mexico erstreckt. Hinzu kommen Offshore-Aktivitäten im Golf von Amerika, die Chemiesparte OxyChem (Grundstoffe wie Chlor und Soda für die Industrie) sowie 1PointFive, ein wachsendes Standbein für CO2-Abscheidung (Direct Air Capture), das langfristig auch als Dienstleistung für andere Industrien vermarktet werden soll. Kerngeschäft bleibt aber die Förderung: Steigt der Ölpreis, steigt der Gewinn nahezu 1:1 mit – genau diese Korrelation macht die Aktie in Konfliktphasen gefragt.

    Berkshire Hathaway, die von Börsenikone Warren Buffett seit 1965 kontrollierte Beteiligungsgesellschaft, ist seit der schuldenfinanzierten Übernahme von Anadarko Petroleum 2019 engagiert und hat seitdem sukzessive Aktien zugekauft. Inzwischen ist Berkshire mit mehr als 26 % größter Einzelaktionär. Buffett schätzt an Occidental vor allem die Kombination aus einem leicht verständlichen, wenn auch kapitalintensiven Geschäft, den vergleichsweise niedrigen Förderkosten im Permian Basin und der disziplinierten Kapitalallokation der ehemaligen Vorstandschefin Vicki Hollub, die nach der Anadarko-Übernahme konsequent Schulden abgebaut und Randbereiche verkauft hat. Da Hollub kürzlich in den Ruhestand getreten ist, liegt es nun an ihrem Nachfolger Richard Jackson, die erfolgreiche Strategie fortzuführen. Da er bereits zuvor für das operative Geschäft verantwortlich war, sollte das kein Problem sein. Buffetts Einstieg gilt am Markt bis heute als eine Art Gütesiegel für das Geschäftsmodell, was sich auch in der Bewertung widerspiegelt. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 13 für 2027 ist die Aktie im Vergleich zu europäischen Konkurrenten wie Shell oder Totalenergies kein Schnäppchen, liegt aber etwa auf dem Niveau der großen US-Wettbewerber wie ExxonMobil und Chevron.

    STUFE 2 – DIE HARDWARE: VOLATUS AEROSPACE

    Die zweite Branche, die wegen der Auseinandersetzung wieder beflügelt werden könnte, ist militärische Hardware – konkret: Drohnen, die neue Schlüsseltechnologie in der modernen Kriegsführung. Hier positioniert sich Volatus Aerospace zunehmend als einer der interessantesten Namen abseits der bekannten Rüstungsschwergewichte. Das kanadische Unternehmen, ursprünglich ein reiner Drohnen- und Flugdienstleister, verschiebt sein Geschäftsmodell konsequent in Richtung Verteidigung und Künstliche Intelligenz. Erst in der vergangenen Woche erhielt das Unternehmen als eines der ersten in Kanada eine Zulassung von Transport Canada für sein Canary-Fluggerät unter dem neuen „Pre-Validated Declaration“-Verfahren. Die Canary ist damit das erste ferngesteuerte Luftfahrzeugsystem (Remotely Piloted Aircraft System oder kurz RPAS), das die Sicherheitsanforderungen für Flüge außerhalb der Sichtweite in besiedelten Gebieten rein über bordeigene Kollisionsvermeidung erfüllt. Aktuell präsentiert Volatus sein Portfolio aus autonomen Systemen, Drohnenabwehr (SKYDRA) und der neuen KI-Steuerungseinheit V-CORTEX auf der MASS 2026 in St. John's, einer Verteidigungs- und Sicherheitskonferenz mit Fokus auf den maritimen und arktischen Raum, die noch bis zum 16. Juli läuft.

    Strategisch fügt sich das in ein größeres Bild: Kanadas neue Beschaffungsstrategie will künftig 70 % der Rüstungsaufträge an heimische Firmen vergeben, Volatus hat bereits Trainingsverträge im NATO-Umfeld an Land gezogen und wurde für die nächste Phase des US-amerikanischen „Drone Dominance Program“ ausgewählt, das eine westliche Lieferkette für Hunderttausende Droheneinheiten aufbauen soll. Da Volatus überwiegend in Kanada fertigt, profitiert das Unternehmen zudem von den verschärften Herkunftsvorgaben für Bauteile, die viele Konkurrenten mit Zulieferungen aus sanktionierten Staaten ausbremsen. Die aktuelle Nahost-Eskalation dürfte diese ohnehin schon laufende Nachfragewelle zusätzlich befeuern. Die Aktie gilt mit einem Kurs von 0,57 CAD (in Deutschland aktuell 0,35 EUR) und einem Börsenwert von etwas über 400 Mio. CAD noch als weitgehend unentdeckt, allerdings beschäftigen sich auch bereits einige Analystenhäuser mit dem Wert. Die Kursziele liegen zwischen 0,95 und 1,25 CAD, was deutliches Aufwärtspotenzial impliziert, wenn die Erwartungen der Analysten erfüllt werden. Zuletzt hat das Management um CEO Glen Lynch zuverlässig geliefert.

    STUFE 3 – DIE SOFTWARE: PALANTIR TECHNOLOGIES

    Die dritte Branche, die wieder in den Fokus der Börsianer rücken könnte, ist Überwachungssoftware und Datenanalyse, was sich am besten mit der Aktie von Palantir abbilden lässt. Das nach zwei Umzügen mittlerweile in Florida ansässige Unternehmen steht genau dort, wo Volatus mit V-CORTEX hinwill. Im Kern verkauft Palantir Plattformen, die riesige, oft über viele Systeme verstreute Datenmengen zusammenführen und auswertbar machen: Gotham richtet sich an Geheimdienste, Militär und Sicherheitsbehörden, Foundry adressiert Industrieunternehmen, und mit AIP werden KI-Modelle direkt in bestehende Arbeitsabläufe und Entscheidungsprozesse eingebettet, statt nur als Chatbot danebenzustehen. Kunden binden sich dabei oft über Jahre an die firmeneigene „Ontologie“ – die Datenstruktur, in der die gesamten Prozesse abgebildet werden –, was für sehr hohe Wechselkosten und entsprechend robustes Wachstum sorgt.

    Genau diese Nähe zu Geheimdiensten und Militär – Palantir wurde 2003 mit Frühfinanzierung durch die CIA-Beteiligungsgesellschaft In-Q-Tel gegründet – ist zugleich ein Grund, warum das Unternehmen als unheimlich empfunden wird. Kritiker verweisen auf die Rolle der Software bei Zielidentifikation, Grenzüberwachung und Abschiebe-Einsätzen sowie auf die grundsätzliche Intransparenz der Systeme, die Bürgerrechtler als Blaupause für einen Überwachungsstaat fürchten. Diese Ambivalenz begleitet die Aktie seit dem Börsengang: Die einen sehen den unverzichtbaren Infrastruktur-Anbieter für die KI-gestützte Verteidigung des Westens, die anderen ein Unternehmen mit zu viel Zugriff auf sensible Daten. Der Hype um die Aktie, der den Kurs zeitweise über die Marke von 200 USD trieb, hat sich seit dem Jahreswechsel gelegt – Folge der hohen Bewertung. Selbst zum aktuellen Kurs von rund 127 USD (an deutschen Handelsplätzen 111 EUR) ergibt sich ein ambitioniertes 2027er-KGV von über 60. Allerdings wächst das Unternehmen rasant: Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 85 % auf 1,63 Mrd. USD, das operative Ergebnis vervielfachte sich von 176 auf 754 Mio. USD. Zudem hat das Management um Vorstandschef Alex Karp die Wachstumsprognose fürs Gesamtjahr von 61 auf 71 % angehoben. Gut möglich, dass die Konsolidierungsphase mit den nächsten Quartalszahlen am 10. August endet, falls sich gleichzeitig abzeichnet, dass die Spannungen im Nahen Osten nicht abnehmen.

    DREI BRANCHEN, DREI REAKTIONSMUSTER AUF DEN KONFLIKT

    Öl reagiert direkt und kurzfristig, Rüstungshardware wie bei Volatus mit strukturellem Rückenwind und Nachholpotenzial. KI-getriebene Software wie bei Palantir zeigt, wohin sich der Wert langfristig verschiebt – unabhängig vom Tagesgeschehen an der Front. Auf Basis der Einzelwerte ergibt sich folgendes Bild: Für Occidental Petroleum rechnet der Analystenkonsens für die nächsten Jahre mit einer Stagnation bei Umsatz und Gewinn, was sich durch anhaltend hohe Ölpreise fundamental ändern könnte. Für Volatus Aerospace wird fürs nächste Jahr ein Umsatzwachstum von 50 % erwartet, der Unsicherheitsfaktor ist der Zeitpunkt des Break-even. Dafür ist die Bewertung im Vergleich zu anderen Drohnenspezialisten erstaunlich günstig, zumal sich das Geschäftsmodell immer weiter in Richtung Software und KI verschiebt. Palantir wächst dank des wenig kapitalintensiven Geschäftsmodells am schnellsten, hat im Vergleich des Trios aber auch mit Abstand die höchste Bewertung.


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    Der Autor

    Jens Castner

    Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.

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