09.06.2026 | 05:30
Neue Ära der Kriegsführung: Rheinmetall, Volatus Aerospace und Lockheed Martin treiben unbemannte autonome Systeme voran
Panzerdivisionen verlieren ihre Vormachtstellung. Autonome Drohnenschwärme und KI-gesteuerte Systeme definieren die Kriegsführung neu. Das zeigt der Ukraine-Krieg eindrücklich. Milliarden fließen nun in unbemannte Technologien, während alte Doktrinen zerfallen. Wer früh die richtigen Positionen besetzt, kann von diesem historischen Strukturbruch überproportional profitieren. Drei Unternehmen aus unterschiedlichen Marktsegmenten verkörpern diese Transformation: Der europäische Auftragsprofi Rheinmetall, der agile Drohnen-Spezialist Volatus Aerospace und der globale Autonomie-Pionier Lockheed Martin.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
RHEINMETALL AG | DE0007030009 , VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , LOCKHEED MARTIN DL 1 | US5398301094
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Rheinmetall - autonome Systeme als neues Standbein
Rheinmetall treibt die Entwicklung unbemannter Luftfahrzeuge massiv voran. Die FV-014, eine autonom operierende Kamikazedrohne mit 100 km Reichweite, erhielt im April einen Milliardenrahmenvertrag der Bundeswehr. Die Serienproduktion läuft noch dieses Jahr an. Parallel dazu fliegt die Aufklärungsdrohne LUNA NG bereits seit Monaten in der Ukraine und sammelt dort Kampferfahrung. Mit der Softwareplattform Auterion will der Konzern ein einheitliches Betriebssystem für Drohnen verschiedener Hersteller etablieren. Hinzu kommen die satellitengestützte Radaraufklärung vom Niederrhein sowie neue Partner wie Anduril für europäische Drohnenprojekte. Rheinmetall versteht sich zunehmend als Systemhaus für autonome Luft-, Land- und Weltraumoperationen.
Der Konzern verabschiedet sich endgültig vom Autozuliefergeschäft: Die Sparte Power Systems geht für 350 Mio. EUR an die Münchner Industrieholding Aequita. Der Abschluss soll Ende 2026 erfolgen. 6.200 Arbeitsplätze wechseln den Besitzer. Kurz zuvor hatte Rumänien ein 5,7 Mrd. EUR schweres Paket bestellt, darunter 298 Lynx-Schützenpanzer, Skyranger-Flugabwehr und Marineschiffe. Die Produktion soll mehrheitlich vor Ort erfolgen, die ersten Lieferungen sind für 2028 geplant. Parallel investiert die US-Tochter 41 Mio. USD in 6 Werke, um Kapazitäten für amerikanische Programme wie das XM30-Kampffahrzeug zu schaffen. Eine Anleihe über 500 Mio. EUR mit 3,375 % Kupon war mehrfach überzeichnet.
Im 1. Quartal stieg der Umsatz nur um 8 % auf 1,94 Mrd. EUR und verfehlte die Markterwartungen deutlich. Der operative Gewinn legte immerhin um 17 % zu, die Marge verbesserte sich auf 11,6 %. Der freie Cashflow drehte wegen hoher Lagerbestände auf minus 285 Mio. EUR. Das ist die Kehrseite eines prall gefüllten Auftragsbuchs. Der Auftragsbestand wuchs auf 73 Mrd. EUR, ein Plus von 31 %. Die Jahresprognose von 14 - 14,5 Mrd. EUR Umsatz bei rund 19 % Marge bekräftigt das Management. Die Kunst wird sein, die volle Pipeline zügig in liquide Mittel zu verwandeln, ohne an geopolitischen Hoffnungsschimmern zu zerbrechen. Derzeit ist die Aktie für 1.212,40 EUR zu haben.
Volatus Aerospace - vom Pipeline-Inspektor zum Rüstungslieferanten
Wer in der Drohnenbranche nur auf Hardware schaut, übersieht das eigentliche Problem. Viele Firmen können Fluggeräte bauen, aber kaum eine betreibt sie zuverlässig im kommerziellen Maßstab. Genau hier hat sich Volatus positioniert mit 28 bemannten Flugzeugen, über 100 Drohnen und jährlich 1,7 Mio. km Pipeline-Überwachung. Diese operative Basis liefert wiederkehrende Umsätze und praktische Erfahrung, die reine Entwickler nicht haben. Im Jahr 2025 lag der Umsatz bei rund 34 Mio. CAD, ein Plus von 26 %. Jetzt verstärkt sich das Board of Directors mit Catherine Loubier, einer ehemaligen Senior Advisor eines kanadischen Premiers. Sie bringt exzellente Kanada-US-Netzwerke mit und vertritt Investissement Québec. Das ist ein Signal für wachsende institutionelle Unterstützung. Am 5. Juni schloss das Unternehmen eine Bought-Deal-Finanzierung ab, die 34,5 Mio. CAD in die Kassen spült. Die neuen Aktien wurden zu 0,65 CAD ausgegeben.
Die frisch unterzeichnete Absichtserklärung mit dem UCan Brave Tech Centre, einer kanadisch-ukrainischen Organisation für Verteidigungsinnovation, ist kein Papiertiger. Ziel ist es, in der Ukraine erprobte Verteidigungstechnologien, von C-UAS bis zu Aufklärungssystemen, nach Kanada zu holen, zu validieren und zu skalieren. Volatus stellt seine Fertigung in Mirabel, die für etwa 250 Mio. CAD Jahresumsatz ausgelegt ist, und seine Integrationskompetenz zur Verfügung. Das ist ein erster Baustein für eine transatlantische Allianz. Wer Zugang zu echter Kampferfahrung bekommt, ohne selbst im Krieg zu sein, hat einen strategischen Vorteil. Die Frage ist nur, wie schnell sich daraus feste Aufträge ableiten lassen.
Die Teilnahme an Phase II des amerikanischen Drone Dominance Program mit einem Gesamtvolumen von 1,1 Mrd. USD ist ebenfalls spannend. Volatus ist für den Bereich „Long Range Strike“ mit einer Einweg-Angriffsdrohne qualifiziert. In dieser Runde werden Aufträge über mindestens 300 Mio. USD für 30.000 Systeme vergeben. Die Fixpreise liegen bei 4.500 USD pro Langstreckengerät. Der Wettbewerb läuft über praktische Flugtests. Wer hier besteht, sichert sich Aufträge von bis zu 8.000 Einheiten. Die strengen Lieferkettenregeln, keine Komponenten aus nicht verbündeten Staaten zu nutzen, spielen Volatus mit seiner kanadisch-europäischen Basis in die Karten. Ob man einen Zuschlag erhält, wird sich im Sommer bei den Gauntlet-Tests zeigen. Aktuell notiert die Aktie bei 0,66 CAD.
Lockheed Martin - Autonomie, Aufträge, Kapazitäten
Lockheed Martin treibt die Entwicklung unbemannter, KI-gestützter Plattformen voran. Das ist ein strategischer Hebel, den Investoren nicht übersehen sollten. Mit der Multi-Domain Combat Control (MDCX)-Software können Operatoren Drohnenschwärme aus einer Hand steuern und das herstellerübergreifend. Die legendäre Skunk Works-Einheit testet autonome Luftkämpfe auf der X-62A VISTA und integrierte KI bereits ins F-35-Cockpit. Hinzu kommen die Nomad-Drohnenfamilie von Sikorsky sowie bodenbasierte autonome HIMARS-Varianten. Diese Technologien adressieren den wachsenden Bedarf an verteidigungsfähigen, personalsparenden Systemen. Das ist ein Zukunftsmarkt, der Lockheed vom reinen Hardwarelieferanten zum Software- und Datenanbieter wandeln könnte.
Anfang Juni sicherte sich Lockheed einen milliardenschweren Auftrag. Kanada beschafft 26 HIMARS-Raketenwerfer im Wert von umgerechnet rund 2,6 Mrd. USD. Das Paket umfasst Munition sowie ein zehnjähriges Industrieförderprogramm für heimische Zulieferer. Die Bestellung reiht sich ein in eine Welle von NATO-Partnern, die ihre Artillerie modernisieren. Der Ukraine-Krieg hat den Wert mobiler Präzisionssysteme drastisch vor Augen geführt. Für Lockheed bedeutet dies eine weitere Auslastung der Produktionslinien für GMLRS und Precision Strike Missiles. Das Segment Missiles & Fire Control bleibt damit ein verlässlicher Treiber des Geschäfts.
Ebenfalls Anfang Juni demonstrierte Lockheed eine erfolgreiche Abfangjagd gegen eine Angriffsdrohne. Das System kombinierte Fortem-Radare mit einem GRIZZLY-Launcher und einer JAGM-Lenkwaffe. Solche Fähigkeiten sind gefragt, seit Drohnen in Nahost- und Ukrainekonflikten eine Hauptrolle spielen. Parallel dazu erweitert der Konzern seine Produktionskapazitäten. In Alabama entsteht eine rund 8.000 m² große Fabrik für THAAD-Abfangjäger und den Next Generation Interceptor. Die Investition ist Teil eines 9 Mrd. USD Programms bis 2030, was auf die anhaltend hohe Nachfrage zurückzuführen ist. Momentan kostet eine Aktie 523,76 USD.
Die neue Ära der Kriegsführung gehört autonomen Systemen. Rheinmetall baut mit Kamikazedrohnen und einer Softwareplattform sein Rüstungs-Ökosystem aus, kämpft aber mit negativem Cashflow. Volatus Aerospace will Kampferfahrung aus der Ukraine in skalierbare Serienprodukte überführen und ist für milliardenschwere US-Drohnenprogramme qualifiziert. Lockheed Martin verbindet KI-gesteuerte Schwarmtechnologie mit milliardenschweren HIMARS-Aufträgen und erweitert massiv seine Produktionskapazitäten. Wer wie diese drei Unternehmen früh auf unbemannte Systeme, operative Exzellenz und Softwareintegration setzt, positioniert sich für den profitabelsten Rüstungszyklus seit dem Kalten Krieg.
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