21.07.2026 | 05:30
Chinas Wolfram-Würgegriff bröckelt – Almonty Industries befreit die Rüstung, während RENK und Boeing die Milliarden-Aufträge einsacken
Der Ukraine- und Iran-Krieg haben die Achillesferse der westlichen Technologie- und Sicherheitsarchitektur offengelegt. Ohne das feuerfeste Wolfram bleiben die fortschrittlichsten Kampfjets am Boden und die präzisesten Lenkwaffen unbrauchbar. Während die Kampfhandlungen die Bestände dezimieren, hat sich China faktisch das Monopol über den gesamten Kreislauf, von der Mine bis zum Hochleistungsbauteil, gesichert. Diese doppelte Zange aus kriegsbedingtem Nachfragesog und Pekings Angebotsmacht verwandelt den kritischen Werkstoff in ein strategisches Machtinstrument. Auf der anderen Seite sorgen diese Spannungen für einen Boom in der Rüstungsindustrie. Wir sehen uns die aktuelle Situation von Almonty Industries, der RENK Group und Boeing genau an.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , RENK Group AG | DE000RENK730 , BOEING CO. DL 5 | US0970231058
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Almonty Industries - die Neubewertung eines kritischen Rohstoffproduzenten
Die Wolframmärkte erleben derzeit eine bemerkenswerte Transformation, und Almonty Industries positioniert sich als einer der Hauptprofiteure dieser Entwicklung. Das jüngste operationale Momentum des Unternehmens untermauert diese These eindrucksvoll. Die Inbetriebnahme der Verarbeitungsanlage in der Sangdong-Mine Anfang Juli markiert den Übergang von der Entwicklungs- in die produktive Phase in Südkorea. Es war ein entscheidender Schritt, der das Unternehmen näher an die volle kommerzielle Produktion bringt. Mit einem bestehenden Erzvorrat von rund 140.000 t und einem aktuellen Marktpreisumfeld, das als historisch günstig bezeichnet werden kann, verfügt Almonty über eine solide Ausgangsbasis für die Umsatzgenerierung im 3. Quartal 2026.
Die strategische Bedeutung von Almonty wird durch die jüngste Vertragsausweitung mit Global Tungsten & Powders unterstrichen. Die Verlängerung der Abnahmevereinbarung von 15 auf 21 Jahre bei gleichzeitiger Erhöhung des Gesamtvolumens um 40 % und verbesserten Konditionen zeigt das Vertrauen der Abnehmer in die langfristige Lieferfähigkeit des Unternehmens. Diese Vereinbarung, kombiniert mit der Aufnahme in die Russell-Indizes Ende Juni, verbessert die Sichtbarkeit bei institutionellen Anlegern. Gleichzeitig wird sich das Unternehmen freiwillig von der TSX zurückziehen, womit der Mittelpunkt endgültig in die USA rückt. Die Analysten bewerten die gestärkte Bilanz nach der jüngsten Kapitalmaßnahme positiv, was sich in den angehobenen Kurszielen widerspiegelt.
Die Analystenhäuser Cantor Fitzgerald und D.A. Davidson haben ihre Bewertungen für Almonty zuletzt nach oben korrigiert. Cantor Fitzgerald sieht bei einem Kursziel von 25,50 USD weiterhin Kaufpotenzial und betont die strategische Bedeutung des Unternehmens als zuverlässigen Lieferanten außerhalb Chinas. Noch optimistischer zeigt sich D.A. Davidson mit einem Kursziel von 33 USD, das auf angehobenen Ertragsschätzungen basiert. Die Analysten heben die positive Entwicklung der Sangdong-Mine, die erwartete Einbindung der US-Regierung und die robuste Bilanz mit rund 850 Millionen USD Barmitteln hervor. Sollten die aktuellen Wolframpreise auf hohem Niveau verharren, sehen beide Häuser weiteres Aufwärtspotenzial für die Aktie. Aktuell notiert die Aktie bei 13,77 USD.
RENK Group – mit Rekordhalbjahr
Der anhaltende Rüstungsboom beschert RENK ein operatives Rekordhalbjahr. Der Augsburger Antriebsspezialist verzeichnet einen Auftragsbestand von annähernd 7 Mrd. EUR, womit der Großteil der erwarteten Erträge der kommenden Jahre bereits gesichert ist. Das erste Halbjahr 2026 lief exakt nach Plan. Das bereinigte EBIT wuchs erneut deutlich überproportional zum Umsatz, angetrieben durch das Segment Vehicle Mobility Solutions. Großaufträge für Programme wie den Puma und der Rahmenvertrag für das Lynx-Programm untermauern die ungebrochene Nachfrage. Das Management bekräftigt daher selbstbewusst die Jahresprognose und visiert das obere Ende der Ergebnisbandbreite an.
Mit der Übernahme von David Brown Defence vollzieht RENK einen strategischen Brückenschlag ins Marinegeschäft. Das britische Traditionsunternehmen öffnet den Zugang zu langfristigen Beschaffungsprogrammen der Five-Eyes-Staaten, darunter die Global-Combat-Ship-Fregatten und hochspezialisierte U-Boot-Antriebe. Diese Technologie, die bisher nicht zum Portfolio gehörte, sichert eine Auftragspipeline von über 700 Mio. Pfund bis 2030. RENK diversifiziert damit sein Risiko, erschließt margenstarke Aftermarket-Potenziale und festigt seine internationale Marktführerschaft bei Verteidigungsgetrieben, ohne sich von konjunkturellen Schwankungen im zivilen Bereich abhängig zu machen.
Trotz des beeindruckenden Auftragsschubs bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen. Das gebundene Working Capital liegt oberhalb von 27 % des Umsatzes im letzten Jahr. Das ist ein klarer Hinweis auf geringere operative Effizienz im Vergleich zu etablierten Wettbewerbern. Die Kapitalrendite bewegt sich nur im unteren einstelligen Bereich, was die überzogenen Bewertungshoffnungen der jüngeren Vergangenheit relativiert. Um die hohen Erwartungen nachhaltig zu bedienen, muss RENK die Kapitalbindung senken und die Skalierungseffekte in der Fertigung besser nutzen. Der Halbjahresbericht am 6. August wird erstmals Aufschluss über konkrete Fortschritte geben. Derzeit ist die Aktie für 43,33 EUR zu haben.
Boeing-Produktionswende und milliardenschwere Perspektiven
Boeing darf künftig wieder eigenständig über die Flugtüchtigkeit seiner 737 MAX und 787 Dreamliner entscheiden. Nach den Sicherheitsturbulenzen der letzten Jahre ist das ein echter Meilenstein für den Konzern. Zuvor, seit September 2025, liefen die Prüfungen noch im wöchentlichen Wechsel zwischen Behörde und Hersteller. Die Rückkehr zur Selbstzertifizierung beschleunigt nicht nur den Auslieferungsprozess, sondern senkt auch die Kosten. Hinzu kommt die Inbetriebnahme einer vierten Endmontagelinie in Everett, die die Produktionskapazität für die 737 MAX deutlich erhöht. Die FAA hob zudem die Obergrenze für die MAX-Produktion auf 47 Maschinen monatlich an, mit Perspektive auf 52 Einheiten.
Die langfristigen Perspektiven für Boeing bleiben intakt. Der Konzern prognostiziert bis 2045 einen Bedarf von fast 44.000 neuen Verkehrsflugzeugen, getrieben durch das Passagierwachstum von jährlich 4 %. Gleichzeitig zeigt sich das Interesse großer Leasinggeber wie AerCap an zusätzlichen Dreamlinern, was das Widebody-Orderbuch stärken würde. Im Rüstungssegment profitiert Boeing massiv von steigenden Verteidigungsausgaben. Die Produktion der PAC-3-Lenkflugkörper wurde um 30 % gesteigert, weitere Erhöhungen sind geplant. Die globale Aufrüstung und der Bedarf an modernen Kampfflugzeugen eröffnen dem Konzern zusätzliche Ertragsquellen.
Die operative Erholung zeigt sich in den Auslieferungszahlen: 314 Verkehrsflugzeuge im ersten Halbjahr 2026 bedeuten das beste Ergebnis seit 2018. Der entscheidende Hebel für die Bilanz ist der Produktionshochlauf. Bei einer Ausweitung auf über 60 Maschinen monatlich kann Boeing die Fixkosten auf eine größere Stückzahl verteilen, die operative Marge dürfte deutlich steigen. Analysten sehen bei nachhaltiger Umsetzung der Produktionsziele weiteres Kurspotenzial. Der Schuldenberg von ca. 43 Mrd. USD lässt sich durch steigende Auslieferungen und den daraus resultierenden Cashflow schrittweise abbauen. Momentan kostet die Aktie 214,03 USD.
Die anlaufende Wolframproduktion in Sangdong schwächt Chinas strategische Zange, während westliche Rüstungskonzerne davon profitieren. Almonty Industries durchbricht mit der Sangdong-Mine das chinesische Monopol und wird von Analysten mit deutlichem Aufschlag bewertet. RENK sichert sich mit Rekordaufträgen die Zukunft, kämpft aber mit operativer Kapitalbindung. Boeing kehrt nach der Krise zur Selbstzertifizierung zurück und erhöht die Produktion, während der Schuldenabbau voranschreitet. Die globalen Verteidigungsausgaben und der Hunger nach kritischen Rohstoffen bleiben der entscheidende Treiber für diese Sonderbewertungen.
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