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28.11.2022 | 05:10

SynBiotic SE, Cardiol Therapeutics, Canopy Growth – Wie ein Sechser im Lotto

  • Cannabis
  • CBD
  • Biotech
Bildquelle: pixabay.com

Der finale Entwurf zum Eckpunktepapier der Bundesregierung in Bezug auf die Legalisierung von Cannabis in Deutschland steht, eine endgültige Absegnung dürfte nur noch eine reine Formalie darstellen. Für die betroffenen Unternehmen ist dies der Jackpot. Überhaupt soll der globale Cannabismarkt zwischen 2022 und 2027 um jährlich 13,9% auf 64,91 Mrd. USD wachsen. Entsprechende Gewinnsteigerungen sind jedoch am Aktienmarkt noch nicht im Geringsten angekommen. So notieren Unternehmen teilweise unter Cash, andere verloren in der seit 2019 laufenden Korrektur mehr als 90% ihres Wertes.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: CARDIOL THERAPEUTICS | CA14161Y2006 , CANOPY GROWTH | CA1380351009 , SynBiotic SE | DE000A3E5A59

Inhaltsverzeichnis:


    Cardiol Therapeutics – Übertriebene Korrektur

    Der Strategiewechsel der Notenbanken von ultralockerer zu einer strikteren Geldpolitik Anfang des Jahres war der Startschuss für eine breit angelegte Korrektur bei kapitalintensiven Wachstumswerten. Besonders scharf fiel diese im Biotechnologiesektor aus, der NASDAQ Biotech-Index verlor in der Spitze mehr als 40%. Hart traf es dabei vor allem Werte aus der zweiten Reihe. Im Fall des NASDAQ-Titels Cardiol Therapeutics, die Aktie ging seit Mitte Oktober knapp 88% in die Knie, dürfte man jedoch von einer Übertreibung sprechen. So liegt die aktuelle Marktkapitalisierung bei 45,18 Mio. CAD, allein der Cash-Bestand beträgt jedoch weit über 50,00 Mio. CAD. Zudem benötigt das Unternehmen für die Forschung und Entwicklung ihres Blockbuster-Kandidaten CardiolRX zur Behandlung akuter Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bis 2026 keinerlei Fremdmittel. Das Analystenhaus Cantor Fitzgerald vergab in einer jüngsten Studie das Urteil „kaufen“ mit einem Kursziel in Höhe von 5,00 CAD. Gegenüber dem derzeitigen Aktienkurs von 0,71 CAD bedeutet dies ein Aufwärtspotenzial von 600%.

    Cardiol Therapeutics ist ein plattformgestütztes Arzneimittelunternehmen, welches ein synthetisches, flüssiges Medikament auf Cannabidiol (CBD)-Basis entwickelt. Die als CardiolRX bezeichnete Formulierung wird für die Behandlung verschiedener lebensbedrohlicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen geprüft. So haben die Kanadier von der US-amerikanischen Food and Drug Administration die Genehmigung zur Durchführung klinischer Studien erhalten, um die Wirksamkeit und Sicherheit von CardiolRx bei zwei Herzkrankheiten zu untersuchen. Zum einen liegt der Fokus auf der Weiterentwicklung der ARCHER-Studie der Phase II, die zur Beurteilung von CardiolRx bei akuter Myokarditis, einer Entzündung des Herzmuskels, erforscht wurde. Akute Myokarditis gilt als Hauptursache eines plötzlichen Herztodes bei Menschen unter 35 Jahren. Die Studie, die mit renommierten internationalen Experten im Bereich Herzinsuffizienz und Myokarditis entwickelt wurde, hat die behördliche Genehmigung bereits in mehreren Ländern erhalten und soll mit 100 Patienten in großen Herzzentren in Nordamerika, Europa, Lateinamerika und Israel durchgeführt werden. Dabei könnten die Studienergebnisse, die Anfang des ersten Quartals erwartet werden, für einen deutlichen Turnaround sorgen.

    Zudem läuft eine Phase II-Pilotstudie bei rezidivierender Perikarditis, einer Entzündung des Herzbeutels. Diese wird voraussichtlich 25 Patienten in großen klinischen Zentren aufnehmen, die sich auf Perikarditis in den USA spezialisiert haben. Erste Ergebnisse dürften hier im Laufe des nächsten Jahres veröffentlicht werden. In diesem Bereich wurden kürzlich Studienergebnisse bekannt gegeben, die aufzeigen, dass pharmazeutisch hergestelltes Cannabidiol die Flüssigkeitszunahme im Herzbeutel und die Verdickung des Herzbeutels in einem präklinischen Modell der akuten Perikarditis signifikant reduziert.

    Die Ergebnisse der Behandlung der akuten Myokarditis mit und ohne CardiolRX. Quelle: Cardiol Therapeutics

    Canopy Growth – Gefallener Engel

    Aurora Cannabis, Tilray und Canopy Growth, das waren die Unternehmen, die in der ersten Welle der Cannabis-Aktien 2018 zu den Börsensternchen zählten. So lag der Höchstkurs der Canopy Growth-Aktie noch im Februar 2021 bei 56,50 USD, der Börsenwert des kanadischen Unternehmens, das sich auf die Entwicklung von medizinischem Cannabis spezialisiert hat, lag damals bei über 35 Mrd. USD. In Folge korrigierte die Aktie des Marktführers um über 93%, die aktuelle Notierung liegt bei 3,66 USD. Im zweiten Quartal konnte das Unternehmen aus Ontario seinen Nettoumsatz um 7% gegenüber dem Vorquartal auf 117,9 Mio. CAD steigern. Der Nettoverlust betrug 231,9 Mio. CAD, das bereinigte EBITDA lag bei -78,1 Mio. CAD.

    Ein wichtiger Meilenstein, der den Zugang zum lukrativen Markt in den USA weit aufstoßen dürfte, wurde mit der Ankündigung der Gründung einer neuen Holdinggesellschaft mit Sitz in den USA, Canopy USA, gesetzt. Die Gründung von Canopy USA gibt Canopy Growth die Möglichkeit, anstehende Geschäfte mit mehreren in den USA ansässigen Unternehmen abzuwickeln. Das liegt daran, dass Canopy Growth aufgrund des föderalen Verbots von Marihuana in den USA derzeit nicht in einen Marihuana-Betreiber in mehreren Bundesstaaten oder in ein Unternehmen, das Pflanzen anbaut, investieren kann, ohne gegen die Regeln der NASDAQ und der Toronto Stock Exchange zu verstoßen.

    „Unser zweites Quartal markiert einen wichtigen Wendepunkt für Canopy, indem es die Dynamik in unseren wichtigsten Geschäftsbereichen demonstriert und unseren Eintritt in den US-amerikanischen Cannabismarkt durch die Gründung von Canopy USA beschleunigt. Canopy ist ideal positioniert, um diese einmalige Gelegenheit zu nutzen und unseren Weg zur Führung auf dem nordamerikanischen Cannabismarkt zu beschleunigen", sagte David Klein, Chief Executive Officer.

    SynBiotic SE – Wie ein Lottogewinn

    A propos Canopy Growth. Wie das nach eigenen Aussagen führende europäische Cannabinoid-Unternehmen, die SynBiotic SE vermeldete, konnte Bruce Linton, einer der erfahrensten und erfolgreichsten Cannabis-Unternehmer weltweit und ehemaliger CEO von Canopy Growth, als Vorsitzender des neu geschaffenen Beratungsgremiums gewonnen werden. Darüber hinaus beteiligte sich Linton an der jüngsten Finanzierungsrunde des Unternehmens. Mit seiner Investition und der Option, weitere Anteile von bestehenden Aktionären zu erwerben, wird er einen Anteil von rund 5% an der SynBiotic SE halten.

    Neben der Finalisierung des Eckpunktepapiers durch die Bundesregierung ist dies der zweite große Wurf der vergangenen Wochen. SynBiotic SE CEO Lars Müller sagt dazu: „Das vorgestellte Eckpunktepapier und die darin geplanten Regelungen sind wie ein Lottogewinn für uns. Ich bin froh, dass sich unsere jahrzehntelange Pionierarbeit langsam auszahlt und wir die Entwicklungen glücklicherweise sehr gut antizipieren konnten. Unsere Firmenstruktur und die darin enthaltenen, auf die verschiedenen Anwendungsbereiche von Cannabis spezialisierten Unternehmen bringen uns in eine echte Poleposition. Wir sind zu beinahe allen Punkten des Entwurfs optimal positioniert und werden diese Ausgangslage nutzen, um die Legalisierung in Deutschland als führender Anbieter maßgeblich zu begleiten."

    Trotz der für die Zukunft rosigen Aussichten konnte die Aktie der Synbiotic noch wenig profitieren. So scheiterte die Aktie am Widerstandsbereich bei 16,50 EU und liegt aktuell auf der breiten Unterstützung bei 13,90 EUR. Langfristig dürfte das Papier jedoch als einer der größten Vertreter der deutschen Cannabis-Industrie von der endgültigen Freigabe von Cannabis profitieren. Das Analystenhaus Alster Research bekräftigte sein Kaufurteil mit einem Kursziel in Höhe von 40,00 EUR.


    Trotz des erwartet starken Wachstums und der wahrscheinlichen Legalisierung von Cannabis in Europa und den USA befinden sich die Unternehmen des Sektors noch immer in einer Korrektur. Cardiol Therapeutics notiert dabei deutlich unter Cash. Canopy Growth dürfte vom Gang in die USA profitieren. Für SynBiotic ist die Legalisierung in Deutschland wie ein Lottogewinn.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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