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01.10.2026 | 05:30

thyssenkrupp, Strategic Resources, Salzgitter – Stahlaktien, die vom Umbau der Branche profitieren könnten

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Bildquelle: Pixabay

Europas Stahlindustrie baut sich gerade neu auf. Seit dem 1. Juli schützt die EU ihren Stahlmarkt mit einer zollfreien Quote von 18,345 Mio. Tonnen und einem Zoll von 50 % auf alles, was darüber hinaus ins Land kommt. Ab dem 1. Oktober müssen Importeure zudem belegen, wo ihr Stahl geschmolzen und gegossen wurde. Das verschafft den Herstellern Luft, um Hochöfen durch Direktreduktionsanlagen zu ersetzen. Die brauchen allerdings hochwertiges Eisenerz in passender Qualität. Wer Stahl, Rohstoff und Umbau zusammendenkt, dem könnte die neue Lage in die Karten spielen. Wir sehen uns daher thyssenkrupp, Strategic Resources und Salzgitter genauer an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , STRATEGIC RES INC. | CA86277X4093 | TSXV: SR , SALZGITTER AG O.N. | DE0006202005

Inhaltsverzeichnis:


    thyssenkrupp – 1,2 Mrd. EUR EBITDA als Ziel für die Stahlsparte

    Am 28. September hat thyssenkrupp Steel seinen Capital Market Day abgehalten. Mittelfristig peilt die Sparte ein bereinigtes EBITDA von mindestens 1,2 Mrd. EUR an, bei einer Marge von mindestens 11 % und einem positiven Free Cashflow. Mehr als 800 Mio. EUR sollen aus eigenen Maßnahmen kommen. Der Handelsschutz, der seit Juli gilt, deckt nach Unternehmensangaben mehr als 80 % des europäischen Flachstahlmarkts ab. Das könnte den Duisburgern Luft verschaffen. Zudem strebt die Sparte weiter die Eigenständigkeit an, wobei die Essener Mutter eine Minderheitsbeteiligung behalten könnte.

    Für die Ziele spricht die Entwicklung der letzten Monate. Am 13. August legte thyssenkrupp die Zahlen zum 3. Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 vor. Der Umsatz stieg auf 8,8 Mrd. EUR, nach 8,2 Mrd. EUR im Vorjahr. Das bereinigte EBIT lag bei 183 Mio. EUR, zum Vergleich waren es im Vorjahresquartal 155 Mio. EUR. Die Restrukturierung und das Programm APEX scheinen dem Konzern auf die Sprünge zu helfen. Die Prognose für das bereinigte EBIT lautet jetzt 600 bis 900 Mio. EUR, bisher waren es 500 bis 900 Mio. EUR.

    Der Umbau läuft parallel weiter. Von den geplanten 11.000 Stellen sind bereits rund 4.000 abgebaut, und die Anteile an den Hüttenwerken Krupp Mannesmann hat man an Salzgitter verkauft. Das Warmbandwerk 4 in Duisburg hat nach dem Brandschaden den Probebetrieb wieder aufgenommen, und die Direktreduktionsanlage für einen klimafreundlicheren Stahl ist im Bau. Gelingt der Hochlauf, könnte die Sparte vom Zollschutz besonders profitieren. Dann müsste man in Duisburg nicht mehr jeden Euro zweimal umdrehen. Bis dahin bleibt der Sanierungsplan das Gerüst. Der Weg ist noch nicht zu Ende.

    Strategic Resources – Pelletwerk für die Stahlwende in Québec

    Hochöfen durch Direktreduktionsanlagen zu ersetzen, verlangt Pellets in passender Qualität. Genau daran arbeitet Strategic Resources. Am Tiefwasserhafen Port Saguenay in Québec soll ein Pelletwerk mit 4 Mio. Tonnen Jahreskapazität entstehen. Für das Projekt BlackRock besteht bereits eine Genehmigung, die bisher 1,5 Mio. Tonnen pro Jahr abdeckt. Am 26. Mai reichte Strategic Resources alle Antworten auf die Fragen des Umweltministeriums von Québec zum Antrag auf die größere Anlage ein. Das Unternehmen rechnet nach eigenen Angaben in den kommenden Monaten mit einer positiven Entscheidung. Ein langfristiger Pachtvertrag für die Industriefläche liegt vor.

    Auch in Finnland tut sich etwas. Am 29. Juni gab das Unternehmen bekannt, dass sein Magnetitkonzentrat aus dem Projekt Mustavaara für FutSteel ausgewählt wurde. Das Forschungsprojekt der Universität Oulu hat ein Volumen von 17 Mio. EUR und läuft von 2026 bis 2029, unter anderem mit dem Stahlhersteller SSAB. Getestet wird das Material in einem Programm zur wasserstoffbasierten Eisenherstellung. Strategic Resources wertet das als Bestätigung der Qualität. Zudem unterzeichnete man am 27. April eine Absichtserklärung mit Tyfast Energy, um Vanadiumoxid in Batteriequalität aus kanadischem Erz zu prüfen. So engagiert sich das Unternehmen gleich in zwei Zukunftsmärkten.

    Zur Finanzierung liegen bereits Eckpunkte vor. Die Baukosten für das Pelletwerk werden nach Unternehmensangaben auf 470 Mio. USD geschätzt, zwei Drittel davon sollen über Fremdkapital laufen, ein Drittel über Eigenkapital. Société Générale ist als führende Bank an Bord, und mit Orion Mine Finance ist ein erfahrener Investor unter den Aktionären. Vor Ort besteht mit der Cree Nation Government eine Nutzenvereinbarung für die gesamte Projektlaufzeit, dazu kommen Entwicklungsabkommen mit drei Gemeinschaften der Innu. Gelingt der Abschluss der Finanzierung, könnte der Bau richtig Fahrt aufnehmen. Der Baubeginn soll dann im Jahr 2027 erfolgen.

    Salzgitter – Aurubis und Sparprogramm drehen das Ergebnis

    Am 11. August hat Salzgitter die Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 vorgelegt. Das EBITDA VX stieg auf 459,0 Mio. EUR, im Vorjahreszeitraum lag der Wert bei lediglich 116,8 Mio. EUR. Je Aktie blieben 0,74 EUR übrig, nach einem Minus von 1,68 EUR im ersten Halbjahr 2025. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 erwartet der Vorstand einen Umsatz von etwa 10,0 Mrd. EUR, ein EBITDA VX von 725 bis 825 Mio. EUR und ein Ergebnis vor Steuern VX von 325 bis 425 Mio. EUR.

    Der Gewinnsprung kam zu einem großen Teil aus der Beteiligung an Aurubis, die 193,0 Mio. EUR zum Ergebnis beisteuerte. Hinzu kamen 97 Mio. EUR zusätzliche Einsparungen aus dem Effizienzprogramm P28 sowie bessere Geschäfte in den Bereichen Stahl, Handel und Technologie. Das Sparprogramm hat dem Ergebnis Beine gemacht. Die Niedersachsen hängen damit zwar stark an einer einzelnen Beteiligung, doch auch das operative Geschäft hat sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Das Unternehmen selbst weist auf eine begrenzte Prognosesicherheit hin, etwa wegen geopolitischer Unsicherheiten.

    Auch strategisch hat sich einiges getan. Salzgitter hat sich die Hüttenwerke Krupp Mannesmann in Duisburg vollständig einverleibt, und der Zukauf soll nach Unternehmensangaben einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag zum bereinigten Ergebnis beisteuern. Die Elastomertechnik von Klöckner DESMA hat der Konzern abgegeben. Die Nettofinanzschulden des Konzerns lagen zum 30. Juni bei 792 Mio. EUR und blieben trotz hoher Investitionen in das Dekarbonisierungsprojekt SALCOS stabil. Gelingt der Umbau der Stahlerzeugung, könnte Salzgitter vom Zollschutz profitieren, der die Einfuhren aus Drittländern begrenzt.


    Der Umbau der europäischen Stahlindustrie ist in vollem Gang. thyssenkrupp hat sich mit der Stahlsparte klare Mittelfristziele gesetzt und legt operativ zu. Strategic Resources arbeitet am Pelletwerk in Port Saguenay und hat mit FutSteel einen Forschungspartner für sein finnisches Erzkonzentrat gefunden. Salzgitter verdient wieder Geld und hat mit den Hüttenwerken Krupp Mannesmann einen neuen Standort in Duisburg gewonnen. Jeder der drei liefert einen Baustein für die Stahlwende, vom Rohstoff bis zum fertigen Blech, und der Zollschutz der EU gibt dem Umbau Rückhalt. Alle drei arbeiten am selben Ziel.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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