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18.08.2026 | 05:30

Tickende Zeitbombe Luftraum: Rheinmetall, Volatus Aerospace und DroneShield profitieren von der kritischen Lage

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Bildquelle: Pixabay

Der Zwischenfall Anfang August auf dem Flughafen Leipzig, bei dem glücklicherweise eine Drohne mit Semtex-Sprengstoff nicht gezündet werden konnte, zeigt, wie verwundbar die Sicherheitsarchitektur nicht nur in Deutschland ist. Oftmals gelingt es zwar, die Eindringlinge zu erfassen, doch ein aktives Eingreifen ist manchmal nur schwer möglich. Diese neue Gefahr treibt den Milliardenmarkt der Drohnenabwehrtechnologien an. Doch die Betreiber kämpfen mit regulatorischen Grauzonen, während die Nachfrage nach oben schießt. Wir sehen uns heute daher den Rüstungsgiganten Rheinmetall, den Drohnenspezialisten Volatus Aerospace und den Drohnenabwehrspezialisten DroneShield genauer an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: RHEINMETALL AG | DE0007030009 , VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , DRONESHIELD LTD | AU000000DRO2

Inhaltsverzeichnis:


    Rheinmetall - Rekordhalbjahr mit Schattenseite

    Rheinmetall hat am 6. August die Halbjahreszahlen vorgelegt, und sie lesen sich auf den ersten Blick sehr positiv. Der Konzernumsatz stieg im ersten Halbjahr um 39 % auf 5,227 Mrd. EUR. Das gute Ergebnis ist vor allen Dingen auf das 2. Quartal zurückzuführen, das allein 69 % Wachstum auf 3,289 Mrd. EUR brachte. Das operative Ergebnis konnte mit 786 Mio. EUR um 74 % gesteigert werden und übertraf die Analystenschätzungen deutlich. Die operative Marge erreichte im Halbjahr 15,0 %, im 2. Quartal allein 17,1 %, ein neuer Höchstwert. Der Auftragsbestand liegt bei rund 80 Mrd. EUR, wobei der Auftragseingang auf 16,2 Mrd. EUR zulegte, ein Plus von 28 %.

    Die Kehrseite der Medaille ist der operative freie Cashflow, der auf -1,616 Mrd. EUR abrutschte. Das ist ein Minus von rund 1,0 Mrd. EUR im Vergleich zum Vorjahr. Hauptgrund sind massive Investitionen in neue Kapazitäten und der Vorratsaufbau zur Abwicklung der bestehenden Bestellungen. Außerdem hat den Konzern der Verlust des F126-Marineprogramms hart getroffen. Durch die Stornierung fielen im Auftragseingang rund 20 Mrd. EUR weg. Dementsprechend rechnet Rheinmetall mit einem Umsatzausfall von bis zu 300 Mio. EUR im Marinebereich in diesem Jahr. Die Jahresprognose wurde entsprechend auf 13,7 bis 14,2 Mrd. EUR angepasst. Das Management hat auf den schwachen operativen freien Cashflow reagiert und will in Zukunft nur noch 8 bis 9 % des Umsatzes investieren, anstatt wie zuletzt rund 16 %.

    Neben der Fahrzeugautonomie setzt Rheinmetall verstärkt auf Drohnentechnologie. Im Juli startete ein Projekt zur gekoppelten Führung von Aufklärungsdrohnen und bodengebundenen Systemen, bei dem die PATH-KI als zentrale Steuerungseinheit dient. Im August folgte die Ankündigung einer strategischen Partnerschaft für taktische Kleinstdrohnen, die sich nahtlos in das digitale Gefechtsfeld einbinden lassen. Die Eröffnung des britischen Kompetenzzentrums für autonome Systeme wurde entsprechend um einen Drohnen-Schwerpunkt erweitert. Damit untermauert der Konzern seinen Anspruch, künftig ganze Systemverbünde aus Luft- und Bodenplattformen zu liefern.

    Volatus Aerospace – mit neuen Partnerschaften

    Volatus Aerospace befindet sich mitten in einer Metamorphose. Das Unternehmen kommt ursprünglich aus der kommerziellen Pipeline-Inspektion und hat sich in der letzten Zeit zunehmend zu einem Anbieter für die Verteidigungstechnologie entwickelt. Die Produktionskapazitäten wurden mit der Eröffnung der 53.000 Quadratfuß großen Produktionsstätte in Mirabel deutlich ausgebaut. Dort laufen bereits die ersten Fertigungslinien für Docking-Stationen. Später soll auch die V-Serie hier in Produktion gehen. Das Management geht von einem jährlichen Umsatzpotenzial von bis zu 250 Mio. CAD aus dieser Anlage aus.

    Besonders spannend sind die jüngsten Kooperationen. Die strategische Partnerschaft mit Kraus Hamdani Aerospace bringt die K1000ULE ins Spiel. Das ist ein ultralanglebiges autonomes Fluggerät mit über 6.000 Einsatzstunden bei US-Militärmissionen. Am 4. August hat man bekannt gegeben, dass man gemeinsam Singular Aircraft FlyOx 1, ein schweres Amphibienflugzeug für die Waldbrandbekämpfung mit einer Löschmittelkapazität von 1.560 Litern, in Kanada einführen will. Beide Vereinbarungen erweitern nicht nur die Einsatzbereiche, sondern können mittelfristig auch die Fertigung in Mirabel auslasten. Das ist ein kluger Schritt, denn die kanadische Regierung hat beschlossen, 70 % der Rüstungsinvestitionen an kanadische Produzenten zu vergeben.

    Zuletzt hat das Unternehmen Zahlen für das 2. Quartal vorgelegt. Der Umsatz von 8,4 Mio. CAD ist ein Plus von 49,5 % gegenüber dem Vorquartal. Das Ergebnis wäre deutlich besser ausgefallen, wenn ein Verteidigungsauftrag über 2,6 Millionen CAD nicht das Ergebnis belastet hätte. Die Bruttomarge sank auf 29,3 %, was auf einen veränderten Produktmix zurückzuführen ist. Mit 59,2 Millionen CAD an Cash verfügt das Unternehmen über ausreichend Kapital für die weitere Wachstumsphase. Das Unternehmen hat die Weichen gestellt. Jetzt gilt es, die Kapazitäten und Kooperationen in Wachstum zu überführen.

    DroneShield – mit neuer Technologie

    Am 10. August hat DroneShield mit RfRecon eine neue Generation ihrer Drohnenabwehrtechnologie vorgestellt. Die portable Funkaufklärungslösung vereint Breitband-Spektrumerfassung mit der hauseigenen KI-Analyse RfAI-3 und ermöglicht es, Funksignale von 100 MHz bis 7,1 GHz kontinuierlich zu erfassen. Es wird die erste Plattformgeneration, die einen Anteil wiederkehrender Softwareumsätze von bisher 10-15 % haben soll. Das Unternehmen hat erkannt, dass reine Hardwareverkäufe die Investoren langfristig nicht überzeugen werden. Bei einem Service- und Abonnementmodell könnten die Investoren aufgrund der Planbarkeit besser schlafen.

    Ende Juli vermeldete das Unternehmen einen 23,2 Mio. AUD Auftrag eines europäischen Militärkunden über fahrzeugmontierte Abwehrsysteme. Damit hat man mit einem gesicherten Umsatzvolumen von 206 Mio. AUD bereits heute zu 95 % den Rekordumsatz aus dem Vorjahr erreicht. Die Bruttomarge lag im ersten Halbjahr bei geschätzten 60 %, etwas niedriger als im Vorjahreszeitraum. Während das Unternehmen für 2026 ein Umsatzwachstum von 15-25 % prognostiziert, sehen Analysten von Jefferies die Aktie mit einem Kursziel von 2,05 AUD. Sie kürzten ihre Prognosen um rund 16 %, weil zu wenig Großaufträge vermeldet wurden.

    Der Markt für Drohnenabwehr wächst rasant. Allein in den USA sind 21 Mrd. USD im Haushaltsentwurf 2027 eingeplant. DroneShield hat sich mit Kunden in über 70 Ländern und 500 Mitarbeitern eine solide Position erarbeitet. Die hohe Shortquote von über 12 % und die laufende ASIC-Untersuchung belasten jedoch das Vertrauen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob sich die neue Produktplattform durchsetzen und die Großaufträge generieren kann, die die Analysten sehen wollen. Außerdem bleibt die Frage, ob sich das Geschäftsmodell erfolgreich in Richtung wiederkehrender Erlöse verschieben lässt.


    Der Leipziger Drohnenzwischenfall offenbart eine gefährliche Sicherheitslücke – und befeuert gleichzeitig einen Milliardenmarkt, der an regulatorischen Grauzonen krankt. Rheinmetall glänzt mit Rekordzahlen und Margen, kämpft jedoch mit negativem Free Cashflow und dem Fregatten-Auftragsverlust. Volatus Aerospace treibt die Transformation zum Verteidigungsanbieter mit neuen Produktionskapazitäten und Partnerschaften voran. DroneShield setzt auf wiederkehrende Softwareerlöse und einen Großauftrag, belastet von Analystenskepsis und behördlichen Untersuchungen.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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